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So gelingt der Neustart

Wie Veränderung klappen kann

Stand: 23.12.2020

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Veränderung ist der Motor allen Seins. Allerdings macht der Alltag es unserem Willen zu Neuerungen nicht gerade leicht. Wir geben Ihnen Tipps, mit denen der Neustart gelingen kann.

Winter. Draußen ist es kalt und trübe, doch im Erdreich stehen alle in Startposition. Neue Blätter! Neue Blüten! Neue Früchte! Das steckt an: Wir schmieden Pläne, möchten uns langgehegten Herausforderungen stellen und an der einen oder anderen Stellschraube unseres Lebens drehen. Mehr Sport! Mehr Engagement! Endlich selbstständig arbeiten! Friedlicher mit den Mitmenschen umgehen! Empathischer kommunizieren! Öfter mal in Kultur machen!

Veränderung ist der Motor allen Seins. Und wie jeder Samen weiß, was er werden soll und diesem Ergebnis mit aller Kraft entgegenarbeitet, tragen auch wir eine Art Blaupause unseres besten Selbst in uns. Wir ahnen und fühlen sie – und streben dahin. Der Alltag jedoch macht es unserem Willen zur Veränderung nicht leicht. Besonders in Zeiten wie diesen, da die Pandemie, der Klimawandel und gesellschaftliche Erschütterungen die Fixpunkte unseres Lebens an vielen Stellen bröckeln lässt, fürchten wir, durch eine mutwillig herbeigeführte Veränderung noch mehr Unsicherheit zu erleben. Andersherum: In Zeiten, da es uns super geht, hocken wir festgetackert in unserer Komfortzone, zu bequem, um frischen Wind in unser Dasein zu bringen. „Muss das denn sein?“, mault der Faulpelz in uns. Gegen die Gene kannst du doch eh nix machen. Du bist halt, wie du bist.

Wir sind die Gestalter unseres Seins

 
Stimmt nicht. Persönlichkeit und Verhalten sind wandelbar. Das Erbgut setzt sozusagen das Areal fest, innerhalb dessen wir spielen und modifizieren können. Das haben Hirnforschung und Epigenetik hinlänglich bewiesen. Wir sind nicht Sklaven unseres Charakters, sondern Gestalter unseres Seins.

„Unser Gehirn ist dafür verantwortlich, wer wir sind und wie wir uns verhalten“, erläutert Hypnose-Coach Thimon von Berlepsch. „Und weil wir unser Gehirn im wahrsten Sinne des Wortes modellieren können, allein mit der Kraft unserer Vorstellung, können wir schlussendlich auch ändern, wer wir sind.“ Doch wie geht das? Unser Gehirn funktioniert wie ein Computer. In der Kindheit wurden uns durch Eltern, Freunde, Schule und Umwelt Programme aufgespielt, und durch eigene Erfahrungen in Jugend und Adoleszenz ergänzt. Alles ist im Unterbewusstsein gespeichert. Manche Programme sind gut für uns, andere blockieren uns.

„Wenn wir also eine Veränderung bewirken wollen, müssen wir das Unterbewusstsein ansprechen“, so von Berlepsch. „Dort können wir neue Programme etablieren, alte umprogrammieren oder ganz löschen. Alles, was wir hier verändern, wird sich auf unsere Lebensweise auswirken.“

Allerdings haben wir einen inneren Kontrolleur: „Weil die Konsequenzen einer Veränderung im Unterbewusstsein so weitreichend sind, wird es vom kritischen Geist geschützt.“ An dem müssen wir also vorbei. Und das geht am besten im sogenannten Theta-Zustand – kurz vorm Einschlafen oder Aufwachen. Ein Hypnose-Therapeut kann uns mit wenigen Worten in diesen Zustand bringen, um dann den von uns gewünschten Zustand wie eine neue Software aufzuspielen. Auf diese Weise lässt sich nicht mehr Dienliches löschen und durch selbstbestimmtes Denken, Handeln und Fühlen in der Liebe wie im Beruf ersetzen. Wer sich nicht darauf einlassen möchte, kann es mit Selbsthypnose probieren, die nach demselben Prinzip funktioniert. Wir füttern unser Unterbewusstsein dabei mit Gedanken, Glaubenssätzen und vor allem mit Bildern des von uns gewünschten Ergebnisses.

Positives Denken & positives Fühlen

 
Eine andere Form hat die US-Psychologin Marilee Adams entwickelt: „Question Thinking“. Grundlage für die Methode lieferte ein Erlebnis als Studentin, als sie eine saftige Kritik ihres Professors einstecken musste. Denn irgendetwas in ihr machte „Klick“. Statt sich – wie sonst – anzuklagen, stellte sie sich die Frage: Wie kann ich das Ganze besser machen? „Anstatt im Sumpf der Selbstverurteilung stecken zu bleiben, hatte ich mich auf die Zukunft ausgerichtet, mit dem Ziel, meine Texte zu verbessern.“ Ein Umschaltprozess, aus dem die Psychologin eine Erkenntnis gewann: „Unser gesamtes Handeln wird durch innere Fragen angetrieben, die wir an uns richten, egal, ob wir uns dessen bewusst sind oder nicht. Selbst jede einfache Aktivität basiert auf solchen Fragen.“ Um unser Denken und Handeln sowie die Ergebnisse zu verändern, müssen wir also die Fragen verändern.“

In ihrem Coaching-Report (s. Kasten Buchtipps) beschreibt sie ein einleuchtendes Beispiel aus der Geschichte. Nomadische Gesellschaften wurden vor Langem von der Kernfrage angetrieben: Wie gelingt es uns, zum Wasser zu kommen? Was sie weiterhin zu Nomaden machte. Als sie sich die Frage stellten „Wie erreichen wir, dass das Wasser zu uns kommt?“ wurde ein Entwicklungssprung der Menschheit hin zu Bewässerung und Landwirtschaft eingeleitet. Für unseren Alltag bedeutet das: Denken Sie Ihre Frage neu. Wichtig dabei ist: Es muss eine positive Frage sein, keine positive Affirmation.

Positive Gefühle erzeugen
 

„Positives Denken ist klasse und ungemein hilfreich, aber allein reicht es niemals aus, um tiefgreifende wichtige Veränderungen in unser Leben zu bringen“, so das Coaching-Paar Sonja Ariel und Siranus Sven von Staden. „Solange das positive Denken kein positives Gefühl erzeugt, solange Sie also nicht auch positiv fühlen, was Sie affirmieren, und es bewusst in Ihr Leben einladen, sind all die tollen Worte für die Katz.“ Denn positive Sätze wie „Ich liebe es, zum Sport zu gehen“ rufen sofort unseren inneren Kritiker auf den Plan: „Ach ja? Tu doch nicht so! Deine Oberschenkel sehen aus wie ...“ und so weiter und so fort. Schrecklich.

Um diese böse Stimme in uns zum Schweigen zu bringen, benötigt unser Verstand einen Kick durch eine kurze, in der Gegenwart formulierte Powerfrage: „Warum gehe ich so gern zum Sport?“ Da unser Gehirn nicht unterscheidet zwischen Imagination und Realität, sucht der Verstand auf die positive Frage entsprechende Antworten: Weil ich mich danach so super fühle! Weil ich meinem Körper etwas Gutes tue! Weil ich diese Auszeit genieße! Weil ich endlich den perfekten Sport für mich gefunden habe! Das nennt man Selbstcoaching.

Durch die tägliche Wiederholung von Powerfrage und Powerantworten wird, gemäß dem psychologischen Kreislauf aus Denken – Fühlen – Verhalten, ganz allmählich der gewünschte Veränderungsprozess in Gang gesetzt. Wer sich mit Worten schwertut, kann seine Vorsätze aber auch ganz einfach malen. 

Mein Wundertag! Die Kraft der Imagination


Gut zu wissen:
Wenn wir etwas verändern möchten, hilft uns die Kraft der Imagination. Lassen Sie sich an Ihrem nächsten freien Tag früh und mit sanfter Musik wecken. Bleiben Sie liegen und stellen Sie sich vor, ein Wunder wäre geschehen und Ihr Wunsch wäre wahr geworden.
Zum Beispiel: Sie möchten morgens vor der Arbeit gerne joggen, haben aber die Kurve bislang nicht bekommen. Sehen Sie sich nun, wie Sie Trainingskleidung und Laufschuhe anziehen, aus dem Haus treten und loslaufen, hören Sie die Geräusche und Ihren Atem, fühlen Sie, wie lebendig und kraftvoll Sie sich fühlen ... Die positive Auswirkung Ihres Plans vorab intensiv zu fühlen, motiviert Sie, Ihre Idee wirklich in die Tat umzusetzen! Viele Spitzensportler vom Profigolfer bis zur Biathlon-Athletin nutzen diese Methode.

Neurografik: Der bunte Weg zur Veränderung


Es klingt einfach: Zeichne dein Problem und überzeichne es dann, sodass ein neues Bild entsteht. Tatsächlich steht dahinter ein tiefgreifender Transformationsprozess aus

veränderten Hirnsynapsen und neu gebildeter Energie. „Sie können mit Neurografik zum einen Probleme und Herausforderungen aus der Vergangenheit, die Sie in der

Gegenwart belasten, lösen, aber auch auf die Zukunft hinarbeiten, sie sozusagen zeichnen, wie Sie Ihnen gefällt“, erklärt die Münchner Psychologin Dr. Doris Bürgel, die Online-Seminare in Neurografik hält und schon vielen Menschen geholfen hat, veränderungsresistente Blockaden und Konflikte in Beruf und Privatleben sichtbar zu machen und zu entschärfen.

„Zunächst wird das Problem auf Papier gekritzelt, danach diese Gestalt mit bestimmten Schritten, dem sogenannten Algorithmus, zeichnerisch verändert. Dabei folgen wir Ideen und Eingebungen, Emotionen kommen hoch und unser Körper reagiert.“ Dem einen tut plötzlich der Arm weh, die andere empfindet Kopfdruck. „Die vorübergehenden Symptome sind jedoch ein positives Zeichen, dass in Ihrem System etwas passiert.“ Was dabei herauskommt, ist ein Bild für neues Verhalten und zukünftiges Sein. Gezeichnete Veränderung, die es uns erleichtert, uns anders zu verhalten, zum Beispiel öfter zum Sport zu gehen oder disziplinierter zu essen.

Pavel Piskarev, Professor der Psychologie, Architekt,Künstler und Business-Trainer aus St. Petersburg, entwickelte die Methode vor sechs Jahren, indem er Ansätze aus der angewandten Psychologie, NLP und Gestalttherapie miteinander kombinierte. Mittlerweile arbeiten und lehren geschulte Trainer in vielen Ländern, wie Neurografik funktioniert; im Internet gibt es eine Vielzahl faszinierender Bilder zu sehen, die in dem Schaffensprozess entstehen.

Buchtipps zum Weiterlesen

„UPDATE für dein UNTERBEWUSSTSEIN“
von Thimon von Berlepsch
Ariston
18 €

„Die Kunst, die richtigen Fragen zu stellen – QT Question Thinking“
von Marilee Adams
dtv
10,90 €

„Frag dich glücklich – wie Powerfragen dein Leben verändern können“
von Sonja Ariel und Siranus Sven von Staden
Schirner Verlag
Buch 6,95 € / Kartenset mit 48 Karten 19,95 €

"Der Wald, vier Fragen, das Leben und ich“
von Tessa Randau
dtv
9,90 €



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