Schlau - Aktiv bleiben auch im Alter © stock.adobe / Jacob Lund Photography

Schlau ohne Stress

Wie wir die grauen Zellen auf Trab bringen

Stand: 23.12.2020

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Die Brille verlegt oder den Namen vergessen? Unser Gehirn lässt uns manchmal im Stich: Wie wir die grauen Zellen auf Trab bringen und den Abbauprozess natürlich verlangsamen können.

Was unser Kopf nicht kennt, fordert ihn heraus


Unser Gehirn wiegt ungefähr 1300 Gramm, besteht aus Fett, Wasser, Eiweiß und Kohlenhydraten und ist ein echtes Wunderwerk! 15 Milliarden Zellen und 100 Billionen Synapsen sorgen tagein, tagaus bis zu unserem letzten Atemzug dafür, dass wir singen, gehen, Sprachen erlernen, Songtexte und Gedichte auf ewig speichern und abrufen können. Es befähigt uns sogar zu unglaublichen Leistungen. Zum Beispiel sind wir in der Lage, Klavier spielen zu lernen – ohne eine Taste zu berühren. Einfach mit der Kraft unseres Geistes. Es herrscht effiziente Arbeitsteilung und perfekte Kooperation aller Hirnbereiche. Und damit das so bleibt, gilt es, unsere grauen Zellen optimal zu versorgen – ganz natürlich, ganz einfach und ohne Stress.

Einen der wichtigsten Stoffe zum Fitbleiben produziert unser Gehirn selbst: Dopamin. Die Produktion dieses Neurotransmitters springt an, sobald wir etwas Neues sehen, lesen, lernen und tun. Dabei ist es gleichgültig, ob wir auf Instagram News entdecken oder zum ersten Mal ein Werk von Banksy betrachten – entscheidend ist der Überraschungsmoment. Was unser Kopf nicht kennt, fordert ihn heraus – er muss arbeiten, sich anders verschalten. Und das hält ihn auf Trab!

Graue Zellen benötigen Energie


Ebenso wichtig ist frische Luft. Unsere grauen Zellen benötigen im Vergleich zu ihrem Anteil an der Körpermasse überproportional viel Energie. Die wird hauptsächlich über aerobe Stoffwechselprozesse erzeugt, die erhebliche Mengen an Sauerstoff verbrauchen. Lässt die Konzentration nach, werden die Augen schwer, müssen wir mindestens fünf Minuten querlüften oder, besser noch, einmal um den Block gehen. Nicht ohne Grund verlegen moderne Start-ups – und das nicht erst seit Corona! – ihre Meetings nach draußen auf sogenannte „brainwalks“.

Wer trotzdem müde auf dem Bürostuhl hängt, hat sicher außer drei Tassen Kaffee noch nichts getrunken. Unser Gehirn besteht zu 95 Prozent aus Wasser und schwimmt in der Hirnflüssigkeit, dem Liquor. Da wir durch Schwitzen und über die Blase häufig Wasser abgeben, brauchen wir ständig Nachschub. Vergessen wir das, schlaffen wir ab. Da wir keine Kamele sind und Flüssigkeit nicht auf Vorrat speichern können, sollten wir stündlich 200 Milliliter nachgießen. Das entspricht circa neun Schlucken Wasser.

Brainfood - Superbooster fürs Gehirn

Neben Flüssigkeit braucht unser Gehirn auch gutes Futter: brainfood. Denn obschon es lediglich zwei Prozent unseres Körpergewichts ausmacht, verbraucht es zehnmal soviel Energie. Die müssen wir ihm in Form von Glucose wieder zur Verfügung stellen. Empfehlenswert sind Snacks, die unser Energieniveau länger anheben als Süßes es kann, so z. B. Kürbiskerne, Heidelbeeren, Nüsse, Mandeln, Bananen, dunkle Schokolade. Wer sich darüber hinaus noch etwas richtig Gutes tun möchte, sollte zu Ginkgo greifen. Flavonoide und Terpentrilactone, die Inhaltsstoffe der Blätter dieses sagenumwobenen Baumes, erhöhen die Sauerstoffversorgung der Hirnzellen, verbessern die Durchblutung der kleinen Gefäße und unterstützen die Funktion von Botenstoffen, die Gedächtnis und Lernfähigkeit beeinflussen. Leider können wir diesen Superbooster fürs Gehirn nicht Blatt für Blatt knabbern, aber dafür gibt es zum Glück prima Produkte in Ihrem Reformhaus®.

3 Fragen an unseren Experten Hirnforscher Professor Gerald Hüther


Reformhaus® Magazin: Wie können wir unsere Kleinen darin unterstützen, ihr Gehirnpotenzial optimal zu entfalten?

Prof. Gerald Hüther: Am Anfang gibt es ein Überangebot an synaptischen Vernetzungen. Im folgenden natürlichen Entfaltungsprozess wird die Verbindung zum Körper hergestellt und das, was das Kind zu tun in der Lage ist. Kinder haben viel mehr Möglichkeiten, als man denkt. Darin liegt eine große Chance! Aber wenn das Kind merkt, dass es nicht so angenommen wird, wie es ist, wenn es zum Objekt elterlicher und schulischer Absichten und Vorstellungen gemacht wird, wird sein Grundbedürfnis nach Verbundenheit verletzt, und jenes nach Autonomie und der Freiheit, selbst zu entdecken und zu gestalten. Es lernt, beide Bedürfnisse zu unterdrücken und sich anzupassen. Ich vergleiche das gern mit dem Bild eines Gärtners, der einen Baum mit Draht zum Spalierobst züchtet, um maximale Ernte zu bekommen. Eltern, Lehrer, Peer-groups sind zufrieden, das Kind nicht. Es kann seine eigenen Möglichkeiten nicht entfalten.

Welche Folgen hat das für das kindliche Gehirn?

Offenheit und Lebendigkeit gehen verloren, Potenziale blockiert. Ein Beispiel: In der Schule werden die Kinder auf einen Platz gesetzt, müssen dort bleiben und dürfen sich nicht bewegen. Dadurch wird ein hemmendes Netzwerk über die Bereiche im Gehirn gelegt, die das Bewegungsbedürfnis und die Ausbildung motorischer Fähigkeiten steuern.

Wie kann man gegensteuern?

Gemeinsames Tun fördert den natürlichen Entfaltungsprozess des kindlichen Gehirns. Singen, tanzen, vorlesen und über die Geschichten reden. Vor allem aber: in den Wald gehen. Dort kann das Kind sich spielerisch mit dem befassen, was es als Lernraum entdecken will. Kinder, die oft in der Natur sind, können sich besser bewegen und ganzheitlicher denken. Es gibt bereits eine neue Generation junger Eltern, die das verstanden haben. Wenn deren Kinder in die Schule kommen, wird das die Schulen von innen heraus verändern.


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