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Neues Jahr, neues Glück

Viel gewagt und noch mehr gewonnen

Stand: 21.12.2021 (03.01.2022)

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Immer mehr Frauen und Männer um die 50 oder 60 möchten noch einmal bisher ungewohnte Wege ausprobieren, sei es beruflich oder privat. Vielleicht ist gerade jetzt der richtige Zeitpunkt dafür? Geschichten von Menschen, die viel gewagt und noch mehr gewonnen haben.

Sein früheres Berufsleben ist Dieter Bund noch in bester Erinnerung. Immerhin 24 Jahre war er, nach Buchhandelslehre und Lehramtsstudium für die Sekundarstufe II, in der Verlagsbranche tätig, zuletzt als Geschäfts- und Marketingleiter in einem großen Verlag. „Es war ja mein Traumjob“, sagt er, „immer vielfältig, spannend, inspirierend.“ Allerdings forderte der Traumjob auch steten Einsatz am Limit, 50- bis 60-Stunden-Wochen im Büro waren normal, erinnert sich der heute 61-Jährige. Und so hatten er und seine Frau Eva schon in den neunziger Jahren einen Ausgleich zum Stress gesucht: „Da sind wir beim Qigong gelandet.“

Um tiefer in die östliche Entspannungsmethode einzusteigen und weil er merkte, wie gut sie ihm tat, ließ sich Dieter Bund 2010/11 zum Lehrer für Qigong ausbilden – nicht ahnend, dass dies die Basis werden würde für seinen neuen Beruf. 2014 passierte nämlich, womit er nie gerechnet hatte: Er bekam die Kündigung. Ein Schock, ein Knall. Und der Anlass, darüber nachzudenken, was er noch wollte im Leben. Anfangs überwog noch das Bedürfnis nach Sicherheit, erzählt er, also suchte er eine Teilzeitstelle. Um festzustellen, Teilzeit gilt nicht im Verlag, erst recht nicht auf der Führungsebene. „Meine zwei Welten – hier die brodelnde Verlagsbranche, dort Gesundheit, Selbstfürsorge, Achtsamkeit – passten einfach immer weniger zusammen. Und da merkte ich, ich muss mich entscheiden.“ Entschlossen ging er in eine zweite Ausbildung zum Trainer für Stressmanagement. „Gerade die Kombination aus den östlichen Praktiken und den neuen westlichen Ansätzen in den Neurowissenschaften, die finde ich spannend und da hab ich dann auch meine Nische gefunden.“

Mut haben und dem Herzen folgen

Seit 2016 ist Dieter Bund jetzt als zertifizierter Stressmanagement-Trainer, Trainer für Selbstgesteuerte Neuroplastizität und Qigong-Lehrer tätig. Unterrichtet in Firmen und Bildungsinstitutionen – und an der Akademie für Gesundes Leben in Oberursel. Dabei profitiert er durchaus von Erfahrungen aus seinem alten Beruf. „Ich habe ja keine Scheu, vor Leute zu treten. Ich weiß auch, wie man Akquise betreibt und dass man sich nicht entmutigen lassen darf durch Absagen.“ Drei Standbeine hat er sich relativ schnell aufgebaut, mit KundInnen in Behörden und Bildungsträgern, in Firmen und privat. Gerade die kurzen Workshops bis zu drei Stunden kämen gut an, sagt er, Vorträge mit einfachen Entspannungs-Übungen. Tja – und dann kam Corona, und erst mal war Schluss mit der Lehrtätigkeit, zumindest mit der vor Ort. Aber er ließ sich nicht entmutigen, wich auf Online-Unterricht aus. So kann er auch in der weiter  andauernden Corona-Krise aktiv sein. „Für mich hat sich ein Kreis geschlossen“, sagt er. „Und ich hoffe, dass ich damit auch anderen Mut machen kann: dass man seinem Herzen, seiner Freude und seiner Lebendigkeit folgen und nicht vorzeitig kapitulieren sollte.“ 

Das taten auch die beiden Journalistinnen Susanne Walsleben und Valerie Höhne. 2017 hatten sie sich einen Wunschtraum erfüllt, die Redaktion verlassen und ein Café in Jesteburg nahe Hamburg eröffnet. Eigentlich war die lange Autofahrt zur Arbeit daran schuld, die sie gemeinsam absolvieren mussten. Oft stundenlang quälten sie sich mit der Blechlawine morgens in die Stadt zur Redaktion und abends wieder raus. Viel Zeit zum Reden, Träumen. Wie wäre es, wenn...? Ja wie wäre es, wenn man nicht täglich im Stau stehen müsste. Wenn man einen eigenen Laden hätte. Ein schönes Café? Für beide war klar, dass es nicht Nullachtfuffzehn sein durfte, sondern ein Ort mit Atmosphäre. In einem länger ungenutzten, ehemaligen Restaurant und Antik-Café fanden sie ihn dann tatsächlich, „den Ort, von dem wir geträumt haben, mit Charme, Gefühl und vielen Erinnerungen im alten Fachwerk.“

Im Januar 2017 eröffneten sie ihr „Café Book“. Bücher gibt es hier, wie der Name sagt, und Live-Kultur: Konzerte, Workshops, Kabarett. Und natürlich Köstliches für den Gaumen, tolles Frühstück, gesunde Snacks, Kuchen und Torten. Susanne und Valerie sind nach wie vor mit Herzblut dabei, jeden Kuchen und jede Quiche backen sie immer noch selbst. Viel Arbeit, viel Verantwortung, mittlerweile auch für einige Mitarbeiterinnen. Aber nochmal zurück in eine Redaktion? In den Stau? Das können sich die zwei nicht mehr vorstellen, trotz der langen und anstrengenden Durststrecke wegen Corona. Im letzten Winter mussten sie ihr Café vier Monate schließen. „Mit den Veranstaltungen müssen wir leider weiter abwarten“, sagt Susanne Walsleben, „aber das Café ist wieder gut besucht und wir hoffen einfach jetzt auf das Frühjahr, dass wir dann wieder mehr Live-Kultur bieten können.“

Etwas Neues liegt in der Luft

Viele von uns kennen das: Jahrelang läuft alles in vertrauten Bahnen, Familie, Alltag, Job. Wir fühlen uns geborgen zu Hause und bei Freunden, ernten Erfolg im Beruf und wenn wir abends schlafen gehen, hoffen wir, alles möge so bleiben. Und doch, eines Tages merken wir, dass Neues in der Luft liegt, vielleicht, weil die Kinder aus dem Haus gehen. Oder eine Beziehung endet. Und auch in einem erfüllten Leben kann es ja noch unentdeckte oder nie gelebte Wünsche geben. Ist uns erst einmal bewusst, dass wir aufbrechen wollen, erleben wir oft Erstaunliches. Zum Beispiel fallen uns Träume von früher wieder ein. „Ich wollte doch eigentlich ...“ Bei Dieter Bund gab die Kündigung den Ausschlag, bei Susanne Walsleben und Valerie Höhne die lange Autofahrt.

Und dann gibt es Menschen, die sind so neugierig auf das Leben, dass sie einfach immer noch dazulernen und Dinge ausprobieren möchten. Wie die Berufsbetreuerin Marie-Luise Klatetzki aus Marburg: Aus einer Familie mit Handwerkern und Bauern stammend, landete sie zunächst im Beruf der Krankenschwester. Doch nach der Ausbildung war ihr klar, dass sie mehr und anderes möchte. Mit 15 Nachtschichten im Monat verdiente sie das nötige Geld, um tagsüber ihr Abitur nachzuholen. Studierte Sozialarbeit und Musiktherapie, arbeitete in der Resozialisation mit straffällig gewordenen Jugendlichen, später in einer Klinik im Sozialdienst und Entlassungsmanagement für PatientInnen. Aber auch hier fühlte sie sich irgendwann unterfordert. „Ich glaube, es hat mit dem Charakter zu tun. Viele Menschen lieben ja ihre Routinen, aber ich bin wohl jemand, der neue Herausforderungen braucht.“ „Hummeln im Hintern“, nennt sie das lachend. „Die hatte ich schon in jungen Jahren, als ich die OP-Schwestern-Stelle gekündigt habe, um ein Jahr zu reisen.“ 2003 beginnt die Mutter zweier kleiner Töchter ihr Zweitstudium, schließt als Diplom-Pädagogin ab, arbeitet parallel weiter im Krankenhaus. Aber Umstrukturierung und Sparzwänge missfallen ihr, lange hadert sie damit – bis sie 2017 an dem Punkt ist, dass sie das nicht weiter mittragen möchte. Sie reduziert auf halbtags, absolviert Kurse und Praktika, um in die Selbstständigkeit als Berufsbetreuerin zu gehen. Ein mutiger Schritt nach 25 Jahren im öffentlichen Dienst!

Es gibt nicht nur einen Weg

„Wir wissen nicht, was wir vermissen, bevor es uns nicht begegnet ist“, lautet ein Sprichwort, das sagt: Es gibt in unserem Leben nicht nur einen Weg, sondern viele. Mit 30 zählen andere Prioritäten als mit 40, 50 oder 60. Und plötzlich tauchen diese Fragen auf: Wo stehe ich? Was will ich noch erleben? Und wann? Marie-Luise Klatetzki hat viele solcher Wendepunkte erlebt und gemeistert. Und sie bringt die Kraft auf, sich als Berufsbetreuerin mit den oft extrem bedrückenden Problemen und traurigen Schicksalen von Menschen zu befassen, die in ihrem Leben abgerutscht sind. „Vieles fordert mich auch seelisch“, sagt sie, „lässt mich nachts nicht ruhig schlafen. Aber es gibt eben auch manchen schönen Erfolg.“ Und dann berichtet sie von dem Obdachlosen, der sich aus Verzweiflung schon vor einen Zug werfen wollte – und der nun dank ihres Engagements wieder eine eigene Wohnung hat und ambulante Dienste, die sich um ihn kümmern. 

Sich nochmal ganz neu erfinden im Beruf erfordert Ausdauer und Disziplin. Aber natürlich kann die Suche nach einer neuen Aufgabe, die dem Leben Sinn und Freude gibt, durchaus auch im Privaten stattfinden. Für die Geschäftsfrau und geprüfte Gesundheitsberaterin Marion von Sobbe – sie leitet mit ihrem Mann die Korea Ginseng Vertriebs GmbH in Lohmar – ist es seit etwa zehn Jahren der Tennis-Sport, der ihr unverhofft eine ganz neue Welt eröffnet hat. Denn als Unternehmerin und Mutter dreier erwachsener Kinder blieb nie Zeit für ein Hobby, aber dann gingen ihre Kinder zum Tennis – und nahmen sie einfach mit. „Das Tolle war, dass ich direkt in den Mannschaftssport kam. Und damit in die Turniere der Tennisclubs.“ Zu ihrer eigenen Überraschung gewann sie in ihrem ersten Wettbewerb gleich zweimal, Einzel und Doppel. „Das Glücksgefühl, diese Euphorie, das werde ich nie vergessen“, erzählt die 62-Jährige lachend, „ich kannte das ja gar nicht, aber ich war so begeistert, dass ich seitdem für Wettkämpfe brenne.“

Eine ganz neue Welt eröffnet sich

Auch das Leben des früheren Buchhalters Leonhard Doetsch hat sich durch den Sport komplett verändert. Vor mehr als 30 Jahren fragte ihn ein Arbeitskollege, ob er Lust habe, mit ihm eine Runde auf dem Sportplatz zu laufen – doch als sein Kollege nach Runde 15 aufhörte, lief „der Leo“, wie ihn alle liebevoll nennen, immer weiter, lief und lief..., nur zwei Jahre später bestritt er den ersten Marathon, 88 weitere sollten folgen. Denn nun nutzt er die Wettkämpfe zum Reisen. Zürich, Berlin, Rom und Barcelona, die schönsten Städte hat er zu Fuß erkundet, oft in Bestzeit in seiner Altersklasse, gründete zudem an seinem Wohnort Essen einen Lauftreff. Und wenn er auch jetzt als Rentner keine 42 km mehr am Stück läuft, kurze Läufe und spazieren gehen im Wald bleiben sein Lebenselixier. Kein Wunder, dass ihm keiner seine 78 Jahre glaubt, so fit wie er wirkt.

„Wenn du etwas haben willst, was du noch nie gehabt hast, musst du etwas tun, was du noch nie getan hast.“ Der kluge Satz stammt von dem Psychotherapeuten Nossrat Peseschkian. Nur: Was ist es, das ich haben will? Was fehlt mir noch? Soll ich mich selbstständig machen? Ein Wohnprojekt auf einem Bauernhof gründen? Auf Weltreise gehen? Klavier spielen oder Tango tanzen lernen?  Und: Wie kann ich das herausfinden? Eine Möglichkeit besteht darin, sich ein wenig in die Zukunft zu träumen. Wie, wo, mit wem lebe ich in fünf Jahren? Soll alles so bleiben, eingespielt, vertraut? Oder soll es neu und aufregend sein? Wenn wir uns ab und zu Zeit nehmen für solche Fragen, machen wir uns nicht nur unsere Stärken und Vorlieben, sondern auch unsere ungelebten Wünsche und Träume wieder ein Stück bewusster. Und das hilft, auf dem riesigen Basar der Möglichkeiten jene auszuwählen, die wirklich zu uns passen.

Weitere Infos

Hier finden Interessierte die Seminare von Dieter Bund in Oberursel, z. B. Yin und Yang. Emotionen und Organe in Balance (25. bis 27. Februar oder vom 27. bis 29. Mai) 
www.akademie-gesundes-leben.de

Original Roter Ginseng von KGV finden Sie in Ihrem Reformhaus®. Die Fachkräfte im Reformhaus® beraten Sie gerne.
www.kgv-ginseng.de

Hier finden Interessierte bundesweit Lauftreffs, auch den von „Leo“
www.laufen.de/dlv-treffs.de

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