Wasserverbrauch: Über den Durst

Wie wir weniger Trinkwasser vergeuden

Stand: 24.06.2021 (30.06.2021)

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Die Hitze des Sommers macht der Natur und dem Menschen zu schaffen, in einigen Regionen Deutschlands kann das Wasser auch in diesem Sommer knapp werden. Die Lösung des Problems ist einfach: weniger Wasser vergeuden – und mehr trinken.

Wir dürfen uns auch mal loben. Während in manchen Ländern sehr leichtfertig das Trinkwasser verbraucht wird, gehen wir hierzulande sparsamer damit um: Der tägliche Verbrauch ist von etwa 147 Litern im Jahr 1990 auf etwa 125 Liter im Jahr 2019 gesunken. Die Sparsamkeit hatte bislang vor allem wirtschaftliche Gründe, denn in vielen Wohnungen läuft eine Wasseruhr, und einmal im Jahr wird abgerechnet – wer Wasser spart, der spart auch Geld. Einen Mangel gab es bis vor einigen Jahren nicht, denn im Vergleich mit vielen anderen Ländern ist die Versorgung in Deutschland gut: Im Winter und im Frühjahr regnet es viel, dadurch gibt es meistens reichlich Grundwasser, aus ihm kommt der größte Teil des Trinkwassers. Etwa 30 Prozent stammen aus sogenanntem Oberflächenwasser, also aus Flüssen, Seen und aus Sammelbecken für Regen.

Gerade wenn Wasser knapp wird, steigt der Verbrauch

Doch seit einigen Jahren werden die Folgen des Klimawandels auch in Deutschland spürbar – die letzten Sommer waren besonders heiß und trocken, damit sank der Grundwasserpegel. Wegen der trockenen Böden nahm der Wasserverbrauch in der Landwirtschaft zu, auch in privaten Haushalten wurden mehr Blumen und Bäume gegossen; der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft hat in den letzten Jahren an besonders heißen Tagen einen Anstieg des Wasserverbrauchs um bis zu 60 Prozent beobachtet.

Im Sommer 2020 führte die Wasserknappheit in einigen Regionen zu echten Engpässen: In Borgholzhausen in Nordrhein-Westfalen liefen zwei von drei Grundwasserbrunnen leer, in Simmern-Rheinböllen in Rheinland-Pfalz durften Autos nicht mehr zu Hause gewaschen, Planschbecken nicht gefüllt und Rasen nicht gewässert werden – ein Rasensprenger verbraucht bis zu 800 Liter Wasser pro Stunde. Dass diese Probleme bundesweit an Bedeutung gewinnen werden, zeigt eine Initiative des Bundesumweltministeriums. Im Sommer dieses Jahres will es eine Nationale Wasserstrategie vorstellen, die erklärt, wie in Zukunft mit der Ressource Wasser umgegangen werden soll.

Geschützte Wasserqualität dank Trinkwasserverordnung

Während man also über die Verwendung des Wassers in Deutschland neu nachdenken wird, steht seine Qualität außer Frage, denn die wird geschützt durch die Trinkwasserverordnung – sie stellt sicher, dass das Wasser streng kontrolliert wird und dass es so gering wie möglich verunreinigt ist. Um so unverständlicher ist es, dass die Deutschen von dem wertvollen Gut, das sie ins Haus geliefert bekommen, häufig nicht genug trinken. Nach einer Studie der Techniker Krankenkasse aus dem Jahr 2019 nehmen nur 73 Prozent aller Männer und sogar nur 60 Prozent aller Frauen genügend Flüssigkeit zu sich. Das ist problematisch: Der Körper eines Erwachsenen besteht zu 50 bis 65 Prozent aus Wasser, es löst Vitamine und Mineralien aus der Nahrung und trägt sie zu den Zellen. Außerdem spült es Gifte aus dem Körper heraus, etwa 1.700 Liter Blut werden jeden Tag durch die Nieren gefiltert.

Auf einen Mangel an Wasser reagiert der Körper empfindlich: Das Gehirn besteht zu rund 77 Prozent aus Wasser, und wer zu wenig trinkt, kann schnell Kopfschmerzen und Konzentrationsstörungen bekommen. Durch den sinkenden Anteil an Flüssigkeit verdickt sich zudem das Blut – eine Last für Herz und Kreislauf. Auf Dauer können sogar Nierensteine entstehen, weil Schadstoffe aus den Nieren nicht gründlich genug herausgespült werden. „Wenn ich erst trinke, sobald ich durstig bin, ist es eigentlich schon sehr spät“, sagt Tanja Pötschke, Oecotrophologin an der Klinik für Naturheilkunde in Hattingen-Blankenstein, einer Einrichtung des Katholischen Klinikums Bochum. „Damit die Organe richtig funktionieren können, brauchen wir einen möglichst gleichbleibenden Wasseranteil am Körpergewicht, und dafür müssen wir genug trinken.“

Heißhunger kann auch Durst sein

Das Trinken ist dabei nur ein Element in einer Wasserbilanz aus mehreren Bestandteilen. Einerseits gelangt Flüssigkeit durch das Essen und Trinken in den Körper, zusätzlich entsteht Wasser als Nebenprodukt des Stoffwechsels. Andererseits gibt der Körper durch Urin, Haut, Lunge und Verdauung wieder Wasser ab. 

„Dünn- und Dickdarm entziehen dem Stuhl die Flüssigkeit und geben ihm seine halbfeste Form“, sagt Tanja Pötschke. „Wenn von vornherein zu wenig Wasser im Nahrungsbrei war, kann der Stuhl zu fest werden und es kann eine Verstopfung entstehen.“ Manchmal kommt es auch vor, dass der Körper bei einem Flüssigkeitsmangel zwar ein Signal sendet, dieses Signal aber nicht richtig eingeordnet wird: Was als Hungergefühl ankommt, ist mitunter ein missverstandener Durst. Darum ist es sinnvoll, sich bei einem Heißhunger zu fragen, wie lange die letzte Mahlzeit zurückliegt. Oft verschwindet er nach einem Glas Wasser wieder.

Ziel: anderthalb Liter Wasser, über den Tag verteilt trinken

Die Angaben darüber, wie viel insgesamt pro Tag getrunken werden soll, sind nicht immer einheitlich, denn häufig werden Begriffe nicht sauber voneinander getrennt. „Manchmal wird empfohlen, wie viel wir trinken sollen, und manchmal wird angeraten, wie viel Flüssigkeit wir zu uns nehmen sollen“, sagt Tanja Pötschke. „Das ist aber ein Unterschied: Die Flüssigkeit gelangt nicht nur durch das Trinken in unseren Körper, sondern auch beim Essen, vor allem durch rohes Obst, Salat und gekochtes Gemüse.“ Die Ernährungsberaterin arbeitet regelmäßig mit Menschen mit chronischen Krankheiten, darunter Arthritis, Rückenschmerzen, Hauterkrankungen, Diabetes und Übergewicht; viele ihrer Patienten bleiben für etwa zwei Wochen in der Klinik.

Kann sie einige Grundregeln formulieren, die sich im Alltag gut umsetzen lassen? „Zwei Drittel der Flüssigkeitszufuhr sollten über Getränke abgedeckt werden und ein Drittel über Obst und Gemüse“, sagt sie. „Sehr wasserhaltig sind grüne Salate, Gurken, Tomaten, gekochtes Gemüse wie Spargel, Zucchini, Chinakohl und Broccoli. Viel Wasser enthält auch Obst wie Wassermelonen, Orangen und Äpfel.“

Und wie viel sollen wir trinken?

Und wie viel soll man nun genau trinken? Pötschke empfiehlt sechs Gläser Wasser mit einem Volumen von jeweils etwa einem Viertelliter, also insgesamt rund 1,5 Liter, verteilt über den Tag – das ist leicht zu merken und es entspricht der Menge, die von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung empfohlen wird. Das ist jedoch eine Regel für den allgemeinen Alltagsgebrauch; bei stärkerer Belastung braucht der Körper mehr. „Der Bedarf ist erhöht, wenn man viel Sport treibt oder körperlich schwer arbeitet“, warnt Tanja Pötschke. „Auch die Ernährung spielt eine Rolle: Salz und Abbauprodukte von Eiweiß werden über die Nieren ausgeschieden. Wer also viel Salz und Eiweiß zu sich nimmt, sollte auch mehr trinken.“ In der heißen Jahreszeit verliert der Körper mehr Wasser, um sich durch die Verdunstung auf der Haut zu kühlen, darum ist es je nach Temperatur und körperlicher Belastung sinnvoll, sogar bis zur doppelten Menge zu trinken. Den Sport sollte man dann auf den Abend oder den Morgen legen, um nicht in der heißen Mittagszeit zu trainieren und noch stärker zu schwitzen.

Überhaupt ist bei vielen Menschen schon morgens Bewegung erwünscht, nämlich seitens der Darmmuskulatur – ein guter Grund, um gleich nach dem Aufstehen mit bewusstem Trinken zu beginnen. „Am besten startet man den Tag mit einem großen Glas Wasser“, sagt Tanja Pötschke. „Das füllt die Flüssigkeitsreserven wieder auf, dämpft das Hungergefühl vor dem Frühstück und regt die Darmtätigkeit an. So beginnt man den Tag mit mehreren positiven Effekten.“

Mit diesen Tricks schaffen Sie es, jeden Tag genug zu trinken

  • Ein Glas Wasser vor jeder Mahlzeit. Das hilft, weniger zu essen, und es macht regelmäßiges Trinken zur festen Gewohnheit.
  • Entdecken Sie scharfe Gerichte. Zutaten wie Ingwer, Pfeffer oder Chili verstärken den Durst und machen es leichter, mehr Getränke zu sich zu nehmen.
  • Unterwegs Wasser mitnehmen. Auf Reisen oder im Beruf gibt es viele Ablenkungen, dadurch tritt das Trinken oft in den Hintergrund. In einer Kunststoff- oder Metallflasche, wie sie beim Sport oder beim Wandern gebraucht wird, kann man leicht unterwegs Wasser mitnehmen – und sie lässt sich einfach an jedem Wasserhahn nachfüllen.
  • Wasser in Griffnähe halten. Ob am Arbeitsplatz, im Wohnzimmer oder in der Küche: Ein Glas oder eine Karaffe mit Wasser erinnert an das Trinken zwischendurch.
  • Das Trinken mit Genuss zelebrieren. Legen Sie Gurken- oder Orangenscheiben, ein paar Minzblätter oder einige Beeren mit in die Karaffe: Das schmeckt gut, sieht schön aus und macht das Trinken interessanter.
  • Zu Kaffee und Alkohol etwas Wasser genießen. Viele Cafés und Restaurants reichen zu einem Espresso oder einem Drink ein kleines Glas Wasser, denn Kaffee und Alkohol können entwässernd wirken – auf diese Art lässt sich der Verlust ausgleichen.
  • Die Freude am Tee entdecken. Oft denken Menschen beim Trinken an kühles Leitungs- oder Mineralwasser, aber auch Tee hilft, den Flüssigkeitshaushalt auszugleichen. Probieren Sie aus, welche der vielen Sorten ihnen gefallen, und machen Sie daraus ein Ritual: als Nachmittagstee, vor der Morgenmeditation oder zwischendurch beim Yoga.
  • Timer am Handy nutzen. Ob als Wecker oder als Zeitschaltuhr alle 60 Minuten: Das Handy kann Sie durch ein Signal daran erinnern, dass es mal wieder Zeit für ein Glas Wasser ist.


Unsere Expertin: Tanja Pötschke, Oecotrophologin im Fachbereich Naturheilkunde der Klinik Blankenstein, einer Einrichtung des Katholischen Klinikums Bochum.

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