Plastikmüll und Mikroplastik vermeiden

Übel zugesetzt

Risiken vermeiden durch bewusstes Einkaufen

Stand: 22.07.2021

Empfehlen über:

Ob Pestizide im Gemüse, Mikroplastik in der Zahnpasta oder Weichmacher in Obstverpackungen: Der menschliche Körper ist täglich mit Umweltgiften konfrontiert, die seine Gesundheit gefährden können. Viele Hersteller bleiben die Angaben zu ihren Produkten schuldig – doch wer bewusst einkauft, kann viele Risiken vermeiden.

Hundehaare, Müslikrümel, Flecken aus Basilikumpesto: Wenn ein Sofa eine Weile im Gebrauch ist, finden sich im Stoff eine Menge Sachen, die anfangs nicht drin waren. Irgendwann wird dann ein neues fällig, doch häufig stecken darin von Anfang an Substanzen, die nicht hineingehören – und die ganz andere Probleme mitbringen. „In einem Sofa kann vieles drin sein, das ist wirklich erschreckend“, sagt Dr. Kerstin Effers, Referentin für Umwelt und Gesundheitsschutz bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. „Das kann eine Anti-Fleck-Ausrüstung haben, dann hat man organische Fluorverbindungen auf dem Stoff, und die Schaumstoffe könnten halogenierte Flammschutzmittel enthalten. So etwas möchte man als Verbraucherin oder Verbraucher wissen, bevor man ein Sofa kauft.“

Das möchte man in der Tat: Die organischen Fluorverbindungen haben im Tierversuch zu Krebs, Erkrankungen der Leber und zu Schäden an ungeborenem Leben geführt, und Flammschutzmittel stehen im Verdacht, die Nerven zu schädigen, sie können sich im Körper anreichern und mit der Muttermilch an Säuglinge weitergegeben werden. Die meisten Möbelstücke verraten über solche Umweltgifte aber nichts. „Für Möbel und Bauprodukte gibt es grundsätzlich keine vollständige Kennzeichnungspflicht“, sagt Effers. „Es ist eine Unverschämtheit gegenüber Verbraucherinnen und Verbrauchern, dass gesetzlich nur für Lebensmittel und Kosmetik eine Kennzeichnung aller Inhaltsstoffe vorgeschrieben ist.“

Welche Stoffe sind gefährlich?

Dabei wären solche Informationen bei allen Produkten wichtig. Denn das Wissen um Umweltgifte scheint in den letzten Jahrzehnten stark zugenommen zu haben, aber das macht die Einordnung eher schwerer als leichter: Welche Stoffe sind wirklich gefährlich, bei welchen ist das Risiko eher gering? Eine Zeit lang bestimmten Nanopartikel die Diskussion; diese chemischen Teilchen sind nur Milliardstel von Metern klein und können möglicherweise in menschliches Gewebe eindringen, ohne dass man die Folgen heute schon abschätzen könnte, Kosmetikartikel und Lebensmittel mit Nanoteilchen müssen gekennzeichnet werden. Etwas stiller geworden ist es um das Pestizid Glyphosat, das von der Weltgesundheitsorganisation WHO als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft wird, es ist in der EU vorerst bis 2022 zugelassen.

Die größten Sorgen scheint aktuell das Mikroplastik zu machen: Nach Angaben der Umweltschutzorganisation World Wide Fund for Nature (WWF) gelangen in Deutschland jährlich 330.000 Tonnen Mikroplastik in die Umwelt, winzige Kunststoffpartikel, die häufig durch den Abrieb von Autoreifen entstehen; mittlerweile nimmt praktisch jeder Mensch täglich derartige Teilchen mit der Nahrung auf. Meldungen wie diese sind eine Zeit lang in der öffentlichen Debatte sehr präsent, das ist oft verwirrend – doch gerade solche wechselnden Schwerpunkte in der gesellschaftlichen Diskussion sind ein gutes Zeichen. „Es gibt in der öffentlichen Wahrnehmung so etwas wie Wellen, während derer eine bestimmte Schadstoffgruppe besonders viel Aufmerksamkeit erfährt“, sagt Dr. Birgit Hiller, sie ist Biologin beim Deutschen Krebsinformationsdienst, wo viele Anfragen zu Umweltgiften eintreffen. „In den Achtzigern waren es die Holzschutzmittel, später dann neuere Pflanzenschutzmittel. Das ist an sich nicht schlecht, denn es hat viel mit immer neuen Forschungsergebnissen zu tun: Es zeigt, dass die Menschen informiert werden wollen, wenn wissenschaftliche Studien neue Umweltrisiken erkennen.“ 

Größte Bedrohung für die Gesundheit

Und dennoch wäre es gut, eine Einordnung zu haben – kann man sagen, welche Gruppe von Schadstoffen heute die größte Bedrohung für die Gesundheit darstellt? „Das größte Problem bei den Umweltgiften in Europa sind heute, von Pestiziden in der Landwirtschaft abgesehen, Schadstoffe in Verbraucherprodukten“, sagt Manuel Fernández, Experte für Chemikalienpolitik für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). „Bekannte Beispiele dafür sind Phthalat-Weichmacher und Bisphenol-A, sie wirken wie Hormone und können die Fruchtbarkeit schädigen.“ Fluorverbindungen, die chemisch denen auf dem Sofastoff ähneln, kommen auch an vielen anderen Stellen im Alltag vor, teilweise in direktem Kontakt zu Lebensmitteln. „Wir haben zusammen mit anderen Verbänden Fast-Food-Verpackungen und Einweggeschirr untersuchen lassen – von 42 getesteten Verpackungen enthielten 32 zum Teil sehr hohe Konzentrationen an Fluorchemikalien“, sagt Fernández. „Die Stoffe werden verwendet, um die Oberflächen fettabweisend zu machen. Das Umweltbundesamt hat das Blut von Kindern und Jugendlichen untersucht, und bei mehr als 20 Prozent fanden sich Konzentrationen von Fluorchemikalien, die gesundheitsschädlich sein können.“

Check: Was steckt wo drin?

Doch Fernández sieht auch eine positive Entwicklung: Im Herbst des vergangenen Jahres hat die Europäische Kommission dem Europäischen Parlament ein Strategiepapier unterbreitet mit einem Titel, der in seiner Entschlussfreude fast utopisch klingt: Es trägt den Titel „Chemikalienstrategie für Nachhaltigkeit – für eine schadstofffreie Umwelt“. Das Papier sieht strengere Richtlinien für die Entwicklung und Verwendung von Chemikalien vor – geplant ist, dass chemische Stoffe so hergestellt und verwendet werden, dass ihr „Beitrag zur Gesellschaft maximiert“ wird, „ohne dem Planeten sowie derzeitigen und künftigen Generationen zu schaden.“ Müssen solchen Zeilen dem Experten vom BUND nicht das Herz höher schlagen lassen? „Wir halten dieses Strategiepapier für einen großen Erfolg“, sagt Fernández. „Es ist Teil des Green Deals, der anstrebt, dass in der Europäischen Union die Verschmutzung der Umwelt bis 2050 auf Null gebracht werden soll. Seit Jahrzehnten behauptet die Chemieindustrie, dass das nicht geht. Wir sagen, dass das sehr wohl geht, wenn man schon bei der Entwicklung von Chemikalien darauf achtet, dass sie schnell abbaubar sind und keine toxischen Eigenschaften haben, und wenn man problematische Chemikalien in einem geschlossenen Kreislauf verwendet.“

Umsetzung einer Chemikalienstrategie

Bis zur Umsetzung der Chemikalienstrategie braucht es wohl noch Geduld – aber eigene strategische Entscheidungen gegen Umweltgifte können Kundinnen und Kunden jetzt schon fällen. Die Smartphone-App „Code Check“ ist entstanden mit Partnern wie Greenpeace und der Verbraucherzentrale Hamburg, mit ihr lassen sich durch Einscannen des Balkencodes von Lebensmitteln und kosmetischen Produkten schon im Geschäft wichtige Informationen zu Mikroplastik, hormonell wirkenden Substanzen und anderen problematischen Inhaltsstoffen abrufen. Der BUND hat eine eigene App namens „ToxFox“ (Giftfuchs) entwickelt, die nicht nur vor problematischen Stoffen warnt, sondern auch die Möglichkeit gibt, direkt aus der App heraus bei einigen Artikeln eine Anfrage zu Giftstoffen an den Hersteller zu schicken – der ist bei bestimmten Produkten juristisch verpflichtet, innerhalb von 45 Tagen eine Antwort zu geben. Beide Apps sind kostenlos für Android und iPhone erhältlich. 

Anderthalb Monate sind allerdings eine lange Zeit, wenn einem gerade das Müsli oder die Nachtcreme ausgeht, aber zum Glück gibt es Siegel, die den bewussten Einkauf jederzeit erleichtern. Sei es das neuform® Qualitätszeichen bei Produkten aus dem

Reformhaus® (siehe Seite 26), der Blaue Engel bei Haushaltsreinigern oder die Auszeichnung des Eco-Instituts, wenn man ein neues Sofa braucht: Der ungefährlichste Schadstoff ist der, der gar nicht erst zur Anwendung kommt. Und wer des Basilikumpestos überdrüssig wird, der findet im Reformhaus® z. B. ein wunderbares Bärlauch-Cranberry-Pesto. Natürlich bio.


Unsere ExpertInnen (v.l.n.r.)

  • Dr. Birgit Hiller, Biologin beim Deutschen Krebsinformationsdienst

  • Dr. Kerstin Effers, Referentin für Umwelt und Gesundheitsschutz bei der Verbraucherzentrale Nordrhein- Westfalen

  • Manuel Fernández, Experte für Chemikalienpolitik beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND)

  • Dr. Viola Hörner-Wetzel, wissenschaftliche Leiterin des neuform® Qualitätsinstituts

3 Fragen an Sina Trinkwalder

Wie kam die Idee zu Ihrem schützenden Loopschal?

Als ich 2018 in einer Studie las, dass jedes 4. Kind chronische Atemwegserkrankungen hat, hat mich das nicht mehr losgelassen. Dazu kam, dass mein Mann, Hendrik Kahmann, Allergiker ist und wir schon lange überlegten, wie man sich vor der Belastung durch Fein- und Grobstaub, Pollen und Sporen schützen kann. Mein textiles Wissen, das ich in meiner Firma manomama erworben habe, hat bei der Entwicklung geholfen, und 2019 konnten wir stolz das Ergebnis auf den Markt bringen. 

Wie funktioniert’s?

Der Urbandoo hat drei Lagen, eine waschbare Außen- und Innenhülle, die zudem rutschfest ist, und ein dazwischen liegendes Filterinlay, das regelmäßig gewechselt wird. Den Filter gibt es in zwei Ausführungen. Man kann damit gut und leicht atmen, das ist wissenschaftlich bewiesen. Viele Modelle sind auch ausgerüstet mit der HEIQsViroblock Technologie gegen Keime und Mikroben.

Weitere Vorteile?

Der Schutzschal ist regional und nachhaltig gefertigt, er sieht gut aus und ist in modischen Farben erhältlich. Für Erwachsene kostet er 39,90 Euro, für Kinder 29,90 Euro.

Noch mehr Infos unter: www.urbandoo.net

Empfehlen über:

Weiterscrollen, um zum nächsten Artikel zu gelangen