Nachhaltige Initiativen von Reformhaus® Herstellern

Mit gutem Gewissen

Nachhaltige Reformhaus® Hersteller Initiativen

Stand: 21.07.2021

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Mit gutem Gewissen einkaufen, das möchten wir alle. Wir stellen in dieser Ausgabe beispielhaft nachhaltige Initiativen von Reformhaus® Herstellern vor – vom regionalen Anbau bis zu Verpackungsalternativen.

Nachhaltigkeit. Kaum ein Wort kann es derzeit mit diesem an Popularität und Vielseitigkeit aufnehmen. Vom Fahrradsattel über meine Gesichtscreme bis – natürlich – zu unseren Lebensmitteln soll alles nachhaltig sein. Das ist gut so. Doch mitunter klingt es, naja, ein bisschen dröge …

Deshalb machen wir jetzt ein kleines Experiment:

Schließen Sie die Augen und stellen Sie sich mit allen Sinnen vor, wie Ihr morgendliches Müsli sein Aroma entfaltet … Der Löffel Heidelbeerpüree … leicht herb, ein Hauch Bitterkeit von der Aronia, dazu die süßlichen Erdmandeln … Mhmm! Und alles gewürzt mit dem guten Gefühl, dass die Zutaten bio sind, alle Menschen, die an der Produktion Ihres Essens beteiligt sind, fair bezahlt werden und kein Tropfen Kerosin geflossen ist.

Und der Fahrradsattel! Nein, Sie sitzen da nicht einfach drauf. Sie haben mit Ihrem Kauf eine kleine Familien-Manufaktur bei Ihnen um die Ecke unterstützt. Wie fühlt sich das an? Wer sich auf Nachhaltigkeit einlässt, hat heute so viele Möglichkeiten, und alle eint, dass sie unser Herz öffnen für das, was wir in dieser Welt Positives bewirken können. Diesem Gefühl und den Fakten widmen wir diese Ausgabe des Reformhaus® Magazins.

Wie wichtig immer mehr Menschen das Thema Nachhaltigkeit ist, zeigt die Otto-Group Trendstudie 2020: 82 Prozent sind bereit, den Weg von der Wegwerfgesellschaft zur Kreislaufwirtschaft mitzugehen und sprechen sich für längere Produktnutzungsdauer und höhere Materialeffizienz aus. 77 Prozent der Deutschen sind dafür, dass Industrieländer mehr Verantwortung im Kampf gegen den Klimawandel übernehmen sollen bzw. ärmere Länder dabei unterstützen sollen. 63 Prozent sind bereit, für klimaneutrale Produkte mehr zu bezahlen. 60 Prozent der Deutschen können sich vorstellen, beim Einkauf die „wahren Kosten“ für Umweltbelastung und Klimawandel zu bezahlen. 46 Prozent können sich gut vorstellen, mehr tierloses Fleisch aus pflanzlicher Produktion zu nutzen. Gesundheit steht dabei stark im Fokus der Aufmerksamkeit: Für 72 Prozent der Deutschen ist eine nachhaltige Lebensweise der Schlüssel für die eigene Gesundheit. Das ist die Theorie. 

Aber was bedeutet Nachhaltigkeit genau?


Wir haben mit dem Wirtschaftspsychologen Professor Falk Tennert gesprochen: 

Prof. Tennert: Nachhaltigkeit bedeutet im Kern, sich gegenüber der Gesellschaft und Umwelt verantwortungsvoll zu verhalten, also beispielsweise nur so viele Ressourcen und Rohstoffe zu nutzen, dass auch nachfolgende Generationen eine gute und angemessene Lebensgrundlage haben. Ein gängiger Ansatz ist das Drei-Säulen-Modell aus ökologischer, sozialer und ökonomischer Verantwortung.

Was gehört alles dazu?


Die ökologische Nachhaltigkeit umfasst u.a. Umweltbelastungen, Emissionen oder den Ressourcenverbrauch, beispielsweise beim Anbau von Baumwolle und der Herstellung von Textilien. Die soziale Nachhaltigkeit umfasst u.a. den Arbeitsschutz, die Einhaltung von Sozialstandards und Tarifverträgen bei der Herstellung von Gütern. In der EU ist dies weitgehend gesichert, in anderen Teilen der Welt ist das gegenwärtig noch deutlich unzureichend. Die ökonomische Nachhaltigkeit umfasst vor allem die Unternehmensperspektive; hier geht es um nachhaltige Wirtschaftskreisläufe, rechtliche Rahmenbedingungen und freiwillige Selbstverpflichtungen von Unternehmen.

Angesichts wissenschaftlicher Fakten über Erderwärmung, Umweltzerstörung und Vermüllung müsste eigentlich jede/r sofort nachhaltig handeln. Was hindert uns daran, tätig zu werden?


Wissenschaftliche Fakten und individuelles Alltagshandeln sind unterschiedliche Bereiche. Nachhaltigkeit wird aus individueller Konsumentensicht häufig als wichtig bewertet, ein konsequent nachhaltiges Handeln gestaltet sich hingegen schwierig. So können Verbraucher trotz Wichtigkeit nur punktuell ein nachhaltiges Verhalten umsetzen: Wer will schon auf den Urlaub, neue technische Geräte, Kleidung oder ein wohltemperiertes Haus verzichten?

Außerdem ist erstens die Suche nach detaillierten Informationen, woher ein Produkt kommt, wer an der Herstellung beteiligt ist, wie es mit der Schadstoffbelastung aussieht, sehr aufwändig und kaum jemand sucht im Alltag bewusst nach diesen Informationen beim Einkaufen! Hier können Öko-Labels und Nachhaltigkeitszertifikate eine Lotsenfunktion einnehmen. Zweitens ist eine Änderung von alltäglichen Verhaltensweisen schwierig. Das lässt sich nur Schritt für Schritt umsetzen.

Inwiefern kann nachhaltiges Handeln sich positiv auf die Psyche auswirken?


Belohnungen können sich auf zwei Ebenen zeigen: Erstens die Bewusstmachung, das Richtige zu tun und die Welt zumindest ein ganz kleines Stück besser zu machen. Wir sprechen hier von sozialen oder gemeinschaftsorientierten Motiven. Zweitens steht der Gesundheitsaspekt bei nachhaltigen Produkten im Fokus, also dass ein Produkt mit weniger Schadstoffen belastet ist, schonender hergestellt wurde oder eine bessere CO2-Bilanz aufweist.

Achtsam in die richtige Richtung

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Die Frage, wie wir unser Leben und unser Verhalten nachhaltiger gestalten können, steht auch im Mittelpunkt der Forschungen von Professor Marcel Hunecke, der in seinem Buch Psychologie der Nachhaltigkeit (Oekom Verlag, 19,95 €) praktische Antworten aus der Positiven Psychologie anbietet. Wir haben auch mit ihm gesprochen.

Prof. Marcel Hunecke: Es gibt fünf Handlungsphasen, die wir durchlaufen, wenn wir unser Verhalten verändern wollen: Nach dem IMPUR-Schema lassen sich Information, Motivation, Planung, Umsetzung und Routinisierung unterscheiden. Zunächst brauche ich Informationen, die handlungsrelevant und handlungsorientiert sind. Was genau kann ich tun? Die Motivation speist sich aus den Zielen, die mir wichtig sind. Steht der Klimawandel an Platz 10 meiner Zielhierarchie, sieht es schlecht aus … Stehen Gesundheit und der Gedanke an nachfolgende Generationen an vordersten Plätzen, hingegen gut. Dann benötige ich eine konkrete Planung und Umsetzungsmöglichkeiten – da wird es schwierig. Es gibt kaum Unterstützung, außer in den Verbraucherberatungen, und die Umsetzung scheitert oft an den fehlenden Möglichkeiten: Wenn kein Bus fährt, kann ich ihn auch nicht nutzen. Hier ist es Aufgabe der Politik, Anreize und Rahmenbedingungen zu schaffen, damit eine dauerhafte Routinisierung eines neuen, nachhaltigen Verhaltens und Konsumierens einsetzen kann.

Gibt es Methoden, die uns dabei unterstützen?


Wenn unser Lebensstil nachhaltig werden soll, müssen wir psychische Ressourcen aufbauen, die unser subjektives Wohlbefinden stärken: Selbstakzeptanz, Selbstwirksamkeit, Genussfähigkeit, Achtsamkeit, Sinnkonstruktion und Solidarität.

Das klingt ambitioniert …


Das lässt sich systematisch erlernen, es gibt Gesundheitskurse, Coaching-Prozesse und Angebote zum gemeinschaftlichen Handeln im eigenen Stadtteil – oder Sie machen sich selbst auf den Weg.

Und wie?


Fragen Sie sich: Von welcher psychischen Ressource habe ich am meisten? Diese stärken und vertiefen Sie. Wenn Sie zum Beispiel Erfahrungen mit Achtsamkeit haben, üben Sie sich darin weiter. Irgendwann wird ganz natürlich ein Kreislauf der Ressourcen in Gang gesetzt: Sie trinken Kaffee und schmecken ihn achtsam, dadurch stärken Sie Ihre Genussfähigkeit und die Sinnkonstruktion setzt ein: Woher kommt dieser Kaffee, wer hat ihn gepflückt, unter welchen Bedingungen?

Es geht darum, das Alltagshandeln zu de-automatisieren, denn dadurch öffnen wir den Raum für neue Gedanken und solidarische Ziele.

Zum Beispiel?


Dass es kein Verlust sein muss, seine Konsumweise zu ändern, sondern ein Zugewinn an Lebensqualität bedeuten kann. So wird eine Fernreise weniger mein subjektives Wohlbefinden nicht beeinträchtigen. Sicherlich auch, dass ich die Welt alleine nicht retten, aber in kleinen Schritten in die richtige Richtung gehen kann.

Wie köstlich das auf der Zunge zergehen kann, beweist unsere eingangs geschilderte Geschmacksexplosion. Die stammt von einer der Firmen, die Nachhaltigkeit zu ihrem Leitbild gemacht haben und die wir Ihnen auf den nächsten Seiten vorstellen.


Unsere Experten im Interview


Prof. Marcel Hunecke (l.) Professor für Allgemeine Psychologie sowie Organisation- und Umweltpsychologie an der FH Dortmund; Priv. Doz. an der Fakultät Psychologie an der Ruhr-Universität Bochum; Buchautor.

Prof. Falk Tennert (r.), Professor für Wirtschaftspsychologie. Schwerpunkte Medien und Kommunikation; Leiter des Hochschulzertifikats Digitale Risiko- und Krisenkommunikation an der SRH Fernhochschule in Riedlingen

 

 


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