Naturmedizin zum Selbermachen

Grüne Apotheke

Stand: 28.09.2016

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Im Hals kratzt es, der Bauch grummelt oder eine innere Unruhe erschwert das Einschlafen: alltägliche Beschwerden, bei denen wir nicht gleich in die Arztpraxis laufen wollen. Zum Glück gibt es zahlreiche Möglichkeiten, die kleinen Leiden mit einfachen Mitteln zu lindern – dank Kräuterwissenden wie Hildegard von Bingen (1098 bis 1179) oder Heilern und Schamanen auf anderen Kontinenten.

Das Wissen über die Wirkungen von Pflanzen und Nahrungsmitteln ist so alt wie die Menschheit selbst. Und vieles, was damals in der heimischen Küche aufbereitet wurde, steckt heute in kleinen Pillen oder Arzneitees. Beispielsweise Thymian und Salbei in Hustenmitteln, Salicylsäure (aus der Weidenrinde) in Kopfschmerzmitteln oder bei stärkeren Schmerzen Morphine aus Schlafmohn. Warum also nicht Naturarznei selber herstellen?

Die Heilpraktikerin Melanie Wenzel hat viele Rezepte für den Hausgebrauch entwickelt, die man auf Vorrat herstellen kann. Hier eine kleine Auswahl plus Tipps direkt von der Expertin.

Heilpflanzenwissen für eine gesunde Familie

Zur Zeit schnieft und hustet es überall in Bus und Büro. Gerade am Ende des Winters ist bei vielen das Immunsystem besonders geschwächt – was empfehlen Sie?

Jetzt im März erwacht die Natur ja gerade aus dem Winterschlaf und bietet genau das, was der Körper benötigt: frischen Bärlauch, Brennnessel und Löwenzahn liefern nämlich genau die Vitamine und Mineralien, die wir jetzt brauchen und die den Körper entgiften.

Was gehört in eine kleine Natur-Hausapotheke, um schnell etwas bei Beschwerden zur Hand zu haben?

Immer im Haus haben sollte man den Magenbitter bei Magenverstimmung, das Lavendelöl gegen Stress, den Grippetee und den Franzbranntwein. Familien mit Kindern sollten auch den Wundreiniger und die Beinwellsalbe im Haus haben.

Was haben Sie selbst außerdem immer im Vorratsraum?

Zwiebeln, da man nie weiß, wann die nächsten nächtlichen Ohrenschmerzen bei den Kindern anstehen, Apfelessig und Natron, da sie absolute Allrounder sind und natürlich Moringa, weil ich meine ganze Familie damit fit halte.

Von dieser Pflanze haben sicher viele noch nichts gehört. Können Sie aufklären?

Moringa ist wirklich eine außergewöhnliche Heilpflanze und man nennt sie nicht zu Unrecht „die gesündeste Pflanze der Welt“. Sich bei Moringa kurz zu fassen, ist sehr schwer. Was man aber pauschal sagen kann ist, dass sie mit ihrer einzigartigen Zusammensetzung an sekundären Pflanzenstoffen, Vitaminen, Mineralien, Aminosäuren und Omega-3-Fettsäuren bei allen Werten Spitzenplätze belegt und dadurch besonders für Kinder, Vegetarier und Veganer, Sportler, Diabetiker, Frauen in den Wechseljahren und Männer geeignet ist. Ich war kürzlich auf dem ersten internationalen Moringa-Kongress auf den Philippinen und war total überwältigt von den zahlreichen Studien, die weltweit im Moment mit Moringa laufen. Viele davon beschäftigen sich mit der Wirkung bei Krebs, und es gibt große Hoffnung, dass es dort eine wichtige Rolle spielen wird.

Was macht die eigene Herstellung von Heilmitteln so gesund?

Man hat die absolute Kontrolle über die Zutaten und sollte immer Bio-Anbau-Qualität wählen. So ist man sicher, dass man keine chemischen Stoffe zu sich zu nimmt. Und natürlich kann man auch die Zutaten weglassen, die man nicht verträgt.

Wie haben Sie die Rezepte entwickelt?

Zum Teil sind die Rezepte alte Überlieferungen, auch von meiner Oma, zum Teil aber auch neu von mir entwickelt. Ich schaue mir möglichst in jedem Land, das ich bereise, die heimischen Rezepte an, probiere sie aus, verändere sie, bis sie für mich die richtige Mischung haben.

Sind sie für jeden einfach umzusetzen oder braucht man schon ein gewisses Geschick?

Die Rezepte sind kinderleicht umzusetzen. Jeder, der Spaghetti kochen kann, ist in der Lage, meine Rezepte nachzumachen. Da ich selber eine berufstätige Mutter bin, weiß ich, wie wichtig eine schnelle Umsetzung der Rezepte ist.

Was sind Ihre Favoriten hier bei uns – also Heilpflanzen, die man im Garten oder am Wegesrand finden kann?

Ich bin ein Riesenfan der Brennnessel, des Löwenzahns, der Ringelblume und des Mädesüß. Mit diesen Pflanzen kann man sich schon bei vielen Beschwerden selber helfen.

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Grippetee

Hilft bei Erkältung, Grippe und Gliederschmerzen

Das brauchen Sie:

  • 50 g getrocknetes Mädesüß
  • 50 g getrocknete Holunderblüten
  • 50 g getrocknete Lindenblüten
  • Teedose, Teesieb und eine Thermoskanne

So wird’s gemacht:

  1. Geben Sie die getrockneten Kräuter in eine Teedose, verschließen Sie diese und schütteln Sie alles einmal kräftig durch.
  2. Teesieb mit ein Teelöffel Kräutermischung in einer Tasse mit kochendem Wasser übergießen. Zehn Minuten ziehen lassen. Alternativ zwei Eßlöffel Kräuter in einer Kanne mit einem Liter Wasser überbrühen. Nach dem Ziehen durch ein Sieb in eine Thermoskanne umfüllen.

Wie anwenden?

Über den Tag verteilt mehrere Tassen trinken. Die Teemischung hält in einer gut verschlossenen Teedose circa ein Jahr.

Achtung: Madesüß enthält Salicylsäure. Wer allergisch darauf reagiert, sollte diesen Tee nicht trinken.

Beinwell-Salbe

Hilft bei Prellungen, Zerrungen, Quetschungen, Verstauchungen und zur Anregung der Knochenheilung

Das brauchen Sie:

  • 1 großes Stück frische Beinwellwurzel (oder 100 g getrocknete Wurzel)
  • 250 g Butterfett / Ghee
  • plus 1 scharfes Messer, 1 Schneidebrett, 1 kleiner Topf, 1 Kochlöffel, 1 Teesieb, 1 große Cremedose oder mehrere kleine.

So wird’s gemacht:

  1. Die frische Wurzel gründlich säubern, ohne die dunkle Haut abzuschrubben.
  2. In kleine Stücke schneiden.
  3. Ghee vorsichtig erhitzen, aber nicht kochen.
  4. Wurzelstücke ins Fett geben und den Topf vom Herd ziehen.
  5. Erwärmen Sie die Masse eine Woche lang jeden Tag einmal. Nicht aufkochen lassen, sowie es warm ist, wieder abkühlen lassen.
  6. Am siebten Tag gießen Sie die Mischung nach dem Erwärmen durch ein Teesieb direkt in die Cremedose. Zuschrauben. Fertig. Im Kühlschrank ist die Salbe etwa ein Jahr haltbar.

Wie anwenden?

Bei Bedarf nicht zu dünn auf die betroffenen Hautareale auftragen. Am besten zweimal täglich.

Lavendelöl

Hilft bei Einschlafschwierigkeiten, Stimmungstief und emotionaler Anspannung

Das brauchen Sie:

  • 2 Hände voll frische Lavendelblüten (oder 100 g getrocknete Blüten)
  • 200 ml Mandel- oder Distelöl
  • Plus: 1 mittelgroßes Schraubglas, 1 Sieb, 1 Schüssel, 1 Trichter, 1 dunkle Flasche (250 ml)

So wird’s gemacht:

  1. Zupfen Sie die einzelnen Lavendelblüten in ein Schraubglas und bedecken Sie sie mit Öl.
  2. Schließen Sie das Gefäß und stellen es für sechs bis acht Wochen an einen warmen, sonnigen Platz.
  3. Schütten Sie das Öl durch ein Sieb, pressen Sie die Blüten noch einmal aus und füllen Sie das fertige Öl anschließend mithilfe eines Trichters in eine dunkle Flasche. So hält es etwa ein Jahr.

Wie anwenden?

Anti-Stressbad: Dafür zehn Tropfen Lavendelöl mit zwei Eßlöffel Sahne verrühren und ins warme Wasser geben. Bei Husten und Bronchitis: Die Brust mit dem Öl einreiben.

Mehr Rezepte finden Sie in Meine besten Heilpflanzen-Rezepte, Melanie Wenzel, GU, ISBN 978-3-833826160, 19,99 Euro.

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