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Heilmittel seit der Antike: Salbei

Prof. Dietrich Grönemeyer erläutert die Wirkung

Stand: 22.12.2021

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Prof. Dietrich Grönemeyer, Reformhaus® Experte und Verfechter der wissenschaftlich begründeten ganzheitlichen Medizin, empfiehlt Salbei zur unterstützenden Therapiebegleitung.

Bitte versprich mir, dass Du diese Pflanze nie vergisst“, sagte meine Tante Willa, eine erfahrene Ärztin für Naturheilkunde, zu mir, als ich noch ein Kind war. Sie zeigte mir den so wunderschön blühenden Salbei in ihrem Garten und erklärte, dass bereits die Pharaonen im alten Ägypten diese Pflanze für ihre vielfältigen Heilwirkungen ehrten „Wenn Du das nächste Mal wieder Hals- oder Zahnschmerzen hast, oder auch bei jeder anderen Entzündung im Mund, dann lass Dir von Deiner Mutti (ihrer Schwester) unbedingt eine Gurgellösung machen.“ Es waren ihre Worte, an die ich mich Jahrzehnte später erinnerte. Ich war auf Entdeckungsreise im brasilianischen Dschungel, als ich heftige Zahnschmerzen bekam. Ein Abszess entwickelte sich. Abgeschnitten von der zivilisierten Welt musste ich mir selber helfen. Und wie gut, dass ich bei zwei so versierten Heilkundlerinnen aufgewachsen war. Meiner Mutti und meiner Tante. Schließlich reist nicht jeder mit einer kleinen Notfallapotheke voller Heilkräuter um die Welt. Ich machte mir einen Sud aus Salbei und nach viel Gurgeln ging der Zahnabszess zurück.

Allheilmittel im Mittelalter

Seit der Antike haben Heiler, Priester und Gelehrte dem Salbei immer wieder andere bedeutende Wirkungen zugeschrieben. Im 9. Jahrhundert pries der Abt und Botaniker Walahfrid Strabo Salbei sogar als Allheilmittel. Mit Aussagen wie „die Ägypter nutzten Salbei bereits gegen Unfruchtbarkeit“ sollte man jedoch vorsichtig umgehen, denn die Gattung Salbei umfasst mehr als 1.000 Arten. In der Naturheilkunde ist vor allem der Echte Salbei (Salvia officinalis) wissenschaftlich erforscht. 

Salbei ist anerkannt für seine lindernde Wirkung bei:

  • Verdauungsstörungen
  • übermäßigem Schwitzen
  • Reizungen und Entzündungen in Mund und Rachen
  • Leichten Hautirritationen

Die medizinischen Einsatzmöglichkeiten scheinen wahrhaft vielfältig zu sein. Dennoch kennen die meisten von uns Salbei vor allem als Lutschpastille bei Halsschmerzen.

Weil die Pastillen oft mehr süßes Bonbon sind als Heilkraut, mache ich mir beim ersten Anflug von Halsweh nach wie vor meine altbewährte, hausgemachte Mundspülung. Dafür gieße ich 3x täglich (im Abstand von 2 Stunden) 1–2 g Salbeiblätter mit 15 ml heißem Wasser auf und lasse sie 10–15 Minuten ziehen. Anschließend gurgle ich für 1 Minute.
Alternativ: 2–3 Tropfen ätherisches Salbeiöl auf 100 ml Wasser geben, 3x täglich gurgeln.

Anerkannte Hauptindikation

Innerlich:

  • Dyspepsie (Verdauungsstörungen)
  • Hyperhidrosis (übermäßiges Schwitzen)
  • Reizungen und Entzündungen in Mund und Rachen

Äußerlich:

  • Entzündungen in Mund und Rachen
  • Leichte Hautirritationen

Traditionelle Anwendungen

Innerlich:

  • Hemmung der Milchbildung

Äußerlich:

  • Leichte Hautirritationen
  • Schweißhemmend

Nähere Erläuterungen

  • Verdauungsstörungen: Salbei wirkt krampflösend und gallentreibend.
  • Übermäßiges Schwitzen: Salbei hemmt die Schweißsekretion (innerlich) und wirkt antibiotisch (äußerlich angewendet tötet er geruchsbildende Bakterien ab).
  • Reizungen und Entzündungen in Mund und Rachen: Salbei wirkt entzündungshemmend, antibiotisch, antiviral und adstringierend, also zusammenziehend. Halten die Zellen dichter zusammen, können Krankheitserreger schlechter in die Schleimhaut eindringen und sich festsetzen.
  • Leichte Hautirritationen: Die adstringierende Wirkung hilft dabei, dass Wunden sich schneller schließen. Die entzündungshemmende und antibiotische Wirkung lindert Jucken und Brennen.

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