Frau sonnt sich auf dem Balkon, Maske liegt daneben

Mehr Vitamin D, weniger COVID-19-Komplikationen?

Neue Erkenntnisse rund um das Sonnenvitamin

Stand: 05.11.2020 (05.11.2020)

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Aktuelle Studien deuten darauf hin, dass eine gute Vitamin-D-Versorgung schwere Komplikationen bei hospitalisierten Covid-19-Patienten verhindern und die Gesamtsterblichkeit reduzieren kann. Damit rückt das Sonnenvitamin erneut ins Zentrum des Interesses und regt die Diskussion über die suboptimale Vitamin-D-Versorgung in Deutschland an.

Covid-19-Patienten haben ein reduziertes Risiko Sauerstoffmangel zu entwickeln oder zu sterben, wenn ihr Vitamin-D-Spiegel im empfohlenen Bereich liegt. So die Meldung der Forscher der Boston University School of Medicine vor wenigen Wochen. Auch viele weitere Studien kamen bereits zu ähnlichen Ergebnissen. War früher in Zusammenhang mit Vitamin D fast ausschließlich von gesunden Knochen und Zähnen die Rede, entpuppt sich das Vitamin, streng genommen ein Prohormon, in den letzten Jahren immer mehr als ein vielversprechender Kandidat in der Prävention und Heilung von zahlreichen Erkrankungen. Dafür sprechen auch die Vitamin-D-Rezeptoren, die gegen Ende der 80er Jahre in fast allen Körperzellen entdeckt wurden.

Sonderfall Vitamin D

Anders als bei anderen Mikronährstoffen, können wir durch Lebensmittel lediglich 10 – 20 % unseres Bedarfs an Vitamin D abdecken. Und auch hier spielen nur wenige Nahrungsmittel eine bedeutende Rolle. Die erste und wichtigste Quelle für dieses besondere Hormon ist das Sonnenlicht, mit dessen Hilfe kann der Körper das Vitamin selbst problemlos herstellen. Vorausgesetzt, die geografische Lage lässt dies zu. Das ist in Deutschland über mehrere Monate im Jahr leider nicht der Fall. Die für die Eigensynthese benötigte UV-B-Strahlung kommt ganzjährig erst unterhalb des 35. Breitengrads vor, südlich von Kreta. Daher ist es hierzulande kaum möglich, einen für die Gesundheit optimalen Vitamin-D-Spiegel ohne Supplementierung zu erreichen.

Sonnenlichtmangel = Vitamin D Mangel

Die Schattenseite des Lebens in unseren Breitengraden

Von Mai bis September hat unser Körper auch in Mitteleuropa die Chance, genügend Vitamin D durch das Sonnenlicht zu bilden. Dafür ist es natürlich nötig, regelmäßig vor die Tür zu gehen, ohne von Kopf bis Fuß durch Kleidung und UV-Blocker jeden Strahl von der Haut abzuwenden. In den übrigen Monaten liegt der Einfallswinkel der Sonnenstrahlung in Deutschland unter 45 Grad und ist damit zu flach, um die Bildung von Vitamin D im Organismus zu ermöglichen.

Eine neue Studie der Universität Hohenheim zeigt, dass bestimmte Grunderkrankungen, ebenso wie andere Risikofaktoren für Covid-19, mit einem niedrigen Vitamin-D-Spiegel einhergehen. Anders ausgedrückt: Menschen mit Grunderkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes, Herzerkrankungen oder starkem Übergewicht zählen zu den typischen Corona-Patienten mit einem eher schweren Verlauf und gleichzeitig weisen gerade diese Gruppen oft einen Vitamin-D-Mangel auf. Laut Prof. Dr. Hans-Konrad Biesalski befällt das Coronavirus eine wichtige Schaltstelle im Körper, und als Folge halten sich pro-entzündliche und anti-entzündliche Prozesse nicht mehr die Waage – ganz besonders bei gleichzeitigem Vorliegen eines Vitamin-D-Mangelns. Die pro-entzündlichen Prozesse bekommen die Oberhand, mit gravierenden Veränderungen in den Lungenbläschen, die zu einer schweren Komplikation der Covid-19-Erkrankung führen können, dem sogenannten Akuten Atemnotsyndrom.

"Vitamin D ist bei vielen Menschen auf der Welt Mangelware – und das kann im Falle einer Covid-19-Erkrankung als Indikator für ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf gelten."

Prof. Dr. Hans-Konrad Biesalski, Universität Hohenheim

Prof. Dr. Biesalski betont, dass Vitamin D kein Medikament ist, mit dem man Covid-19 heilen kann. Doch sei es ratsam bei Verdacht auf eine Infektion mit dem Coronavirus den Vitamin-D-Spiegel zu prüfen und ein mögliches Defizit zügig zu beheben. Weitere Studien, unter anderem eine Interventionsstudie der Universität Reina Sofia in Córdoba, Spanien, deuten ebenfalls darauf hin, dass eine Vitamin-D-Behandlung bei Covid-19-Patienten den Ablauf der Erkrankung mildern und die Notwendigkeit einer Behandlung auf der Intensivstation reduzieren kann. Hier bekamen 50 an Covid-19 erkrankte Patienten hochdosiertes Vitamin D, von ihnen musste nur ein Patient auf die Intensivstation. 26 Patienten bekamen kein Vitamin D eingereicht, aus dieser Gruppe benötigte die Hälfte eine intensivstationäre Behandlung.

Einer weiteren neuen Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) mit 9548 Personen zufolge, konnten 41 % der Todesfälle durch Atemwegserkrankungen innerhalb eines Zeitraums von 15 Jahren auf eine unzureichende Vitamin-D-Versorgung zurückgeführt werden. Zahlreiche Studien belegen den immunmodulierenden Wirkmechanismus von Vitamin D. Es hilft die CD-8-T-Zellen der spezifischen Immunantwort zu aktivieren und hemmt gleichzeitig die Überreaktion des Immunsystems (Zytokinsturm). Es normalisiert ACE2, welches die Eintrittspforte der Viren in die Zellen bildet.

Die Dosis macht das Gift – und das Heilmittel

In Deutschland werden, aus Angst vor Überdosierung und anders als in vielen anderen Ländern, kaum Grundnahrungsmittel mit Vitamin D angereichert. Keine Frage, das Risiko einer Überdosierung sollte bei Vitamin D und generell bei Nahrungsergänzung immer im Blick behalten werden. Immer mehr Ärzte und Wissenschaftler weisen allerdings mittlerweile auch darauf hin, dass eine Unterversorgung ebenfalls gesundheitliche Nachteile mit sich bringen kann.

Laut Robert-Koch-Institut (RKI) spricht man von einem Vitamin-D-Mangel, wenn Vitamin D im Körper über einen längeren Zeitraum fehlt UND klinisch relevante Symptome auftreten. Andere Instanzen sehen das zum Teil anders und einen über einen längeren Zeitraum zu niedrigen Vitamin-D-Spiegel bereits als Unterversorgung an, den man im besten Fall beheben sollte, bevor Schäden entstehen. Ein Auto fährt man schließlich auch nicht, bis der Tank leer ist oder ein Motorschaden entsteht, sondern man füllt Brennstoff oder Öl rechtzeitig nach.

Der von RKI, EFSA (Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit) und DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung) empfohlener Serumwert von Vitamin D im Blut beträgt > 50 nmol/l. Dieser Wert ist bereits vergleichsweise niedrig angesetzt, trotzdem bleiben (laut RKI) 61,5 % der erwachsenen Deutschen unter diesem Level. Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie und die Amerikanische Gesellschaft für Altersmedizin empfehlen einen Wert > 75 nmol/l, der Studien nach protektiv wirkt und von 88 % der deutschen Erwachsenen nicht erreicht wird. Manche Ärzte und Wissenschaftler plädieren sogar für Vitamin-D-Werte zwischen 100 und 150 nmol/l. Eine (Teil-) Erklärung für die unterschiedlichen Empfehlungen liegt womöglich an dem jeweils unterschiedlichen Fokus auf der minimalen bzw. optimalen Versorgung.

Vitamin D: Gut zu wissen

  • Profitieren Sie von der Wirkung des Sonnenlichts für Ihre psychische wie physische Gesundheit! Abgesehen von der wichtigen Vitamin-D-Produktion werden beim moderaten Sonnenbaden auch sogenannte Fotoisomere (gesundheitsfördernde, mit dem Sonnenhormon in Verbindung stehende Botenstoffe) sowie Wohlfühlsubstanzen wie ß-Endorphine ausgeschüttet. Wenn die Temperaturen es zulassen, lohnt es sich auf die dicke Kleidung und auch auf die Sonnencreme zu verzichten. Allerdings sind ohne Sonnenschutz nur dem Hauttyp entsprechende kurze Aufenthalte von ca. 10 bis 20 Minuten in der Sonne empfehlenswert, dann heißt es, eincremen. Sonnenbrände steigern das Hautkrebsrisiko und sind auf jeden Fall zu vermeiden.
  • Das Solarium liefert keine Lösung für das Problem des fehlenden Sonnenlichts in den Wintermonaten, denn die Röhren stellen in der Regel nur Licht im UV-A-Bereich zur Verfügung – unsere Haut braucht für die Herstellung des Sonnenvitamins UV-B-Strahlen.
  • Warum es immer heißt, dass wir abwechslungsreich essen sollten? Unter anderem, weil die Mikronährstoffe in komplexen Zusammenhängen miteinander wirken. Auch die Wirkung von Vitamin D wird von anderen Mikronährstoffen beeinflusst. Diese können als Kofaktoren den Vitamin-D-Stoffwechsel regulieren oder die Wirkung des Sonnenvitamins synergetisch unterstützen. Zu den wichtigsten dieser Vitalstoffe zählen Magnesium, Vitamin A, Vitamin B2, Vitamin K2, Kalzium, Eisen, Kupfer und Bor. Bei der Supplementierung sind vor allem Präparate mit einer Kombination aus Vitamin D3 und K2 empfehlenswert.

Der Vitamin-D-Gehalt in Nahrungsmitteln oder Nahrungsergänzung wird als Mikrogramm (µg) oder als Internationale Einheiten (I.E.) angegeben, dabei entspricht 1 µg 40 I.E.

Die Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) für Vitamin D lag noch bis 2011 bei 200 I.E. pro Tag. Seit 2012 liegt die Empfehlung bei 800 I.E. Viele Ärzte und Wissenschaftler plädieren mittlerweile für eine Dosierung von 2000 bis 4000 I.E., um von allen gesundheitlichen Vorteilen zu profitieren, die eine optimale Vitamin-D-Versorgung mit sich bringt. Für eine ausreichende Dosierung ist es wichtig, ob nach einem diagnostizierten starken Vitamin D Mangel der Speicher rasch wieder aufgefüllt werden muss oder ob es sich um das Halten des empfohlenen Vitamin D Spiegels handelt.  Die DGE sieht die Gefahr von Nebenwirkungen erst ab einer andauernden Einnahme von mehr als 4000 I.E. am Tag. Die tägliche Einnahme von 4000 I.E. ist auch nach Gutachten der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) sicher.

Generell kann jede Bevölkerungsgruppe von Vitamin-D-Mangel betroffen sein. Ein erhöhtes Risiko haben unter anderem Ältere (ab 50 Jahren) und Menschen, die sich wenig im Freien aufhalten. Auch Säuglinge und Kleinkinder sind häufiger vom Mangel betroffen, wenn keine Vitamin-D-Prophylaxe durchgeführt wird. Übergewicht und manche Medikamente (z.B. Barbiturate und Epileptika) können das Risiko eines Vitamin-D-Mangels ebenfalls steigern.

Achten Sie bei dem Untersuchungsergebnis darauf, ob Nanomol oder Mikrogram pro Liter als Einheit benutzt wurde. Beispielsweise 30 µg/L entsprechen 75 nmol/L, online finden Sie auch Umrechner.

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