In Ingwer, Anis, Kurkuma, Wildkräutern oder Walnüssen stecken viele gesunde Bitterstoffe ©©Ray - stock.adobe.com

Bitter im Mund - im Magen gesund

Bitterstoffe sind gesunde Tausendsassa

Stand: 27.01.2021

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Bitterstoffe – das sind Gifte, mit denen sich Pflanzen vor Fressfeinden schützen. Doch für uns Menschen sind Bitterstoffe gesunde Tausendsassa, die uns bei vielen Beschwerden helfen können. Sie pushen die Verdauung, helfen beim Abnehmen und binden überschüssige Säure. Warum wir sonst noch auf den bitteren Geschmack kommen sollten.

Wir sind es nicht mehr gewohnt, Bitteres zu essen. Bitterstoffe in Nahrungsmitteln? Wenn wir ehrlich sind, akzeptieren wir die nur noch, wenn sie in Genussmitteln wie Kaffee oder dunkler Schokolade vorkommen, oder? Schon Teemischungen mit Kamille trinken die meisten von uns nur im Not- oder Krankheitsfall. Ganz zu schweigen von einer Tasse Tee aus getrockneten Löwenzahnblättern. Das hat einen Grund: Unser Geschmackssinn ist auf süß programmiert. Hinzu kommt, dass unsere Geschmacksrezeptoren – 25 Bitterrezeptoren befinden sich auf der Zunge – immer weniger zu tun bekommen. Denn aus vielen Nahrungskulturpflanzen sind die Bitterstoffe herausgezüchtet worden. Von Rucola zum Beispiel mischte man früher nur wenige Blätter in den Salat. Inzwischen ist er so mild gezüchtet, dass wir ohne Probleme einen ganzen Teller davon essen können. Die Folge: Wir sind Bitterstoffe nicht mehr gewohnt, reagieren immer empfindlicher auf bitteren Geschmack.

Die Dosis macht das Gift


Auch unsere Ahnen wussten, schmeckt etwas süß, ist es nicht giftig. Bitter hingegen warnte: Achtung! Das Lebensmittel ist giftig oder verdorben! Doch ganz so einfach ist es nicht. Unser Körper braucht Bitterstoffe, damit er reibungslos funktioniert. „Von Pflanzen zur Abwehr von Fraßfeinden produziert, aktivieren sie beim Menschen die Produktion von Sekreten wie Galle, Magensäure oder Speichel sowie die Perestaltik (Muskeltätigkeit, d. Red.). Und Bitterstoffe wirken anregend auf das vegetative Nervensystem“, so Prof. Dietrich Grönemeyer. Kein Wunder, denn im menschlichen Körper existieren in fast allen Bereichen Rezeptoren für Bitterstoffe, die hier antientzündlich und immunregulierend wirken. Es konnte sogar wissenschaftlich nachgewiesen werden, dass die bitteren Glucosinolate, mit denen sich Kohlsorten wie Brokkoli gegen Schädlinge schützen, antioxidativ wirken und Tumorerkrankungen vorbeugen können. 

Bitterstoffe – gesunde Multitalente


Auch beim Abnehmen helfen Bitterstoffe. Sie sind im wahrsten Sinne des Wortes „fatburner“, denn sie regen die Energiegewinnung an und fördern die Fettverdauung. Auch als natürliche Essbremse, die den Heißhunger drosselt, haben sich Bitterstoffe bewährt. Denn wenn wir Süßes essen, verlieren wir schnell das Sättigungsgefühl. Eine Vollmilchschokolade lässt sich doch schneller wegnaschen als eine Schokolade mit 80 % Kakaoanteil, oder? WissenschaftlerInnen erklären diesen Effekt als Aktivierung eines Warnsignals aus Urzeiten, das unser Körper bis heute abruft: Bitter sollte nur in Maßen gegessen werden, also bremste das Gehirn die Lust auf Essen und beschleunigte die Darmtätigkeit.

Perfekt, wenn mit Bitterstoffen der Heißhunger auf Süßes gebremst werden kann. Nicht nur, dass beim übermäßigen Verzehr von Süßem immer mehr Kilos so auf den Hüften landen – mit Folgen wie Diabetes, Bluthochdruck oder Gallensteinen, ein hoher Zuckerkonsum bewirkt auch, dass im Körper vermehrt Säuren freigesetzt werden. Bitterstoffe sorgen dafür, dass der Säureüberschuss abgebaut und ausgeschieden werden kann. Besonders die Gallenblase braucht Bitterstoffe, um richtig arbeiten zu können. Fehlen diese, kann sie sich nicht mehr richtig zusammenziehen, es kommt zur Bildung von Gallensteinen.

Deshalb: Die unterschätzten Bitterstoffe sind wahre Gesundheits-Allrounder. Nicht nur die Produktion von Gallenflüssigkeit regen sie an, sie fördern auch die gesamte Verdauung, helfen bei Übersäuerung, halten unseren Heißhunger in Grenzen, wirken antientzündlich und verbessern auch den Speichelfluss im Mund und dessen Zusammensetzung, und schützen so also auch unsere Zähne und unser Zahnfleisch.Braucht es weitere Argumente, um mehr Bitteres in unser Leben zu lassen? 

Vielleicht noch dies: Wer mehr Bitteres auf seinem Teller zulässt, wird das Essen nicht hinunterschlingen, er wird achtsam kauen – müssen.

In diesen Lebensmitteln stecken viele gesunde Bitterstoffe

SALATE: Chicorée, Radicchio, Rucola

GEMÜSE: Artischocke, Brokkoli, Aubergine, Gurke, Mangold, Fenchel

FRÜCHTE: Zitrone, Grapefruit, Kumquat

KRÄUTER: Salbei, Minze, Thymian, Rosmarin, Oregano, Liebstöckel,

WILDKRÄUTER: Löwenzahn, Wegwarte, Wermut, Enzian

GEWÜRZE: Ingwer, Anis, Kurkuma, Muskatnuss, Piment, Kardamom

BITTERNOTEN AUCH IN: Bitterschokolade (ab 70 %), Senf, Walnüssen, Olivenöl

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