Schmerzender Rücken ©anut21ng Stock - stock.adobe.com

Schmerz lass nach!

Tipps fürs Wohlbefinden

Stand: 07.01.2022

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Für Millionen Menschen ist Schmerz ein ständiger Begleiter. Was Körper und Seele hilft, um wieder ins Lot zu kommen. Wäre es nicht schön, wenn man schon morgen die Zipperlein hinter sich lassen könnte und gänzlich losgelöst von Schmerzen durch die Welt hüpft? Tipps für Ihre Wohlbefinden.

Je häufiger es gelingt, sich leicht und unbeschwert zu fühlen, desto mehr erinnert sich der Körper daran, das belegen neue wissenschaftliche Arbeiten. Umgekehrt gilt das leider auch. Bildet sich erst mal ein Schmerzgedächtnis, auch ohne die ursprüngliche körperliche Ursache, muss diese etablierte Nervenleitung wieder lahmgelegt werden. Doch wie kann das gelingen? Vor allem, wenn Schmerztabletten schon lange keine Lösung mehr sind oder es nie waren.

Seit Jahrhunderten bewährte Naturheilverfahren etwa bieten Alternativen. Und integrative Ansätze verbinden Medikation mit verschiedensten Therapien. Gut untersucht und durch Studienuntermauert sind dabei Behandlungen mit europäischen Naturheilverfahren, dem indischen Heilsystem Ayurveda und der  traditionellen, chinesischen Medizin, kurz TCM. Wie führende Experten dieser drei großen Medizinsysteme Schmerzen behandeln und was uns dabei hilft, den eigenen Lebensstil so zu verändern, dass wir den Schmerz loslassen können.

Naturheilverfahren

PROF. ANDREAS MICHALSEN, Chefarzt am Immanuel Krankenhaus Berlin, Professor für Naturheilkunde an der Charité Universitätsmedizin Berlin 

Der Leiter der Abteilung für Naturheilverfahren hat täglich mit PatientInnen zu tun, die unter chronischen Schmerzen leiden und kennt das Dilemma. „Durch unsere Lebensweise sind chronische Schmerzen zwangsläufig häufig geworden. Viele leiden dann lange darunter, ohne dass geholfen werden kann, weil die üblichen Behandlungsoptionen wie Schmerztabletten oder Operationen nicht sinnvoll sind. Die PatientInnen fühlen sich oft hilflos und können wenig an den Ursachen ändern, an mangelnder Bewegung, schlechtem Schlaf oder Stress. Also die ganzen Faktoren, die einen Großteil der chronischen Schmerzen verursachen.“ Und er ergänzt: „Im Prinzip müsste es bei jedem klingeln, der chronische Rücken- oder Nacken- oder Spannungskopfschmerzen hat: Mein Körper spricht zu mir. Und sagt, du musst etwas ändern.“

Der erste Schritt ist, dass man sich bewusst wird, wann und wie die Schmerzen auftauchen. Hilfreich ist dafür ein Tagebuch oder eine Liste, in der man alles aufschreibt. An welchen Tagen sind die Schmerzen besonders stark? War der Schlaf schlecht oder habe ich besonders viel gearbeitet. Wann spanne ich mich besonders an. Taucht die Problematik verstärkt im Urlaub auf, oder wenn meine Frau oder mein Mann da ist, oder wenn sie oder er nicht da ist? Es gilt, Fakten für sich selber herauszufinden. Der zweite Schritt ist dann, Rückschlüsse zu ziehen. Auch bei der Schmerzbehandlung in der Klinik sind die Behandlungsoptionen völlig unterschiedlich. Je nachdem was der Hauptgrund für das Leiden ist. Professor Michalsen: „Der eine Patient ist schlank, sportlich, raucht nicht, trinkt keinen Alkohol, hat aber einfach einen Mordsstress, Druck auf der Arbeit oder kranke Angehörige. Wenn der Stress der Hauptfaktor ist, dann würden wir ganz stark in die Mind-Body-Medizin gehen. Ein anderer Patient wird immer übergewichtiger, sein Bewegungsmuster immer ungünstiger – dann würden wir Heilfasten machen und eine Ernährungsumstellung. Oder jemand sitzt täglich acht Stunden am Computer mit vorgebeugtem Nacken. Da müssen wir eine Physiotherapie machen, die Haltung komplett umstellen.“ Für jede/n ist Heilfasten, Bewegungstherapie oder etwa Achtsamkeitstraining sinnvoll, aber der Fokus liegt auf dem individuellen Hauptrisiko.

Was sich bewährt hat

Heilfasten

Dass SchmerzpatientInnen von dem Nahrungsstopp profitieren, ist durch zahlreiche Studien belegt. Umstritten war bisher, ob es auch bei Migräne sinnvoll ist. Mediziner Michalsen bejaht es. „Wir haben hier die Erfahrung gemacht, dass am Anfang ein Kopfschmerzanfall kommen kann, aber danach sind Betroffene monatelang schmerzärmer.“ 

Kälte-Wärme-Therapie

E Je nach Schmerzkrankheit wird Kälte oder Wärme eingesetzt. Bei der Fibromyalgie ist die Hyperthermie, also die Wärme, hilfreich. Professor Michalsen: „Mit Wärme helfen sich viele auch bei chronischen Rückenschmerzen selbst. Eine Wärmflasche in den Rücken legen, eine Moorpackung anwenden. Auch Saunagänge sind hier schmerzlindernd.“ Manchmal ist Wärme in Kombination mit einem Kältereiz wie Kneippgüssen sinnvoll. Ein sehr starken Reiz bei chronischen Schmerzen wird bei Frosttemperaturen in einer Kältekammer ausgeübt. Die Wirkung ist oft spektakulär und auch anhaltend.

Heiltees und Heilpflanzen

„Bei Kopfschmerzen gibt es gute Studien zu Ingwer und Ingwertee. Bei eher mehr entzündlichen Schmerzen ist Curcuma sinnvoll. Das sind keine starken Mittel, aber ergänzend sehr wirksam.“

Blutegel-Therapie

Bisher hat sie sich vor allem bei Arthrose in den Gelenken bewährt. Doch neue Studien zeigen, dass auch Schmerzen im unteren Rückenbereich sehr gut gelindert werden können.

Mind-Body-Medizin - alles ist wichtig

Zwischen Schmerzkrankheit und Depressionen gibt es enge Verbindungen. Manchmal ist nicht klar, was zuerst da war. Denn fast immer hat die psychische Erkrankung auch einen körperlichen Aspekt. Leider fördern umgekehrt Depressionen auch die Passivität, die wiederum die Schmerzen fördert. Wie kann man solche und ähnliche Teufelskreise durchbrechen? Gespräche, Achtsamkeitstraining, Qigong, in der Natur wandern – erste kleine Schritte raus aus der Erstarrung – das möchte die Mind-Body-Medizin möglich machen.


TCM

DR. CHRISTIAN SCHMINCKE, Chefarzt Klinik am Steigerwald

Auch in der chinesischen Medizin steht Selbstbeobachtung vor der Behandlung. Das beginnt bei der Beschreibung der Schmerzen. „Schmerzen haben immer verschiedene Dimensionen – da ist das krampfartige, das nicht loslassen können. Da ist das sich Alleingelassen fühlen. Es gibt auch den aggressiven Schmerz, der die Menschen auch aggressiv macht.“ Dr. Schmincke erklärt weiter: „Es gilt herauszufinden: Was ist die Emotionalität des Schmerzes? Und was sind die Faktoren, die den Schmerz verschlimmern oder verbessern?“ In der TCM achtet man auf Wetterfühligkeit, reagiert man mit Schmerzen auf wechselndes oder föhniges Wetter oder ist es eher Feuchtigkeit oder Kälte?

Der TCM-Experte betont: „Der Schmerz ist im Rahmen einer Erkrankung entstanden. Wir wollen ihn nicht ausschalten, sondern verstehen. Wenn wir den Schmerz verstanden haben, dann können wir ihn in den meisten Fällen auch behandeln und bringen ihn auf null.“ Auch Zungen-, Antlitz- und Pulsdiagnose helfen, der Ursache auf die Spur zu kommen. Das Besondere ist die Sensitivität der Betrachtung. So wird beim Puls nicht nur auf die Frequenz geachtet, sondern auch die Spannung und die Ausdehnung des Pulses erfühlt.

Was sich bewährt hat

Akupunktur

Für Dr. Schmincke eine ideale und bewiesene Methode, um schnell Schmerzen zu lindern. Eine nachhaltige Therapie findet sich aber in der umfangreichen Pflanzentherapie.

Pflanzentherapie

„Die Chinesen beschreiben rund 3500 Rezepturen“, erklärt Dr. Christian Schmincke. „Wir haben hier etwa 350 auf Lager.“ Das Besondere ist hier, dass die Rezepturen durch die langjährige Erfahrung von Dr. Schmincke und den Austausch mit chinesischen TCM-Ärzten auf die Bedürfnisse von westlichen PatientInnen angepasst wurden. Die sogenannten Dekokte, also Abkochungen von getrockneten Pflanzen, werden mit heißem Wasser eingenommen. Sie sind auch für die Anwendung zu Hause geeignet und werden in der Anfangsbehandlung noch laufend angepasst. Die Inhaltsstoffe haben dabei zahlreiche interagierende Wirkungen. Bestimmte Heilpflanzen ermöglichen dem Körper, selber ein Schmerzmanagement aufzubauen. Dann gibt es Pflanzen, die helfen, dass entzündliche und andere unerwünschte Substanzen über den Darm entsorgt werden.

Ernährung

„Sie spielt auch eine große Rolle. Wir empfehlen hier vielen Patienten Entschlackungstherapien mit reduzierter Nahrungsaufnahme, damit die unerwünschten Stoffe, die sich über Jahre angesammelt haben, hinausbefördert werden. Auch Abendfasten ist Teil unseres Programms“, sagt Dr. Schmincke. Und ergänzt: „Es lohnt sich für jeden, sich eine gemüsebetonte Küche anzugewöhnen – und zwar mit guten Nahrungsmitteln und einer schmackhaften Zubereitung.“ Fleisch ist in der chinesischen Medizin eine Arznei, die nur besonders ausgezehrten Patienten gegeben wird. Und ein Tipp von Dr. Schmincke: „Trinken Sie regelmäßig vor dem Schlafgehen ein halbes Glas warmes Wasser, das fördert das Wohlbefinden.“

Körpertherapie

Eine Vielzahl von etablierten Körpertherapien kommen aus der chinesischen Volksmedizin wie etwa Tai-Chi und Qigong. Der Chefarzt: „Wir sprechen dabei nicht von Entspannungsmethoden. Die äußeren Therapien führen dazu, die Balance zu finden zwischen einer Anspannung und Entspannung. Beides ist wichtig.“ Eine weitere wichtige Säule der chinesischen Medizin ist Tuina, eine Massageform, die Blockaden im Energiefluss löst. Wichtig ist dem TCM-Experten, dass man versucht, trotz Schmerzen, sich regelmäßig zu bewegen und hinauszugehen.


Ayurveda

Priv.-Doz. Dr. Christian Kessler, Oberarzt Immanuel Krankenhaus Berlin, Fachgebiet: Innere Medizin, Naturheilverfahren, Psychotherapie; Spezialgebiet Traditionelle Indische Medizin, Ayurveda.

„Ayurveda ist kein Werkzeug, sondern eine Werkzeugkiste, da ähnelt es anderen traditionellen Medizinsystemen wie TCM oder der europäischen Naturheilkunde.“ Dieses Verständnis ist für Dr. Kessler entscheidend, denn es gibt auch für den chronischen Schmerz nicht die eine Körpertechnik, Anleitung oder Massage, die eine Therapie ausmachen. „Es ist immer eine Vielzahl von Anwendungsmöglichkeiten vor dem Hintergrund der jeweiligen medizinischen Fragestellung. Das Entscheidende ist die zusätzliche Perspektive. Wir schauen durch die Ayurveda-Brille“. Und der Arzt erläutert, was das zunächst allgemein bedeutet. „Bei Schmerzerkrankungen ist entsprechend der Ayurveda-Konzepte das kinetisch-katabole Funktionsprinzip im Ungleichgewicht. Das heißt, Vata ist erhöht.“ Im Ayurveda denkt man in Milieuveränderungen und in Eigenschaften.

Dr. Kessler beschreibt etwa eine typische Arthrose Patientin, die unter Kniegelenk-, Hüftarthrose und Wirbelsäulenbeschwerden leidet. Sie ist Mitte 70, eher hager, hat eine trockene, raue Haut und ist kälteempfindlich. Hinzu kommt eine Neigung zur Verstopfung und Durchschlafstörung. Nicht selten Begleiterscheinungen bei Schmerzpatienten. „Da können wir versuchen, das nach Kälte, Rauigkeit, Trockenheit, Leichtigkeit verschobene Milieu günstig zu beeinflussen, etwa durch ayurvedische Ernährungstherapie. Die Empfehlung wäre, dass sie sich überwiegend warm, soßig-suppig, gut gewürzt, leicht verdaulich und trotzdem nahrhaft sowie regelmäßig ernährt.“ Durch die Auswahl an Nahrungsmitteln und eine bewusste Ernährungsweise, wählt man bevorzugt Vata-regulierende Eigenschaften. Es geht darum, die individuelle Balance wiederherzustellen. Auch durch die ayurvedischen Körper-und Manualtherapien wie die traditionelle indische Physiotherapie, Massagen, Packungen, Anwendung verschiedener Öle, Auflagen und Techniken. Eine dritte wichtige Behandlungsebene sind verschiedene Achtsamkeits-und Körpertherapien. Besondere Bedeutung im Ayurveda hat das therapeutische Yoga. Typische indische Heilkräuter für SchmerzpatientInnen sind beispielsweise: Ashwagandha, Myrrhe und Weihrauch.

Was sich bewährt hat

Ernährung nach Typus

Wohl jede/r hat schon von der ayurvedischen Typenlehre Vata, Pitta, Kapha gehört. Auch durch die Ernährung wird auf diese Funktionsprinzipien Einfluss genommen. Das geschieht über individuell zusammengestellte Ernährungspläne, mit Mahlzeitenvorschlägen inklusive Gewürzen, Kräutern sowie Zeitpunkten und Rhythmik hinsichtlich der Mahlzeiten.

Therapeutisches Yoga

Es findet in der Regel im Einzelkontakt oder Kleingruppen statt. Dr. Kessler betont: „Dabei werden nicht für die Gesunden bestimmte Übungssequenzen gemacht, um Beweglichkeit und Gesundheit allgemein zu fördern, sondern hier geht es um therapeutische Yoga-Übungen für bereits Erkrankte. Und das berücksichtigt die gesundheitlichen Einschränkungen, die ein Patient hat.“ Dadurch bietet es in einem schmerzfreien Raum Übungen an, die man nach präziser Anleitung auch zu Hause machen kann. Der große Unterschied zu herkömmlichen Yogakursen ist, dass therapeutisches Yoga unter speziellen medizinischen Fragestellungen stattfindet.

Ausgebildete Therapeuten finden Interessierte auf der Webseite der Deutschen Gesellschaft für Yogatherapie (DeGYT) unter www.degyt.de

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