Hochdruck im Kopf

Wetterfühligkeit

Stand: 22.06.2016

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Plötzlich – scheinbar aus dem Nichts – beginnt der Schädel zu brummen, die Glieder schmerzen verstärkt oder der Blutdruck spielt verrückt. Viele Menschen kennen diese Beschwerden, die scheinbar ohne erkennbare Ursache auftreten können. Möglicher Auslöser: das Wetter.

Für Mediziner gelten Menschen als wetterfühlig, wenn deren vegetatives Nervensystem eine niedrige Reizschwelle hat. Das heißt, sie sind besonders sensibel für atmosphärische Veränderungen und reagieren zum Beispiel mit Kopfschmerzen oder Konzentrationsschwäche.

Wetterfühligkeit – was ist das?

Empfindlichkeit gegenüber Änderungen des Wetters
 (z. B. Luftdruck, Luftfeuchtigkeit, Temperaturwechsel), die sich unter anderem durch Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Gelenk- oder Narbenschmerzen und Abgeschlagenheit bemerkbar macht.

Etwa die Hälfte der Bevölkerung glaubt, einen Wetterumschwung zu spüren oder klagt gar über Beschwerden, die durch Wetterwechsel entstehen. Da könnte man fast vermuten, dass es sich bei Wetterfühligkeit um eine Krankheit handelt. Doch weit gefehlt. „Das ist nicht der Fall”, weiß Dr. Christina Koppe, Biometeorologin beim Deutschen Wetterdienst in Freiburg. Alle Menschen reagieren ihrer Meinung nach irgendwie auf das Wetter beziehungsweise einen Wetterwechsel. Ein Grund dafür: Unser Organismus muss sich ständig mit der Umwelt und der Atmosphäre auseinandersetzen.

Regulation der Körpertemperatur entscheidend

Ein schönes Beispiel dafür: die sogenannte Thermo-Regulation oder Temperaturanpassung des Körpers. Der menschliche Körper versucht, seine Kerntemperatur auf etwa 37 Grad konstant zu halten. Dafür muss er seine Wärmeabgabe regulieren. Wenn es sehr kalt ist, zieht sich das Blut aus den äußeren Hautschichten zurück. Das führt in der Regel dazu, dass der Blutdruck steigt.

Ist es nun sehr warm, muss der Körper Wärme abgeben, das Blut wird in die äußeren Gefäße verlagert und es kann zum Blutdruckabfall kommen. Ein gesunder Mensch merkt von all dem nichts. Ist der Organismus allerdings (z. B. durch Krankheiten) geschwächt, spüren die Betroffenen diese Anpassungsvorgänge verstärkt und es kommt zur sogenannten Wetterfühligkeit. Wenn es im Winter sehr kalt ist, haben z. B. gerade die Menschen Probleme, die unter hohem Blutdruck leiden. Sie sollten sich dann auch schonen und nicht unbedingt der Kälte aussetzen.

Der Luftdruck alleine kann aber nicht für Beschwerden verantwortlich gemacht werden. Wer also glaubt, besonders bei einem Hoch für Kopfschmerzen anfällig zu sein, irrt. Es spielt in der Regel weniger eine Rolle, welcher Luftdruck herrscht, sondern es geht vielmehr um Wetterumschwünge oder Luftmassenwechsel, die zu einer Erwärmung oder Abkühlung der Luft führen. „Diese hängen mit dem Durchgang von Tiefdruckgebieten sehr stark zusammen”, erklärt die Biometeorologin.

Ein Hochdruckgebiet sollte sich eigentlich positiv, also anregend auswirken. Normalerweise treten dann keine wetterbedingten Beschwerden auf. Aber auch hier bestätigen Ausnahmen die Regel. Wenn es im Sommer zu heiß ist, kann es eben zu Hitzebelastungen kommen. Dann greift wieder die Temperaturregulation des Körpers, der Organismus wird zusätzlich belastet. „Da die Regulation der Körpertemperatur einen höheren Stellenwert hat als die Blutdruckregulation, gibt es gerade bei Hitzewellen so viele Probleme”, sagt Dr. Christina Koppe.

Bereits Hippokrates (um 460–377 v. Chr.) hat sich mit dem Thema Wetterfühligkeit beschäftigt und in seiner Schrift „Luft und Wasser” darauf hingewiesen, „dass Entzündungen und Allergien häufiger bei Zufuhr tropischer Luft auftreten, während Koliken und Krämpfe sich bei Polarluftzufuhr häuften”. Trotz umfangreicher Forschungen ist bis heute leider immer noch nicht im Detail geklärt, welchen Einfluss das Wetter ganz konkret hat.

Zwischen 1955 und 2001 wurden zahlreiche Umfragen dazu durchgeführt. Die Forscher wollten wissen, wie viel Einfluss das Wetter auf die Gesundheit hat. Zwischen 54 und 63 Prozent der Probanden gaben an, sich beeinträchtig zu fühlen. „Ein großes Problem ist, dass Wetterfühligkeit ein sehr subjektives Empfinden ist”, so Koppe. Somit gebe es also kaum fundierte Daten und man müsse sich weiterhin auf solche Befragungen stützen.

Spaziergänge bei Wind und Wetter

Damit es gar nicht erst zu Wetterfühligkeit kommt, sollte die vegetative Regulationsbreite erhöht werden, also den Körper an Schwankungen von Luftdruck, Temperatur usw. gewöhnen und das Immunsystem stärken. Es empfehlen sich regelmäßige Spaziergänge bei Wind und Wetter. „So lernt der Körper, sich an jedes Wetter anzupassen”, weiß die Biometeorologin. Ebenfalls hilfreich können Saunagänge oder Wechselduschen sein. Und überhaupt gilt auch bei Wetterfühligkeit: ein regelmäßiger Lebenswandel, ausgewogene Ernährung, ausreichend Flüssigkeit und genügend Schlaf tragen zur Besserung bei.

Weitere Infos unter: www.dwd.de; Deutscher Wetterdienst Klima- und Umweltberatung

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