Das geht ans Herz

Herzgesundheit

Stand: 10.10.2016 (10.10.2016)

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Frauen unterschätzen ihr Risiko für Herzkrankheiten – dabei sind sie viel gefährdeter als Männer.

Sind es die Hormone? Wirken bestimmte Medikamente auf den weiblichen Stoffwechsel anders? Oder werden bei Frauen Frühsymptome schlicht übersehen?

Kardiologen rätseln. Denn: Mehr als doppelt so viele Frauen wie Männer sterben an Herzschwäche – so der aktuelle Deutsche Herzbericht, der Daten und Fakten aus dem vergangenen Jahr auswertet. Auch bei Herzrhythmusstörungen ist das Risiko nicht zu überleben, bei Frauen um 40 Prozent höher als bei Männern. Diese Entwicklung verstärkt sich schon seit mehreren Jahren. Das Verrückte: Männer leiden viel häufiger an den typischen Herz-Kreislauf-Krankheiten wie die koronare Herzkrankheit und Bluthochdruck. Doch warum sterben viel mehr Frauen an Herzproblemen?

Fehlen die Hormone?

Bis zur Menopause ist das weibliche Herz durch verschiedene Hormone natürlich geschützt. Diese Botenstoffe sorgen für eine stärkere Durchblutung. Danach wird es heikel. Denn während der Wechseljahre fährt der Körper die Hormonproduktion zurück, der Schutz fällt weg, und die Umstellung führt außerdem zu einem veränderten Stoffwechsel. Bei vielen Frauen steigt das Gewicht – ein weiteres Risiko kommt dazu. Vorbeugend hilft moderate Bewegung und eine abwechslungsreiche pflanzliche oder mediterrane Ernährung mit Ölen mit den gesunden Fettsäuren ALA – fördert einen normalen Cholesterinspiegel – sowie DHA, dem wichtigen Baustein für die Funktion der Zellmembranen.

Zu viel Gefühl?

Frauen reagieren körperlicher auf Emotionen. Zumindest sind sie häufiger vom Broken-Heart-Syndrom betroffen. Die wortwörtliche Übersetzung trifft das Gefühl: gebrochenes Herz. Nach einem tragischen Verlust oder bei großer Trauer verhält sich das Herz wie bei einem Infarkt, doch die Ursache ist kein verstopftes Blutgefäß wie sonst bei einem Herzanfall. Die linke Herzkammer verformt sich und bildet einen kleinen Ballon – er ähnelt einer japanischen Tintenfischfalle (Tako-Tsubo). Da es japanische Forscher entdeckt haben, nennt sich die Krankheit Tako-Tsubo-Kardiomyopathie. Selbst große Glücksmomente bergen eine Gefahr, denn das sogenannte Happy-Heart-Syndrom ähnelt dem gebrochenen Herzen. Dabei ist die Beweglichkeit der Kammern eingeschränkt – ganz so als würde es in eine Schockstarre fallen, beschreiben Kardiologen das Syndrom. Trauerarbeit, Achtsamkeit und Selbstfürsorge sind die wichtigsten Vorsorge-Maßnahmen.

Die falschen Medikamente?

Etliche Präparate wirken auf den weiblichen Organismus ganz anders als auf den männlichen. So schützt Acetylsalicylsäure (ASS) Frauen nicht so gut vor Herzanfällen wie Männer, Herzmittel mit Digitalis lösen zudem häufiger Herzrhythmusstörungen aus. Das sind nur einige wenige Beispiele. Zudem wird an den meisten Universitäten mit Studienmaterial gearbeitet, das sich an Symptomen und Krankheitsverläufen von Männern orientiert. Die Gender-Medizin, also die Erforschung der geschlechtsspezifischen Unterschiede, hat sich noch nicht durchgesetzt.

Zu spät erkannt?

Im Durchschnitt kommen Frauen mit lebensbedrohlichen Herzbeschwerden 72 Minuten später in eine Notaufnahme als Männer. Doch bei einem Herzanfall zählt jede Minute. Noch immer können viele Ärzte die weiblichen Alarmsignale nicht richtig einordnen. Die typischen Infarktsymptome wie Brustenge und in den rechten oder linken Arm ausstrahlende Schmerzen fehlen oft. Selbst im EKG und bei den Laborwerten sind die Anzeichen schwächer ausgebildet. Hinzu kommt, dass die Frauen selbst nicht glauben, akut gefährdet zu sein und die Beschwerden herunterspielen.

Diese Alarmsignale sollte jede Frau kennen

Neben dem bedrohlichen Gefühl der Brustenge kann sich ein Herzinfarkt auch mit plötzlich auftretenden Schmerzen in Schulter, Nacken oder Kiefer ankündigen. Oder es fühlt sich an wie ein starkes Sodbrennen, starke Übelkeit, Erbrechen oder Schweißausbrüche. Bedenken Sie: Innerhalb von drei bis sechs Stunden nach den ersten Alarmzeichen können Mediziner den Schaden am Herzmuskel noch begrenzen. Deshalb bei Infarktverdacht sofort die 112 wählen und einen Rettungswagen rufen!

Gut zu wissen

Was ist überhaupt eine Herzschwäche?

Bei der Herzinsuffizienz nimmt die Pumpkraft des Herzens ab, dadurch gelangt nicht mehr genügend Blut und damit Sauerstoff und Nährstoffe zu den Organen und Muskeln. Sie beginnt schleichend mit Atemnot und einer Abnahme der Leistungsfähigkeit. Je früher die Herzschwäche erkannt wird, desto besser kann man gegensteuern.

  • Tipp: Hier bekommen Sie auf Nachfrage zu allen wichtigen Themen rund ums Herz Informationsbroschüren: Deutsche Herzstiftung e. V., Vogtstr. 50, 60322 Frankfurt/M. oder www.herzstiftung.de
  • Laufen ohne Schnaufen: Das Herz liebt moderate Bewegung. Auf unserem "Reformhaus® activate your life"-Youtube-Kanal unter youtube.com/c/ReformhausBewegung finden Sie Tipps für Einsteiger und Fortgeschrittene.

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