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Welchen Einfluss hat die Wasserhärte?


Trinkwasser / Interview

09. Mai 2011

Dr. Jörg Zittlau sprach zu diesem kontrovers diskutierten Thema mit Isabelle Keller von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung sowie mit dem Ernährungs- und Diätberater Dr. Hilmar Burggrabe (Autor von „Trinkwasser & Säure-Basen-Balance. Leben im Gleichgewicht”).

Haben die Menschen früher härteres oder weicheres Wasser getrunken als heute?

Burggrabe: Ursprünglich versorgte sich der Mensch aus Regenwasser, sein Körper ist also auf mineralarmes und weiches Wasser geeicht. Erst später grub er Brunnen in die mineralreiche Erde. Dabei musste er, nicht zuletzt durch die Umweltverschmutzung, immer tiefer gehen. Der Härtegrad seines Wassers nahm dadurch immer mehr zu.

Hartes Wasser ist doch eigentlich mineralreiches Wasser. Warum nutzt es uns dann nichts? 

Burggrabe: Weil wir seine Mineralien nur schlecht verwerten können. Unsere Mineralversorgung basiert in erster Linie auf der Zufuhr von Obst und Gemüse, deren Salze unser Körper weitaus besser nutzen kann. Eine Apfelschorle beispielsweise trägt dadurch mehr zu unserem Mineralienhaushalt bei als bloßes Leitungs- oder Mineralwasser.

Welche gesundheitlichen Auswirkungen hat hartes Wasser Ihrer Meinung nach? 

Burggrabe: Es setzt die Nieren unter Stress, die stark damit beschäftigt sind, die nicht verwertbaren Salzanteile des harten Wassers aus dem Körper zu entfernen. Langfristig fördert es die Übersäuerung des Körpers, weil es ja nicht wirklich Mineralsalze liefert, um den Säure-Basen-Haushalt in Richtung basisch zu verschieben.

Und wenn man in einer Gegend mit hartem Wasser lebt?
Burggrabe: Man kann sich eine Umkehr-Osmose-Anlage anschaffen, um das Wasser zu enthärten. Sie basiert auf dem rein physikalischen Prinzip der Osmose, das auch in der Natur vorkommt. Dadurch ist sie zuverlässig und ohne Risiko. Allerdings kostet solch eine Anlage 800 bis 900 Euro. Doch diese Investition lohnt sich. Nicht nur, weil man damit besseres Wasser bekommt. Sondern auch, weil es langfristig Geldbeutel und Umwelt schont.

Was ist besser für die Gesundheit: hartes oder weiches Wasser?

Keller: Bei elektrischen Geräten für die Wasseraufbereitung, wie etwa Kaffee- und Waschmaschinen, ist diese Frage von Bedeutung, da in ihnen das Wasser auf hohe Temperaturen erhitzt wird, sodass sich große Mengen an Calciumcarbonat ablagern können. Für den menschlichen Organismus spielt es jedoch eine untergeordnete Rolle, ob er hartes oder weiches Wasser trinkt.

Aber hartes Wasser enthält doch mehr Mineralien? Ist das nicht gut für uns?

Keller: Als Mineralstoffquelle sind andere Lebensmittel viel wichtiger als unser Trinkwasser. Zum Vergleich: Um uns mit dem Calcium einer einzigen Scheibe Emmentaler versorgen zu können, müssten wir 13 Liter Leitungswasser trinken.

Trägt denn Mineralwasser zur Mineralversorgung bei?

Ja, aber auch nur bedingt. Von calciumreichem Wasser mit einem Gehalt von mindestens 150 Milligramm Calcium pro Liter müsste man immer noch mindestens zwei Liter trinken, um auf den Gehalt der Käsescheibe zu kommen. Dennoch kann calciumreiches Wasser für Menschen mit erhöhtem Knochenschwundrisiko oder bereits bestehender Osteoporose eine gute Ergänzung im Speiseplan sein.

Worauf muss man beim Mineralwasser achten?

Keller: Es muss zunächst einmal schmecken. Und sein Mineralienprofil sollte zu unseren Bedürfnissen passen. So sollten Menschen mit Bluthochdruck eher natriumarmes Wasser trinken. Für Sportler kann es sinnvoll sein, das Mineralwasser mit etwas Apfelsaft zu einer Schorle zu vermischen. Sie liefert zusätzlich Mineralstoffe und der im Saft enthaltene Zucker dient zur Energiebereitstellung.

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