Vegetarismus im Zeitalter des Humanismus

Für die Tiere

Stand: 12.05.2016

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Tiere töten verhärtet das menschliche Gemüt, Tiere essen ruiniert die Gesundheit – diese Auffassungen verbreiteten sich im 18. Jahrhundert.

Humanistisches Gedankengut verbreitete sich auch im 17. und 18. Jahrhundert weiter. Zurückgehend auf den antiken römischen Begriff humanitas (Menschlichkeit) zielte das Konzept des Humanismus vor allem auf die optimale Entfaltung des Individuums durch Bildung. Weitere Aspekte wie Mitgefühl, der Glaube an die brüderliche Verwandtschaft aller Menschen sowie ein Streben nach Milde und Gerechtigkeit waren ebenfalls von Bedeutung. Einige Denker bezogen dabei auch die Tiere ein.

Tiere quälen verhärtet das Gemüt der Menschen

Der englische Philosoph John Locke (1632 bis 1704) war der Ansicht, dass Tiere Gefühle haben und kommunizieren können. Er war davon überzeugt, dass die Art, wie Menschen Tiere behandeln, erwarten lässt, wie sie ihre Mitmenschen behandeln werden. Schon Kinder sollten daher zu einem rücksichtsvollen Umgang mit Tieren erzogen werden: „Denn die Sitte, Tiere zu quälen und zu töten, wird Stück für Stück auch ihr Gemüt gegenüber Menschen verhärten.“

Auch der französische Philosoph und Schriftsteller Voltaire (1694 bis 1778) hasste Grausamkeit gegenüber Menschen und Tieren. Er war wohl selbst kein Vegetarier, gab seiner Abneigung gegenüber dem Fleischverzehr jedoch wiederholt Ausdruck. In seinem Roman „Die Prinzessin von Babylon“ erklärt ein Phönix der Titelheldin: „Menschen, die von Fleischnahrung und starken Getränken leben, haben ein scharfes, brennendes Blut, das ihre Gehirne auf hunderterlei Weise toll macht. Ihr vorzüglicher Wahnsinn´ist die Wut, das Blut ihrer Brüder zu vergießen.“

Der Priester John Wesley (England 1703 bis 1791), Begründer des Methodismus, lebte aus gesundheitlichen Gründen vegetarisch. Dem Bischof von London schrieb er: „Dem Herrn sei Dank! Seit ich Fleisch und Wein aufgegeben habe, bin ich von allen Krankheiten erlöst.“ Ethische Aspektespielten offenbar keine Rolle, vielmehr passte die vegetarische Ernährung ins christliche Ideal der Mäßigung sowie der Pflege des Körpers als „Tempel Gottes“.

Pflanzliche Kost für die Gesundheit

Die Empfehlung, vegetarisch zu leben, erhielt Wesley vom berühmten schottischen Arzt George Cheyne (1671 bis 1743). Dieser hatte die heilsame Wirkung pflanzlicher Kost am eigenen Leib erfahren. Massiv übergewichtig litt er an Kurzatmigkeit, Schwindel, schweren Kopfschmerzen und Depressionen. Cheney fühlte das Ende nahen und stellte seine Ernährung auf Obst, Gemüse und Milch um, ergänzt durch etwas Fleisch. Seine Gesundheit verbesserte sich, und er „liberalisierte“ seine Kost – mit dem Ergebnis, dass seine Krankheiten wiederkamen.

Cheyne folgte nun einer strikten Gemüse- und Milchkost, und nach zwei Jahren waren alle Erkrankungen für immer verschwunden. Seine positiven Erfahrungen mit vegetarischer Ernährung veröffentlichte er in zahlreichen Fachbüchern. Auch ethische Überzeugungen kamen hinzu: „Ich kann keinen vernünftigen Unterschied zwischen dem Essen von Menschenfleisch und dem von Tieren sehen, außer der Gewohnheit […]“.

Weitere Ärzte und Denker würden sich zukünftig dem vegetarischen Gedanken öffnen.

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