Oh, wie süß!

10 Fragen rund um das schädliche Süßungsmittel

Stand: 07.06.2018 (07.06.2018)

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Manchmal muss es ein Stück Nussschokolade sein. Oder Kirschkuchen oder Pistazieneis. Ja, manchmal. Aber nicht zu oft und nicht zu viel.Denn Zucker ist ins Gerede gekommen. Dass Süßes dick macht, vermutet man schon lange. Inzwischen ist bekannt, dass der Verzehr auf Dauer auch die Gesundheit gefährdet. Zehn Fragen zu einem aktuellen Thema. Und als Leckerli Eisrezepte für den Sommergenuss. Verlockend und - kaum zu glauben - ohne Zucker!

Wo ist Zucker überall drin?

Marmelade, Bonbons und Säfte enthalten selbstverständlich Zucker. Das weiß jeder. Aber Zucker verbirgt sich auch in vielen Lebensmitteln, von denen man es gar nicht vermutet. In Fertigprodukten beispielsweise. In Chips, Kroketten oder Back Camembert, die mit Zucker behandelt werden, damit sie schön knusprig aus der Friteuse kommen. Selbst Essiggurken, die man wegen des sauren Geschmacks liebt, sind gesüßt. Und ein kleines Glas Apfelsaft enthält doppelt so viel Zucker wie ein ganzer Apfel. Extrem viel Zucker enthalten Light-Produkte. In ihnen wird Fett durch Zucker ersetzt. Dass man mit ihnen abnehmen kann, ist also ein Märchen.

Tipp: Wenn Sie wissen wollen, wie viel Zucker in einem Fertigprodukt ist – je weiter oben er in der Zutatenliste steht, umso mehr ist drin.

Wer verbraucht wie viel?

Knapp 34 Kilo Zucker verbraucht jeder Deutsche pro Jahr. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind es zwischen 120 und 170 Gramm am Tag. Die Empfehlung lautet aber: Nur 5 Prozent des täglichen Kalorienbedarfs sollte mit Zucker gedeckt werden. Das wären circa 25 Gramm, sechs Teelöffel. Tatsächlicher Verbrauch: 20 Teelöffel. Andere Länder sind genügsamer. Obwohl die Herstellung von Zucker aus Zuckerrohr vor rund 2.000 Jahren in Indien erfunden worden sein soll, verbrauchen Asiaten heute weitaus weniger des Süßmittels als Bewohner Amerikas oder Europas.

  • Indien = 1,3 TL pro Tag
  • China = 3,9 TL pro Tag
  • Thailand = 7,3 TL pro Tag
  • Kanada = 22,3 TL pro Tag
  • Australien = 23,9 TL pro Tag
  • Deutschland = 25,7 TL pro Tag

Ist Zucker für den Körper notwendig?

Jede Körperzelle benötigt Glucose als Energiequelle. Zucker kann unser Körper aus diversen Lebensmitteln selbst gewinnen. Aus Obst, Gemüse, aber auch aus Nudeln, Reis, Kartoffeln, denn dank Insulin können Fettgewebe und Muskeln Zucker aufnehmen und verwerten. Aus einer normal ausgewogenen Ernährung mit vielen frischen, pflanzlichen Lebensmitteln könnte der Körper eigentlich ohne jegliche weitere Aufnahme von reinem Zucker gut auskommen. Aber die Tatsachen sehen anders aus.

Deutschlands bekannteste Ernährungsmedizinerin und Kolumnistin im ReformhausKurier, Dr. med. Anne Fleck – Doc Fleck – sieht es so: „Gesund essen, das heißt auch Zucker zu reduzieren. Das ist nicht immer einfach. Denn wie schnell landen zwei Löffel Zucker im Kaffee und sind schon beim Umrühren vergessen. Auch vermeintlich gesunde Bio-Limos sind häufig wahre Zuckerbomben. Oder Fertigprodukte, die reichlich versteckten Zucker enthalten. Unseren Zuckerkonsum, dazu gehört auch Honig, Dicksäfte und Co., im Blick zu behalten, ist unbedingt nötig, wenn wir schlank und vor allem gesund bleiben möchten.“ 

Blutzucker – Was ist das?

Bei allen verschiedenen Zuckersorten gibt es drei Basiszuckerarten: Glucose, Fructose (Fruchtzucker), Galactose (beispielsweise Bestandteil von Milchzucker): Der Glucoseanteil im Blut wird als Blutzucker bezeichnet. Er ist vor allem für die Energieversorgung des Gehirns, der roten Blutkörperchen und des Nierenmarks wichtig. Der Blutzuckerspiegel ist der Messwert für Diabetes.

Die größten, heimlichen Zuckerlieferanten (1 Würfelzucker = 3 Gramm Zucker)

Multivitaminsaft (1 Liter) 35 Würfelzucker
Ketchup (300 g) 23 Würfelzucker
Löslicher Kaffee (100 g) 17 Würfelzucker
Eistee (500 ml) 15 Würfelzucker
Gummibärchen (100g) 15,3 Würfelzucker
Fruchtjoghurt (150 g) 6 Würfelzucker
Coca Cola (150 g) 6 Würfelzucker
Heringssalat (200 g) 5 Würfelzucker
Cornflakes (30 g) 4 Würfelzucker
Müsliriegel 3 Würfelzucker
Leberwurst (250 g) 3 Würfelzucker

Welche Alternativen gibt es?

Weißer raffinierter Haushaltszucker, der meist aus Rüben hergestellt wird, macht den Hauptanteil des Verbrauchs aus. Alternativen gibt es:

Honig

Er süßt nicht nur, sondern hat auch Inhaltsstoffe, die ihn wertvoll machen. Etwa Enzyme. Die wirken aber nur, wenn der Honig bei der Produktion nicht über 40 Grad erhitzt wird.

Ursüße und Vollrohrzucker

Beides sind Süßungsmittel und werden aus getrocknetem, gemahlenem Zuckerrohrsaft hergestellt.

Dicksaft

Eingekochte Säfte aus Agaven, Äpfeln oder Birnen, besteht aus Fruchtzucker (Fructose) und enthalten auch einige Vitalstoffe und haben einen deutlichen Eigengeschmack. Ebenfalls eigenwillig, nämlich würzig-herb und karamellartig, schmeckt Ahornsirup, den der Zuckerahorn in Kanada liefert. Der Saft wird direkt vom Stamm abgezapft. Er enthält viele Polyphenole, die eine entzündungshemmende und antioxidative Wirkung haben. 

Birkenzucker oder Xylit

Der aus der Rinde der Bäume gewonnene Birkenzucker hat weniger Kalorien als Industriezucker, süßt aber ebenso intensiv. Eine echte Alternative beim Kochen und Backen. 

Kokosblütenzucker

Der aus dem Nektar der Kokospalmenblüte gewonnen wird. Der Nektar wird eingekocht und anschließend pulverisiert.

Stevia

Stevia ist der Extrakt der Pflanze Süßkraut oder Honigkraut, die in Südamerika wächst. Stevia süßt gut und ist bis zu 450-mal süßer als Zucker, hat aber einen leicht bitteren Nachgeschmack.

Macht Zucker dick?

Die Zuckerindustrie sagt Nein. Dick wird man von zu vielen Kalorien pro Nahrungsmenge. Aber stimmt das? Früher, in Zeiten der Jäger und Beerensammler, wurde der Körper mit Zucker in Form von Honig, süßem Obst und Zuckerrüben versorgt. Viel Energie mit wenig Nahrung: prima! Der Körper freute sich und je mehr er davon bekam, desto besser. Vielleicht war die Zuckerquelle bald wieder versiegt.

Heute steht Zucker jederzeit zur Verfügung. Aber noch immer freut sich der Körper über diese Energiequelle, als wäre sie nicht unerschöpflich. Doch zu viel Zucker kann der Körper gar nicht verarbeiten. Es geht dabei nicht um einen köstlichen Eisbecher mit Schlagsahnehäubchen, den man sich am sonnigen Strandtag mal gönnt. Es geht um den Zucker, den wir täglich gedankenlos – und oft, ohne es zu wissen – mit Lebensmitteln zu uns nehmen, die gesüßt sind, obwohl man das nicht vermutet, wie Light- oder Fertigprodukte.

Zucker, der nicht zur sofortigen Energieerzeugung benötigt wird, wird in Fettzellen eingelagert. Das macht dick. Laut einer Studie der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit) von 2011 ist die Hälfte der Bürger der Mitgliedsstaaten zu dick. Und besonders dramatisch: Jedes dritte Kind in den 33 Mitgliedstaaten ist übergewichtig.

Warum überkommt uns manchmal Heißhunger auf Süßes?

Bei zu zuckerreicher Ernährung steigt der Blutzuckerspiegel nach dem Essen rasant an und die Bauchspeicheldrüse produziert entsprechend viel Insulin, um den Zucker zu verarbeiten. Heißt: Der Blutzuckerspiegel sackt auch fix wieder ab. Das signalisiert dann wiederum Hunger, richtigen Heißhunger – gerne auch auf einen süßen Snack, obwohl die Energiereserven eigentlich gefüllt sind. Denn je schneller der Blutzuckerspiegel sinkt, desto stärker das Gefühl der Unterzuckerung, das im Gehirn entsteht.

Schadet Süßes auch der Gesundheit?

Dr. Anne Fleck erläutert: „Zu viel Zucker und Süßstoff machen nicht nur dick, sondern fördern zudem niedriggradige Entzündungen und damit auch Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems.“

Auch das Risiko für Lebererkrankungen steigt mit viel Zuckerverbrauch und natürlich das Diabetesrisiko, in dessen Folge es zu weiteren Krankheiten kommen kann. Zwar wird häufig von ‚Alterszucker’ gesprochen, tatsächlich aber kann zu viel Zucker schon bei Kindern Schaden anrichten. Studien, die im Auftrag der American Health Association ausgewertet wurden, kommen zu einer deutlichen Schlussfolgerung: „Die Aufnahme zugesetzten Zuckers in der frühen Kindheit erscheint besonders schädlich und sollte vermieden werden.“

Dr. med. Anne Fleck rät deshalb in ihrem Buch „Schlank! und gesund mit der Doc Fleck Methode“ zu einem radikalen Schnitt: „Zucker als Treiber für Insulinausstoß und Heißhunger wird vorerst konsequent verbannt. So wird der Stoffwechsel aktiviert, chronische Entzündungen werden gezähmt und das Darmmilieu auf schlank gedüngt.“

Was tut die Gesundheitspolitik?

Seit im April in Großbritannien eine Steuer auf zuckerhaltige Getränke erhoben wird, kommt auch in Deutschland eine Diskussion in Gang, die den Zuckergehalt in Limos und künstlich gesüßten Fruchtsäften aufs Korn nimmt. Denn schon bevor die Steuer in Großbritannien fällig wurde, reduzierten Hersteller den Zucker deutlich. Die Verbraucherorganisation Foodwatch fordert diese Steuer, die nicht die Verbraucher, sondern die Industrie zahlen müsste, auch in Deutschland. „Die Bundesregierung muss die Hersteller von stark überzuckerten Getränken verpflichten, eine Abgabe zu zahlen“, heißt es in dem von Foodwatch im April veröffentlichten Coca-Cola-Report. 

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