Apfel

Lieber mal in saure Äpfel beißen

Lieblingsobst der Deutschen

Stand: 19.10.2016 (19.10.2016)

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Äpfel sind das Lieblingsobst der Deutschen und gelten als eines der gesündesten Lebensmittel überhaupt. Allerdings können die rohen Früchte auch allergische Reaktionen auslösen. Genuss ohne Reue ist dennoch in vielen Fällen möglich– vorausgesetzt Allergiker finden eine für sie geeignete Sorte.

Kein Wunder, dass der Apfel bereits im Paradies seine Verführungskraft unter Beweis gestellt hat: Äpfel sind nicht nur wohlschmeckend, sondern auch reich an Vital- und Ballaststoffen und enthalten kaum Kalorien. Der ursprünglich aus Asien stammende Wildapfel war der wohl erste früchtetragende Baum, den der Mensch als Nutzpflanze kultivierte und dabei durch Auswahl und Züchtung eine enorme Bandbreite schuf.

Weltweit gibt es schätzungsweise mehr als 20.000 Apfelsorten. In der Datenbank des deutschen Bundessortenamtes sind rund 6.200 Sorten registriert. Allerdings ist von dieser ungeheuren Vielfalt im Lebensmittel-Einzelhandel nur noch ein winziger Ausschnitt zu entdecken. Mehr als zwei Drittel aller im Handel gekauften Äpfel entfallen auf lediglich vier Sorten: Braeburn, Elstar, Gala sowie Jonagold einschließlich seiner Farbvariationen wie Jonagored oder Red Prince.

Proteine im Apfel können Immunsystem täuschen

Jahrhundertelang prägten in Mitteleuropa Streuobstwiesen den Apfelanbau: Mischkulturen mit kräftigen Hochstämmern, meist regionale Sorten, die optimal an den jeweiligen Standort angepasst sind. Um 1900 waren in Deutschland rund 1.000 Apfelsorten in der Fachliteratur beschrieben. In Sachen Artenvielfalt ist eine Streuobstwiese eine wahre Schatztruhe mit mehr als 5.000 Pflanzen- und Tierarten. Allerdings brauchen die imposanten Bäume viel Platz und hohen Pflegeaufwand. Deshalb dominieren im Erwerbsobstbau heute dichte Reihen von gebüschartigen Niederstämmern, die ohne Leiter abgeerntet werden können. Zum Einsatz kommen in erster Linie Sorten, die hohe Erträge von optisch makellosen, einheitlich großen, möglichst süßen Früchten mit guten Transport- und Lagereigenschaften versprechen.

Allerdings zeigt sich, dass vor allem die im Erwerbsobstbau beliebten Sorten wie Elstar, Gala, Braeburn, Jonagold, Golden Delicious oder Granny Smith überdurchschnittlich oft für allergische Reaktionen verantwortlich gemacht werden. Betroffen sind in der Regel Menschen, die unter einer Pollenallergie leiden. Äpfel enthalten Proteine, die nahezu baugleich auch in Birken-, Erlen- oder Haselpollen vorkommen und deshalb vom körpereigenen Immunsystem verwechselt werden können. Die Folge dieser so genannten Kreuzallergie sind Abwehrreaktionen, die von leichtem Kribbeln oder Jucken bis zu Nesselfieber oder Übelkeit reichen können.

Viele Allergiker vertragen alte Sorten besser

Eine entscheidende Rolle für die Verträglichkeit eines rohen Apfels spielt sein Gehalt an Polyphenolen. Viele Allergiker können Sorten mit hohem Polyphenolgehalt wie Boskoop, Berlepsch, Goldparmäne oder Gravensteiner problemlos essen. Polyphenole sind sekundäre Pflanzenstoffe, die auch im Grünen Tee vorkommen und denen entzündungshemmende und krebsvorbeugende Wirkungen zugeschrieben werden. Mit diesen Antioxidantien wehrt sich der Apfelbaum gegen Pilze und Bakterien, im menschlichen Körper blockieren diese Stoffe die allergieauslösenden Proteine. Allerdings schmecken Äpfel mit hohem Polyphenolgehalt meist eher säuerlich und verfärben sich schnell braun, wenn sie aufgeschnitten werden. Deshalb wurde bei den meisten neuen Züchtungen gezielt ein niedriger Polyphenolgehalt angestrebt. Eine einfache Lösung für sämtliche Allergiker-Sorgen gibt es nicht. Häufig werden alte Sorten besser vertragen. Jedoch selbst die Sorte Santana, aufgrund ihres extrem hohen Polyphenolwertes oft als Allergiker-Apfel gepriesen, kann allergische Reaktionen auslösen.

Wer sucht, der findet meist einen verträglichen Apfel

Noch bietet die Fülle an Sorten jede Menge Möglichkeiten. Deshalb lohnt es sich, schon beim Einkauf auf Einheitsware allergisch zu reagieren und stattdessen auf Wochenmärkten, in Hofläden und Hausgärten oder in regional bestückten Frischeabteilungen von Reformhäusern auf die Suche zu gehen. Oder - falls ein Garten vorhanden ist - sich Martin Luthers Devise zueigen zu machen und ein Apfelbäumchen zu pflanzen. Unter mehr als 800 dokumentierten Sorten in Deutschland dürfte für die meisten Allergiker etwas Verträgliches dabei sein.

Gut zu wissen:

Die Ortsgruppe Lemgo des BUND hat auf ihrer Internetseite eine Fülle von Informationen über das Thema Apfelallergie zusammengetragen, darunter auch eine auf Erfahrungsberichten basierende Liste über die Verträglichkeit von Apfelsorten: www.bund-lemgo.de/apfelallergie.html

Drei Fragen an unsere Expertin

Sonja Lämmel, Diplom-Oecotrophologin und Pressesprecherin des Deutschen Allergie- und Asthmabundes e.V.

Frau Lämmel, müssen Apfel-Allergiker generell auf dieses gesunde und wohlschmeckende Obst verzichten?

Hitze zerstört die Allergieauslöser, deshalb hilft es in den meisten Fällen den Apfel zu verbacken oder zu erhitzen. Oft reicht es auch schon, Fett oder Eiweiß in Form von Sahne oder Quark hinzuzufügen.

Gibt es für Allergiker besonders geeignete Sorten?

Diese Frage lässt sich nicht grundsätzlich, sondern nur individuell für jeden Betroffenen beantworten. Manchmal können selbst bei derselben Sorte unterschiedliche Anbaubedingungen oder Art und Dauer der Lagerung eine Rolle bei allergischen Reaktionen spielen.

Also hilft nur ausprobieren.

Genau, allerdings sollten Allergiker nicht gleich herzhaft abbeißen. Es genügt, ein kleines Stück Apfel gegen die Lippe zu halten. Wenn es nach kurzer Zeit anfängt zu kribbeln oder zu jucken: weg damit.

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