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Körper, Geist und Seele stärken

Vitalpilze

Stand: 30.06.2016

Pilze werden in der Traditionellen Chinesischen Medizin seit Jahrtausenden als Heilmittel eingesetzt. Auch bei uns wenden Therapeuten sie inzwischen mit Erfolg an. Wir sprachen mit Dr. Ortwin Zais über seine Arbeit mit Vitalpilzen.

Wie sind Sie auf Vitalpilze aufmerksam geworden?
In unserer Praxis arbeiten wir mit der Holopathie, einem in Österreich entwickelten Verfahren zur ganzheitlichen Behandlung von Krankheiten, Schmerzzuständen und Befindlichkeitsstörungen. Vor Jahren schon hat der Entwickler der Holopathie Dr. Christian Steiner sich mit Vitalpilzen beschäftigt. Das und der Kontakt zu einem Kollegen, einem Mykotherapeuten, im Rahmen meiner biologischen Krebsmedizin haben mich vor gut drei Jahren veranlasst, Heilpilze einzusetzen.

Welche Erfahrungen haben Sie auf dem Gebiet der Krebsmedizin gesammelt? Gibt es universell einsetzbare Vitalpilze oder wird individuell therapiert?
Eine Pilztherapie ist immer individuell zugeschnitten. Dennoch haben die Heilpilze vieles gemeinsam: ihr Reichtum an Vitaminen, Spurenelementen, Mineralien und ihre Wirkungen auf das Immunsystem. Dazu hat jeder Pilz noch spezielle Eigenschaften. Welche Kombinationen für die einzelnen Patienten sinnvoll sind, hängt davon ab, ob weitere Erkrankungen vorliegen oder ob sie zum Beispiel eine Bestrahlung oder Chemotherapie erhalten.

Es gibt einen Heilpilz, der Maitake, der bei Tumorerkrankungen immer eingesetzt wird, weil er eine ganz, ganz hohe immunologische Kompetenz hat. Der Maitake unterstützt zudem die Leber in ihrer Entgiftungsfunktion. Er spendet den Patienten auch ein Stück weit Kraft und hat gute Auswirkungen auf den Stoffwechsel.

Da der Darm unser wichtigstes Immunorgan ist, kommt ein weiterer Heilpilz ins Spiel: der Hericium. Er unterstützt die gesunde Funktion der Darmwand und eine intakte Darmflora, das heißt die Besiedlung mit positiven Darmbakterien. Der Hericium spielt für mich bei allen Erkrankungen eine wichtige Rolle. Darüber hinaus ist der Agaricus ein kompetenter Immunmodulator. Diese drei Pilze kann man fast immer einsetzen. Jetzt ist noch zu überlegen, ob man noch einen weiteren je nach Tumortyp oder Begleiterkrankungen dazu nimmt.

Die Holopathie beruht auf bewährten Prinzipien der Ganzheitsmedizin. Ziel ist die Wiederherstellung der Gesundheit durch Behandlung des ganzen Menschen (griech. holos = ganz). Sie arbeitet mit einem elektronischen Diagnose- und Therapiegerät und modernster Computertechnik.

Die Borreliose ist ein anderer Schwerpunkt Ihrer Arbeit. Sind Heilpilze hier ebenfalls von Nutzen?
Ein Patient, der unter chronischer Borreliose leidet, ist nachhaltig krank. Die Erreger haben die Unart, sich dem Immunsystem durch verschiedene Mechanismen zu entziehen. Die Borrelien erreichen häufig die Gehirnstrukturen, wo Antibiotika nicht oder nur schwer greifen. Im Unterschied dazu werden Heilpilze anders verstoffwechselt. Für sie gibt es die so genannte Blut-Liquor-Schranke nicht. Zumal sind Heilpilze im Wesentlichen immunologisch aktiv.

Wie bei allen chronischen Krankheiten gilt es bei der Borreliose, zunächst einmal das Immunsystem zu unterstützen. In Frage kommen der Maitake, der Agaricus und der Hericium für die Darmgesundheit. Eine ganz wichtige Rolle spielt außerdem der Coriolus. Das ist der Heilpilz schlechthin, der Bakterien, Viren, schädliche Pilze und meiner Meinung nach auch Parasiten eliminieren kann, die nie zu unserem Zellsystem dazu gehörten wie die zerstörerischen Borrelien oder daraus ausgeschert sind (Tumorzellen).

Die Fibromyalgie ist ebenfalls eine schwere chronische Erkrankung. Auch auf diesem Gebiet scheinen Heilpilze erfolgversprechend zu sein.
Fibromyalgetiker haben sehr schlimme Beschwerden bis hin zur absoluten Unfähigkeit, den Alltag zu gestalten. Kommen weder eine chronische Borreliose noch ein anderer Infekt als Basis für die nachweisbaren Entzündungen in Frage, ist die seelische Befindlichkeit die Hauptursache. Primär sind es Lebensumstände – dies ist keine Wertung –, die in eine körperliche Symptomatik treiben. Und wenn die Seele ein Problem hat, hat irgendwann das Immunsystem ein Problem. Das hängt so zwingend aneinander wie Reifen an einem Auto.

Diese Ansicht bringt viele Betroffene sofort auf die Barrikaden, weil sie nicht als psychisch krank verschrien werden wollen. Die psychosomatische Diagnose soll kein Stempel sein. Doch wenn ich einen sinnvollen Einstieg in die Therapie haben will, muss ich mich dieser Option stellen. Körper, Seele und Geist spielen immer zusammen. Alle meine Patienten müssen sich grundsätzlich damit beschäftigen. Und Fibromyalgie-Patienten sind noch mehr als Tumor-patienten gefordert, sich mit der Seele auseinanderzusetzen.

... das ist der Ganzheitsgedanke!
Richtig. Menschen, die an Fibromyalgie leiden, sind gefordert, sich dem zu öffnen, sie haben etwas davon. Was kann man aber nun mit Heilpilzen konkret tun? Bei chronischen Entzündungen ist Reishi ein hervorragender Heilpilz. Er hat außerdem das Erschöpfungsbild im Fokus. Der Cordyceps zielt ebenfalls auf die Erschöpfung und auch auf die Psyche, Stichwort Depression, ab.

Fibromyalgie-Patienten sind extrem erschöpft. Da macht es Sinn, Unterstützung anzubieten, sowohl was die positive Sicht angeht als auch die körperliche Erschöpfung. Weiter bietet sich der Hericium an, weil der Darm stets eine Rolle spielt; der Maitake kann die Leber entgiften, die durch viele Schmerzmittel und Psychopharmaka extrem belastet ist. Er wird durch den Reishi hierbei noch unterstützt.

Je nachdem, wo die Probleme liegen, kann der Auricularia helfen. Er fördert eine gute Durchblutung und damit kann das, was in den Zellen geschieht, wieder optimal reguliert werden. Der Polyporus ist zur Entwässerung hilfreich. Chronische Entzündungsprozesse haben oft mit Wasser zu tun („wo’s brennt, wird gelöscht“).

Wie lange sollten Vitalpilze genommen werden?
Grundsätzlich kann man Heilpilze sehr lange nehmen. Heilpilze wachsen auf hochreinen Holzböden, die man zu diesem Zweck hergestellt hat. Nach der Ernte werden sie getrocknet und gemahlen. Extrakte, die durch Heißwasserauszug gewonnen werden, haben mehr Kraft, es fehlen ein paar wasserlösliche Vitamine, ansonsten sind sie wie das Original. Salopp ausgedrückt: Man kann Heilpilze essen wie Salat. Ein Zuviel gibt es nicht. Was es gibt, sind sinnvolle Kombinationen. Unter drei Monaten sollte man erst gar nicht anfangen. Je nach Schwere der Erkrankung sind sogar sechs Monate bis zwölf Monate empfehlenswert. Im Dreimonatsrhythmus kann der eine oder andere Heilpilz ausgetauscht werden, um neue Impulse in das System zu bringen. So gehe ich in der Heilpilztherapie vor.

Kann man Pilze in Eigenregie einnehmen?
Idealerweise sollte die Behandlung im Einklang mit einem Therapeuten erfolgen. Steht ein Experte aber gerade nicht zur Verfügung, spricht nichts dagegen, sich gründlich zu informieren und das eine oder andere in Eigenregie zu unternehmen. Denn man kann nicht wirklich etwas verkehrt machen. Man sollte allerdings denjenigen, mit dem man sonst therapeutisch zu tun hat, informieren. 

Vielen Dank für das Gespräch.

Dr. med. Ortwin Zais, Allgemeinmediziner und Arzt für Naturheilverfahren, arbeitet in einer Praxisgemeinschaft mit zwei Kollegen in Hermeskeil. Ihrer Arbeit liegt ein ganzheitlicher Ansatz zugrunde.

Weitere Infos zu Borreliose:
Deutsche Borreliose-Gesellschaft e. V., www.borreliose-gesellschaft.de
www.dr-hopf-seidel.de

Unser Buch-Tipp zu Vitalpilzen:
„Die Heilkraft der Pilze“, Prof. Jan Lelley, Econ-Verlag; www.lelley.de
www.terra-mundo.de

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