Im Gespräch mit Stina Spiegelberg

„Mit Lebensfreude Vorurteile abbauen“

Stand: 13.07.2016

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Die Autorin lebt die vegane Küche. Seit 2008 betreibt sie das Blog Veganpassion, in dem sie uns an ihrer fröhlichen veganen Küche teilhaben lässt.

Stina, du bist Bloggerin und betreibst seit 2008 dein eigenes Blog Veganpassion. Dein erstes Buch war ein Backbuch „Veganpassion – Lieblingsrezepte zum Backen“, nun ist dein erstes Kochbuch, „Veganpassion – Das Kochbuch“, erschienen. Warum so herum?

 Als ich vegan wurde, habe ich schnell meine Vorliebe entdeckt, Menschen mit Genuss zu überzeugen. Gerichte für herzhafte Speisen waren von Anfang an auch auf meinem Blog zu finden. Viele Veganer berichteten mir, sie hätten Schwierigkeiten mit dem Backen und "Veganisieren" von Rezepten, da es beim Backen genauer zugeht als beim Kochen. Ich nahm dies als eine Herausforderung an, saftig buttrige Croissants, Schwarzwälder-Kirschtorte und Cantuccini unwiderstehlich lecker in veganer Form zuzubereiten.

Außerdem habe ich sehr viel Freude daran, den veganen Gedanken mit kleinen Leckereien zu verbreiten. Bei einem hübsch verpackten Tütchen Kekse zaubert es einfach jedem ein Lächeln ins Gesicht. 

Dein Kochbuch ist ziemlich dick, toll gestaltet und informativ – was war dir bei der Rezeptauswahl und bei der Gestaltung besonders wichtig?

Danke, ich muss auch jedes Mal bis über beide Ohren grinsen, wenn ich mein Kochbuch in Händen halte. Bei jedem Buch aufs Neue hätte ich gerne 500 Seiten. All meine Ideen und Kreativität in weniger zu fassen, fällt mir schwer. „Veganpassion – das Kochbuch“ ist ein Buch für jede Gelegenheit. Es war mir wichtig, jeden, der gerne kocht mit diesem Buch über das ganze Jahr und zu jedem Anlass zu begleiten. Keine zehn verschiedenen Bücher, sondern eines, das man vertrauensvoll in jeder Lebenslage zu Rate ziehen kann.

Das Buch ist primär in die vier Jahreszeiten unterteilt. Kaum einer weiß noch, was zu den verschiedenen Jahreszeiten auf dem Acker wächst und wie man daraus schmackhafte Gerichte zaubert. Daher leite ich jede Jahreszeit mit meinen sechs Lieblingen ein. Enthalten sind viele Gerichte, die schnell gehen, da es unter der Woche zack zack gehen muss, aber auch acht 3-Gänge Menüs. Außerdem mussten unbedingt Rezepte für besondere Gelegenheiten hinein. So sind Ideen für den Osterbrunch und Grillen im Sommer oder auch Suppen und Brote für die Herbstzeit mit dabei.

Wie bei all meinen Büchern wird auch das Kochbuch von der Warenkunde mit eingeleitet. Ich finde, man darf ruhig wissen, wo überall Eiweiß enthalten ist und welche Nährstoffe uns gut tun. Außerdem gebe ich Tipps für den veganen Einstieg und wie man Gerichte für das Auge noch ansprechender macht. Das Auge isst eben mit, deshalb musste ich darauf bestehen, dass zu jedem Rezept ein Bild im Buch ist.

Wenn du in der Küche stehst, backst oder kochst, worauf legst du besonders Wert?

Auf Zeit. Und dabei kommt es nicht darauf an, ob ich eine halbe Stunde oder den ganzen Tag Zeit habe. Es ist der bewusste Umgang mit der Zeit und dass ich in diesem Moment nirgends anders sein möchte.

Okay, du backst gerne… Ich frage trotzdem: Bist du eher der süße oder der herzhafte Typ?

Oh, ganz sicher beides. Es kommt auf die Balance an. Ich liebe kleine Leckereien und Süßigkeiten. Darüber hinaus bin ich ein großer Gewürze-Fan und kann meinen Spaß so richtig in der herzhaften Küche ausleben.

Was backst du am liebsten und welches ist dein absolutes Lieblingsrezept aus deinem Kochbuch?

Ui, das ist schwierig. Für mich macht die Abwechslung ein perfektes Gericht. Aber wenn ich mit nur einem Gericht leben müsste, wäre es wahrscheinlich der „Black Bean Slow Food Burger“ mit Rotkohlsalat.

Und aus meinem großen Backbuch die Beeren-Nuss-Muffins mit Vollkorn und ohne Zucker – die sind einfach noch besser als Schwarzwälder und Brownies.

In deinem Kochbuch gibt es in der Einleitung einen kleinen Exkurs „vegan entdecken“, in dem du ganz du ganz locker und undogmatisch potentiellen Neu-VeganerInnen die Angst nehmen, alles richtig machen zu müssen! Das ist angenehm erfrischend – wo liegen deine persönlichen Grenzen?

Persönlich sind meine Grenzen recht eng. Ich verzichte auf Tierprodukte, trage keine Wolle, Seide oder Leder. Aber man muss auch unterscheiden zwischen dem, wofür man sich selbst entschieden hat und was man nach außen trägt. Die Entscheidung bleibt jedem selbst überlassen und man sollte seinem eigenen Rhythmus folgen. Der eine fängt damit an, sich einen Tag in der Woche vegan zu ernähren, der nächste rüstet gleich den Kühlschrank auf „pflanzlich“ um und lebt ab sofort vegan. Wenn jeder genau da anfängt, wo es für sie oder ihn einfach ist und damit einen bewussteren Alltag eingeht, ist das Ziel schon ein Stückchen näher.

Was treibt dich an, was motiviert dich?

Wir wählen unsere Entscheidungen jeden Tag neu. Jeder Tag bietet die Chance etwas anders, besser zu machen. Das treibt mich an. Manchmal sind es große Dinge, manchmal banale Kleinigkeiten, aber ich reflektiere jeden Tag, um am nächsten etwas besser zu machen.

Im September habe ich an dieser Stelle mit den Blogger-KollegInnen von Eat this! gesprochen – warum bloggst du? Was schätzt du am Bloggen? Wie kam es zu Veganpassion.de?

Als Veganerin möchte ich Teil der Gesellschaft sein und andere mit meiner Lebensweise begeistern. Auf der Suche nach schlagenden Argumenten entdeckte ich mit dem Kochen und Backen die Achillesverse jedes Omnivoren. Zu Feiern und Festen habe ich gerne etwas mitgebracht und das Buffet bereichert. Die Anfragen nach Rezepten nahmen schnell Überhand. Wenn die Rezepte meinem Umfeld so lecker schmecken, so dachte ich mir, möchte ich sie gerne mit allen teilen, die an den allgemeinen Vorurteilen der veganen Ernährung festhalten.

Ich habe mir für Veganpassion als Credo gesetzt, jedes Rezept mit einem ansprechenden Bild zu begleiten. Dem Leser soll schon beim Stöbern in meinen Rezepten das Wasser im Mund zusammenlaufen. Mit leckeren Argumenten, viel Liebe zum Detail und einer ordentlichen Prise Lebensfreude lassen sich ganz einfach Vorurteile zum veganen Essen abbauen. Inzwischen habe ich über 500 Rezepte auf meinem Blog, die meisten Besucher leben noch nicht vegan und die Resonanz ist überwältigend.

Du bist viel unterwegs – was macht dir am meisten Spaß? PR-Termine, Messen, Vorträge, Kochshows oder Kochseminare? Oder doch das Bloggen?

Meinen Beruf schätze ich, weil er so vielseitig ist. Ich nenne ihn immer „nette Menschen treffen und Essen“. Und mir bereitet alles dabei große Freude – je mehr Menschen ich dabei erreiche, umso schöner. Daher schätze ich vor allem auch Termine, wo ich meine Leser persönlich kennenlernen darf. Es ist ganz großartig, eine Motivation für andere sein zu dürfen und sie auf ihrem Weg zu begleiten.

Wie kam es dazu? Hast du dir immer ein Leben in der Öffentlichkeit vorgestellt? Du kommst ja eigentlich aus einem ganz anderen Bereich – IT, richtig?

Vielseitigkeit hat mich schon immer begeistert. Ich bin schon immer gerne gereist, habe verschiedene Sprachen gesprochen und mich andererseits in Technik und Mathematik zuhause gefunden. Meine Mama ist Künstlerin, mein Vater Ingenieur, da konnte ich mich wohl noch nie so richtig entscheiden. Mit Veganpassion darf ich sowohl kreativ als auch erfinderisch sein. Die positive und weitreichende Resonanz der Öffentlichkeit kamen einfach dazu. Es ist motivierend zu sehen, wie weit der Gedanke einer bewussten und rücksichtsvollen Lebensweise gekommen ist.

Gibt es etwas, dass du, wenn du unterwegs bist, besonders vermisst?

Meine Yogamatte kann ich einfach zusammenfalten und mitnehmen, bei meinem Freund ist das etwas schwieriger. Privat und Beruf unter einen Hut zu bekommen, ist in manchen Monaten etwas schwierig. Aber ich suche mir bewusst Ruhephasen, in denen ich meine Familie besuchen kann und mir zweisame Tage mache.

Dann vermisse ich meinen Herd. Ich freue mich immer, wenn ich wieder zuhause selber kochen darf. Frische und gesunde Küche sind mir unheimlich wichtig und damit fühle ich mich rundum wohl.

Pssst, was können wir von Stina Spiegelberg 2016 erwarten?

Du, manchmal wüsste ich das auch gerne im Voraus. Ich werde mit Sicherheit auch im neuen Jahr Kurse geben und Bücher schreiben. Außerdem möchte ich das Angebot der Restaurants und Hotellerie erweitern. Es darf ruhig mehr als ein Apfel sein. Ich möchte die Menschen motivieren und inspirieren, ihr Leben bewusst und gesund mit Rücksicht aufeinander zu leben. Zu viele Details darf ich noch nicht verraten, aber ich bin selbst ganz gespannt.

Stina und Reformhaus® - gibt es da vielleicht eine Geschichte /eine Anekdote zu erzählen oder vielleicht (Kindheits-)Erinnerungen? Was bedeutet Reformhaus® heute für dich?

Reformhaus verbinde ich seit ich klein bin mit Qualität. Schon als kleines Mädchen habe ich mich für Grundzutaten interessiert und sollte wissen, woraus mein Essen besteht. Wenn meine Mama in der Stadt einkaufen ging, musste sie mich immer auf einen Abstecher in das Reformhaus mitnehmen. Dort konnte ich stundenlang in den Regalen stöbern und mich mit den Verkäufern unterhalten. Ich hatte immer das Gefühl, in solchen Momenten blieb die Zeit stehen. Mit Ruhe und Geduld erklärte mir mein Gegenüber alles, was mich interessierte. Reformhaus ist für mich nicht nur zum Einkaufen da. Für mich entschleunigen solche Läden den Alltag und schenken jedem Kunden eine angenehme Grundstimmung. Etwas Ehrliches. Das bleibt mir bis heute erhalten.

Stinas ultimativer Tipp für ein veganes 2016?

Höre hin! Ob auf deinen eigenen Körper, deinen Partner, die Familie oder einen Fremden auf der Straße. Du hast dieses eine Leben – genieße jeden Tag davon, mit all seinen Facetten.

Liebe Stina, vielen Dank für das schöne Interview.

Die Rezepte stammen aus dem Buch „Vegan Passion. Das Kochbuch“ von Stina Spiegelberg; Edition Fackelträger, ISBN: 978-3-7716-4612-7, 24,99 Euro.

Eine kleine Auswahl der Rezepte finden sie hier:

Stinas Blog: Veganpassion

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