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Intuitiv essen

Ich fühl‘ mich von Tag zu Tag leichter

Stand: 21.12.2021 (03.01.2022)

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Essen, wenn man wirklich Hunger hat. Essen, wonach es den Körper verlangt. Aufhören zu essen, wenn man satt ist. Mehr braucht es – eigentlich – nicht, um sich intuitiv zu ernähren. Schickt man das Thema jedoch durch die Internet-Suchmaschinen, weiß man, dass dieses simple Prinzip vom Nischen- zum Trendthema avancierte, nachdem die US-Ernährungswissenschaftlerinnen Evelyn Tribole und Elyse Resch es erstmalig in ihrem Buch „Intuitiv abnehmen – zurück zu natürlichem Essverhalten“ darlegten. Mittlerweile gibt es zahlreiche Websites mit entsprechenden Tutorials, Online-Kurse, Internet- und YouTube-Blogs mit Erfahrungsberichten. Warum braucht es für drei einfache Regeln so viel Webspace?

Kinder essen oft natürlich

Nun, weil die Sache so einfach eben doch nicht ist. Bei Kindern funktioniert es noch natürlich. Sie essen, wenn sie hungrig sind und hören auf, wenn sie satt sind. Wie viel sie essen, ändert sich fast täglich. An einem Tag verlangen sie beim Gemüseauflauf zwei Nachschläge, am nächsten legen sie nach drei Bissen die Gabel weg, am übernächsten Tag geht kein Weg an Schokolade vorbei. Sie sind als intuitive Esser geboren. Doch die Fähigkeit, Signale unseres Körpers wahrzunehmen, darauf zu vertrauen und entsprechend zu handeln, haben wir – nicht nur beim Essen – verlernt. Warum? „Weil wir das Überangebot an Nahrung ständig vor der Nase haben, dadurch zu viel und zu oft essen und es gar nicht mehr zu diesen wichtigen körperlichen Signalen kommt“, erklärt Professorin Marion Kiechle, Inhaberin des Lehrstuhls für Frauenheilkunde und Geburtshilfe an der Technischen Universität München und Direktorin der Frauenklinik am Münchner Universitätsklinikum Rechts der Isar. Gemeinsam mit Co-Autorin Julie Gorkow hat sie das Buch „Tag für Tag leichter: Unsere Schlankheitsformel für Frauen – Wie neue wissenschaftliche Erkenntnisse beim gesunden Abnehmen helfen“ veröffentlicht.

Lernen, die Signale des Körpers beachten

Wir haben gelernt, aufzuessen, was auf dem Teller liegt, brav zu sein, damit wir einen Nachtisch bekommen, die Signale unseres Körpers als Einbildung abzutun und das zu essen, was Verbote und Gebote, Diäten und Versprechungen uns erlauben. Wir haben gelernt, dass es gute und schlechte Lebensmittel gibt. Essen wir sogenannte „gute“ Lebensmittel, sind wir zufrieden mit uns selbst. Wählen wir hingegen eines der „schlechten“ Lebensmittel, werden wir von einem schlechten Gewissen geplagt. „Bezüglich des Essens beeinflussen uns im Alltag überwiegend unsere Gedanken und Gefühle, nicht der Instinkt“, so Kiechle und Gorkow. „Das Prinzip der intuitiven Ernährungsform ist, dass Sie essen dürfen, was Sie wollen – wenn es Ihnen tatsächlich schmeckt und wenn der größte Teil Ihrer Ernährung aus gesunden Lebensmitteln besteht.“ Das kann durchaus ein längerer Lernprozess sein. Mit unseren ExpertInnen-Tipps gelingt es Ihnen.

Intuitiv essen - wie mache ich das?

  1. Versuchen Sie, den physischen Hunger vom emotionalen zu unterscheiden: Der physische Hunger fordert uns auf, verbrauchte Nährstoffe wieder aufzufüllen. Die Signale, derer er sich bedient, um uns das klarzumachen, sind Reizbarkeit, Magenknurren, Schwäche, die Unlust weiterzuarbeiten. Emotionaler Hunger dagegen wird gespeist aus dunklen Gefühlen. Einsamkeit, Trauer, Langeweile, die mit dem Genuss von Schokolade, Chips und Kuchen weggefuttert werden sollen. Was nicht oder nur kurzfristig funktioniert.
  2. Wann hatten Sie das letzte Mal vor Hunger ein dumpfes Gefühl im Magen oder so etwas wie Magenknurren? Üben Sie „Hunger haben“. Dafür dürfen Sie sich aber nicht von Ihren Gefühlen zum Spontanessen verleiten lassen und müssen auch auf Snacks in den Esspausen verzichten. Um Hunger bewusst wahrzunehmen, können Sie zum Beispiel eine kleine Übung machen und drei Tage hintereinander das Frühstück ausfallen lassen.
  3. Befreien Sie Ihren mentalen Arbeitsspeicher! Wir sind von Kindheit an überfüllt mit Verboten und Geboten, Kalorien und Joule und Diät-Plänen und vor allem mit der Bewertung von Lebensmitteln in „gut“ und „schlecht“. Beim intuitiven Essen entscheidet jedoch der Körper, was für ihn gut ist. Das heißt für Sie: Betrachten Sie das, was Ihre physische Instanz will, als Freund. Natürlich enthält ein Brownie mehr Zucker als eine Salatgurke, aber wenn Sie sich den Genuss einige Male erlauben, reduziert sich das Verlangen auf lange Sicht ganz automatisch. Die alles entscheidende Frage lautet: Will ich das jetzt wirklich essen?
  4. Nehmen Sie sich Zeit. Wer zwischen Tür und Angel und auf die Schnelle seinen Appetit stillen muss, kann die Signale des Körpers nicht wirklich wahrnehmen. Auch wenn es im Alltag eine Herausforderung ist: Erst achtsam fühlen, dann achtsam essen. Und 20- bis 30-mal kauen. Am Anfang mag es etwas mühsam sein. Tun Sie es trotzdem. Sie werden spüren, wie sich Ihre Wahrnehmung verbessert und die Zufriedenheit wächst.
  5. No Smartphone, no Tablet, no TV. Wer sich während des Essens medial zerstreuen lässt, verpasst das Sättigungssignal und isst mehr, als er braucht.

Buchtipps - Intuitiv essen - leichter abnehmen

Evelyn Tribole, Elyse Resch
„Intuitiv abnehmen – zurück zu natürlichem Essverhalten“
Goldmann Verlag
9,99 €
Auch auf YouTube unter ihrer Seite www.intuitiveeating.org

Prof. Dr. med. Marion Kiechle, Julie Gorkow
„Tag für Tag leichter: Unsere Schlankheitsformel für Frauen.
Wie neue wissenschaftliche Erkenntnisse beim gesunden Abnehmen helfen“

Gräfe und Unzer Verlag
19,99 €

Prof. Dr. med. Marion Kiechle, Julie Gorkow
"Tag für Tag leichter – das Kochbuch. Intelligent, intuitiv und individuell essen und abnehmen"

Gräfe und Unzer Verlag
24,99 €

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