Gemeinsam kochen

Essen in Gesellschaft genießen

Stand: 18.07.2016

Empfehlen über:

Es ist in der Kochshow „Grill den Henssler“ ebenso wie an der festlichen Tafel zum runden Geburtstag: Ein Menü wird serviert. Vorspeise, Hauptgang, Dessert – so sieht das klassische feine Essen aus, mit dem wir Gäste verwöhnen wollen. Für die GastgeberInnen bedeuten diese Essenseinladungen lange Vorbereitung und Stress.

Ist der Salat durchgezogen, aber nicht matschig? Ist das Timing exakt, damit Hauptgang und Beilagen gemeinsam fertig sind? Richtig gemütlich wird’s meist erst bei der Nachspeise – denn dann ist die Hauptarbeit getan und die GastgerberInnen können sich entspannt ihren Gästen widmen. So müssen Einladungen aber nicht ablaufen. Den Einkauf aufteilen, gemeinsam schnippeln und köcheln. Schließlich nehmen alle Platz und wählen aus der Fülle der Gerichte aus. Hiervon naschen, das mal probieren. Zauberformel: gemeinsam genießen.

So setzt man sich in den meisten Ländern der Welt zum Tafeln zusammen – von Russland bis China, wo der Tisch in der Mitte gedreht werden kann, damit bei jedem Gast jedes Gericht vorbeikommt.

Die Kultur des dreigängigen Menüs erfand der französische Meisterkoch Georges Auguste Escoffier (1846 bis 1935), der unter anderem auch die Desserts Pfirsich Melba und Birne Helene kreierte. Und das Menü aus drei Gängen, so benannt, weil das servierende Personal für jedes Gericht noch einmal einen Gang machen musste, entwickelte er der Einfachheit halber. Davor bestanden Menüs aus bis zu 15 Gängen.

Das können wir heute auch wieder locker schaffen: Vorausgesetzt wir kochen alle zusammen – allein schon, weil das viel mehr Spaß macht! Wie das gelingen kann?

Dazu haben wir die Wiener Brüder Leo (27) und Karl Wrenkh (28) befragt, die gemeinsam ein Kochbuch herausgegeben haben, das Einladungen zu einer entspannten Sache werden lässt. Welche Essgewohnheiten oder Unverträglichkeiten Ihre Gäste auch haben: Für alle ist etwas dabei.

Weg von der strengen Regel des Menüs und hin zu einem reich gedeckten Tisch mit unterschiedlichsten Gerichten. Wie kamen Sie darauf?

Leo Wrenkh: Einladungen sind schön, aber meist ist der Gastgeber überfordert und kann an der Tafel gar nicht ruhig Platz nehmen. Das entspricht nicht mehr dem heutigen Zeitgeist. Außerdem haben immer mehr Menschen Unverträglichkeiten. Dabei sollte Essen doch Spaß machen.

Karl Wrenck: Unser Konzept spiegelt auch wieder, was wir in unserer Kochschule in Wien machen. Es kommen häufig Firmen und kochen in Teams. Zu guter Letzt steht alles auf dem Tisch und man kann zusammen das Essen zelebrieren. Wir werden oft gefragt: Zeigt ihr uns auch, wie wir richtig dekorieren? Nein, das tun wir nicht, denn wenn sieben bis acht Schüsseln und Platten auf der Tafel stehen, sieht das allein schon wunderbar aus.

Hat diese Art des Essens Tradition?

Leo Wrenkh: Ja, überall auf der Welt. Denken Sie an Mezze in den arabischen Ländern. Auch in China, Japan, Russland wird so gegessen. Letztlich gehören auch spanische Tapas in diese Kategorie.

Was ist typisch für Ihre Rezepte?

Leo Wrenkh: Sie sind einfach nachzumachen. Wir legen keinen Wert auf exotische Zutaten. Ihre Anzahl soll auch überschaubar sein.

Karl Wrenck: Außerdem ist es uns wichtig, dass die Rezepte aus den 14 Tischen, die wir zusammengestellt haben, bunt gemischt werden können. Uns liegt am Herzen, dass alle entspannt kochen können. Am besten helfen alle mit.

Leo Wrenkh: Ja, das ist dann geteilte Verantwortung und doppeltes Vergnügen.

Was für Rezepte bietet Ihr Buch?

Karl Wrenck: Wir möchten alle verwöhnen. Deshalb haben wir Rezepte für Vegetarier, Veganer und für Menschen mit Laktoseintoleranz oder Glutenunverträglichkeit entwickelt. Wir haben die Rezepte jeweils gekennzeichnet. Bei einigen vegetarischen Rezepten kann eine vegane Variante gemacht werden.

Leo Wrenkh: Ich finde es ganz wichtig, dass man Essen nicht bewertet. Nach dem Motto „Ah, der isst das nicht, wie doof.“ Manches schmeckt einem einfach nicht. Darüber sollte niemand ein Urteil fällen. An unseren Tafeln kann sich jeder nehmen, worauf er Appetit hat oder was er mal ausprobieren möchte.

Weitere Infos: www.wrenkh-wien.at

aus: Leo & Karl Wrenkh: „Vom Glück gemeinsam zu essen – Aufgetischt für jeden Lebensstil“, Fotos Susanne Spiel, Brandstätter-Verlag, 208 Seiten, ISBN 978-3-8503-3940-7, 29,90 Euro.

Knapp 70 Rezepte für Esser, die nicht alles vertragen. Wenn um den Tisch Gäste mit Laktoseintoleranz, Glutenunverträglichkeit, Veganer und Fleischesser sitzen, wird ein Menü unmöglich. Leo und Karl Wrenkh bieten 14 unterschiedlich gedeckte Tische von saisonalen Tafeln über ein irisches Frühstück bis zum Picknick. Es gibt immer garantiert etwas, das für jeden passt. Das erspart dem Gastgeber Stress und den Gästen lästige Erklärungen.

Empfehlen über: