Fair spielen – auch wenn es ungerecht erscheint

Die besseren Argumente werden gewinnen

Stand: 04.01.2018 (22.02.2018)

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Stellen Sie sich vor, Sie nehmen an einem Kartenspiel teil und alle anderen Mitspieler spielen mit gezinkten Karten. Was würden Sie tun, wenn Sie unbedingt gewinnen wollen: Zinken Sie auch Ihre Karten? Oder bleiben Sie sich treu und vertrauen Sie auf Ihre Kartenspielkunst?

Das entspricht ungefähr der Situation, in der sich die Befürworter der pflanzlichen Lebensweise oftmals wiederfinden. Nur dass es eben nicht um ein Kartenspiel geht, sondern um etwas sehr viel Wichtigeres: den Erfolg einer Lebensweise, die gesund, nachhaltig, fair und tierfreundlich ist, und die letztlich zum Vorteil aller gereicht.

Wenn gemeinnützige Organisationen wie ProVeg sich für ein solches Ziel einsetzen, dann wollen sie fair spielen. Sie verfolgen keine eigennützigen Interessen, suchen nicht den eigenen Vorteil. Aktuell sieht die Welt aber anders aus. Unser System hält den Konsum von Tierprodukten für natürlich, normal und notwendig, hat sich daran gewöhnt und ist sogar abhängig davon – einschließlich Politik, Wirtschaft und Gesundheits- sowie Bildungswesen. Was wir über Tierkonsum erfahren, in den Medien, in den Schulen, von Experten, ist daher immer von diversen Interessen verzerrt – vor allem von dem Interesse, dass am besten alles so bleiben soll, wie es ist. Das Ergebnis: eine sehr einseitig positive Darstellung von Tierprodukten. Und die sind ohnehin schon allgegenwärtig. Und ein schwerer Stand für die pflanzlichen Alternativen. Man könnte auch sagen: In diesem Spiel wird mit gezinkten Karten gespielt.

Angesichts dieser Situation mag man leicht verzweifeln. Und man mag sogar verleitet sein, für einen Ausgleich sorgen zu wollen: Man könnte Informationen, die für die pflanzliche Idee willkommen sind, übertreiben – wie etwa die gesundheitlichen oder ökologischen Vorteile. Oder unwillkommene Informationen gezielt ignorieren und kleinreden. Doch selbst, wenn man das gar nicht beabsichtigt, besteht natürlich die Gefahr, dass man Informationen selektiv wahrnimmt, weil man bestimmte Erwartungen und Ziele hat. Man filtert quasi das heraus, was die eigenen Erwartungen bestätigt oder den eigenen Zielen förderlich ist. Nach dem Motto: Was wir glauben wollen, das sehen wir dann auch. Dabei sollte es ja eigentlich umgekehrt sein: Was wir sehen, das sollten wir auch glauben.

Hier müssen diejenigen, die fair spielen wollen, besonders aufpassen. Man muss sich immer wieder klarmachen, dass diese Gefahren bestehen – und versuchen, sie zu vermeiden. Das mag ungerecht erscheinen. Denn letztlich müssen sich diejenigen, denen es nicht nur um ihre eigenen Interessen geht, sondern auch um die anderer Lebewesen, meist mehr anstrengen. Dennoch ist genau das alternativlos. Denn letztlich werden sich Aufrichtigkeit, Glaubwürdigkeit und die besseren Argumente durchsetzen. Davon bin ich fest überzeugt. Daher haben wir es gar nicht nötig, mit gezinkten Karten zu spielen.

Herzlich Ihr

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