Esst mehr Fett!

Mit dem richtigen Fett schlank und schlau

Stand: 17.05.2017

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Ja, Sie haben richtig gelesen! Doch ich verstehe Ihre Verwunderung über diese Zeilen. Kein Nahrungsmittel hat in der Vergangenheit so sehr sein Fett wegbekommen wie das Fett. An allem sollte es schuld sein: von Übergewicht bis Diabetes, von Bluthochdruck bis Alzheimer. Jahrelang haben wir an der Vorstellung festgehalten und sie als Ärzte auch propagiert, dass eine fett- arme, eine Low-Fat Ernährung, der Königsweg nicht nur zum Wunschgewicht, sondern auch zu einer besseren Gesundheit insgesamt ist. Das ist – um im Bild zu bleiben – eine fette Lüge. Stand der Forschung heute ist: Fette sind sehr gesund. Leider ist dieses Wissen noch nicht sehr verbreitet. Warum sind Fette so wichtig? Wir brauchen das Fett in unserer Ernährung nicht nur als Geschmacksträger oder Sattmacher. Fett ist wichtig für die Aufnahme von fettlöslichen Vitaminen und zur Bildung von Signalstoffen, von Hormonen. Doch damit nicht genug. 

Energiequelle für Herz, Hirn und Muskeln

Wir brauchen Fett auch für unsere Körperzellen. Jahrelang dachten wir, dass Kohlenhydrate die wichtigsten Energiequellen unserer Körperzellen sind. Das ist inzwischen widerlegt. Sogar unsere Gehirnzellen freuen sich darüber, Fett als Energiequelle zu nutzen. Warum Fett hier so wichtig ist, können wir wissenschaftlich erklären: Wenn wir unseren Körper aus seiner kleinsten Einheit – aus der Zelle – heraus stärken wollen, müssen wir uns genau anschauen, wie sie aufgebaut ist. Die Schutzwände der Zellen bestehen aus Fetten, sogenannten Phospholipiden. Deshalb macht es Sinn, genau auf dieser Ebene den Körper zu stärken, indem wir ihn mit guten, hochwertig verarbeiteten Fetten und Ölen versorgen. Aber wie?

Für einen „Ölwechsel“ in der Küche

Wir brauchen eine Omega-Balance: In Ölen stecken Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren. Die müssen gut ausbalanciert sein. Doch in unserer Ernährung nehmen wir meist viel zu viel Omega-6-Fettsäuren und viel zu wenig Omega-3-Fettsäuren auf. Deshalb ist es wichtig, darauf zu achten, im Alltag weniger Omega-6-haltige Öle zu verwenden – weniger Sonnenblumenöl, weniger Distelöl, weniger Soja- oder Maiskeimöl. All diese Öle haben sehr viel Omega-6, das Entzündungen im Körper fördert. Stattdessen sollten wir mehr Omega-3-Fettsäuren verwenden. Optimal ist ein „Omega-3 zu Omega-6“-Verhältnis von 2:1. Warum? Ein Beispiel, das zeigt, wie Ernährung als Medizin den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen kann, sind entzündlich-rheumatische Erkrankungen. Inzwischen ist erwiesen, dass das Entzündungsgeschehen im Körper durch ein richtiges Fettverhältnis positiv beeinflusst werden kann.  

Auf die Qualität der Fette kommt es an

Von entscheidender Bedeutung ist dabei die Qualität der Fette und Öle, die immer kalt gepresst und aus Bio-Anbau stammen sollten. Leider sind die wichtigen Omega-3-Fettsäuren lieb, aber auch ein bisschen mimosenhaft. Öle mit vielen ungesättigten Fettsäuren wie Leinöl, Weizenkeimöl oder Hanföl müssen vor Licht, Hitze und Sauerstoff geschützt sein. Nur so bleiben die lebenswichtigen Omega-Fettsäuren erhalten. Ein so „Omega-geschützt“ hergestelltes hochwertiges Produkt verdient es, in einer dunklen Flasche abgefüllt zu werden. Wichtig ist es auch, Fehler zu vermeiden, die den Gesundheitseffekt der Öle wieder zunichte machen. Viele erhitzen Öl, wie Olivenöl, das nicht zum Braten geeignet ist, weil schädliche Oxidationsprozesse in Gang gesetzt werden. Die meisten Öle werden bei Temperaturen über 140 Grad denaturiert und richten Schaden an. Deshalb zum Braten unbedingt Fette verwenden, die einer Hitze bis 400 Grad standhalten – wie Kokosfett. Aber besser noch ist es, die Bratpfanne sehr sorgsam einzusetzen, damit ihre Verwendung nicht zu einer lebensverkürzenden Maßnahme wird.  

Unsere Kolumne "Doc Fleck hilft" von Dr. Anne Fleck, kurz Doc Fleck. Sie ist Fachärztin für Innere Medizin, Rheumatologie, Präventiv- und Ernährungsmedizin mit Expertise auf dem Gebiet der Naturheilkunde und alternativen Heilmethoden. Seit Jahren ist sie als Expertin auf dem Gebiet der innovativen Ernährungs- und Präventionsmedizin tätig. 

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