Essen Sie die deutsche Wirtschaft gesund?

Spagat zwischen Ernährung und Landwirtschaft

Stand: 11.08.2016 (11.08.2016)

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Stellen Sie sich vor, Sie dürfen bestimmen, welche Aufgabengebiete den Bundesministerien zugeteilt werden. Ernährung ist zwar ein wichtiges Thema, aber für ein alleiniges Ministerium auf Bundesebene reicht es bisher nicht. Mit was könnte man das Thema also sinnvoll kombinieren?

Denkbar wären ein Bundesministerium für ‚Ernährung und Gesundheit‘ oder eines für ‚Ernährung und Landwirtschaft‘. Was halten Sie für sinnvoller?

Ernährung im Sinne der Produzenten?

Die Kombinationen haben für mich völlig unterschiedliche Qualitäten: Ernährung und Gesundheit setzen den Schwerpunkt beim Konsumenten. Ernährung und Landwirtschaft hingegen stehen mehr auf Seite der Produzenten und der Produktionsstruktur.

Tatsächlich haben wir ein Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Als Ernährungsminister ist Christian Schmidt dafür verantwortlich, den Deutschen eine gesunde, ausgewogene Ernährung nahezubringen und zu ermöglichen. Als Landwirtschaftsminister soll Christian Schmidt dafür sorgen, dass effizient produziert wird, Industrien erhalten und dadurch Arbeitsplätze gesichert werden. Ein Spagat, oder? Es überrascht mich daher nicht, wenn Ernährungsempfehlungen im Sinne der Landwirtschaft ausgesprochen werden.

So fördert das Ernährungs- bzw. das Landwirtschaftsministerium seit Jahrzehnten das von der EU finanzierte Schulmilchprogramm, damals gestartet, um den Milchabsatz zu heben, inzwischen vermarktet unter dem Anstrich „Gesunde Ernährung“. Die Bezuschussung, Bewerbung und Vertriebsorganisation von Milchgetränken an Schulen und Kindergärten fördern aber nicht die Gesundheit, sondern die Milchwirtschaft. Denn das ist ja eben auch die Aufgabe des Ernährungs- ähm, Verzeihung, Landwirtschaftsministers.

Ernährung im Sinne der Verbraucher?

Der Staat unterstützt hier die Lobbyarbeit einer Landwirtschaftsindustrie und zwar nicht im Interesse der Verbraucher. Dass Milch gesund sei, ist inzwischen nämlich zumindest wissenschaftlich umstritten. Außerdem sind pflanzliche Milchalternativen von dem Programm ausgenommen und dadurch benachteiligt – ein Punkt, den der VEBU schon lange kritisiert.

Wenn ich die Wahl hätte: Ein Bundesministerium für Ernährung und Gesundheit wäre die bessere Option. Ernährung ist zu wichtig für alle, um das Thema bereits innerhalb eines Ministeriums Interessenskonflikten mit der Agrarlobby und deren Einflussnahme auszusetzen.

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