Hildegard von Bingen

Ernährung nach Hildegard von Bingen

Aus dem Klostergarten

Stand: 31.01.2017 (25.03.2014)

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Sie gehört zu den beeindruckendsten Persönlichkeiten des Mittelalters: Hildegard von Bingen hat damals Lebensmittel als Träger von Heilkräften erkannt und die Ernährung als Säule für Gesundheit und Wohlbefinden. Noch heute wird ihr Wissen von NaturheilkundlerInnen eingesetzt.

Kirchenzehnter  ein der Kirche gewidmetes Leben ist 1098 der kleinen Hildegard als zehntem Kind des Edelfreien Hildebert von Bermersheim und seiner Frau Mechtild in die Wiege gelegt. Als Achtjährige übergeben ihre Eltern sie der Obhut der acht Jahre älteren Jutta von Sponheim, von der sie in den nächsten Jahren umfassend unterrichtet wird. 1112 lassen beide Mädchen ihr weltliches Leben hinter sich und treten in die Frauenklause des Mönchsklosters Disibodenberg ein. Als junge Frau legt Hildegard die benediktinischen Gelübde ab und tritt nach dem Tode Juttas deren Nachfolge als Leiterin der wachsenden Schwesterngemeinschaft an.

Seherin, Prophetin, Theologin

Schon seit frühester Kindheit hat Hildegard Visionen, doch 1141 macht sie eine Erfahrung, die ihr Leben grundlegend verändern soll. In ihren Lebensaufzeichnungen schreibt sie von einem Licht, das sie erblickt. Und von einer Stimme, die ihr den Auftrag erteilt, von nun an niederzuschreiben, was sie sieht und hört. Sie erhält die offizielle Anerkennung der Kirche und ist bald über die Reichsgrenzen hinaus als Prophetin bekannt. In den folgenden zehn Jahren entsteht ihr theologisches Erstlingswerk Scivias.

Bauherrin, Äbtissin, Autorin

Trotz anfänglicher Schwierigkeiten blüht das neue Kloster bald auf und gelangt innerhalb der nächsten Jahre auch an seine räumlichen Grenzen. Hildegard erwirbt daraufhin die Gebäude eines leerstehenden Augustinerklosters auf der anderen Rheinseite nahe Eibingen und siedelt dort Schwestern aus ihrem Konvent an. Zeitlebens reist sie zweimal pro Woche vom Rupertsberg dorthin, um auch hier ihren Verpflichtungen nachzukommen. Von etwa 1147 an reifen in Hildegard Umzugspläne. Die Klause ist zu klein geworden für sie und ihre Schwestern. Außerdem braucht sie mehr Freiraum, wenn sie ihren Auftrag an den Menschen erfüllen möchte. Kein leichtes Vorhaben: Der stabilitas loci zufolge ist sie an ihr gewähltes Kloster gebunden, außerdem lassen die Mönche die berühmte Hildegard nur ungern ziehen. Mithilfe einflussreicher Fürsprecher erhält sie dennoch die Erlaubnis, auf dem etwa 30 Kilometer entfernten Grab des hl. Rupertus bei Bingen ihr eigenes Kloster zu gründen.

Pilgerin, Heilige, Kirchenlehrerin

Hildegard von Bingen ist mit einem langen Leben gesegnet. Noch als Greisin unternimmt sie ausgedehnte Pilgerreisen. Sie stirbt am 17. September 1179 im Kloster Rupertsberg. Während seine Bedeutung danach zusehends schwindet, hat ihr Kloster in Eibingen bis ins 19. Jahrhundert Bestand. Obwohl sie schon zu Lebzeiten als Heilige verehrt wird, erhält sie ihre Kanonisation erst im Mai 2012 von Papst Benedikt XVI. Am 7. Oktober 2012 folgt ihre Erhebung zur Kirchenlehrerin. 

Hildegard von Bingen (1098 bis 1179) hat eine maßvolle und gesunde Kost als wichtige Säule der Gesundheit erkannt. Neben den theologischen Schriften verfasste Hildegard von Bingen deshalb auch medizinische Abhandlungen, von denen zwar keine Originaltexte, aber Abschriften erhalten sind. Darin beschrieb sie Hunderte Heilpflanzen, Kräuter, Gewürze und Lebensmittel, von denen heute viele in ihren Wirkungen bestätigt sind.

So kommen Schafgarbe und Beinwell noch immer bei Wunden und Verletzungen zum Einsatz, Hagebutten bei Erkältungen und Brennnesseln zum Ausleiten. Auch ihre Begeisterung für Dinkel teilen Ernährungswissenschaftler: Heute schätzen wir ihn wegen seiner gesunden Inhaltsstoffe, Hildegard sagte ihm eine positive Wirkung auf eine Reihe körperlicher und seelischer Leiden nach.

Außerdem empfiehlt sie Bohnen, Edelkastanien, Fenchel, Galgant, Möhren, Sellerie und Quendel - aber stets gedünstet, da Rohkost das Blut verschlechterte und den Darm durch Gärung belaste. Selbst Fleisch und Fisch sind erlaubt - solange es maßvoll bleibt. Anders beurteilt wird heute ihre Abneigung gegen Lauch, Erdbeeren, Pflaumen und Pfirsiche. Dass diese von ihr als Küchengift verschmähten Lebensmittel das Verschleimen und die Bildung schlechter Körpersäfte fördern, hat sich nicht bestätigt.

Allerdings heilt der Mensch nach Hildegard von Bingens Auffassung nie nur durch die Wirkung einer Heilpflanze allein. Als christliche Mystikerin versteht sie Gesundheit letztlich als Folge eines gottgefälligen Lebens im Einklang mit der ganzen Schöpfung und Genesung als Werk Gottes.

Ausflugs-Tipp:

Von Hildegard von Bingens gegründetem Kloster auf dem Rupertsberg sind heute nur noch Arkadenbögen und ein Komplex aus Gewölbekellern erhalten, die nach Terminvereinbarung mit der Touristeninformation in Bingen besichtigt werden können.

Ihr Kloster in Eibingen brannte 1932 völlig nieder. Auf den Überresten wurde die heutige katholische Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Hildegard errichtet, in der sich auch die Reliquien der Heiligen befinden. Die Kirche ist werktags täglich von 5.30 bis 20.15 Uhr geöffnet.

Außerdem lohnt ein Besuch der von 1900 bis 1904 im neoromanischen Stil erbauten Abtei St. Hildegard, die kirchenrechtlich in der Nachfolge der Klöster Rupertsberg und Eibingen steht. Sie liegt mitten in den Weinbergen oberhalb der Stadt Rüdesheim am Rhein.

Mehr dazu unter www.abtei-st-hildegard.de

Buch-Tipp:

Von Dinkel-Kastanien-Brot und Kräuterbrötchen bis zu Maronenkuchen: über 70 Backrezepte mit gesunden Lebensmitteln aus Hildegard von Bingens Klosterküche und Heilkunde: Backen nach Hildegard von Bingen, Komet Verlag, 176 Seiten, ISBN 978-3869413396, 12,99 Euro.

Seminar-Tipp: Hildegard von Bingen

Ernährung und Naturheilkunde nach dem Verständnis der heiligen Hildegard von Bingen.

Mehr Informationen unter www.akademie-gesundes-leben.de oder telefonisch: 06172 / 300 98 22

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