Dem Billigfleisch entgegen

Öffentliche Diskussion anregen

Stand: 13.11.2016

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Was günstig ist, wird mehr gekauft, was sich verteuert weniger. Mit Steuern und Subventionen kann der Staat die Nachfrage in beide Richtungen steuern. So ist das auch bei Lebensmitteln. Diese sind billig in Deutschland, teilweise zu billig. Nur etwas mehr als zehn Prozent ihres Einkommens geben deutsche Haushalte für Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke aus. Etwa ein Viertel davon für Fisch und Fleisch.

Das Problem sind die Folgekosten der Lebensmittelproduktion. In Deutschland verursacht die Ernährung etwa ein Drittel der Umweltschäden. Die Gesundheit, die Umwelt, die Versorgung in anderen Ländern und nicht zuletzt die Tiere leiden unter unseren Kaufentscheidungen. Diese wiederum werden beeinflusst durch Agrarsubventionen, die Lebensmittel billiger machen, als sie eigentlich sind. Besonders problematisch ist der durch die Billigpreise geförderte hohe Konsum an Fleisch. Gerade für das Klima sind die Auswirkungen der Fleischproduktion groß. Der Fleischkonsum in Deutschland hat einen Anteil von mehr als 40 Prozent an den durch unsere Ernährung verursachten Treibhausgasen. Da sind die Folgen der Regenwaldabholzung für Weideflächen und Tierfutter noch nicht mal mit eingerechnet.

Und Deutschland produziert immer mehr Fleisch für den Export. Die Inlandsnachfrage ist längst gedeckt. Dass hier dringender Handlungsbedarf seitens der Regierungen besteht, hat neben zahlreichen Umweltschutzorganisationen, der UN und anderen Experten inzwischen auch die Bundesumweltministerin Barbara Hendricks erkannt. Sie fordert in ihrem Klimaschutzplan 2050 eine Beschränkung der Agrarproduktion auf Selbstversorgung sowie eine Verringerung der Tierbestände und des Fleischkonsums. Konkret sollte sich demnach der Fleischkonsum bis 2050 halbieren.

Um diese Ziele zu erreichen, sind als Instrumente etwa eine höhere Besteuerung von Fleisch oder der "Gülle-Euro" als Abgabe für die viel zu hohen Stickstoffeinträge in Böden und Gewässer im Gespräch. Deren Wirksamkeit muss freilich geprüft werden. Es ist auf jeden Fall höchste Zeit, dass solche Ideen in der öffentlichen Diskussion sind. Schon allein, um die Menschen weiter für die Folgen ihres Fleischkonsums zu sensibilisieren.

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