gelbe Anguraté Blüte

Anguraté – Heilkraft mit Tradition

Ein wahrer Magenfreund

Stand: 20.10.2018 (16.03.2012)

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Das Leben in den peruanischen Anden ist hart. Wer hier überleben will, braucht ein gutes Immunsystem. Und er braucht die richtigen Heilpflanzen. Doch darin kennen sich die Ureinwohner Perus bestens aus. Eine Pflanze aus diesem Heilkräuterschatz heißt Anguraté.

Im Sommer wird es in den Anden unerträglich heiß und trocken, im Winter unerträglich kalt und windig. Das Trinkwasser ist oft mit Parasiten verseucht und das Nahrungsangebot kärglich. Um die Gesundheit zu stärken, nutzen die Schamanen, die sogenannten Curanderos, ein Heilkräuterwissen aus vielen Jahrhunderten, von dem mittlerweile auch die wissenschaftliche Medizin immer mehr zu lernen bereit ist.

Eine Pflanze mit langer Tradition ist Anguraté. Lateinisch heißt sie Mentzelia cordifolia, was als Ehrerbietung gegenüber dem deutschen Arzt und Botaniker Christian Mentzel (1622-1701) gedacht ist. Dabei wirkt sie äußerlich zunächst einmal unscheinbar, so wie eine Brennnessel, die es ins Trockene verschlagen hat und daher ihr Grün auf das Notwendigste zurückstutzt.

Doch dafür ist Anguraté ausgesprochen robust. Oberhalb der Erde zeigt sich die Pflanze als krautiger Strauch mit gesägten Blättern, die fast wie ein Kaktus „zustechen“ können; unter der Erde versteckt sich eine Pfahlwurzel, die sich selbst auf steinigem Geröll noch in die Tiefe bohren kann. Anguraté signalisiert also schon mit ihrem äußeren Habitus: Ich brauche es nicht bequem, denn ich bin hartnäckig.

Ein echter Überlebenskünstler also, und es lag daher für die Menschen nur nahe, sich mit diesem pflanzlichen Mitbewohner der ungemütlichen Anden näher zu beschäftigen: Anguraté machte Karriere als Heilkraut. Die Schamanen verordneten sie als Heilmittel bei Wurmbefall sowie Blasen- und Lebererkrankungen, bei Magengeschwüren und Durchfall. Doch es sollte noch dauern, bis die europäische Medizin das Heilkraut entdeckte.

Von Südamerika nach Berlin

So wurde das Blumennesselgewächs wissenschaftlich erst 1895 erfasst: Man zupfte ein Exemplar aus dem Andengeröll, trocknete es und schickte es nach Berlin, wo es im Botanik-Institut eingelagert wurde. Versehen mit dem handschriftlichen Hinweis, dass Anguraté von den Ureinwohnern Perus als „Magenheilmittel“ verwendet wird. Mehr nicht. Es sollte daher noch sechs Jahrzehnte dauern, bis sie sich in der europäischen Heilkräuterkunde etablieren konnte.

Dieser Schritt gelang erst dem deutschen Apotheker Wilhelm E. Ronneburg im Jahre 1956. Sieben Jahre zuvor hatte er in München die Firma „Alsitan“ gegründet und seitdem mit Biologen und Medizinern einige interessante Naturheilprodukte entwickelt, wie etwa Bienenprodukte mit Gelée Royale. Jetzt fiel der Blick der umtriebigen Forscher aus Bayern auf das unscheinbare Nesselkraut aus Südamerika – und sie entdeckten schon bald dessen beträchtliches Potenzial im Kampf gegen Verdauungsbeschwerden.

Die wertvollen Wirkstoffe von Anguraté

Hauptwirkstoffe von Anguraté sind sogenannte Iridoide, man findet sie vor allem in den Zweigspitzen, Stängeln und Wurzeln. Sie wirken krampf- und entzündungshemmend. In einer klinischen Studie an Patienten mit funktionellen Oberbauchbeschwerden zeigte sich der Teeaufguss der Pflanze ähnlich effektiv wie Metaclopramid, das von Ärzten gerne gegen Übelkeit und Erbrechen eingesetzt wird, aber – im Unterschied zur seinem peruanischen Heilpflanzen-Pendant – oft Nebenwirkungen wie Ruhelosigkeit, Müdigkeit oder Schwindelgefühl mit sich bringt.

Zudem mobilisiert Anguraté die Ausschüttung von Magensäften und damit die Verdauung. Eine peruanische Arbeitsgruppe entdeckte lindernde Effekte bei Sodbrennen, Reizmagen und Magengeschwüren. Wobei man allerdings röntgenologisch keine Abheilung von bereits bestehenden Geschwüren finden konnte. Man geht deshalb davon aus, dass Anguraté in den Entzündungsstoffwechsel eingreift und dadurch reiz- und schmerzlindernd wirkt.

Ein Heilkraut für die heutige Zeit

Ein Heilkraut also, das wie geschaffen zu sein scheint für die heutige, von Stress und Hektik geprägte Zeit, die bekanntermaßen oft zu funktionellen Magen- und Darmproblemen führt. 25 Prozent der Bundesbürger leiden am Reizmagen, davon klagen zehn Prozent zusätzlich über die Symptome eines Reizdarms. Für sie könnte Anguraté eine wertvolle Hilfe sein. Die Dosierung liegt bei drei großen ­Tassen täglich, jeweils eine halbe Stunde vor den Mahlzeiten.

Allerdings wächst das Heilkraut nicht um die Ecke, und es lässt sich auch nicht als Massenware kultivieren. Anguraté ist eben nicht nur ein Asket, sondern auch ein Sonderling. Sie wird daher trotz der steigenden Nachfrage heute noch genauso wie damals gewonnen, also nicht in Großplantagen, sondern in kleinbäuerlichen Betrieben der Region.

Nachhaltig-ökologisches Wirtschaften

Doch diese Einschränkung ist für Alsitan im Grunde gar keine. Denn dort hat man sich neben Heilpflanzenkunde und Ernährungsmedizin auch das nachhaltig-ökologische Wirtschaften auf die Fahnen geschrieben. Nicht umsonst wird, wie Alsitan-Geschäftsführer Hans-Jürgen Specht betont, das neue Firmengebäude in Greifenberg komplett über eine Sole-Wasser-Wärmepumpe mit Erdwärme beheizt, also ausschließlich mit regenerativen Energien. „Wir setzen immer stärker auf nachhaltiges Wirtschaften und biologische Rohstoffe“, erklärt Specht, der zusammen mit seinem Sohn Marc Specht das Unternehmen leitet.

Zu dieser Firmenphilosophie gehört auch, dass man wertvolle Pflanzen nicht einfach ausbeutet, sondern ihren Anbau als Entwicklungshilfe-Projekt einsetzt und kleinbäuerliche Betriebe der Region unterstützt. Und so sichert Anguraté vielen Bauern in Peru ihre Existenz – aber – das passt ja irgendwie zum Lebensstil eines echten Asketen, oder?

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