Achtsames Abnehmen

Über den Tellerrand

Stand: 11.07.2016

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Zu einer Diät muss man sich zwingen und meist hält das Ergebnis nicht lange vor. Um das zu vermeiden, helfen ein achtsamer Umgang mit dem eigenen Körper und die Beobachtung, was, wie und wann man isst, um Kilos loszuwerden. Wie man das macht? Achtsam abnehmen – ein Kurs an der Akademie für Gesundes Leben zeigt’s.

Über die Hälfte der deutschen Erwachsenen ist laut Statistischem Bundesamt von 2013 übergewichtig: 52 Prozent. Tendenz steigend. 2001 waren es noch weniger als 50 Prozent. Wer zu viele Pfunde mit sich herumträgt, weiß das im Prinzip auch. Und wünscht sich meist, sie loszuwerden. Dann gibt es disziplinierte Phasen mit „fdH“, Diät, keinen Kohlehydraten oder Ähnlichem. Bis stressige Tage kommen: Zoff mit dem Partner, Überstunden im Job, unerwartete Rechnungen – und schon muss eine Packung Schokokekse zum Trost her.

Essgewohnheiten unterliegen nicht dem Appell an den Verstand. „Beim Essen sind wir auf Autopilot geschaltet“, sagt Andrea Freund, Heilpraktikerin für Psychotherapie, Hypnotherapeutin, Meditationslehrerin und Seminarleiterin an der Akademie Gesundes Leben. Soll heißen: So wie in der Kindheit unser Essverhalten geformt wurde, läuft es ohne große Überlegung weiter. In der Ausbildung „Schlank durch Achtsamkeitstraining“ an der Akademie Gesundes Leben in Oberursel wird der Automatismus durchbrochen. Kernpunkt des dreiteiligen Achtsamkeitstrainings: sich selbst wahrnehmen, in sich hineinspüren und den Fragen „warum und wie esse ich eigentlich?“ nachgehen.

Essgewohnheiten erkennen

„Es gibt beim achtsamen Abnehmen keine Verbote und Regeln, so wie das bei Diäten der Fall ist. Essen kann man im Prinzip alles. Nur eben ganz bewusst“, so die Seminarleiterin. Das heißt zuallererst: Habe ich überhaupt Hunger? Knurrt mein Magen? Oder esse ich, weil Mittagszeit ist und wir immer um 12 Uhr gegessen haben? Eine weitere Frage ist: Esse ich, weil ich verärgert bin und mich beruhigen will? Esse ich aus Stress, Freude? Will ich mich mit einem Stück Kuchen belohnen? Antwort erhält, wer in sich hineinlauscht und herausfindet, welcher Esstyp er ist. Praktische Übungen erweitern die Achtsamkeit der KursteilnehmerInnen.

Beispiel Apfel: in die Hand nehmen, fühlen, betrachten, daran schnuppern. Dann erst wird er klein geschnitten und Stück für Stück im Mund hin und her geschoben, werden Temperatur, Süße, Säure, Form erspürt. Und schließlich aufmerksam gekaut und geschluckt: „Es geht um die Details“, erklärt Seminarleiterin Andrea Freund. „Wir machen eine Bewusstseinsschulung, eben ein Training der Achtsamkeit.“ Dazu gehören auch Atemübungen und Meditation, Sinnesschulung, Genusstraining und Bewegung: Achtsamkeit auf allen Ebenen.

Spüren, wann man satt ist

„Viele essen achtlos, nebenbei läuft der Fernseher, liegt die Zeitung auf dem Tisch. Manche essen im Stehen“, erklärt die Ausbilderin. Daran wird in dem Achtsamkeitstraining gearbeitet: sich selbst auf die Spur kommen. Und mit kleinen Tricks gegensteuern. Wer seinen Auflauf auf einen kleineren Teller füllt, wer langsam kaut, der wird viel schneller satt sein, als er das sonst ist.

Und davon soll man abnehmen? „Ja“, lautet die klare Antwort von Andrea Freund, „wer länger kaut, verbessert seine Verdauung. Wer bewusst isst, wird viel schneller merken, dass er satt ist – vielleicht auch ehe der Teller leer ist.“ Mit Glaubenssätzen aus der Kindheit wie „Es wird gegessen, was auf dem Teller liegt“, sollten achtsame EsserInnen Schluss machen.

Keinem Schlankheitsideal nacheifern

Hinterfragen müssen die KursteilnehmerInnen – in den meisten Fällen sind sie weiblich – auch ihre Körperwahrnehmung. „Die Akzeptanz des eigenen Körpers ist wichtig“, so die Seminarleiterin. Wer in der Taille breiter ist, wird sie durch Hungern nicht verschmälern. Wer seinen Abend aber regelmäßig damit beendet, Salzstangen und ein Glas Wein zu sich zu nehmen, hat eine Veränderung in der Hand. Andrea Freund findet es auch wichtig, keinem Schönheitsideal hinterherzujagen. „Sich selbst annehmen, so wie man ist“, lautet ihre Devise.

Dazu gehört auch, dass man sich nicht verurteilt, weil man wieder mal schwach geworden ist und sich eine Tüte Erdnüsse einverleibt hat. Ein Tagebuch, das die TeilnehmerInnen führen sollen, kann die Gründe aufzeigen. Denn abgefragt wird beispielsweise: Wie geht es mir vor der Mahlzeit? Eventuelle Antwort: Ich war genervt von meinem Chef. Wie fühle ich mich danach? Eigentlich zu voll gegessen.

„Der Grund, warum wir zu viel essen, liegt in unserer Selbstabwertung, also der fehlenden Selbstakzeptanz“, weiß Andrea Freund. Essen kompensiert und ist oftmals eine Ersatzbefriedigung. Schließlich sprechen wir vom Hunger nach Liebe, vom Hunger nach Anerkennung. Ob Lebenshunger der Antrieb zum Essen ist, können die KursbesucherInnen während der drei Seminarsequenzen (siehe Seminartipp) bei den täglich fünf Mahlzeiten herausfinden. Die bestehen aus köstlichen vegetarischen Gerichten in Bioqualität. Vielleicht ist das Stück Kuchen am Nachmittag gar nicht so verlockend wie ein kurzer Spaziergang im Garten vor dem großzügigen Restaurant. Möglicherweise reicht ein Becher Tee und dazu der Blick in die alte Buche vor dem Haus. Es gilt herauszufinden, was einen antreibt. Ein spannender Weg, auf den sich die KursteilnehmerInnen machen.

Andrea Freund, Heilpraktikerin für Psychotherapie, Hypnotherapeutin, Meditationslehrerin, Klangtherapeutin und Seminarleiterin an der Akademie Gesundes Leben

Dreiteilige Ausbildung mit Kursleiter-Zertifikat

Achtsamkeit ist eine Jahrtausendealte Methode, sich selbst und seinen Körper noch besser kennenzulernen. Neue Studien zeigen: Gezielte Achtsamkeitsübungen reduzieren Stress, machen gelassen und können helfen, Gewichtsprobleme nachhaltig in den Griff zu bekommen. In dieser Ausbildung geht es nicht um Diäten oder Ernährungsregeln. Sie lernen, achtsam zu essen und zu leben und die Psychologie des Essens und des Dick- bzw. Schlankwerdens zu verstehen.

Mehr Informationen unter www.akademie-gesundes-leben.de oder telefonisch: 06172 / 300 98 22

Welcher Esstyp bin ich?

 

  • Der Frusttyp

Die Situation: Heute war kein guter Tag. Ich brauche jetzt eine Schutzhülle, etwas Warmes. Also ab ins Bett und eine Chipstüte dazu.

Die bessere Lösung: In die Wanne gehen, sich in der Sauna wärmen.

  • Der Freudetyp

Die Situation: Heute habe ich mein Arbeitspensum super geschafft. Ich kann mich freuen und zur Belohnung die Sektkorken knallen lassen und Käsegebäck dazu knabbern.

Die bessere Lösung: Die Freude mit anderen teilen, etwa mit einer Freundin spazieren gehen.

  • Der Angsttyp

Die Situation: Morgen muss ich ein für die Firma wichtiges Projekt präsentieren. Das macht mich ängstlich und Panik ergreift mich. Ich muss mich beruhigen. Am besten mit viel Zucker und Fett.

Die bessere Lösung: Lenken Sie sich ab. Etwa mit fünf Minuten Atemmeditation, betrachten Sie die Prüfung als Herausforderung.

  • Der Wuttyp

Die Situation: Ich bin wütend und aufgebracht, weil mein Nachbar eine verletzende Bemerkung gemacht hat. Ich muss mich besänftigen und mit einem üppigen Essen beruhigen.

Die bessere Lösung: Sie haben die Kontrolle über Ihren Körper und sind kein ferngesteuerter Roboter. Lassen Sie Ihre Wut raus – am besten mit Körperübungen wie schnellem Laufen oder auch Seilspringen.

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