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Gesund bleiben in Zeiten des Wandels

Die Expert:innen sind sich einig: Klima und Gesundheit stehen in engem Zusammenhang.

Wie wir die Erde schonen und unseren Körper stärken können.

Der blaue Planet. Unsere Erde. Die einzige, die wir haben. Beschenkt mit einer unfassbar vielfältigen Pflanzen-, Tier und Wasserwelt, voller Wunder und Schönheit. Und in Gefahr. Stürme, Überflutungen, Vulkanausbrüche, Zerstörung von Lebensräumen – die Bilder, die uns erreichen, sind schwer zu ertragen. Aber nicht nur das. Der menschengemachte Klimawandel hat direkte Auswirkungen auf uns, auf unsere körperliche und seelische Gesundheit. Es geht uns an den Kragen – wenn wir nicht endlich handeln.

Zwar ist der Mensch vermutlich das klimatoleranteste Säugetier der Welt, das mit Dauerfrost von minus fünf Grad, wie sie in manchen Gebieten Kanadas oder Russlands herrschen, ebenso zurechtkommt, wie mit tropischen Mittelwerten von 25 Grad, wie etwa in Bangladesch. Aber: Die seit der Jahrtausendwende vermehrt aufgetretenen Hitzewellen haben jeweils mehrere Tausend Todesopfer gefordert, und die meisten starben nicht etwa am Hitzschlag. Vielmehr treibt die mit den hohen Temperaturen einhergehende Kreislaufbelastung das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall in die Höhe. Auch die Luftverschmutzung, so die Fachzeitschrift „Aktuelle Kardiologie“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2021), fordert allein in Deutschland pro Jahr über 40.000 Menschenleben. Für die städtische Bevölkerung ist die Belastung besonders hoch.

Wie eng Umweltverschmutzung, Klimawandel, Lebensraumzerstörung und menschliche Gesundheit miteinander verflochten sind, zeigt sich auch am Beispiel der Infektionskrankheiten, dem Forschungsgebiet von Dr. Anahita Fathi, Internistin in der Sektion Infektiologie am UKE Hamburg und Sprecherin der Jungen DGMI, welche die Generation junger Internist:innen in der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin vertritt.

„Je weiter der Mensch in bislang unberührte Lebensräume vordringt, desto größer ist das Risiko für Zoonosen, also Infektionserkrankungen, die vom Tier auf den Menschen überspringen“, so Fathi. Beispiele dafür seien das Sars-Cov-Virus und die Schweinegrippe sowie HIV und Ebola, denn beide Viren wurden vom Affen auf den Menschen übertragen, durch Kontakt beziehungsweise den Verzehr des Fleisches.

Was können wir dagegen tun? Das Reisen einstellen? „Kontakt- und Mobilitätsbeschränkungen sind sicher eine effektive Methode, um Zoonosen zu reduzieren, aber dies wäre vermutlich nicht längerfristig durchzustehen“, so Dr. Fathi. „Wir leben in einer zunehmend globalisierten Welt, in der wir mit vielen Menschen und vielen Ökosystemen in Kontakt sind, und wenn in der einen Ecke des Globus eine neue Infektion ausbricht, kann man die Uhr danach stellen, wann sie auf der anderen Seite auftaucht.“

Außerdem seien solche sogenannten Übertragungsereignisse häufig mittel- und unmittelbar durch den Klimawandel bedingt. „Wetterextreme wie Dürren und Überflutungen zerstören menschliche und tierische Lebensräume, das führt zu Nahrungsmittelunsicherheit und zu vermehrter Jagd auf Buschfleisch, zum Vordringen in geschützte Bereiche, zu Kriegen und Gewalt um Wasser und Nahrung und dadurch wiederum zu Versorgungsunsicherheiten mit den entsprechenden Folgen.“

Effektiver Klimaschutz, der Wetterextreme reduziert, sei deshalb das Gebot der Stunde. Da sind Regierungen weltweit gefordert, aber auch der / die Einzelne. „Wir haben durch die jüngsten Ereignisse gesehen, dass unsere Gesundheit mit der aller anderen zusammenhängt, mit Tieren, der Umwelt – wir sind alle miteinander verbunden, wir können nichts separat betrachten.

Ich glaube, wenn dieses Bewusstsein noch weiterwächst, ist es irgendwann selbstverständlich, dass jeder seinen Beitrag zum Klimaschutz leistet“, so Dr. Fathi. Den Ärztinnen und Ärzten kommt dabei ein wichtiger Part zu. „Klimaschutz ist Gesundheitsschutz, und die Bedeutung dieses Themas sollte ähnlich wie bei der gesunden Ernährung immer wieder in die Behandlung eingebunden werden.“

Kinder klagen an

45 Prozent von weltweit 10.000 befragten Jugendlichen geben an, dass Klimaangst ihr tägliches Leben beeinträchtigt – so das Ergebnis der größten wissenschaftlichen Studie über Klimaangst bei Kindern und Jugendlichen, die auf Umfragen in 10 Ländern basiert. Die Angst hängt mit der wahrgenommenen Untätigkeit der Regierung und dem damit verbundenen Gefühl des Betrogen- bzw. Verratenwerdens zusammen. 58 Prozent der Befragten gaben an,
dass die Regierungen „mich und / oder künftige Generationen im Stich lassen“, 64 Prozent sagten, dass ihre Regierungen nicht genug tun, um eine Klimakatastrophe zu verhindern. Die Studie warnt davor, dass ein solch hohes Maß an psychischer Belastung und Gefühlen des Verrats die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen negativ beeinflussen wird. Die Untätigkeit der Regierungen in Bezug auf den Klimawandel sei schädlich und stelle möglicherweise eine Verletzung der internationalen Menschenrechte dar.

The Lancet Planetary Health

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