Diese Website verwendet Cookies. Wenn Sie diese Website weiterhin nutzen, stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.

Da bin ich mir ganz sicher

Auf die innere Stimme hören

Stand: 23.06.2017 (23.06.2017)

Wer auf seine innere  Stimme hören will, muss auf Entdeckungsreise gehen. Sie beginnt in Oberursel an  der Akademie Gesundes Leben. Ein Seminar  leitet an, aus diffusen  Gefühlen klar zu erkennen, was man wirklich fühlt.

Wie schön wäre es, einem persönlichen Kompass folgen zu können. Einem, der genau weiß, was einem guttut und der unseren geheimsten Gefühlen gemäß uns dahin führt, wo wir uns wohlfühlen. Das würde so viele Entscheidungen einfacher machen und vage Gefühle in klare verwandeln. Sollen wir nun ein zweites Kind bekommen? Für den neuen Job ins Ausland ziehen? Warum habe ich immer einen Kloß im Hals, wenn ich mich im Team artikulieren soll? Einen Helfer bei bestimmten Entscheidungen oder unangenehmen Gefühlen suchen wir 16 TeilnehmerInnen am Seminar „Der inneren Stimme folgen“ an der Akademie Gesundes Leben (AGL) in Oberursel. Etliche hatten ein Burn-out-Syndrom, die meisten fühlen sich vom Alltag überfordert, wollen mehr an sich denken trotz aller Verpflichtungen. Deshalb sitzen wir jetzt im Rund und hoffen, dass wir ein Stück abrücken können von unseren kopfgesteuerten Vernunftentscheidungen. Verstand und Bauch mehr in Balance bringen, oder wie es die in der IT-Branche tätige, quirlige Sibylle sagt: „Ich will mal weg von diesem hopp-hopp und den schnellen Entscheidungen."

Christine Göllner, Diplom-Pädagogin und Coach, will uns an diesem Wochenende das Handwerkszeug vermitteln, mit dem wir unserer inneren Stimme auf die Spur kommen: Focusing. Das ist eine von dem Psychotherapeuten Eugene T. Gendlin entwickelte Methode, persönliche Probleme auf das eigene Körperempfinden zurückzuführen. Das klingt für uns alle erst einmal ziemlich abstrakt. Christine Göllner konkretisiert: „Wenn jemand im Job ein Projekt vorstellen soll, hat er ein dumpfes Gefühl im Bauch. Er kann nun aufhören, solche Dinge zu tun, kündigen oder aber sich das Gefühl bewusst machen und hinterfragen.“ Es gebe bei Gefühlen weder falsch noch richtig und auch keine Fehler, erläutert die Seminarleiterin. Am Wochenende werden wir lernen, diese Beziehung zu unseren Gefühlen herzustellen, verspricht sie.

Was ist Focusing?

Von Eugene T. Gendlin (geb. 1926 in Wien) entwickelte psychotherapeutische Methode der Selbsthilfe, Denken und Fühlen in Beziehung zu bringen. Der studierte Philosoph und Psychotherapeut lehrte an Universitäten in den USA. Seine Erfahrung: Nur diejenigen Klienten waren in der Therapie erfolgreich, die beim Reden über ihre Probleme auch gleichzeitig ein unmittelbares Erleben spürten. Damit jeder diese innere Beteiligung erlernen kann, entwickelte er die sechs Schritte des Focusing vom ersten achtsamen nach innen Spüren bis zur Wahrnehmung der unbekannten, unterdrückten Gefühle, die aufsteigen können. 

Und schon geht es mit dem ersten Focusing los, das Christine Göllner anleitet. Wir schließen die Augen, jeder folgt für sich Christines Worten und versucht zu erspüren, was sie bewirken. Es ist wie einen Tisch leer zu räumen, auf dem lauter Dinge – in diesem Fall Themen, die einen beschäftigen – stehen. Weg mit den Gedanken an die Kinder zu Hause, an den Zweifel, ob man sich dieses Wochenende zeitlich leisten durfte, dass man den Vertragsentwurf letzte Woche nicht fertig gestellt hat. Alles wird innerlich abgeräumt, um Raum für innere Achtsamkeit zu schaffen. Im Raum ist es ganz still. Im Garten singen die Meisen.

Wo sitzen die Gefühle eigentlich? Wie sich im Gespräch nach der Übung herausstellt: bei den meisten zwischen Kehle und Bauch. Da, wo es bei unguten Situationen die Kehle einschnürt, sich ein Druck im Bauch aufbaut. 

Ohne Theorie geht es nicht. Christine erklärt, was ein Felt sense ist, in etwa als inneres Wetter übersetzt, nämlich eine Körperempfindung, die eine Bedeutung hat. Sie beschreibt die sechs Schritte, die uns in unser Inneres führen. Vor allem aber machen wir praktische Übungen: Mal geht es darum, seiner tiefen Sehnsucht nachzuspüren, mal zu erklären, warum man spontan nach einer bestimmten Postkarte gegriffen hat, dann wieder skribbeln wir symbolisch auf, was uns beschäftigt. In den Pausen trinken wir Tee, gehen in den Kräutergarten, halten das Gesicht in die Sonne. Manchen fällt es durchaus schwer, die Bauchgefühle wahrzunehmen. Zwei Freundinnen meinen lachend: „Unsere inneren Stimmen sagen uns, wir sollten heute Nachmittag einen Spaziergang machen.“

Natürlich ist auch das erlaubt. Ein Fazit ist am Sonntag schwer zu ziehen, wir stehen am Anfang eines Prozesses: jeder für sich. Diana, seit vielen Jahren im Familienbetrieb gestresst, hat herausgefunden, dass sie sich einen eigenen Rückzugsbereich einrichten muss, eine Hamburgerin will ihr Arbeitszimmer gelb streichen: „Für mehr Fröhlichkeit.“. Eva, Lili und Annette haben bereits innere Wege beschritten, wie sie erfreut versichern – das war ihnen während des Kurses an bewegten Emotionen anzumerken. Der in Meditation erfahrene Manfred bekennt: „Eben habe ich noch größte Glückseligkeit empfunden. Und plötzlich habe ich an Kartoffelschälen gedacht.“ Der Weg nach innen geht manchmal kleine Umwege.

Seminartipp: „Der inneren Stimme folgen“

Mehr Informationen unter: www.akademie-gesundes-leben.de oder telefonisch: 06172 / 300 98 22

Weiterscrollen, um zum nächsten Artikel zu gelangen