Auf anderen Wegen in Cinque Terre

Mittendrin und doch fernab vom Massentourismus

Stand: 01.02.2018 (02.02.2018)

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Monterosso al Mare, Vernazza, Corniglia, Manarola und Riomaggiore – so heißen die fünf malerischen Dörfer der Cinque Terre in Ligurien, Italien. Wer sie, fernab vom Massentourismus, in einem traumhaft schönen Wandergebiet genießen möchte, liegt mit einer Reise unseres Kooperationspartners REISEN MIT SINNEN goldrichtig. Lassen Sie sich von unserem Reisebericht inspirieren:

Die „rundum sorglos Reise“ im September 2017 beginnt schon Zuhause mit dem Erhalt eines Pakets von REISEN MIT SINNEN. Darin: der Dumont Reiseführer „Ligurien“, das Magazin „Italien verstehen“ sowie persönliche Reiseunterlagen mit Informationen zur Reisegruppe und den einzelnen Wanderungen Tag für Tag. 

Die Anreise:

Gut vorbereitet starten wir bundesweit im Regen, der bis Genua anhält. Nach der monatelangen Trockenperiode und den vielen Waldbränden für die italienische Bevölkerung ein Grund zur Freude, bei der Reisegruppe hält sich die Begeisterung über das Wetter allerdings in Grenzen.

Am Flughafen erwartet uns unsere sympathische Reiseleiterin Inge Thorwart. Über schmale Straßen fahren wir in Richtung Cinque Terre. Die Straße führt durch viele ehemalige und nur abwechselnd in eine Richtung befahrbare Eisenbahntunnel aus dem 19. Jahrhundert. Die Fahrt ist spannend, fantastische Meerblicke machen sie zu einem ersten kleinen Highlight, bevor wir das ca. 60 km entfernte Moneglia – unseren Ausgangspunkt für alle Aktivitäten dieser Woche – erreichen. Hier werden wir ganz herzlich im familiengeführten Hotel – der Villa Argentina – begrüßt und persönlich auf die Zimmer begleitet.

Villa Argentina (Hotel):

Ist ein familienbetriebenes Hotel mit nur 17 Zimmern und einem eigenem Obst- und Gemüsegarten, aus dem erntefrisch die Produkte auf den Tisch kommen. Möchte man zum Beispiel eine Zitronenscheibe ins Getränk, wird die Zitrone direkt frisch vom Baum gepflückt. Überhaupt ist das Beste an dieser Villa das Essen: Hier wird noch von Hand gekocht – und auch der Koch ist ein Familienmitglied. Jeden Abend gibt es ein üppiges Wunschmenü mit ligurischen Spezialitäten. Außerdem kennt die ganze Familie innerhalb von ein bis zwei Tagen die Namen der Gäste inklusiv deren Zimmernummern und kümmert sich in italienischer Gastfreundlichkeit herzlich um seine BesucherInnen. 

Erster Wandertag:

Heute heißt es früh aufstehen! Unser Zug nach Camogli geht um 7:35 Uhr. Die kleine, so früh morgens noch sehr verschlafene Hafenstadt, wird aufgrund ihrer Seefahrertradition auch „Häuser der Frauen“ oder „1.000 Segel“ genannt. Bei einem traditionellen Bäcker dürfen wir einen Blick in die Backstube werfen und erhalten hier unsere leckeren Lunchpakete mit frisch gebackener Focaccia, Spinattarte und dem regionalen, verführerischen süßen Gebäck: Camogliesi. Es duftet einfach himmlisch – doch der Genuss dieser Köstlichkeiten muss noch bis zur Mittagspause warten.

Jetzt geht es erst einmal mit einem Schiff auf bewegter See zur idyllischen Bucht San Fruttuoso mit der gleichnamigen Abtei. Bis heute ist sie nur zu Fuß oder über den Wasserweg erreichbar.

Sie ist Ausgangspunkt für unsere erste Wanderung bis hinunter nach Portofino. Das zugleich mondäne wie ursprüngliche Fischerdorf ist für viele der Inbegriff italienischer Romantik. 286 Höhenmeter haben wir bewältigt und dank unserer äußerst versierten und (orts-)kundigen Reiseführerin Inge sehr viel über Flora und Fauna gelernt. Inges großes Steckenpferd ist die Botanik und sie zeigt und erklärt uns Pflanzen, wie die Kermesbeere. Sie wird im Volksmund auch „Schminkbeere“ genannt, da sie früher von jungen Mädchen aufgrund der kräftig violetten Beerenfarbe als Lippenstift-Ersatz benutzt wurde. Inge demonstriert dies zur Erheiterung der ganzen Gruppe auf ihren Lippen. Ergebnis: beeindruckend gefärbte Lippen! Wir bekommen aber auch Esskastanienbäume, drei verschiedene Pinienarten, die durch die Pinienlaus sehr geschädigt sind, Manna-Esche, die bei Verdauungsproblemen eingesetzt werden kann und Erdbeerbäume gezeigt. Letztere tragen rote Früchte, weiße Blüten und grüne Blätter zur gleichen Zeit. Angeblich wurden die Farben der italienischen Flagge danach ausgewählt.

Um 15:00 Uhr kommen wir unten in Portofino an. Zeit für eine Erfrischung, bevor es mit Schiff und Zug zurück nach Moneglia geht. Glücklich, aber auch ein wenig abgekämpft, freuen wir uns heute schon auf die Tour von morgen. Da die Einstiegstour schon recht anspruchsvoll war, erklären einzelne Gruppenmitglieder, zukünftig nur bei Teiltouren dabei sein zu wollen.  Das wird natürlich organisiert.

Zweiter Wandertag:

Die Bahn bringt uns heute nach Corniglia – das kleinste Dorf mit dem ursprünglichsten Charakter der Cinque Terre. Dort erklimmen wir über 382 Treppenstufen unsere ersten ca. 100 Höhenmeter und werden mit einem wundervollen Ausblick auf die Meerseite belohnt. Von dort geht es durch Weinberge weitere 300 Meter steil und steinig nach oben und führt dann über einen fantastisch schönen und in der Sonne gelegenen Panoramaweg über Trockenmauern alter Weinberge nach Volastra. Der Weinanbau hat die Cinque Terre zu dem gemacht, was sie sind: eine beeindruckende Landschaft steil über dem Meer, durchschnitten von Weinterassenfeldern und Trockenmauern mit einer Gesamtlänge von 7.000 Kilometer – geschaffen über Jahrhunderte in Handarbeit.

In einer urigen Trattoria kehren wir zum Mittagessen ein: hausgemachte Pasta und frisch zubereitete Sardellen erwarten uns. Ein kulinarisches Highlight für jeden Genießer!

Am Nachmittag machen wir uns an den recht anspruchsvollen Abstieg nach Manarola. Einige Reiseteilnehmer sehen es kommen – ohne Muskelkater in den Waden werden wir hier nicht davonkommen …

„Die Wanderungen sind relativ anspruchsvoll mit schmalen Wanderwegen und Pfaden, fast immer verbunden mit recht steilen An- und Abstiegen, häufig über Treppen teilweise mit riesigen Stufen, mitunter auch über Felsen.“

Ariane Knauf, Geschäftsstellenleiterin ReformhausMarketing

Unterwegs klärt uns Inge über die großen Probleme der inzwischen zu großen Teilen aufgelassenen und verwilderten Weinterrassenfelder auf. In den 50er-Jahren kam zunächst die Reblaus, die den Winzern das Leben schwer machte, und dann brachte der Tourismus lukrativere und körperlich weniger fordernde Einnahmequellen. Das Resultat: die Felder wurden nicht mehr bewirtschaftet und kam es zu gewaltigen Erdrutschen. Häuser zweier Dörfer wurden bis zum ersten Obergeschoss verschüttet. Aufgerüttelt von dieser Naturkatastrophe gründete der Ort Manarola eine Stiftung namens Fondazione. Sie kümmert sich seit 2014 um den Wiederaufbau bzw. die Instandhaltung der terrassierten und ohne jeglichen Mörtel gebauten Trockenmauern (UNESCO Weltkulturerbe!) und die Wiederaufnahme der Weinbergpflege. Zwei Vorstandsmitglieder dieser Stiftung erklären und zeigen uns das Projekt vor Ort und erzählen, dass Bewohner von Manarola das Gründungskapital in Höhe von 50.000 Euro selbst aufbrachten. Heute arbeiten acht Personen festangestellt und die anderen ehrenamtlich in dieser Stiftung. Ein ambitioniertes Projekt, bei dem alle ReiseteilnehmerInnen gespannt auf die weitere Entwicklung sind.

Typisch für den Wein der Cinque Terre, so erfahren wir, ist eine Weißwein-Cuvée (Mischung) aus drei  Rebsorten, davon zwei, die nur hier angebaut werden. Eine Spezialität stelle der Süßwein der Gegend dar, für den die Weintrauben aufgefädelt und zum Beispiel in Hausdurchgängen, geschützt vor direkter Sonne und Regen, getrocknet und dann erst gekeltert werden.

Nach einem kurzen Stopp in Manarola, das einen traumhaften Anblick auf bunt gestrichene Häuser mit direkter Steilhangküste und Meerblick bietet, geht es mit dem Zug zurück nach Moneglia.

Auswüchse des Massentourismus und die erdrutschgefährdeten Dörfer bleiben allen TeilnehmerInnen nachhaltig und mit Sorge im Gedächtnis zurück. 

Dritter Wandertag:

Heute erwandern wir von dem historischen Ort Levanto die gesamte Küste der Punta Mesco – ein Vorgebirge, das sich nördlich der Cinque Terre erhebt. Nach drei Stunden und 350 Höhenmetern erreichen wir einen Ausblick von atemberaubender Schönheit:  Alle fünf Dörfer der Cinque Terre auf einen Blick!

Danach erfolgt der knapp einstündige Abstieg in das größte Dorf der Cinque Terre: Monterosso. Immer wieder haben wir bei dieser Wanderung eine Duftmischung aus Curry und Lakritz in der Nase, die wir der gelb blühenden Mittelmeer-Strohblume verdanken. Aufgrund des starken Seegangs entfällt die geplante Schifffahrt nach Vernazza – ersatzweise geht es mit dem Zug dorthin.

Dort erinnert eine große Tafel mit vielen Bildern an die Überschwemmungs- und Erdrutschkatastrophe von 2011. Massen an Schlamm und Dreck drangen in die Häuser ein. Heute drängen sich Massen von Touristen durch den kleinen Ort; für uns – die auf Wandertouren fernab des Tourismus geführt werden – immer etwas schockierend. Nichtsdestotrotz werden wir mit einem wunderbaren Ausblick auf das steil am Hang liegende Dorf und das kräftig aufgewühlte Meer belohnt. Der Touristentrubel bewegt viele TeilnehmerInnen dazu, den Abend entspannt in unserem ruhigen, idyllischen Ort am Strand ausklingen zu lassen.

Vierter Wandertag:

Nach einer kurzen Zugfahrt nach Bonassola wandern wir heute mit traumhaften Ausblicken über den Hasensprung hinauf nach Montaretto, einem 180 Einwohner winzigen, hoch über dem Meer gelegenen Dörflein. Angeblich sprang am Hasensprung ein Hase auf der Flucht vor Hunden ins Wasser. Unterwegs treffen wir auf Wacholderbüsche und Mittelmeer-Strohblumen.

Im Gemeindehaus der Casa del Popolo, das von den Einwohnern finanziert und erbaut wurde, lädt man uns zu einem leckeren Mittagsimbiss beziehungsweise einer Jause ein. Zwei ehrenamtlich tätige Einwohnerinnen bedienen uns, die sich ansonsten um die Organisation verschiedener Kulturprojekte kümmern. Sie erzählen von den speziellen politischen Verhältnisse hier. 60 Prozent der Bevölkerung wählen hier kommunistisch, 40 Prozent links. Der Kommunismus entstand im Gegenzug zum Faschismus, ist allerdings nicht mit dem Ost-Kommunismus oder dem Kommunismus in China vergleichbar.

Stolz ist man, dass hier der Film „Zum Beispiel Montaretto“ gedreht wurde, der 2011 mit großem Erfolg auf der Berlinale präsentiert worden war. Durch Pinienwald und Olivenhaine führt unser Weg über Bonassola zurück nach Moneglia.

„Das Highlight für mich waren die vielen Hintergrundinformationen zu Land und Leuten, an die man sonst nur schwer herankommt. Das tröstet auch über die etwas unruhigen Nächte durch die Bahnhofsnähe. Man erfährt sehr viel über die Menschen und das Leben in Ligurien.“

Doris, Reise-Teilnehmerin

Fünfter Wandertag:

Der Wecker klingelt heute um 5:30 Uhr, denn die längste Tour (14 Kilometer) der Reise steht heute an! Der Zug bringt uns an den Startpunkt nach Riomaggiore und fährt pünktlich um 6:43 Uhr. Trotz Wanderbegeisterung für alle Urlauber eine kleine Herausforderung.

Von Riomaggiore geht es über einen Saumpfand recht steil bis zur Kirche von Montenero und weiter führt uns unser Weg nach Campiglia. Nach 3,5 Stunden Wegzeit erreichen wir den Weinkeller eines der meistbeachteten Winzer Liguriens und vielleicht auch Italiens. Er lässt uns bei leckeren Häppchen (Spinattarte, Zucchinikuchen, Vollkorn-Focaccia und Zwiebelkuchen) an seiner Begeisterung über neue Wein-Ausbaumethoden teilhaben. Hier werden die Trauben mit Schale einige Tage in der Maische vergoren, dann etliche Wochen in Weinfässern gelagert und letztlich ohne Filterung und ohne Fremdhefen in Flaschen abgezogen. Wer möchte, kann von den nach Waldboden und Meeresbrise duftenden und stark tanninhaltigen Weinen kosten und ggf. auch als Souvenir für zu Hause einkaufen. Der Preis pro Flasche liegt zwischen 25 und 30 Euro.

Eine Schlechtwetterfront verhindert den Abstieg und auch die geplante Schifffahrt von Portovenere nach Monterosso fällt Regen und Sturm zum Opfer. Daher geht es mit Bus und Bahn zurück nach Moneglia.

Stimmen der TeilnehmerInnen

  • Laut Hans-Jürgen, einem Wanderführer und erfahrenen Pilger, sind unsere Wanderungen anspruchsvoll. Unsere Reiseführerin Inge bezeichnet sie als mindestens mittel-, eher schwer.
  • Doris hat diese Reise gewählt, da sie sich jeden Tag entscheiden kann, ob und wie viel sie von der jeweiligen Tour mitmacht.
  • Marianne hat der feste Standort - außerhalb des Massentourismus - gefallen, von dem jeden Tag die Tour ausgeht und somit nicht von Hotel zu Hotel umgezogen werden muss. Außerdem genießt sie die Freiheit, den Umfang der Tour frei entscheiden zu können.
  • Eva hat zum ersten Mal Wanderurlaub in dieser Form gemacht. Ralf und Eva (Ehepaar) haben sich aber vorgenommen, zukünftig größere Wochenend-Wandertouren einzuplanen. Die Reise habe ihre Lust zum (Berg-)Wandern geweckt.

Sechster Wandertag:

Heute geht es ins Hinterland von Levanto – ein absoluter Geheimtipp unter Wanderern. Ein wildromantisches, lang gestrecktes Tal mit schwer begehbaren Wegen. Laut Teilnehmerin Eva hat diese Wanderung „Dschungelcamp-Charakter“. Und tatsächlich, weder beim Aufstieg, noch beim Abstieg begegnet uns eine Menschenseele, geschweige denn eine Wandergruppe. Und das auf einer Länge von 10 Kilometer!

Fernab vom Tourismus genießen wir auf einer Höhe von circa 490 Metern zweierlei handgemachte Ravioli mit dem bekanntesten Produkt dieser Region – homemade Pesto sowie frischem Salat – persönlich zubereitet von „La Mama“: simple Küche mit grandiosem Geschmack! Ein Hochgenuss, den man leider nur noch selten zu kosten vermag.

Und abends werden wir im Hotel vom Chefkoch mit einem Slowfood-Dinner mit regionalen Spezialitäten in fünf Gängen verwöhnt.

Am nächsten Tag treten wir die Heimreise an und sind alle ein bisschen stolz auf unsere Wanderleistung: Insgesamt knapp 2.500 Höhenmeter haben wir an sechs Tagen bewältigt!

Die Fakten zum Gruppenreise-Klassikers

  • 8 Tage
  • 8 bis 14 Gäste

Reisetermine 2017:

  • 21.4.2018
  • 12.05.2018
  • 26.05.2018

Flug München-Genua-München mit Lufthansa in der Economy Class (Alle Transfers laut Programm im Privatfahrzeug)

Preis p. P. im DZ mit Frühstück (+ 2x Mittag-, 6x Abendessen, 2x Mittagsnack, 2x Picknick) 1.740 € (April) oder 1.840 € (Mai)

Reisecode: CTZ 2018

Beratung am Telefon: 0231 589792-50

Den genauen Reiseverlauf finden Sie online auf www.reisenmitsinnen.de unter dem Menüpunkt Europa > Italien

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