Schreiben macht glücklich - beim Schreiben werden Hirnareale aktiviert, die das Gedächtnis verbessern © Pandora Studio

Schreiben Sie sich gesund und glücklich!

Ein Stift in der Hand ist ein Therapeutikum

Stand: 31.08.2020 (31.08.2020)

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Ein Stift in der Hand ist ein wahres Therapeutikum. Denn beim Schreiben werden Hirnareale aktiviert, die das Gedächtnis verbessern, die Wahrnehmung intensivieren und glücklicher machen.

Welt voller Fantasie und Wahrheit

Wenn der Klang eine Form bekommt und das erste, von ungeübter Hand geschriebene Wort auf Papier steht, beginnt sich ein Tor zu öffnen, hinter dem eine Welt voller Fantasie, Wahrheit und Geheimnisse auf uns wartet. Bilder aus meinem Kopf und meinem Herzen wandern auf klitzekleinen Zetteln an die beste Freundin, und, krakelig mit Kreide, in eine Ecke des Schulhofs – Benni liebt Lucy. Und dann, fünf Jahre später, in der Zeit erwachender Sehnsüchte, sind auch die coolsten Teenies froh, Schreiben gelernt zu haben. Kein Blog, keine Cloud kann ein Tagebuch ersetzen, diesen verschließbaren, mit Herzchen und Schmucksteinen verzierbaren, vielleicht sogar selbst gebastelten Schatz, der unsere geheimsten Wünsche, tiefsten Ängste und hoch, höher, am höchsten fliegenden Träume birgt.

Aber irgendwann ist die Handschrift etwas Normales, auch Vernachlässigbares, gerade noch gut für eine Einkaufsliste, kurze Notizen am Kühlschrank und Entschuldigungen im Logbuch des Schulkindes. Selten mehr. Dabei halten wir mit dem Stift ein Therapeutikum in der Hand, das es in sich hat! Die komplexe motorische Bewegung aktiviert zahlreiche Hirnareale, was unsere Kreativität fördert, das Gedächtnis verbessert und die Wahrnehmung intensiviert.

 

"Bücher sind Schiffe, die die weiten Meere der Zeit durcheilen."

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Schreiben ist eine Multimedizin

Aber das ist noch längst nicht alles. Zahlreiche Studien belegen, dass das Schreiben die Gesundheit und das psychisch-emotionale Wohlbefinden fördert. Die Pioniere dieser Forschung, die US-Amerikaner James Pennebaker und Sandra Beall baten Studierende, über ein traumatisches Erlebnis zu schreiben – an vier aufeinanderfolgenden Tagen und mit möglichst vielen Details. Eine Kontrollgruppe schrieb in der Zeit über belanglose Dinge. So belastend die Aufgabe für die Teilnehmer der ersten Gruppe auch war, zeigte sie doch eine positive Wirkung, denn sie mussten im folgenden halben Jahr viel seltener zum Arzt als die ProbandInnen der Kontrollgruppe. Das sogenannte „Expressive Schreiben“ war geboren – eine neue, effektive und simple Methode der Selbstheilung.

Zahlreiche Untersuchungen später wissen wir: Schreiben ist eine Multimedizin, es unterstützt das Immunsystem, lindert depressive Symptome, senkt den Blutdruck, beruhigt Magen und Darm und befreit die Lunge. HerzinfarktpatientInnen verbesserten mit dem Schreiben ihren Blutdruck so, dass die blutdrucksenkenden Medikamente reduziert werden konnten, Menschen mit Reizdarm hatten weniger Darmbeschwerden, AsthmatikerInnen konnten freier atmen. Dass man sich emotionale Belastungen buchstäblich von der Seele schreiben kann, leuchtet ein. Selbstdistanzierung nennen PsychologInnen diesen Vorgang. Aber warum funktioniert das auch bei körperlichen Erkrankungen?

„Letztlich betreffen alle Krankheiten Körper und Seele zugleich, weil diese eine Einheit bilden“, schreibt Silke Heimes, Professorin an der Universität Darmstadt, Ärztin, Schreibtherapeutin, Gründerin und Leiterin des Instituts für kreatives und therapeutisches Schreiben. „Körperliche Beschwerden sind in erster Linie ein Warnsignal. Überhören wir dieses Signal, kann das auf lange Sicht zu dauerhaften Schäden und chronischen Krankheiten führen. Erkennen wir dagegen frühzeitig, was uns ärgert und stresst, und schaffen es, uns Belastendes von der Seele zu schreiben, oder lernen, durch das Schreiben mit belastenden Situationen besser umzugehen, können wir körperliche Beschwerden verhindern beziehungsweise reduzieren.“

Täglich 15 Minuten schreiben

Ihr Rezept: 12 Wochen lang jeden Tag 15 Minuten schreiben. Damit man nicht ratlos vor dem leeren weißen Blatt oder PC-Monitor sitzt, führt Silke Heimes in ihrem neuen Praxisbuch „Ich schreibe mich gesund“ Tag für Tag durch die 12 Wochen mit spannenden, motivierenden Fragen, die als Schreibimpulse dienen und dazu beitragen, dass wir wieder auf die Sprache unseres Körpers und unserer Seele hören. Für was stehen die Beschwerden? Was will unser Körper uns sagen? Was gilt es zu verändern? Wie sollen wir das machen? Können wir das?

Bei schweren Erkrankungen wie beispielsweise Krebs gilt Schreiben als Begleittherapie, es kann helfen, „die Lebensqualität stärker in den Fokus zu rücken als die reine Lebenszeit“, so die Expertin. „Durch das Schreiben richtet sich unser Blick, trotz aller Einschränkungen und Bedingtheiten, die seelische Leiden und körperliche Erkrankungen mit sich bringen, immer auch auf unsere Möglichkeiten.

Handgeschriebenes ist klar im Vorteil

“Die positive Wirkung des Schreibens stellt sich indes am ehesten ein, wenn man zu Papier und Stift greift. Abgesehen von der Aktivierung zahlreicher Hirnareale ist der Vorgang des Schreibens von Hand gegenüber dem am Computer klar im Vorteil: Nichts geht verloren. Statt der Löschtaste haben wir nur das Durchstreichen, was bedeutet, dass wir später doch nochmal nachlesen und eventuell realisieren können, was wir verworfen haben. „Schließlich ist der Weg zu mehr Gesundheit nicht unbedingt geradlinig. Vielleicht kann eine Idee zu einer Verhaltensänderung uns heute abwegig vorkommen, zwei Wochen später aber durchaus Sinn ergeben“, so Silke Heimes. „Und dann ist es gut, wenn wir diese Idee nachlesen können.“

Außerdem stärkt es das Selbstwertgefühl, in unserer eigenen Handschrift zu lesen, was wir über uns herausgefunden haben, was wir verändern möchten und wohin unsere Reise gehen soll. Ein Logbuch Ihrer Gegenwart und Zukunft in einem Design aus Schwüngen, Schleifen, Auf- und Abstrichen, das niemand abkupfern kann. Ihre Schrift ist so einzigartig wie Ihr Fingerabdruck. So einzigartig wie Sie selbst.

Zum Weiterlesen

Buch ich schreib mich gesund © Pandora Studio

Silke Heimes: Ich schreibe mich gesund

Prof. Dr. Silke Heimes dtv, 18 Euro

Weitere Infos:

www.dtv.de
Buchtipp Doris Dörrie: Leben, schreiben, atmen

Doris Dörrie. „Leben. Schreiben. Atmen“

Diogenes, 18 Euro

Weitere Infos:

www.diogenes.ch
Buchtipp: Zauber der Schrift © Pandora Studio

Sammlung Pedro Corrèa do Lago: Zauber der Schrift

Christine Nelson, Pedro Corrêa do Lago, Julius Wiedemann Taschen-Verlag, 30 Euro

Weitere Infos:

www.taschen.com

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