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Frau gut drauf

Liebe dich selbst!

Gutes Selbstwertgefühl für ein schönes Leben

Stand: 01.11.2019 (01.11.2019)

Warum Selbstwertschätzung so wichtig ist für ein schönes Leben – und wie wir sie auch in späteren Jahren noch erlernen können.

Mal ganz direkt gefragt: Lieben Sie sich selbst?

Können Sie sich vor den Spiegel stellen, sich anlächeln und sagen: „Britta, Petra, Klaus oder Hans, ich mag dich, Du gefällst mir, ich liebe dich“?

Wahrscheinlich geht es Ihnen damit wie vielen Menschen: Diese Vorstellung empfinden wir eher als unangenehm. Na ja, muss es denn gleich Liebe sein, die ich für mich empfinde? Reicht nicht, dass ich halbwegs zurechtkomme mit mir? Denn so großartig finde ich mich ja eigentlich nicht – da sind die fünf Kilo zu viel, da ist meine Ehe, die auch nicht mehr so toll ist… und dann habe ich doch gelernt: Bescheidenheit ist eine Zier…

Selbstliebe ist etwas, das zwiespältige Gefühle auslöst. Weil man sie verwechselt: mit Eitelkeit, Egoismus, Narzissmus. Aber damit hat Selbstliebe nichts zu tun, im Gegenteil. Erklärte schon der Psychoanalytiker Erich Fromm in seinem Essay „Selbstliebe und Selbstsucht“ nennt er Selbstsucht „eine Art Gier aus Mangel an Liebe zu sich selbst“. Selbstliebe hingegen sei „eine innere Sicherheit, die es nur aufgrund echter Liebe und Bejahung gibt“. Psychologen sind sich heute einig: Selbstliebe, also eine gute innere Beziehung zu uns selbst, ist ein Grundpfeiler in unserem Leben, mag sein, der wichtigste. Schließlich gibt es nur einen Menschen, der mich von der Geburt bis zum Tod begleitet – das bin ich selbst! Und da wäre es gut, wenn wir diesen Menschen mögen und achten.

Kein Wunder also, dass ständig neue Bücher zum Thema erscheinen (siehe Buchtipps weiter unten) und die Seminare von prominenten Psychologen und Selbstliebe-Coaches (zum Beispiel Robert Betz, Stephanie Stahl) ausgebucht sind. Auch im Seminar-Programm der Akademie Gesundes Leben ist das Thema präsent. Offensichtlich fällt es also vielen Menschen schwer, für sich selbst Zuneigung zu empfinden, und sie möchten daran etwas ändern. Möchten selbstsicherer sein, mehr geschätzt werden, sich wohler fühlen, leichter durchs Leben gehen. Doch was genau hindert uns daran? Warum fällt es uns so schwer, uns selber die Liebe zu geben, die all das ermöglicht? Anders gefragt:

Was genau ist das eigentlich, Selbstliebe?

Selbstliebe bedeutet, uns anzunehmen, wie wir sind. Mit unseren Schwächen und Unvollkommenheiten. Dabei geht es nicht darum, unser Selbstbild zu verklären und alles schönzureden. Sondern darum, mit freundlicher Empathie auf uns und unser Leben zu schauen. Selbstliebe heißt auch, uns und unsere Bedürfnisse wahrzunehmen und zu fragen: Was kann ich selber dafür tun, dass es meinem Körper, meiner Seele und meinem Geist gut geht – und damit auch den Mitmenschen, mit denen ich zu tun habe? Denn eins ist klar: Wenn wir uns selber nicht mögen, hat das privat und beruflich Folgen. Wenn ich mich selber nicht wertschätze, werde ich entsprechend handeln, ob bewusst oder unbewusst.

Kinder beispielsweise spüren, wie es ihrer Mama geht. Geht es ihr gut, sind sie entlastet. Geht es ihr schlecht, fühlen sie sich fast immer ebenfalls schlecht. Und auch ein erwachsenes Gegenüber spürt es intuitiv, wenn wir uns selber nicht leiden können. Mit fatalen Folgen, sagt Robert Betz: „Wenn du dich selbst nicht ehrst, würdigst und achtest, steht auf deiner Stirn geschrieben: ‚Mit mir kann man es machen!‘ Eine deutliche Aufforderung an die anderen, dich auszunutzen und zu benutzen.“ Eine harte These – und doch trifft sie den Kern. Wenn Du dich selber nicht lieben kannst, wird das auch nichts mit der Liebe zu anderen, sowohl im Geben als auch im Nehmen. Nur:

Wie finde ich heraus, ob mir Selbstliebe fehlt?

Der Test vor dem Spiegel sagt schon einiges aus. Daneben gibt es etliche weitere Denk- und Verhaltensweisen, die auf einen Mangel an Selbstliebe schließen lassen. Besonders entlarvend ist dabei der innere Dialog, den wir im Stillen mit uns führen; ist er überkritisch, negativ oder gar verletzend, haben wir es mit einem Mangel an Selbstliebe zu tun.

Die Psychologin Stephanie Stahl hat in ihrem Bestseller „Das Kind in dir muss Heimat finden“ jene Warnsignale aufgelistet, die sie aus ihrer langjährigen Praxis kennt. Menschen ohne Selbstliebe…

  • denken oft: „Ich genüge nicht“ oder „ich bin nicht gut genug“.
  • vergleichen sich permanent mit anderen, hadern mit ihrem Aussehen.
  • versuchen alles immer perfekt zu machen, weil sie denken, Liebe müsse man sich „verdienen“.
  • können sich nicht abgrenzen und nicht „Nein“ sagen.
  • können sich vermeintliche „Fehler“ in ihrem Leben nie verzeihen und verstricken sich in Selbstvorwürfe.
  • neigen zu Depressionen und psychosomatischen Leiden.
  • sind rechthaberisch und werten andere leicht ab.
  • lassen keine echte Nähe zu. Motto: „Ich schaffe das allein.“

Das klingt nach sehr unterschiedlichen Symptomen oder Problemen. Aber die Ursache sei stets die gleiche, weiß Stephanie Stahl. Es seien Strategien, mit denen unser sogenanntes Inneres Schattenkind versuche, sein negatives Selbstbild möglichst wenig zu spüren, um sich so vor weiteren seelischen Verletzungen zu schützen. Dazu ein kleiner Exkurs:

Woher kommt der Mangel an Selbstliebe?

Wie vieles in unserem Leben geht er zurück auf die Kindheit. Hatten wir Glück und fühlten uns von unseren Eltern oder anderen wichtigen Personen angenommen und geliebt, dann konnten wir ein positives Lebensgefühl entwickeln, das uns fortan als Basis begleitet. Wir fühlen uns aufgehoben in der Welt und sind zu der inneren Überzeugung gelangt, dass wir liebenswert sind. Anders gesagt: Das Innere Kind, das wir alle noch in uns haben, steht auf der Sonnenseite des Lebens und nimmt es freudig an.

Oft lief es aber nicht so ideal, viele Menschen verbinden mit ihrer Kindheit unschöne oder gar traumatische Erinnerungen, die sie eventuell deshalb ganz verdrängt haben. Sie haben es damals so empfunden, dass irgend etwas an ihnen nicht okay sei – denn sonst hätte man sie ja netter behandelt. Ihr Inneres Kind steht also mehr auf der Schattenseite des Lebens. In der Folge haben sie später als Erwachsene Probleme mit ihrem Selbstwertgefühl, sehen sich überkritisch, mit Ablehnung oder gar Verachtung.

Kann man den Mangel beheben?

Das geht tatsächlich nur in einem längeren Prozess, in dem die alten negativen Denkmuster und Urteile über mich (und über andere) nach und nach entkräftet und positiv umgeschrieben werden. Und der allererste Schritt lautet: Ich muss mich selbst zum wichtigsten Menschen in meinem Leben erklären! Das heißt: Ich muss anerkennen, was die Zutaten für ein gutes Leben sind. Dazu gehören unter anderem Selbstwertgefühl und Selbstliebe, Respekt und Achtsamkeit, Vertrauen und Fürsorge, Liebe und Geborgenheit. Und ich muss begreifen, dass ich mir das alles ganz allein selber geben kann. Doch das können wir nur, wenn wir uns Zeit für den Prozess nehmen.

Es ist wie beim Sport – nur wer übt wird besser. Sich mal eben kurz vor den Spiegel stellen und „Ich liebe dich“ sagen bringt nichts. Selbstliebe lernen ist ein langer Prozess. Er fordert Ehrlichkeit mit uns selbst und die Bereitschaft, auch unsere Schattenseiten – die wir alle ja gern ausblenden – anzusehen und als uns zugehörig zu akzeptieren. Hilfreich sind dabei Meditationen mit dem „Inneren Kind“, wie sie Robert Betz, Stephanie Stahl und andere Therapeuten anbieten. Sie ermöglichen dem Erwachsenen, sich in prägenden Situationen als Kind zu begegnen, das Kind imaginativ in den Arm zu nehmen und damit alte innere Wunden zu heilen. Sie können auch einen Brief an Ihr Inneres Kind im Alter vonfünf Jahren schreiben. Und ihm darin sagen, dass es alles gut gemacht hat und Sie es lieben.

Das alles klingt vermutlich etwas abstrakt. Deshalb haben Stephanie Stahl und Co. auch viele alltagstaugliche Übungen entwickelt, mit denen wir mehr Freude in unser Leben holen und damit auch Zuneigung zu uns selber aufbauen können.

Zum Schluss: So können wir lernen, uns selbst zu lieben

  1. Schreiben Sie eine Liste mit Eigenschaften auf, die Sie an sich mögen, zum Beispiel  ich kann gut Witze erzählen, gut zuhören, backen, bin großzügig, sportlich, hilfsbereit, usw. Heften Sie die Liste an einen gut sichtbaren Platz und ergänzen Sie diese ab und zu.
  2. Umgeben Sie sich privat mit Menschen, die Ihnen guttun – Menschen, die Sie wertschätzen und respektieren, Ihre Träume verstehen oder vielleicht auch teilen. Meiden Sie Menschen, die Sie runterziehen, langweilen oder an sich zweifeln lassen.
  3. Legen Sie morgens fest, dass Sie einen schönen Tag haben möchten! Erinnern Sie sich im Lauf des Tages öfter daran, dass Sie morgens diese Entscheidung getroffen haben.
  4. Sagen Sie Danke für scheinbar Selbstverständliches – das Dach über dem Kopf, Essen, den Partner, Freunde, Gesundheit. Seien Sie dankbar dafür, das alles ist für viele nicht selbstverständlich.
  5. Nehmen Sie sich Zeit für Dinge, die Sie gern tun. Ob tanzen, singen, lesen, spazieren gehen oder boxen ist egal – tun Sie, was Ihnen Freude bereitet. Nicht „um fit zu sein“, sondern weil es Spaß macht. Genießen Sie das Gefühl der Freude.
  6. Meditieren Sie mit Ihrem Atem. Nehmen Sie dreißig bewusste Atemzüge und zählen Sie innerlich mit. Schweifen die Gedanken dabei ab,´schnell die Aufmerksamkeit wieder auf den Atem lenken. Wunderbar entspannend.
  7. Versuchen Sie gemachte Fehler positiv zu sehen. Jedem Menschen passieren Fehler. Doch sich in Schuldgefühlen zu wälzen, macht alles noch schlimmer. Stattdessen lieber die Frage stellen ,,Was kann ich daraus lernen?“ Und: Loben Sie sich im Gegenzug, wenn was gut gelaufen ist – für kleine und für große Erfolge.

Zum Weiterlesen

  • Stefanie Stahl: Das Kind in dir muss Heimat finden. Der Schlüssel zur Lösung (fast) aller Probleme. Kailash Verlag, 14,99 Euro. Auf der Seite des Kailash-Verlags gibt es kostenlos zwei Meditationen von Stefanie Stahl zur Arbeit mit dem Inneren Kind zum Download: kailash-verlag.de/daskindindir
  • Robert Betz: Dein Weg zur Selbstliebe. Mit dem Mut zur Veränderung deine Wahrheit leben, Gräfe & Unzer, 17,99 Euro, mit kostenloser App und Audio-CD
  • Julitta Rössler: Gesundes Ego, starkes Ich. Kraft aus sich selbst schöpfen. Buch mit Übungen und Anregungen, Trias Verlag, 16,99 Euro
  • Erika J. Chopich, Margaret Paul: Aussöhnung mit dem Inneren Kind. Aus dem Amerikanischen von Angelika Bardeleben, Ullstein, 11 Euro. Der Klassiker zu diesem Thema erschien vor mehr als 20 Jahren und ist immer noch aktuell

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