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Fröhliche Clowns

Lachen ist die beste Medizin

Klinik-Clowns heitern kranke Kinder auf

Stand: 12.10.2018 (27.09.2018)

Mit Spaß, Musik und Fantasie heitern die Klinik-Clowns kranke Kinder und deren Eltern auf. Sie lenken ab, machen Mut und trösten. Wir haben zwei „Roten Nasen“-Teams bei der Visite begleitet.

Klopf, klopf, klopf! Erst mal leise an die Tür klopfen, schließlich sind wir hier im Klinikum Ernst von Bergmann in Potsdam auf der Kinderstation. Brav warten Clownin Friedel (Laura Erceg-Simon) und Clown Mompitz (Moritz Berg) vor der Tür, beide in fröhlich bunten Klamotten, mit Gitarre und Handtrommel, die roten Clownsnasen im Gesicht. Im Flur haben sie sich zuvor einen Rollwagen mit Thermoskannen geschnappt. „Herein“, ruft jemand, sie öffnen die Tür, spielen Zimmerservice im Hotel. „Tee gefällig? Fenchel? Fenchel? Oder doch lieber – Fenchel?“

Artist, Musiker, Schauspieler – alle Clowns sind ausgebildete Künstler

Nur eines von zwei Betten ist belegt, darin ein blonder Zehnjähriger, an seinem Bett die Eltern. Im Nu hellen sich die Mienen auf. Der Junge hält den Clowns ein Röhrchen entgegen, in dem ein dicker Glassplitter steckt: „Guck mal, den haben sie mir aus der Hand operiert! Und das tut immer noch weh.“ Clownin Friedel tröstet, fragt, ob sie ihn aufheitern können mit einem Lied? Schon zupft Mompitz die Gitarrensaiten, singt und reimt aus dem Stegreif: „Oh du Splitter im Handgelenk, ich sehe dich als Geschenk ...“ Friedel steppt dazu, verrenkt Arme und Beine wie ein Hampelmann. Der Junge ist begeistert, lacht, hat den Schmerz in diesem Moment vergessen.

Friedel und Mompitz alias Laura (40) und Moritz (54) gehören zu den ROTEN NASEN, jenen Clowns, die mit ihren Besuchen Fantasie und Freude zu Kindern und Senioren in Kliniken oder Heimen bringen. Alle derzeit 28 Clowns sind Künstler und arbeiten auf Honorarbasis, sind etwa Musiker, Schauspieler, Pantomimen oder Zauberer. Rote Nasen e.V. gehört zu den „Red Noses – Clowndoctors International“, die größte europaweite Vereinigung von Clowns in medizinischen und sozialen Einrichtungen.

Mal sanft und leise, mal laut und lustig erobern sie im Nu die Herzen

Auch auf dem Flur spielt und tanzt das Duo, als sei hier kein Krankenhaus, sondern eine Bühne. Clown Mompitz spielt weiter Gitarre, Clownin Friedel zieht den Teewagen hinter sich her. Sie hat einen Plan mit den Namen der Patienten, an jeder Tür kündigt sie an, wen sie darin vorfinden werden. „Anna, 14 Jahre und Samira, 10.“ *Klopf, klopf – herein! „Zimmerservice, halli halla, der Tee ist da.“ Die Mädchen sitzen aufrecht in den Betten, eine türkische Mama mit Kopftuch und zwei Kinder auf Besucherstühlen. Friedel und Mompitz schieben sich ins volle Zimmer zu den – O-Ton Mompitz – „liebreizenden Damen“. Und dann fetzen sie los, Gitarre, Percussion, Mundharmonika, rocken richtig ab mit einem Song: „Ich steh’ auf Fencheltee ...“ Die Mutter bekommt einen Lachanfall, klatscht in die Hände, alle jubeln.

Zur Clowns-Rolle gehört unbedingt das Kostüm. Jeder Clown hat sein eigenes, das seine Persönlichkeit zeigt. Clownin Friedel trägt ein buntes, aber elegantes Kleid plus Hütchen zur hellroten Nase, Mompitz lässigen Freizeitlook, ebenfalls Hut, dazu Schuhe mit vielen aufgenähten Schellen zur etwas zerknautschten Nase in Dunkelrot. „Alles selbst gemacht“, sagt er stolz. Schellen und Trommel liefern den Rhythmus zum Gitarrenspiel – die Musik, das zeigt sich im Lauf der Visite, ist ein Schlüssel zur Seele.

Inzwischen sind sie im dritten Zimmer angekommen. Im Schlepptau Anna aus Zimmer Nummer zwei, die den Clowns-Auftritt jetzt via Handy filmt. Das Video will sie der Tante mailen. Die 14-jährige Anna hatte auf einer Party einen Absturz mit Alkohol. Erstaunlich offen redet sie darüber, aber man merkt noch ihre innere Verstörung. Der fröhliche Besuch mag helfen, zumindest kurzfristig die düsteren Gedanken zu vertreiben.

Pfleger und Schwestern haben Spaß, wenn die Clowns zu Besuch kommen

„Wenn die Clowns kommen, heitern sich alle Mienen auf, auch die vom Personal“, erzählt eine Krankenpflegerin, deshalb sei sie „Fan“. Auf der Station mit 41 Betten werden Infekte und Knochenbrüche aller Art behandelt, dazu als regelmäßige „StammkundInnen“ kleine Diabetes- und Mukoviszidose-PatientInnen. „Zu denen kann man sagen: ,Nächsten Mittwoch kommen die Clowns wieder‘, dann freuen sie sich schon darauf.“

Jetzt geht es zu den Jüngsten. Fünf Jahre alt ist Svenja und offensichtlich schüchtern. Als die Clowns die Tür öffnen, schaut sie irritiert weg. Aber die zwei wissen damit umzugehen, treten erst mal einzeln ein. „Hallo Svenja, ich soll dich von Friedel fragen, ob sie reinkommen darf“, fragt Mompitz. Stummes Nicken. Er geht raus, Friedel rein. „Hallo Svenja, ich soll dich von Mompitz fragen, ob er reinkommen darf?“ Wieder Nicken. Die Mama schaut gespannt zu. Dann beginnen sie zart zu singen: „Es waren einmal eine kleine Ameise und ein kleiner Hase, die gingen spazieren ...“ Clownin Friedel holt dazu kleine Stofftiere aus ihrem Rucksack. „Sag Svenja, dürfen wir uns zu dem Schaf (Svenjas Kuscheltier auf dem Kopfkissen) legen?“ Stummes Nicken. „Und wollen wir nächstes Mal ein Eis essen gehen, welches Eis magst Du am liebsten?“ ... „Oh ja, Erdbeer, das ist auch unser Lieblingseis!“ Große staunende Augen, die Kleine hat nun endlich Zutrauen gefasst und freut sich mit ihrer Mama gemeinsam.

Clowns sind liebenswert tollpatschig – das macht ihren Charme aus

Regelmäßig besuchen die Clown-Künstler Fortbildungen: Wie kann ich Kontakt zu einem abweisenden Kind herstellen, wie ein Kuscheltier lebendig machen? Aber ihre Anteilnahme ist nicht erlernt, sondern kommt ganz von Herzen, das spüren die kleinen Patienten. Und solch einfühlsame Zuwendung, verbunden mit viel Lachen, wirkt sich positiv auf den Heilungsprozess aus, das ist inzwischen vielfach wissenschaftlich belegt. Aber warum ausgerechnet mittels Clowns?

„Weil sie sich ungeschickt verhalten, auch mal gegen eine Tür rennen oder stolpern. Das macht sie komisch und liebenswert zugleich. Und zu Freunden von Menschen, die auch gerade nicht ‚funktionieren‘, weil sie krank sind“, erklärt Annika Seiffert, Pressereferentin des Vereins. Dabei muss den Clowns immer was einfallen. Ein Bett steht im Weg? Also tun sie so, als müssten sie sich dran vorbeischlängeln. Dann besingen sie eine Thermoskanne, ein Handtuch, ein Stofftier. „Nie weiß man, in welchem Zustand man ein Kind antrifft, manchmal hat es Schmerzen, Ängste, Heimweh. Dann versuchen wir trotzdem unser Glück. Damit die Kinder merken, es gibt nicht nur das Krankenhaus und: Bald komme ich heim und kann wieder spielen“, sagt Clownin Friedel alias Laura.

Manchmal allerdings kann das noch sehr lange dauern. Dann, wenn ein Kind todkrank ist, weil es etwa Krebs hat und auf der Onkologie liegt. Und am längsten müssen die Kinder im „Deutschen Herzzentrum“ der Charité ausharren. Jeden Freitag um 14.30 Uhr sind zwei Clowns hier auf Visite. An diesem Freitag sind es die Clowninnen Mimi Rizzi (Konstanze Dutzi, 44) und Nina Pawlowa (Martina Pietsch, 46). Beide Schauspielerinnen sind vertraut mit der Station, kennen das Pflegeteam und die meisten Kinder.

Für Langzeit-Patienten sind die Clowns längst gute Freunde

Während sie ihre Hände gemäß den Hygienevorschriften desinfiziert, erzählt Martina Pietsch: „Das Berührende ist, dass die Kinder oft sehr klein sind, wenn sie herkommen. Für sie ist das quasi ihr Zuhause.“ Einige bleiben bis zu zwei Jahren, müssen viele Behandlungen ertragen, können nur mit Kunstherz – eine Maschine, an der sie mit Schläuchen hängen – überleben. Immer läuft der Motor des künstlichen Herzens, rattert, piept. Für alle eine enorme Belastung, auch für die Eltern. Denn alle wissen ja auch: Nur wenn irgendwo ein anderes Kind stirbt und das Unvorstellbare damit andere Eltern trifft, etwa bei einem Unfall, nur dann besteht die Chance auf ein Spenderherz. Und wenn sie transplantiert sind, heißt es hoffen, dass das Herz nicht abgestoßen wird. Und Jahre später alles noch mal von vorn – dann warten die nun großen Kinder wieder auf ein zweites, ein Erwachsenenherz.

Nina und Mimi alias Martina und Konstanze nehmen ihre Aufgabe hier entsprechend ernst. Zuerst gehen sie zum Pflege-Team, lassen sich über den aktuellen Zustand jedes Kindes informieren. Dann ziehen sie sich um, rote Jacke, pinkfarbenes Röckchen, die Nasen auf, die Ukulele und kleinen Rucksäcke mit Spielzeug umgebunden, los geht’s! Falls sie ein Kind nicht antreffen, weil es vielleicht gerade untersucht wird, werden sie einen Luftballon hinterlassen. Damit die Kinder wissen, dass sie an sie denken.

Auf dem Flur läuft ihnen der kleine Jonas mit seiner Mutter entgegen. Der Fünfjährige hängt an einer Herzmaschine, die rattert die ganze Zeit, aber das hindert ihn nicht daran, die Clowns zur Begrüßung zu knuffen und zu schubsen, er ist seit elf Monaten hier und kennt sie gut. Auf einmal ist richtig Action: Nina und Mimi zaubern Requisiten aus ihren Beutelchen, Goldstücke, ein Kissen. Jonas steckt es sich unter das Sweatshirt. Spontan spielen sie eine Szene, alter Mann mit dickem Bauch. Dann singen sie zur Ukulele: „Over the Rainbow“, der Kleine lacht, springt, tanzt. Als Nina ihm eine Hupe gibt, versucht er sie zu drücken, aber die Hand ist zu klein. Da plötzlich dreht er die Hupe um, sodass sie aussieht wie ein Mikrofon, und singt los: „Na na na na ...“. Alle klatschen jetzt und tanzen umeinander, Jonas Mama glitzern Tränen in den Augen. Was für ein Glücksmoment!

Seifenblasen und Musik – magische Momente für die Kleinsten

„Es geht auch um das Thema Selbstermächtigung“, sagt Martina später mit ihrer warmen Stimme. „Als schwerkrankes Kind musst du alles über dich ergehen lassen – nun kannst Du einmal selber etwas gestalten. Dafür nutzen wir Requisiten, die wir mitbringen, oder wir gestalten Gegenstände aus dem Krankenhausalltag um. Eine Spritze wird zum Beispiel zu einem Lösch-Flugzeug.“ Konstanze ergänzt: „Wir erleben hier nie Routine wie sonst vielleicht auf der Bühne, wir haben zwar unser Repertoire, aber improvisieren sehr viel.“ Man werde auch oft von der Spontanität der Kinder überrascht: „Das ist das Wichtigste, dass ein Kind – egal wie krank – immer ein Kind ist und bleiben darf.“

Und das klappt sogar schon im zarten Alter von neun Monaten. Im Babyzimmer strampelt der kleine Stefan mit den Beinen, lacht und schaut entzückt den Seifenblasen nach, die Nina und Mimi über sein Bettchen pusten, lauscht der leisen Ukulelen-Musik, reckt und streckt sich – fast erwartet man, er würde gleich anfangen zu sprechen, so stark reagiert er auf die Szenerie. Jetzt noch ein Luftballon, uuihh! Stefan strampelt, strahlt, sein Vater auf dem Stuhl daneben auch. Stefan hatte ein Loch im Herzen, gestern sei er operiert worden, morgen darf er raus. „Wir sind hier ein harmloser Fall“, sagt sein Papa, es klingt dankbar und bescheiden. Seit einiger Zeit begleiten Clowns Kinder auch zu den OPs. Die Kinder, oft mehr noch die Eltern, seien extrem angespannt, da versuchen sie, mit ein wenig Musik und Spiel zu helfen. Und selbst im Hospiz sind sie aktiv, das sei allerdings sehr belastend und schwer, unfassbar traurig für Kinder, Eltern, Geschwister. Und auch für die Clowns. Aber öfter gehe es ja auch gut aus, sagt Konstanze: „Oft treffen wir Kinder aus der Onkologie oder dem Herzzentrum in der Reha wieder, das ist dann eine Riesenfreude.“

Ortswechsel, noch einmal zurück zu Mompitz und Friedel in der Klinik in Potsdam. Auf dem Fensterbrett im letzten Zimmer ihrer Visite sitzt ein Schneemann aus Stoff. „Ich habe es nicht so mit Schneemännern, kann der mal weg, dem traue ich nicht, der ist so kalt“, ruft Friedel scheinbar verängstigt. Die kleine Patientin steigt sofort ein auf das spielerische Angebot, ihre Mutter deckt den Schneemann mit einer Papiertüte ab. Friedel gibt sich erleichtert, dann spielen sie mit einem Stuhl Reise nach Jerusalem, temperamentvoll balgen sie sich um den Stuhl. Chaos und Gelächter. „Du musst jetzt noch ein Liebeslied singen“, ruft Friedel, und Clown Mompitz alias Moritz Berg singt und reimt zur Melodie von „Lalelu“, was ihm einfällt. „Da war mir so, als wär ich ein Floh, der hüpfte ins Klo ...“

Einfach mal kurz Krankheit und Sorgen vergessen – darum geht’s

„Lief super heute“, sagt er später bei einem Café, nun wieder in Turnschuhen und ohne Clownsnase. Es sei ja jedes Mal anders. Seine Clowns-Kollegin Konstanze Dutzi drückt es nach der Visite im Herzzentrum so aus: „Was mich immer wieder erfüllt, ist Freude zu geben. Da, wo Menschen es am wenigsten erwarten. Ihnen einen heiteren Moment zu schenken. Der vielleicht ja auch im Gedächtnis bleibt.“

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Rote Clownsnasen mögen wir, weil sie ein Ausdruck von Freude sind. Aber rote Schniefnasen? Lieber nicht!

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