Frau hält sich Hände auf Brust

Einfach mal „Danke“ sagen

Uns selber und anderen

Stand: 23.12.2019 (23.12.2019)

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Der Jahreswechsel ist die Zeit, in der wir bewusster als sonst wahrnehmen, was schön ist in unserem Leben. Gut so, denn Dankbarkeit ist eines der stärksten menschlichen Gefühle – und hilft uns sogar, gesund und zufrieden zu leben.

Jetzt ist Weihnachten schon wieder vorbei. Vermutlich haben Sie die Feiertage im Kreis Ihrer Lieben verbracht, gut gegessen, viel gelacht, einen Spaziergang unternommen. Haben die Waldluft eingeatmet, in die Wintersonne geblinzelt – und wenn Sie das alles bewusst erlebt haben, dann hat Sie bestimmt ein Gefühl tiefer Dankbarkeit erfüllt. Dafür, dass auch in diesem Jahr alles so schön war; dafür, dass Sie gesund sind und Pläne schmieden können für das neue Jahr.

Zwei Zauberwörter, die jeder kennt

Es ist ja so: Natürlich haben wir schon als Kinder die zwei „Zauberwörter“ gelernt, bitte und danke. Und da wir höflich sind, bedanken wir uns als Erwachsene für dies und das. Aber das passiert im normalen Alltag eher nebenbei; leider nehmen wir jene Dinge oder Ereignisse stärker wahr, die uns ärgern oder Sorgen bereiten, so funktioniert nämlich unser Gehirn. Für unsere frühen Vorfahren machte das Sinn, weil sie so mögliche Gefahren bemerkten. Heute ist es kontraproduktiv, denn wer sich ständig Sorgen macht, hat es bekanntlich schwerer im Leben. Und unsere Aufmerksamkeit für „bad news“ führt leider dazu, dass wir die guten Momente im Alltag oft übersehen.

Erst bei besonderen Anlässen horchen wir auf, etwa zu Weihnachten. Oder wenn wir Glück im Unglück haben, zum Beispiel bei einem Unfall glimpflich mit einer kleinen Schramme davonkommen. Oder wenn wir ernsthaft krank waren und nach langer Zeit endlich wieder ganz gesund sind. Dann plötzlich begreifen wir wieder, wie fragil das Leben ist und dass nichts darin einfach selbstverständlich ist. Dann wird uns bewusst, dass wir reich sind, nicht unbedingt materiell, sondern emotional. Und dann sagen, denken, fühlen wir: Danke!

Dankbarkeit, so lautet eine der schönsten Definitionen, ist „das Gedächtnis des Herzens“. Damit verbunden sind Gefühle – oder Tugenden – wie Demut und Respekt. Zwei Begriffe, die den meisten von uns etwas antiquiert vorkommen in unserer säkularisierten Welt. Ganz anders steht es zum Glück um den Begriff Achtsamkeit. Achtsamkeits-Seminare gehören mittlerweile auch in Managerkreisen zum guten Ton. Und Achtsamkeit ist tatsächlich auch der Schlüssel zur Dankbarkeit. Nur wenn wir achtsam das Schöne wahrnehmen – etwa, dass wir gesund sind –, können wir dafür auch Dank empfinden.

Wie Dankbarkeit wissenschaftlich erforscht wird

Dankbarkeit gehört zu den stärksten positiven Gefühlen, die Menschen empfinden können, und das wirkt sich entsprechend auf die Gesundheit aus. Das belegen Studien, die man in den vergangenen Jahren an europäischen und US-amerikanischen Universitäten initiiert hat, etwa an der Harvard University in Cametzt bridge. Dort wurden die Teilnehmer dazu animiert, sich einmal wöchentlich an Ereignisse der letzten Tage zu erinnern.

Eine Gruppe schrieb Dinge auf, für die sie dankbar war. Eine zweite Gruppe notierte Ereignisse, die sie wütend oder ängstlich gemacht hatte; die dritte Gruppe beschrieb „neutrale“ Erlebnisse. Nach zehn Wochen befragten die Forscher die Teilnehmer erneut. Diejenigen, die Dankbarkeit im Fokus hatten, fühlten sich auch jetzt noch optimistischer, fitter, vitaler. „Dankbarkeit hilft Menschen, sich auf das zu besinnen, was sie haben, anstatt sich auf Dinge zu konzentrieren, die ihnen fehlen", resümierte das Fachblatt „Mental Health Letter“.

Schreiben verstärkt die guten Gefühle

Dankbarkeit macht Menschen zufriedener, das bestätigt auch eine Studie der Uni Zürich. Dort untersuchte man den Einfluss von „Dankbarkeits-Tagebüchern“ auf das Lebensgefühl und die Gesundheit. Die TeilnehmerInnen notierten jeden Abend ihre schönen Erlebnisse und trainierten so, diese bewusst zu würdigen. Auch sie fühlten sich subjektiv seelisch und körperlich gestärkt. Nach dem Ende der Studie führten manche freiwillig ihr Tagebuch weiter – sie hatten gemerkt, wie gut ihnen das tat.

Inzwischen raten Psychologen dazu, so ein Tagebuch nur einmal pro Woche zu führen, denn eine tägliche Übung kann ja auch leicht zur lästigen Pflicht werden. Aber das Schreiben und Reflektieren ist wichtig, da wiederum sind sich alle Experten einig. Man kann zum Beispiel auch einen Dankesbrief schreiben – an eine oder mehrere Personen, denen man etwas zu verdanken hat, die Eltern, eine Tante, ein früherer Chef oder Lehrer. Auch bei dieser Methode bestätigten Studien, etwa in Kanada, die positiven Effekte. Allein das Schreiben der Briefe machte die Probanden glücklicher, auch wenn sie die Briefe hinterher gar nicht abgeschickt hatten. Und die Wirkung hielt ebenfalls über Wochen an.

Get.On – Erkenntnisse mit einer Dankbarkeits-App

Alle genannten Studien folgen übrigens dem Ansatz der Positiven Psychologie. Hier geht es darum, den Blick auf die eigenen seelischen Ressourcen zu lenken und diese zu stärken. Darunter fällt auch ein aktuelles Forschungsprojekt am Psychologischen Institut der Leuphana-Universität Lüneburg mit der sogenannten „Get.On-Dank-App“ (mehr Info dazu: geton-training.de). Für gut drei Wochen sind deren Teilnehmer angehalten, die App täglich zu nutzen, indem sie einen oder mehrere Dankmomente pro Tag sammeln und abends anhand von Fotos, Notizen oder gesprochenen Mementos auf den Tag zurückschauen.

Der Dankmoment kann alles Mögliche sein, eine Kaffeepause, ein Sonnenuntergang, das Streicheln eines Hundes, Spielen mit dem Enkel. Anhand von Fragebögen vorher und nachher wird untersucht, wie sich das bewusste Wahrnehmen solcher Momente langfristig auf die Psyche auswirkt.

Die App entstand in Zusammenarbeit mit der Evangelischen Hochschule Tabor; einer der Mitverantwortlichen ist Thorsten Dietz, Professor für systematische Theologie am Marburger Institut für Religion und Psychotherapie der Hochschule. In einem Interview mit dem evangelischen Online-Mediendienst ERF zog er ein erstes Fazit: Es gebe bei den Probanden – die zuvor alle mit Sorgen, Grübeln oder depressiven Verstimmungen belastet waren – eine signifikante Reduktion ihrer Beschwerden. „Das Erfreulichste ist, dass es sich nicht nur um kurzfristige Effekte handelt“, betont Dietz, „die Effekte waren auch drei bis sechs Monate nach Trainingsende noch stabil.“

Die App leite dazu an, den Blick auf Schönes und Positives zu richten. Wer sich darin übe, lerne langfristig auch souveräner mit Alltagsfrust umzugehen, werde insgesamt entspannter und zufriedener. Psychologen nennen das eine Aufwärtsspirale. Fazit? Dankbar und zeitgleich deprimiert oder depressiv sein, das geht schlicht und einfach nicht zusammen.

Noch besser: Dankbarkeit mit anderen teilen

Es lohnt sich demnach, Dankbarkeit zu trainieren, ob mit einer App, einem Tagebuch oder einem Brief. Und die positiven Effekte des Trainings lassen sich noch steigern, indem man das Gefühl der Dankbarkeit teilt, zum Beispiel abends zu Hause in der Familie einander erzählt, worüber man sich an dem Tag gefreut hat. Dankbarkeit zählt natürlich auch zu den besten Zutaten in Paarbeziehungen. Wer sich bewusst macht, was der Partner ihm oder ihr Gutes tut und vice versa, wer würdigen kann, was man Schönes gemeinsam erlebt, der oder die fühlt sich innig verbunden und sieht vor allem die Schokoladenseiten des / der anderen. So bleibt die Liebe auch in Krisenzeiten lebendig und beständig.

Sagen wir also unseren liebsten Menschen einfach öfters mal Danke – für ihren Beistand, für ihr Lachen, dafür, dass sie uns so annehmen und lieben, wie wir sind.

Resilienz ist, wenn man trotzdem lacht

„Dankbarkeit gehört zu den stärksten Gefühlen, die Menschen empfinden können. Sie wirkt positiv auf die Gesundheit.“ So steht es oben im Text. Dankbarkeitsgedanken im Sinne von Achtsamkeit und Gesundheit waren auch ein Aspekt auf dem ausgebuchten Herbstsymposium der Akademie Gesundes Leben an der Stiftung Reformhaus-Fachakademie zum Thema „Resilienz – die Trotzdem-Kraft der Seele“. Resilienz, also innere Widerstandskraft, ist heute Megathema in einer krisengeschüttelten Welt, in der der Mensch psychisch stark gefordert wird. Noch ist nicht alles erforscht, aber man weiß, dass resilienzfördernde Faktoren trainierbar sind. Stichworte: Selbstvertrauen und Selbstwirksamkeit.

Apropos Training: Die Akademie Gesundes Leben bietet 2020 eine Weiterbildung zum / r „Resilienz-Trainer / in – Seelische Stärke fördern“.

Informationen dazu unter: www.akademie-gesundes-leben.de oder telefonisch unter 06172 / 3009-822

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