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Dankbar sein macht glücklich

Gefühle, die Kraft geben

Stand: 06.12.2017 (06.12.2017)

Hier geht es nicht um das „Danke“ für ein überflüssiges Geschenk. Es geht um ein tief empfundenes Gefühl. Das gibt uns Kraft und macht gelassen.

Advent, Nikolaus, Heiligabend – im Dezember häufen sich die Anlässe, um „Danke“ zu sagen. Für große Geschenke und kleine Aufmerksamkeiten. Doch oft ist das Wort nur so dahergesagt und ihm fehlt wirklich tief empfundene Dankbarkeit. Vielleicht liegt es daran, dass schon Kinder, kaum können sie sprechen, den Satz „Wie sagt man?“ hören, sobald sie von der Verkäuferin einen Apfelschnitz in die Hand gedrückt bekommen. Gewünscht oder unerwünscht: Danke gehört dazu. Aus Höflichkeit. Wirklicher Dank geht anders. Wann waren Sie das letzte Mal aus vollem Herzen jemandem oder sich selbst für etwas dankbar? So, dass dieses Gefühl sie über Tage begleitet und glücklich gemacht hat.

Diese Art von Dankbarkeit empfinden wir selten – leider. Dabei macht sie glücklich – und gesund. Der Kalifornier Robert Emmons war der erste Psychologe, der dazu forschte. Zwei Vergleichsgruppen: Eine sollte abends fünf Dinge aufschreiben, die sie glücklich gemacht hatte. Die andere notierte, was ärgerlich oder frustrierend war. Nach zehn Wochen das Ergebnis: Die Dankbar-Notierer blickten optimistischer und zufriedener in den Tag. Sie fanden sich selbst gesünder, hatten weniger Husten und Kopfschmerzen und sie trieben mehr Sport.

Sabine Dankbar und Monika Homann schreiben in ihrem Buch „Das Dankbar- Prinzip“: „Dankbare Menschen sind empfänglicher für positive – vor allem optimistische und lebensbejahende – Emotionen.“ Merkwürdig also, dass viele Menschen Dank vernachlässigen, alles Gute hinnehmen und die vielen kleinen Dinge übersehen, die Tage erfreulich machen. „Wir verwalten den Mangel“, sagt Autorin Monika Homann (siehe Interview unten), „wir sehen oft nur, was andere haben, werden neidisch und schauen nicht auf die Fülle, die uns umgibt.“ Früher war Danksagen einfacher. Beim sonntäglichen Kirchgang mit Gebet dankten die Menschen für Gesundheit, eine gute Ernte und volle Vorratskammern. Heute kennen die meisten Menschen diese Gedenkpause gar nicht mehr. Das verstellt den Blick auf Gelungenes.

Zehn Gründe, dankbar zu sein:

  1. frische, kalte Winterluft im Gesicht zu spüren
  2. ein Familienfrühstück, bei dem viel gelacht wird
  3. trotz Matschwetter noch zum Sport gegangen
  4. das warme Bad nach einem anstrengenden Tag
  5. die Kinder ohne Grippe durch den Winter zu bringen
  6. der erste Strauß Tulpen
  7. bunte Socken selbst gestrickt!
  8. die Heizungsabrechnung ist niedriger als erwartet
  9. Raureif am Morgen
  10. eine hitzige Diskussion, die harmonisch ausging

In ihren Coaching-Seminaren fragt Monika Homann KlientInnen: "Wofür sind Sie dankbar?" Die prompten Antworten lauten meist: meine Familie, Gesundheit, unser Haus, unsere Reisen. Dann fragt Monika Homann: "Und weiter?" Damit beginnt der eigentliche Prozess des Nachdenkens über das, was wirklich glücklich macht.

"Hilfreich ist das ABC der Dankbarkeit, indem jedem Buchstaben ein Grund dafür zugeschrieben wird", so die Expertin. Wer einmal damit beginnt, auf Schönes zu achten, wird staunen, wie viel davon täglich geschieht: Ein Gegenüber im Bus lächelt mich an oder der Sonnenstrahl in der Mittagspause, obwohl es sonst nur regnete.

Robert Emmons rät zu einem Dankbarkeitstagebuch,in dem abends notiert wird, was gut war. Wer durchhält, kann nach einigen Wochen in einem Büchlein voller schöner Momente blättern. Es gilt den Blick zu schärfen auf alles Positive im Leben. Auch darauf, wie wir mit uns selber umgehen. "Konflikte gehören zum Leben, wir wachsen und reifen daran", so Monika Homann, "doch das merken wir meist erst im Nachhinein." Wir sollten lernen, Unangenehmes anzunehmen und nicht gleich beleidigt oder wütend darauf zu reagieren.

Sie und Co-Autorin Sabine Dankbar schreiben in ihrem Buch: "Unsere Erfahrung ist: Annehmen tut gut. Zu akzeptieren was ist, tut gut. Man verbraucht seine Energien nicht länger bei dem Versuch, etwas Unabänderliches ändern zu wollen." Dankbarkeit für die Bewältigung von Krisen stärkt unser Selbstwertgefühl.

Tipps für mehr Dankbarkeit

Heute bin ich dankbar für …

Schreiben Sie ein Dankbarkeitstagebuch. Jeden Abend notieren Sie in einer hübschen Kladde, was Sie am Tag mit Dank erfüllt hat. Das muss nicht ausführlich sein. Kurze Notizen reichen: der neue Honig mit Feigenaroma, ein Autofahrer, der Rücksicht auf Sie nahm, das leise Fallen der ersten Schneeflocken. Und warum das? Es lenkt Ihren Blick auf das Gute, auf all das, was Schönes am Tag passiert ist, denn normalerweise erinnern wir uns eher an Negatives.

Danke, liebes Ich

Schreiben Sie mal einen Brief an sich selbst. Inhalt: Das habe ich gut gemacht, dafür bin ich mir dankbar. Das können berufliche Erfolge ebenso wie familiäre Harmonie oder ein persönliches Projekt sein, das Sie durchgezogen haben. Nehmen Sie sich dafür ausreichend Zeit. Vielleicht dauert es auch einige Tage, bis Sie alles aufgeschrieben haben. Dann stecken Sie den Brief in einen Umschlag, geben ihn entweder einer Freundin, die ihn irgendwann mal absendet. Oder sie senden ihn nach zwei bis drei Monaten selbst ab. Sie werden sich beim späteren Lesen wundern und freuen, was alles in Ihnen steckt. Dieser Brief kann eine wichtige Kraftquelle für Sie werden.

Das halte ich fest

Machen Sie es der Amerikanerin Hailey Bartholomew nach und knipsen Sie täglich ein Foto von einer Sache oder Situation, die Sie mit Dankbarkeit erfüllt. Entweder nehmen Sie eine Polaroidkamera oder Sie drucken das Foto aus. Dann entsteht im Laufe der Zeit ein fröhliches Album mit allem, was Sie beobachtet haben und schön finden. Das Durchblättern stimmt Sie fröhlich. Und: Handeln wirkt stärker als denken. Mehr über Hailey Bartholomew unter www.365grateful.com 

Eine Frage der Perspektive

Versuchen Sie einen Tag lang, alles Negative ins Positive zu verdrehen. Es regnet = ich brauche den Balkonkasten nicht zu gießen; die Spülmaschine muss schon wieder ausgeräumt werden = es war eine fröhliche Runde am Esstisch; ein Fleck im T-Shirt = das Schokoeis hat super geschmeckt; die Kinder toben durch die Wohnung = sie sind gesund und munter.

Und noch etwas gewinnt ein dankbarer Mensch: Gesundheit. Seit Robert Emmons Anfang des Jahrtausends erstmals Dankbarkeit untersuchte, ging die Forschung weiter. Mit erstaunlichen Ergebnissen. So verbesserten sich laut einer US-Studie bei Menschen mit einer Herzschwäche deren Symptome, nachdem sie ein Dankbarkeitstagebuch geschrieben hatten. Lenkten Psychologen bei leicht depressiven Menschen den Blick auf dankbare Gefühle, minderten sich auch deren trübe Stimmungen.

Die US-Autorin Janice Kaplan hat ein Jahr lang Dankbarkeit zu ihrem Lebensmittelpunkt erklärt. Daraus entstand ihr Buch "Das große Glück der kleinen Dinge". Sie fragt: "Wenn negative Emotionen uns unter Umständen krank machen, können positive Gefühle wie Dankbarkeit dann auch dafür sorgen, dass wir gesund bleiben?" Ja, antwortet der US-Psychologe Dr. Martin Seligman. Denn positive Gefühle wie Dankbarkeit, Liebe und Mitgefühl wirken auf den Parasympathikus, das Ruhe spendende Nervensystem.

Janice Kaplan: "Dankbarkeit hält das Immunsystem davon ab, unnötigerweise zu übersteuern." Bei positiven Gefühlen bekommt das Immunsystem die Botschaft: keine Bedrohung in Sicht, alles in Ordnung. Das festigt die Gesundheit. Brief oder Tagebuch - einerlei: Wichtig ist, ernsthaft darüber nachzudenken, wie gut wir unser Leben meistern und wie viele schöne Gründe es gibt, dankbar zu sein.

Monika Homann

Supervisorin, Organisationsberaterin und Mitautorin von „Das Dankbar-Prinzip“

 

 

 

ReformhausKurier: Warum ist Dankbarkeit wichtig?

Monika Homann: Weil es ein Gefühl bewirkt, das von innen wärmt. Dankbarkeit erhöht die Zufriedenheit mit dem Leben und sich selbst.

Besteht nicht die Gefahr, sich das Leben schön zu reden, wenn wir in unerfreulichen Lebensphasen sagen ‚Na, wenigstens bin ich gesund‘?

Ja, wenn man das nur so dahersagt, dann drückt man alles Negative weg. Abhaken ist nicht das Richtige. Es geht darum, ein Gefühl zu entwickeln und echte Freude zu empfinden. Das geht nur, wenn man in sich hineinspürt und merkt, dass etwas in einem zum Klingen kommt.

Kann man das lernen?

Es ist eine Sache der Übung. Sabine Dankbar und ich haben das Buch geschrieben, weil wir uns seit Langem mit dem Thema beschäftigen. Nicht, weil wir Expertinnen sind und alles schon können. Dankbarkeit zu empfinden ist ein lebenslanger Prozess. Das Gefühl muss man verinnerlichen, das geht nicht so schnell. Es gibt immer wieder Situationen und auch Konflikte, aus denen wir lernen. Auch Unangenehmes gehört zum Leben. Das nicht wegzudrücken, sondern sich dem zu stellen und nach dem Positiven daran zu fragen, ist die immerwährende Aufgabe. Am Beginn kann abends das Ritual stehen: Ich zähle an einer Hand ab, welche fünf Sachen am Tag gut liefen.

Warum fällt das vielen so schwer?

Wir nehmen vieles Gute einfach so hin. Die warme Dusche am Morgen ist selbstverständlich, aber wir ärgern uns, wenn das Duschgel alle ist. Wir verwalten den Mangel, statt zu sehen, für wie viele Dinge wir dankbar sein können.

Was gewinnt jemand, der nach dem Dankbar-Prinzip lebt?

Er wird bewusster und achtsamer durchs Leben gehen. Es zieht mehr Glück in sein Leben ein.


Zum Weiterlesen

 

 

Sabine Dankbar, Monika Homann: „Das Dankbar- Prinzip“, Patmos, 16 Euro; Dankbarkeit ist eine Lebenshaltung. Anleitung zum Selbst-Coaching mit intensiven Übungen.

 

 

Janice Kaplan: „Das große Glück der kleinen Dinge“, rororo, 12 Euro; unterhaltsam geschriebener Ratgeber, der alle Aspekte der Dankbarkeit berücksichtigt.

 

 

Dominik Spenst: „Das 6 Minuten Tagebuch“, UrBestSelf Publishing, 23,90 Euro; Was würde diesen Tag wundervoll machen? Was habe ich heute Gutes für jemanden getan? Fragen, Zitate, To-do-Listen und jede Menge Anregungen.

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