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Füreinander da sein

Sina Trinkwalder unterstützt Obdachlose

Stand: 09.03.2018 (09.03.2018)

Das Projekt Brichbag, Rucksäcke für Obdachlose, übertrifft schon nach wenigen Monaten alle Erwartungen. Reformhaus® unterstützt diese einzigartige Initiative der mehrfach ausgezeichneten Unternehmerin Sina Trinkwalder.

Jeder kennt sie: Obdachlose, die mit zerschlissenen Plastiktüten durch die Innenstädte ziehen, ihren spärlichen Besitz häufig in Einkaufswagen stapeln und unter Brücken hausen. Und fast jeder guckt weg. Nicht so Sina Trinkwalder. Sie rief im Oktober 2017 das Projekt Brichbag ins Leben undfertigt Rucksäcke für Obdachlose. Die Reformhaus  Genossenschaft unterstützt das Projekt. Der Reformhaus- Kurier berichtete über den Start, der genossenschaftseigene Herstellbetrieb ReformKontor steuert zum Inhalt zwei Produkte bei: Trockenfrüchte und Studentenfutter aus bester Bioqualität. Sina Trinkwalder erklärt: „Es sollen haltbare, gute Sachen sein, mit denen Obdachlose auch Wertschätzung erfahren.“ Der Vorstand der Reformhaus eG war sofort dabei, als Sina Trinkwalder dort nachfragte. Rainer Plum: „Wir bewundern den Einsatz von Frau Trinkwalder und leisten sehr gerne unseren Beitrag mit hochwertigen Bio-Produkten aus dem Reformhaus®.“

Inzwischen sind über 1.000 Rucksäcke genäht und gefüllt. Sina Trinkwalder: „Der Erfolg hat mich überwältigt, es ist unglaublich.“ Von einer Bewegung, die sich in Gang setzt, spricht die begeisternde und begeisterungsfähige Initiatorin von Brichbag (englisch ausgesprochen wie bridge für Brücke sowie bag für Tasche). Von Augsburg, wo das Projekt seinen Ausgang nahm, ging es über Nürnberg, Karlsruhe, Hannover bis Hamburg. Berlin und Brandenburg sind die nächsten Ziele. Und ein norddeutscher Fußballverein hat auch bereits Unterstützung signalisiert: Die Kicker wollen das Projekt in der Öffentlichkeit noch bekannter machen. Wie kommen die Kontakte zustande? Sina Trinkwalder ist umtriebig. Über den Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband bekommt sie Adressen von Organisationen, die Obdachlosen helfen, und erfährt, wo Unterstützungam dringendsten ist. Und sie erfährt, was am nötigsten fehlt, wenn man auf der Straße lebt. „Meist sind es Hygieneartikel wie beispielsweise Handdesinfektionsmittel oder Feuchttücher.“

In den Rucksäcken finden sich auch viele andere Dinge, mit denen Firmen das Projekt Brichbag unterstützen: Regenschirme, Multivitaminpräparate, Instantkaffee, Mützen – alles ökologisch. Und Privatleute stricken Socken oder Handschuhe. Genau so stellt sich Sina Trinkwalder das Projekt vor: „Mir geht es darum, dass Menschen aufeinander zugehen, füreinander da sind, sich zuhören.“ Die Gründerin der ökosozialen Textilfirma manomama® hat eine Vision vom Miteinander. Was sie anpackt, ist wirtschaftlich durchdacht. „Ich möchte keine öffentlichen Fördergelder in Anspruch nehmen“, sagt sie sehr bestimmt. Der Grund spiegelt die Ernsthaftigkeit, mit der die 39-Jährige ihre Projekte ins Leben ruft: „Fallen Fördergelder, aus welchen Gründen auch immer, irgendwann weg, dann hat man mit Menschen gespielt. Die stehen dann wieder vor dem Nichts. Das will ich auf gar keinen Fall.“

Nach diesem Prinzip baute sie Brichbag auf, indem sie die ersten 500 Stück aus eigener Tasche finanzierte. Und parallel bietet sie auf ihrer Website die Modelle von Rucksack bis Kosmetiktäschchen an. Aus dem Verkaufserlös ließ sie die nächsten 500 Brichbags für Obdachlose nähen. Denn die farbenfrohen Taschen sind nicht nur für Obdachlose gedacht, sondern jeder kann sie kaufen.

Auch ihre Firma manomama® baute Sina Trinkwalder frei von öffentlichen Abhängigkeiten auf. Bei manomama® arbeiten 150 Menschen, die sonst auf dem Arbeitsmarkt keine Chance hätten: Langzeitarbeitslose, Menschen ohne jegliche Ausbildung. Für das Nähen der Brichbags sind sieben NäherInnen dauerhaft beschäftigt. Täglich werden neue Taschen produziert – aus wundervoll bunten Resten der Markisenherstellung.

Eine gute Tasche

Unter www.brichbag.de gibt es eine vielfältige Auswahl an großen und kleinen Rucksäcken, Umhänge- und Reisetaschen sowie Etuis für Stifte oder Kosmetik in fröhlichen Farben. Schon ab 11 Euro. Mit jedem Kauf wird das Projekt Brichbag unterstützt. In jeder Tasche steckt also etwas Gutes drin.

Denn noch etwas ist der engagierten Frau wichtig: Der wetterbeständige, wasserdichte und schmutzabweisende Stoff stammt aus Restverschnitten des Markisenherstellers Warema. „In den ersten acht Wochen haben wir 14 Tonnen Stoffreste vor dem Abfall gerettet“, freut sich Sina Trinkwalder. „Was wir machen, soll und muss sozial und ökologisch sein.“ Woher nimmt die Frau, die für ihr Engagement das Bundesverdienstkreuz erhalten hat, die Kraft, sich für andere einzusetzen? „Ich muss das einfach machen. Wenn ich auf Menschen höre, dann kommen mir Ideen und alles nimmt seinen Lauf.“ Ein Beispiel: Sina Trinkwalder war auf einer Veranstaltung in Hamburg, bei der es für alle Teilnehmer zum Abschluss ein goodie-bag mit Produkten zum Essen gab.

Auf dem Weg ins Hotel kam sie unter einer Brücke an einem Schlaflager von drei Frauen vorbei und stellte ihre Tüte dort ab, da sie im Hotel am nächsten Morgen sowieso Frühstück bekommen würde. Morgens bei der Joggingrunde sah sie, wie die Frauen das, was in der Tüte war, frühstückten. Sina freute sich und lief ins Hotel voll Vorfreude auf die Dusche. Halt mal, Dusche? Schnurstracks kehrte sie um und fragte, ob die Frauen nicht bei ihr duschen wollten. Eine ging mit und natürlich kamen beide ins Gespräch. Viel wichtiger als eine Wohnung, so erfuhr Sina Trinkwalder, sei die Achtung, die Menschen mit Wohnung denen ohne Heim entgegenbringen sollten. Das geschieht leider viel zu selten. Die meisten schauen weg. Brichbag sieht genau hin und baut Brücken für mehr Verständnis – mit Unterstützung von Reformhaus® und möglichst vieler engagierter Menschen.

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