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Das Leben der Bäume

Tief verwurzelt und in luftiger Höhe

Stand: 23.05.2016

Bäume sind für uns Symbole: für Stärke, Alter und Unversehrtheit. Sie spenden uns nicht nur Luft zum Atmen, sondern sind auch in der Hausapotheke unentbehrlich.

Mensch und Baum

Das ist eine besondere Beziehung. Schon seit Jahrtausenden. Denn ohne Holz kein Feuer, kein Haus, kein Papier, kein Schiff, um neues Land zu entdecken. Kein Wunder also, dass sich um Bäume auch Mythen ranken. Sie galten als Sitz der Götter. Die Druiden – übersetzt bedeutet das Wort Eichenkundiger – gaben unter den mächtigen Bäumen Rat und sagten die Zukunft voraus.

Unter Linden tagten auf dem Thingplatz Ratsversammlungen und unter dem Maibaum, meist einer Birke, schworen sich Paare ihre Liebe. Noch heute ist es in ländlichen Regionen üblich, zur Geburt eines Kindes einen Baum zu pflanzen. Fruchtbarkeit, Weisheit, ewiges Leben, Kraftquelle sind nur einige Eigenschaften, die Bäumen zugeschrieben werden.

Darüber hinaus gibt es eindeutige Fakten, die für eine enge Beziehung zwischen Mensch und Baum sprechen. Denn Bäume liefern uns den Sauerstoff zum Atmen. Eine rund 25 Meter hohe Buche setzt so viel Sauerstoff frei wie drei Menschen verbrauchen. Solch eine Buche produziert im Jahr rund 40.000 Liter Wasser, rund 285 Badewannen voll. Bäume tragen also viel dazu bei, dass es auf unserem Planeten Leben gibt.

Von Äpfeln bis Zimt

Bäume ernähren uns gesund. Schließlich wachsen Äpfel, Pfirsiche, Orangen oder Feigen an ihnen. Früchte, die uns mit wertvollen Vitaminen und anderen lebenswichtigen Nährstoffen versorgen. Olivenbäume wurden über Jahrhunderte kultiviert, aus ihren Früchten entsteht gesundes Öl. Esskastanien waren früher in manchen Gegenden das Hauptnahrungsmittel. Ebenso wie Eicheln, die viel Stärke, Öl, Zucker und Eiweiß enthalten. Geröstet und gemahlen ersetzten Eicheln in Notzeiten sogar den Kaffee.

Und natürlich waren viele Baumfrüchte auch als Viehfutter wichtig. Allein eine ausgewachsene Kalifornische Schwarzeiche soll bis zu 750 Kilo Eicheln liefern, an denen sich Waldtiere satt essen können. Die Aufzählung könnte endlos weitergehen, denn auch Gewürze wie Muskatnuss, Nelke und Zimt – die Rinde eines Baumes aus Sri Lanka – ergänzen die lecker-gesunden Lebensmittel, die uns Bäume liefern.

Giganten des Waldes

  • Der Älteste: Eine Fichte in Schweden ist fast 10.000 Jahre alt. Das haben Forscher an den Wurzeln erkannt.
  • Der Dickste: 46 Meter misst der Umfang einer Mexikanischen Sumpfzypresse in Oaxaca / Mexiko.
  • Der Mächtigste: Der Mammutbaum mit einem geschätzten Holzgewicht von rund 2.000 Tonnen steht in Kalifornien.
  • Der Höchste: Eine Küstensequoie ragt über 113 Meter in die kalifornische Luft. So hoch ist der Hauptturm der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin.
  • Der Kleinste: Zwischen zwei und zehn Zentimeter niedrig bleibt eine Krautweide, die in Asien, Nordamerika und Europa in Höhen von 1.800 bis 3.200 Meter vorkommt.
  • Der Zäheste: Temperaturunterschiede von bis zu 100 Grad im Jahr hält die Sibirische Lärche aus, die in bis zu 250 Meter tief gefrorenem Boden wächst.

Gifte, die heilen

Aber auch ganz andere, für den Menschen wichtige Stoffe liefern Bäume. Etwa Kokain: Es wurde früher ausschließlich als Narkosemittel verwendet, ehe seine berauschende Wirkung als Droge missbraucht und damit zum Problem wurde. Genau wie Duftstoffe und stark aromatische Gewürze sind diese Stoffe ursprünglich Substanzen, die Bäume entwickeln, um schädliche Insekten abzuwehren.

Kampfer, eine Substanz, die unter anderem in der Rinde und im Harz des afrikanischen Kampferbaumes vorkommt, ist ein Hauptbestandteil zur Mottenbekämpfung. Früher heilte man damit auch die Cholera. Ebenso wie mit Chinin, das aus dem wohl bekanntesten Baum mit Heilwirkung stammt: dem Chinarindenbaum. Das daraus gewonnene Chinin nutzten die Medizinmänner der Anden schon vor Jahrhunderten. Es wirkt fiebersenkend und schmerzstillend, lokal angewendet wird es zur Malariabehandlung eingesetzt.

Die Extrakte einer Eiche aus Amazonien werden aktuell zur Erforschung eines Medikaments gegen Aids herangezogen. Auch die Eibe liefert der Medizin Stoff zum Erforschen. Übrigens werden Eiben auch als Bäume des Todes bezeichnet, weil sie häufig auf Friedhöfen wachsen. Der eigentliche Grund für den Beinamen: die giftigen Nadeln der Bäume, die für Mensch und Tier tödlich sein können.

Der Baum, ein schöner Ort

Zurück ins Leben. Was gibt es im Sommer Schöneres, als im Schatten eines Baumes den Gedanken nachzuhängen oder mit Freunden im Biergarten zu sitzen. Diese baumbestandenen Gärten entstanden, weil die Bier brauenden Mönche ihre unter der Erde lagernden Bierfässer im Schatten der Kastanien kühl halten wollten. Heute würden Bauherren Bäume leider eher fällen – und dafür elektrisch betriebene Kühlhäuser errichten. Dabei sollten wir unsere Bäume schützen. Denn Bäume sind auch ein Zeichen der Hoffnung. Wie sonst ist der Satz von Martin Luther zu verstehen? „Wenn ich wüsste, dass morgen der Jüngste Tag wäre, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.“

Die heilende Kraft der Bäume

  1. Fichte: Junge Triebspitzen und das Harz des Nadelbaums gehören seit Jahrhunderten zum Repertoire der Volksmedizin. Die enthaltenen ätherischen Öle wirken antibakteriell, durchblutungsfördernd. Schon Pfarrer Kneipp nutzte das zur Behandlung von Lungen- und Erkältungskrankheiten. Ein warmes Bad mit Fichtennadeln kann bei einer heraufziehenden Erkältung Wunder wirken.
  2. Eukalyptus: Der australische Baum benötigt zum Wachsen kaum Wasser. Seine Blätter stecken voller ätherischer Öle, vor allem Cineol. Das löst Schleim. Deshalb tun Inhalationen mit Eukalyptus bei schleimendem Husten und verstopften Nasennebenhöhlen und Bronchien gut.
  3. Linde: Die Lindenblüten enthalten Flavonoide, außerdem Schleimstoffe und in geringen Mengen ätherisches Öl. All das kann fiebersenkend, schweißtreibend, entzündungshemmend und schmerzlindernd wirken und ist vor allem bei Erkältungen und leichten grippalen Infekten ein bewährtes Hausmittel.
  4. Ahorn: Die Blätter enthalten Gerbstoffe, Seifenstoffe und Cholin, einen Alkohol. Extrakte helfen bei Insektenstichen und gereizter, entzündlicher Haut.
  5. Eibe: Wegen des hohen Giftanteils der Pflanze werden Eiben heute nicht mehr als Naturheilmittel eingesetzt. Ihre Wirkstoffe wie das Taxin allerdings macht sich die Schulmedizin als Therapie gegen Brust- und Eierstockkrebs zunutze.
  6. Weide: Die Rinde enthält Gerbstoffe und Salicylate, die dem chemischen Arzneistoff Acetylsalicylsäure ähnlich ist und in der Medizin als Schmerzmittel eingesetzt wird. Weidenrinde wird entzündungshemmende sowie den Knorpel regenerierende Wirkung nachgesagt. Gut bei Muskelkater und Neuralgien.
  7. Birke: Die hellgrünen Blätter enthalten reichlich Flavonoide und Saponine. Sie sollen harntreibend wirken und werden gegen Blasenentzündungen als Tee getrunken. Birkensaft, der den Birken abgezapft wird, kann gegen Schuppen helfen und Ausschläge lindern.
  8. Rosskastanie: Die Früchte enthalten den Pflanzenstoff Aescin, der entzündete Gefäße günstig beeinflussen kann und Wasseransammlungen entgegenwirken soll. Extrakte aus Rosskastanien werden bei Venenschwäche und Krampfadern eingesetzt.
  9. Eiche: Schon Hippokrates nutzte die Rinde als Medizin. Sie enthält viele Gerbstoffe, vor allem Tannin. Diese wirken adstringierend, also zusammenziehend. Tee aus Eichenrinde wird deshalb bei Durchfall eingesetzt. Die zusammenziehende Wirkung kommt auch bei leichten Hautentzündungen zum Tragen. Fußbäder oder Umschläge können bei Fußpilz, Krampfadern, Venenentzündungen für Linderung sorgen

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