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Holztisch mit Kräutern, Ölen und Mörser

Heilpflanzen – da steckt Medizin drin

„Selbst heilen mit Kräutern“

Stand: 01.10.2019

Er ist Schulmediziner und Anhänger einer wissenschaftlich begründeten, ganzheitlichen Medizin, sie ist Psychologin und Heilpraktikerin. Prof. Dietrich Grönemeyer und Tochter Friederike haben ein Standardwerk zur Wirkung von Heilkräutern geschaffen und stellen es bei uns auf reformhaus.de vor.

Der Trend ist eindeutig. Immer mehr Menschen wollen mit sanften Naturheilmitteln ihre Gesundheit in die eigenen Hände nehmen. Zu sorglos sind wir lange mit hocheffektiven Medikamenten wie etwa Antibiotika umgegangen. Mit dem Risiko, dass schädliche Bakterien resistent werden und nützliche vernichtet. Heilpflanzen aktivieren und unterstützen vor allem den Selbstheilungsprozess. Auch die Schulmedizin denkt um. Prof. Dietrich Grönemeyer gehört schon lange zu den Ärzten, die für einen offenen Blick auf traditionelle Heilmethoden von Ayurveda über TCM bis zu den Heilpflanzen der Welt plädieren.

Doch wir müssen gar nicht so weit gehen, um wirkungsvolle Therapiemethoden zu finden, die europäische Naturheilkunde mit ihrem Wissen über die Wirkung verschiedenster Kräuter hat sich über Jahrhunderte erprobt und bewährt. Und neue Studien liefern Belege: So wirkt zum Beispiel Pfefferminzöl, äußerlich angewendet, bei Verspannungskopfschmerzen wie eine Gabe von 1000 Milligramm Aspirin, also etwa zwei bis drei Tabletten. Und das Thymol in Thymian ist so stark antimikrobiell, dass es etwa bei Atemwegsinfekten genauso gut wie ein Antibiotikum wirkt.

Aktuelle Wissenschaft und traditionelles Wissen unserer Vorfahren können Hand in Hand gehen. Davon ist auch die Heilpraktikerin Friederike Grönemeyer überzeugt, die unter anderem zeigt, wie man Heilkräuter zu Hause selbst anwenden kann. Denn auch die Darreichungsformen sind vielfältig und die Kenntnis der Rezeptur wesentlich.

Deshalb haben wir uns entschieden, mit eine Serie der wichtigsten Arzneipflanzen zu beginnen. Sie erfahren, was die Inhaltsstoffe und Anwendungsweisen sind, was die Wissenschaft über Heilpflanzen wie Baldrian, Spitzwegerich oder Fenchel weiß und worauf es zu achten gilt – begleitet mit Empfehlungen aus dem Buch von Prof. Dietrich Grönemeyer und Friederike Grönemeyer.

Salbei – beruhigt Darm und Haut

Rund 1.000 Arten gibt es, medizinisch relevant sind vor allem zwei: der echte und der dreilappige Salbei. Schon Hildegard von Bingen nutzte Salbei als Naturmedizin – und zwar gegen Magen- und Darm-Koliken.

  • Hier findet man es: Als Küchenkraut im Handel oder häufig als Halbstrauch im eigenen Garten. Der echte Salbei hat sich vom westlichen Mittelmeerraum über ganz Europa ausgebreitet.
  • Wann und was ernten: Während der ganzen Vegetationsperiode kann man die Blätter ernten. Das hat auch den Vorteil, dass die Pflanze nicht verholzt und der Salbei immer wieder austreibt. Kurz vor der Blüte im Juni ist das Aroma der Blätter am stärksten. Um die Pflanze nicht zu schädigen, ist es sinnvoll, immer nur die Triebspitzen zu ernten.
  • Das wirkt: Die ätherischen Öle, darunter Cineol, und Flavonoide wirken entzündungshemmend. Bitterstoffe fördern den Verdauungsprozess. Nicht ganz klar ist, welche Inhaltsstoffe eine schweißlindernde Wirkung haben.
  • Das sagen Wissenschaft und Volksmedizin: Die Kommission E, ein Sachverständigenrat zur Phytotherapie des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte in Deutschland, bescheinigt dem Salbei eine positive Wirkung bei Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut sowie bei Beschwerden der Verdauung und bei vermehrter Schweißbildung. Das bezieht sich auf die innerliche Anwendung und deckt sich zum großen Teil mit der traditionellen Auffassung, die noch Sodbrennen und Blähungen ergänzt. Das europäische Arzneibuch der Europäischen Arzneibuch- Kommission listet außerdem noch Zahnfleischentzündungen.
  • Wann sinnvoll: Bei allen akuten Verdauungsproblemen, übermäßigem Schwitzen und Entzündungen im Mund und Rachenraum sowie bei leichten Hautirritationen (äußerlich).
  • So anwenden: Bei Magen- und Darmbeschwerden einen Tee aus den Blättern aufbrühen. Dafür etwa zwei Gramm Blätter mit 150 Milliliter kochendem Wasser übergießen und fünf Minuten abgedeckt ziehen lassen und nach dem Essen oder zwischen den Mahlzeiten trinken. Mundspülungen bei Zahnfleischentzündungen oder Halsbeschwerden: Dafür einen konzentrierten Tee kochen oder zwei bis drei Tropfen ätherisches Salbeiöl auf 100 Milliliter Wasser geben und dreimal täglich damit gurgeln. Salbeitee hilft auch gegen übermäßiges Schwitzen etwa in den Wechseljahren.
  • Nebenwirkungen: Bei hohen Dosen innerlicher Anwendung können Krämpfe, Hitzeempfindungen, Herzklopfen, Schwindel und nervöse Zustände ausgelöst werden. Nicht anwenden bei Allergien gegen Lamiaceaen. Konzentrate und Öle nicht in der Schwangerschaft oder bei Kleinkindern anwenden.

Produkttipps aus dem Reformhaus® (Produkttipps sind nicht dem Buch entnommen, sondern Empfehlungen der ReformhausKurier Redaktion):

Beim Sammeln auf eine sichere Quelle achten. Das heißt, dass die Kräuter nicht durch Schadstoffe oder Pestizide belastet sind, also Straßenverkehr und gespritzte Felder meiden.

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Thymian – ein natürliches Antibiotikum

Er bekämpft Infektionen, die von Viren oder von Bakterien verursacht werden. Besonders bewährt hat sich das würzige Kraut bei Erkrankungen der Atemwege, des Verdauungssystems und der Mundschleimhaut.

  • Hier findet man es: Als Küchenkraut zu kaufen oder im eigenen Garten anpflanzen. Wild kommt es vor allem in mediterranen Ländern vor. Der Echte Thymian etwa wächst an Berghängen in Frankreich, Spanien und Italien. Er enthält gegenüber dem Garten-Thymian mehr ätherische Öle.
  • Wann und was ernten: Als Garten-Thymian das ganze Jahr. Für die Arznei werden die Blätter und Blüten, die vom Trieb abgestreift werden, verwendet. Das ätherische Öl wird aus frisch blühendem Thymian gewonnen.
  • Das wirkt: Vor allem die ätherischen Öle wirken antiseptisch, darunter das Thymol, Carvacrol und die Terpene.
  • Das sagen Wissenschaft und Volksmedizin: Die Kommission E empfiehlt es bei Symptomen der Bronchitis, Keuchhusten sowie Katarrhen der Atemwege. Die Europäische Arzneimittelagentur verzeichnet als Anwendungsgebiet produktiver (nicht mehr trockener) Husten. Traditionell wird es auch bei Beschwerden des Magen- und Darmtraktes angewendet.
  • Wann sinnvoll: Rechtzeitig bei Infektionen, auch um eine Antibiotika-Gabe zu umgehen. Dazu gehören Bronchitis, Atemwegserkrankungen sowie Entzündungen der Mundschleimhaut. Zur unterstützenden Behandlung bei Keuchhusten.
  • So anwenden: Bei Husten, Hustenkrämpfen, Keuchhusten und Bronchitis dreimal täglich Thymiantee trinken. Ruhig mehrmals aufbrühen. Zum Inhalieren beipielsweise zwei bis drei Tropfen ätherisches Thymianöl mit einer Tasse heißem Wasser aufgießen, in eine Schüssel geben und fünf bis zehn Minuten einatmen. Bei einer Erkältung (ohne Fieber) 15 Tropfen ätherisches Öl mit einem Eßlöffel Honig ins Badewasser geben.
  • Nebenwirkungen: Überdosiert eventuell Nervosität oder motorische Störungen. Nicht in der Schwangerschaft anwenden.

Produkttipps aus dem Reformhaus® (Produkttipps sind nicht dem Buch entnommen, sondern Empfehlungen der ReformhausKurier Redaktion):

Gerade bei Küchenkräutern vorsichtig beim Ernten vorgehen. Verwenden Sie am besten eine scharfe, saubere Schere, schneiden Sie ohne zu quetschen. Vor der Blüte ist das Aroma der Blätter bei allen Kräutern am intensivsten.

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Spitzwegerich – gut bei Wunden und Husten

Im Mittelalter war der Spitzwegerich eine der am meisten verwendeten Heilpflanzen. Selbst Shakespeare erwähnt ihn als Mittel gegen Hautentzündungen in seinen Werken.

  • Hier findet man ihn: Spitzwegerich ist in Europa, Nordamerika und Asien heimisch. Bei uns ist das ausdauernde Gewächs eine der häufigsten Pflanzen. Man findet es an Wegesrändern, Wiesen und Feldern. Gern auf trockenen Böden.
  • Wann und was ernten: Die Pflanze wächst den ganzen Sommer. Gegen kleine Verletzungen die Blätter verwenden. Heilende Inhaltsstoffe stecken auch in Wurzeln und Samen. Diese von Ende August bis Oktober sammeln.
  • Das wirkt: Schleimstoffe wirken reizmildernd bei Husten, Gerbsäure adstringierend (zusammenziehend), Flavonoide entzündungshemmend, Iridoide antibakteriell und Kieselsäure festigt das Gewebe. Ein weiterer Inhaltsstoff, das Glycosid Aucubin, wirkt entzündungshemmend. Wichtig: Die natürliche, antibiotische Wirkung der Pflanze wird bei längerem Erhitzen vermindert. Ideal ist deshalb Presssaft.
  • Das sagen Wissenschaft und Volksmedizin: Anerkannte Hauptindikationen sind bei innerer Anwendung Katarrhe der Atemwege, Husten und entzündliche Veränderungen im Mund und Rachenraum. Äußerlich: entzündliche Hautveränderungen. Traditionell wird es innerlich gegen trockenen Reizhusten und vorbeugend zur Stärkung des Immunsystems angewendet. Außerdem äußerlich bei Insektenstichen und kleinen Wunden.
  • Wann sinnvoll: Wirkt bei Erkältungen in Mund und Rachen antientzündlich, abschwellend und hustendämpfend. Juckreizlindernd bei Insektenstichen, antientzündlich bei kleineren Wunden. Auch gut bei Verbrennungen durch Brennnesseln.
  • So anwenden: Als Wundverband eine Handvoll Blätter waschen und eine Minute in kochendem Wasser desinfizieren. Abgekühlt die Blätter mit einer sterilen Pinzette oder Ähnlichem auf die Wunde oder Entzündung legen und verbinden. Für einen Tee getrocknetes Kraut verwenden, aufkochen, Zehn Minuten ziehen lassen (etwa zwei Gramm Kraut auf 150 Milliliter Wasser). Nach Belieben mit Honig süßen. Zwei- bis dreimal täglich trinken. Auch zum Gurgeln bewährt. Sinnvoll sind auch Fertigprodukte, dann nach Anweisung einnehmen.
  • Nebenwirkungen: Keine bekannt. Nicht bei Schwangerschaft und Stillzeit anwenden.

Produkttipps aus dem Reformhaus® (Produkttipps sind nicht dem Buch entnommen, sondern Empfehlungen der ReformhausKurier Redaktion):

„Bei Bienen und Wespenstich mehrere Spitzwegerichblätter von der Wiese sammeln und in der Hand zerreiben bis der Saft aus den Blättern tritt. Anschließend auf den Stich legen und mit etwas Verband oder Tuch zehn bis 20 Minuten fixieren. Mindert Schwellungen und Juckreiz.“

Tipp von Friederike Grönemeyer

Drei Fragen an Prof. Grönemeyer

Was sagt die Wissenschaft zu dem Küchenkraut Salbei?
Der Salbei ist eine Heilpflanze, die über bemerkenswerte Inhalts- und Wirkstoffe verfügt. Die ätherischen Öle beinhalten unter anderem das Monoterpen 1,8-Cineol. Nach neuesten Studien scheint dieser Wirkstoff eine direkte, hemmende Wirkung auf Entzündungsmediatoren zu haben. Im Kommentar des Europäischen Arzneibuches wird zudem erwähnt, dass der Wirkstoff eine antiinflammatorische (abschwellende) Wirkung bei der Therapie von Asthma habe.

Spitzwegerich ist im Garten nicht beliebt und doch nützlich?
Gute Studien besonders von Prof. Karin Kraft vom Lehrstuhl für Naturheilkunde, Rostock, belegen die Indikationen für Mund, Rachen, Luftwege und Wunden. Ein wichtiger Effekt des Spitzwegerich ist die Bildung von Schleim, der sich schützend und entzündungshemmend über Schleimhäute legt. Der Hustenreiz wird so gemildert, vor allem beim Reizhusten beziehungsweise trockenem Husten.

Was ist besonders an Thymian?
Garten-Thymian ist aus meiner Küche nicht wegzudenken. Auch gekocht bringt er viel positive gesundheitliche Effekte, stärkt das Immunsystem und liefert wertvolle sekundäre Pflanzenstoffe. Die ätherischen Öle des Thymians sind noch in einer Konzentration von 1:3.000 (sechs Tropfen Öl auf ein Liter Wasser) keimwirksam und somit 20-mal keimhemmender und wirksamer als Phenol, welches in der Medizin als Desinfektionsmittel genutzt wird.

Quelle unserer Heilkräuter-Porträts ist das gerade erschienene Buch: „Selbst heilen mit Kräutern. Pflanzenheilkunde für zu Hause“ von Prof. Dietrich und Friederike Grönemeyer. Mit vielen Tipps und Rezepten, wie Heilpflanzen in Eigenregie angewendet werden können. Becker Joest Volk Verlag, 29,95 Euro.

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