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Gesunder Darm

15 Fragen rund um das Wunderorgan

Stand: 02.03.2017 (02.03.2017)

Allein die Fläche dieses Organs ist beeindruckend – rund 450 Quadratmeter umfasst der Darm aufgrund seiner zahlreichen Ausbuchtungen, kleinsten Erhebungen und seiner Vielzahl an Schlingen. Ausgebreitet entspricht das in etwa der Größe eines Tennisplatzes.

Die innere Darmwand erneuert sich alle sechs Tage einmal komplett. Rund um die Uhr gehen Mikroben wie Bakterien ihrer Arbeit nach und zersetzen die Nahrung in verträgliche Bestandteile.

Allerdings stören oder verlangsamen Entzündungsprozesse und andere Erkrankungen diesen Prozess. Die Darmflora ist dann nicht mehr in der Balance und verursacht Probleme. Ein Teufelskreis. Doch das ist nur ein Zipfelchen des Phänomens Darm. Denn je mehr über ihn bekannt wird, desto klarer wird: Der Darm steuert nicht nur unser Wohlbefinden im Bauch, sondern er entscheidet auch über unsere Energie, psychische Stabilität und das Gewicht.

1. Warum finden plötzlich alle den Darm so interessant?

Den Eindruck kann man wirklich bekommen – im vergangenen Jahr ist kaum eine Woche vergangen, in der die Sachbuch-Hitlisten nicht von einem Buch über den Darm angeführt wurden. Dafür gibt es vermutlich mehrere Gründe: Immer mehr Menschen haben Probleme mit der Verdauung und entwickeln Unverträglichkeiten. Gleichzeitig kommt die Wissenschaft der faszinierenden Lebensgemeinschaft der Mikroben im Darm detaillierter auf die Spur. Wir wissen also immer mehr darüber, wie wir den Darm gesunderhalten können.

2. Welche wichtigen Erkenntnisse gibt es?

Die Milliarden von Bakterien in unserem Darm sind extrem gut organisiert, kommunizieren miteinander, trainieren sich sogar gegenseitig und steuern unser Wohlbefinden. Dabei gibt es Bakterienstämme, die jeweils dominant sind. Die Wissenschaft fand heraus, dass es weltweit genau drei Darmtypen gibt, die eine ähnliche Besiedlung aufweisen. Diese Darmtypen arbeiten auf unterschiedliche Weise – je nachdem, wie viele und welche Bakterien in ihnen enthalten sind. Ganz egal, welchem Typus wir angehören, eine gestörte Darmflora fördert Krankheiten wie Arteriosklerose, Diabetes, Parkinson oder Adipositas.

80 Prozent des Immunsystems, große Anteile des Hormon- und des Nervensystems sitzen in unserer Mitte. Wie deren Zusammenspiel funktioniert, darüber wird am meisten geforscht. Und die Wissenschaftler wissen inzwischen, dass Stress, Umweltgifte und die falsche Nahrung das Wunderwerk Darm empfindlich stören.

3. Sitz das Glück im Bauch?

Sie fühlen sich niedergeschlagen? Naschen Sie dunkle Schokolade – das hebt die Stimmung. Auch Lebensmittel mit einem hohen Gehalt an Omega-3-Fettsäuren sollen gute Laune machen. Sie haben einen Einfluss auf Neurotransmitter wie Serotonin. Mehrere Universitäten, etwa in Finnland, Schottland und die Harvard University in Amerika, bestätigen, dass über eine Nahrung mit einem hohen Omega-3-Fettanteil Depressionen gelindert werden können. Eine zentrale Rolle spielt dabei der Darm – nicht nur bei der Umwandlung von Nahrung. Zahlreiche Nervenverbindungen in der Darmschleimhaut reagieren sensibel auf Emotionen wie Stress, Angst, Glück. Und diese schicken Botschaften über die Darm-Hirn-Achse, den Vagusnerv, der an der Wirbelsäule verläuft, ins Oberstübchen. Besonders das limbische System, das für Gefühle zuständig ist, reagiert intensiv auf die Signale.

4. Reagieren immer mehr Menschen gereizt?

Tatsächlich leiden zunehmend Erwachsene unter dem Reizdarmsyndrom. Jeder vierte Deutsche ist inzwischen betroffen. Der Reizdarm äußert sich mit vielfältigen Symptomen wie Durchfall und Verstopfung im Wechsel, Blähungen sowie krampfartigen Bauchschmerzen. Die genaue Ursache ist immer noch unklar. Doch fast alle Betroffenen haben eine gestörte Darmflora. Der Zusammenhang ist so eindeutig, dass eine Therapie mit Probiotika von forschenden Wissenschaftlern empfohlen wird.

5. Ein günstig besiedelter Darm wie sieht er aus?

Ein bis zwei Kilo wiegt die Mikrobenmasse in unserem Verdauungstrakt. Sie setzt sich aus Bakterien und anderen Mikroorganismen zusammen. Wissenschaftler bezeichnen die Darmflora als intestinales (intestinum, lat. für Darm) Mikrobiota. Im Prinzip ist das ein gigantisches Getümmel aus bis zu 10.000 verschiedenen Bakterienarten, die inter-
agieren.

Im Idealfall leben Mensch und Bakterie in perfekter Harmonie. Meist bildet sich dann eine individuelle Gemeinschaft der Mikroben, die sich bewährt hat. Mit der richtigen Besatzung sind die günstigen Kleinstlebewesen so zahlreich, dass es Keimen und Krankheitserregern schlicht an Platz fehlt, um sich im Darm niederzulassen. Die gewohnten, hilfreichen Bakterien zersetzen und sortieren nicht nur die Nahrung, sondern sorgen auch für Enzyme, die wichtig sind für das Immunsystem. Eine ausgeglichene Darmflora ist für unsere Körperabwehr eine Win-win-Situation.

6. Was hilft, wenn die Verdauung lahm ist?

Auch der Darm wird träge, wenn wir uns zu wenig bewegen. Er mag moderate Ausdauer-Bewegung wie Spazierengehen oder Wandern, aber keinen Hochleistungssport. Und viel Flüssigkeit, damit der Speisebrei gut verdünnt wird. Deshalb: Am besten zwei Liter ungesüßten Tee oder Wasser über den Tag verteilt trinken. Darüber hinaus hilft eine ballaststoffreiche Ernährung. Auch gut: Trockenfrüchte wie Trockenpflaumen.

7. Gibt es eine ideale Ernährung für die Darmgesundheit?

Der Ernährungsexperte Martin Rutkowsky, Diplom-Ökotrophologe und Dozent an der Akademie Gesundes Leben: „Wegweisend ist, was die Erfahrungsheilkunde zeigt und Bestand hat. Im Prinzip gilt noch, was die Heilkundige Hildegard von Bingen schon wusste: Eine Ernährung mit viel Gemüse, Getreide wie Dinkel und wenig Fleisch ist schon mal eine grobe Richtschnur für eine verdauungsförderliche Ernährung“, so der Experte. Neben Vollkornprodukten empfiehlt er Leinsamen, Chia- und Flohsamen, denn sie enthalten besonders viele Faserstoffe. Und neue Studien zeigen, wer regelmäßig Joghurt oder Buttermilch zu sich nimmt, fördert die Artenvielfalt im Darm.

8. Welche Rolle spielt die Qualität der Nahrung?

Wir Menschen essen immer mehr tierische Fette und Eiweiße und weniger Ballaststoffe. Auch die Herstellung der Produkte hat sich verändert, das beginnt schon beim Ackerbau. Wenn durch viele verschiedene Spritzmittel die Vielfalt der Bakterien im Boden ausgerottet wird, nimmt die Qualität der Lebensmittel ab. Diese Verarmung der biologischen Komplexität bereitet den natürlichen Mikroorganismen im Darm Probleme. Er muss sich jetzt mit künstlichen Aromen, chemischen Haltbarmachern sowie Geschmacksverstärkern auseinandersetzen – und reagiert gereizt. Produkte aus kontrolliert biologischem Anbau sind die bessere Wahl.

Im März finden Sie in Ihrem Reformhaus® besonders viele Angebote, mit denen Sie sich ganzheitlich wohlfühlen können. Sie haben Fragen? Die ausgebildeten Fachkräfte in Ihrem Reformhaus® helfen Ihnen gerne weiter.

9. Was sind Präbiotika?

Das sind die Lieblingsspeisen der Bakterien. Bekommen sie zu wenig Nahrung, hungern sie. Das bedeutet, dass alle Zellen, also jene, die Nahrung aufnehmen, die sie verarbeiten, sowie die Nerven- und Muskelzellen in der Darmschleimhaut nicht ausreichend mit Energie versorgt sind. Das bringt das gesamte Gleichgewicht durcheinander, die Schleimhaut kann durchlässig oder löcherig werden. Mögliche Folgen sind: Entzündungen, Reizdarm oder Unverträglichkeiten. Also füttern wir unsere nützlichen Darm-Einwohner. Am besten mit Inulin, das ist ein Pflanzenstoff, der in Obst und Gemüse enthalten ist. Auch andere Ballaststoffe schmecken bestimmten Mikroben. Man kann Präbiotika gut einnehmen oder beispielsweise in Joghurt einrühren. Ansonsten enthalten Artischocken, Bananen, Topinambur, Chicoree, Porree, Zwiebeln viel Inulin. Präbiotika sind für die Darmgesundheit genauso wichtig wie Probiotika. Probiotika(etwa aus einem Naturjoghurt) sind lebende Bakterien, die
auch den Darm besiedeln. Präbiotika, zum Beispiel Ballaststoffe, ernähren diese kleinen Mikroorganismen.

10. Welche Medikamente mag der Darm nicht so gerne?

Die negative Wirkung von Antibiotika auf die Darmflora gehört inzwischen fast zum Allgemeinwissen. Die Einnahme eines Breitband-Antibiotikums minimiert die Anzahl der Bakterien im Darm drastisch. Ein Kahlschlag, von dem sich das Verdauungsorgan lange nicht erholt. Häufig ändert sich langfristig die Zusammensetzung der inneren Mikrobenwelt. Insgesamt sind 19 Medikamentengruppen für den Darm problematisch. Darunter praktisch alle (freiverkäuflichen und verschreibungspflichtigen) Schmerzmittel und Säureblocker gegen Sodbrennen (sogenannte Antazida), die dem Bauch eigentlich helfen sollen.

11. Entscheidet unser Darm, ob wir schlank oder dick sind?

Die Darmflora ist so individuell wie ein Fingerabdruck. Und es spricht vieles dafür, dass die Art der Besiedlung einen Einfluss auf das Gewicht hat. Herrschen bestimmte Bakteriengruppen vor, ist die Verarbeitung etwa von Kohlenhydraten nicht so effektiv. Auch die Mikrobenvielfalt spielt eine Rolle. Westliche Übergewichtige haben zum Beispiel eine geringere Artenvielfalt im Darm als schlanke Naturvölker, die sich hauptsächlich von Pflanzen ernähren. Und genau hier könnte auch eine neue Therapie gegen Übergewicht oder sogar Adipositas zu finden sein. „Denn die Darmflora lässt sich beeinflussen – mit Präbiotika und einer pflanzenbetonten und ballaststoffreichen Ernährung und weniger industriell verarbeiteten und tierischen Lebensmitteln“, so Martin Rutkowsky.

12. Was bitte ist ein „Leaky Gut Syndrom“?

Mit diesem englischen Begriff bezeichnet man einen durchlässigen Darm. Das bedeutet, dass die Darmschleimhaut kleine Löcher aufweist, durch die Stoffwechselprodukte aus dem Darm gelangen, die bei einem intakten Mikrobiom und einer funktionierenden Schleimhaut nicht austreten würden. „Dadurch werden das Immunsystem, die Lymphgefäße und die Leber übermäßig beansprucht“, erklärt Ernährungsexperte Martin Rutkowsky. „Bei manchen Menschen kann das zu einer nichtalkoholischen Fettleber führen.“

13. Wie gesund ist ein probiotischer Joghurt?

Probiotika mit der Nahrung aufzunehmen ist generell eine gute Idee. Denn das sind erwünschte lebende Bakterienkulturen, die sich idealerweise im Darm ansiedeln. Sie sind auch in den stark beworbenen Joghurts enthalten. Allerdings enthalten sie meist nur bestimmte Bakterienstämme. Martin Rutkowsky: „Ich würde eher einen ungezuckerten Bio-Joghurt oder (nicht erhitztes) Sauerkraut, also Naturprodukte, empfehlen.“

14. Braucht mein Darm eine Sanierung?

Die Besiedlung unseres Darms wird mit dem Alter immer weniger vielfältig und effektiv“, so Ökotrophologe Martin Rutkowsky. „Eine Darmsanierung mit hilfreichen Bakterien kann diese Verarmung ausgleichen. Die Dosierung bei einer Probiotik-Kur sollte 24 bis 48 Milliarden Bakterienstämme umfassen und mindestens über drei Monate andauern.“ Am einfachsten erreicht man eine ausreichende Menge über Produkte. „Ich empfehle immer einen Wechsel der verschiedenen Präparate. Bei den Reformhaus® Produkten kann ich mich darauf verlassen, dass die Menge und die Art der Stämme ausgewogen sind. Das ist nötig, denn im Dünndarm herrscht eine andere Besiedlung als im Dickdarm.“

15. Wie kann ich Darmkrebs verhindern?

Durch rechtzeitige Früherkennung. Das Krebsrisiko lässt sich mit einer ausgewogenen Ernährung und einem gesunden Lebensstil vermindern. Aber alle Krebsfaktoren kann niemand ausschließen. Deshalb schützt nur eine regelmäßige Kontrolle des Darms.

Martin Rutkowsky ist Diplom- Ökotrophologe, Ernährungsberater – und seit 20 Jahren Dozent an der Akademie Gesundes Leben. Im April erscheint sein Buch „Alles Gute für den Darm. Ein praktischer Leitfaden mit wohltuenden Rezepten und wirksamen Mitteln aus der Naturheilkunde.“ Königsfurt-Urania, 14,95 Euro. Der Ratgeber erklärt alles Wissenswerte zum Thema Darm und Verdauung. Er zeigt auf, was wir schulmedizinisch und naturheilkundlich für die Darmgesundheit tun können. Mit Test zur individuellen Darmgesundheit, einer Darm-Pflege-Kur, Ernährungsplänen und darmgesunden Rezepten.

 

Seminartipp: DarmGesundheit

Die Darmflora hat eine besondere Bedeutung für die Gesundheit des Menschen. In diesem 2-Tage-Seminar erhalten Sie nützliche Tipps und Empfehlungen zu den Themen Darmsanierung, Umgang mit den richtigen Nahrungsmitteln, Mikrobiom, Stärkung des Immunsystems und vieles mehr.

Mehr Informationen unter www.akademie-gesundes-leben.de oder telefonisch: 06172 / 300 98 22

März ist Darmkrebsmonat

Seit 2002 ruft die Felix Burda Stiftung den März als Darmkrebsmonat aus und fördert als Kooperationspartner auch die Aktion Deutschland gegen Darmkrebs. Aus gutem Grund: Jährlich erkranken in Deutschland gut 60.000 Menschen an Darmkrebs. Mit publikumswirksamen Aktionen machen die dpd Kommunikations GmbH gemeinsam mit der Felix Burda Stiftung und Partner darauf aufmerksam, dass sich Darmkrebsvorsorge lohnt. Reformhaus®, das Fachgeschäft für ganzheitliche Gesundheit, engagiert sich als exklusiver Ernährungspartner von Anfang an in der Initiative „Deutschland gegen Darmkrebs“ und berät Sie gern zur darmgesunden Ernährung.

In teilnehmenden Reformhäusern finden Sie geschulte Ernährungs- und DarmgesundheitsberaterInnen, entsprechende Produkte zur Förderung der Darmgesundheit in neuform Qualität sowie Informationsmaterial zur Kampagne.

  • Fragen Sie gern auch nach dem 68-seitigen Sonderheft gesund & schön – Gut drauf im Bauch“ mit vielen Tipps und Expertenratschlägen, erschienen im Frühjahr 2015 (1,50 Euro).
  • Die Akademie Gesundes Leben hat den / die „Berater/in Darmgesundheit“ als Weiterbildungsangebot in ihr Programm aufgenommen. Informationen und Termine erhalten Sie unter www.akademie-gesundes-leben.de oder telefonisch unter 06172 / 3009 – 822
  • Weitere Infos zu Deutschland gegen Darmkrebs unter www.darmspezialisten.de und www.felix-burda-stiftung.de

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