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Veganes Pärchen

Veganismus

Voll im Trend

Stand: 08.11.2016 (03.06.2013)

Etwa 700.000 Menschen in Deutschland ernähren sich vegan, verzichten also neben Fleisch auch auf alle Erzeugnisse vom lebenden und toten Tier. Zahlreiche Gründe sprechen dafür nachzuziehen: Respekt vor dem Lebewesen, Klimaschutz und das Potenzial, Zivilisationskrankheiten vorzubeugen.

Denn: Veganer sind im Schnitt deutlich schlanker als die Allgemeinbevölkerung, haben einen niedrigeren Blutdruck und zeigen bessere Blutfettwerte. Da sie keine Milch, Milcherzeugnisse oder Eier verzehren, geschweige denn Fleisch oder Fisch, ist ihre Aufnahme an gesättigten Fettsäuren niedrig und ihre Cholesterinzufuhr gleich null.

Stattdessen stehen Gemüse, Obst und Vollkornerzeugnisse auf dem Speiseplan. Die liefern vergleichsweise mehr Ballaststoffe, ungesättigte Fettsäuren und sekundäre Pflanzenstoffe. Außerdem ist ihre Energiedichte geringer, im gleichen Volumen stecken also weniger Kalorien. Als Folge dessen erkranken Veganer seltener an Diabetes Mellitus Typ 2 und Herz-Kreislauf-Erkrankungen als Fleischesser. Sogar manche Krebsarten kommen seltener vor.

Vegan ist in

Nach wie vor kritisch bewerten Experten allerdings die Frage zur Nährstoffversorgung. Insbesondere bei Vitamin B12, Calcium und Eisen kann es zu Engpässen kommen. Langzeitstudien zeigen, dass vor allem die Vitamin B12-Speicher mit der Dauer der veganen Ernährung stetig abnehmen. Veganer sollten deshalb alle drei Parameter regelmäßig testen lassen und mit ihrem Arzt über entsprechende Nahrungsergänzungsmittel beraten.

Weniger Treibhausgase

Und es gibt noch ein gutes Argument für eine vegane Ernährung: Die Produktion tierischer Lebensmittel erzeugt sehr viel mehr Treibhausgase als die pflanzlicher. Die Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) hat 2006 ausgerechnet, dass die Produktion von Fleisch, Milchprodukten und Eiern 18 Prozent aller weltweiten Treibhausgase verursacht und damit das Klima mehr belastet als der gesamte Verkehr.  

Interview mit Patrik Baboumian, dem stärksten Mann Deutschlands 2011, das zeigt, dass auch Menschen mit veganer Ernährung zu sportlichen Höchstleistungen fähig sind:

Herr Baboumian, Sie ernähren sich seit eineinhalb Jahren vegan. Warum?

Ich habe mich viele Jahre vegetarisch ernährt. Das ist mir leicht gefallen, weil ich Fleisch nie besonders gern mochte. Dann wurde ich bei den Strongman-Meisterschaften im August 2011 Stärkster Mann Deutschlands". Dadurch stand ich plötzlich stärker im Blickpunkt der Öffentlichkeit und habe viel positives Feedback zu mir und meiner Ernährung erhalten. Das hat mich gefreut und mir gleichzeitig ein schlechtes Gewissen bereitet, weil ich das Gefühl hatte, meiner Vorbildrolle nicht gerecht zu werden. Eine Umstellung auf vegan reizte mich schon lange, aber ich hatte nicht den Mut dazu.

Wie haben Sie die Umstellung auf die vegane Ernährung erlebt?

Sie war viel einfacher, als ich dachte. Meine Sorge, den Proteinbedarf nicht decken zu können, erwies sich als unbegründet. Mit Bohnen, Erbsen und Nüssen habe ich gute pflanzliche Alternativen gefunden. Außerdem gibt es vegane Proteinpulver, die ich in Wettkampfphasen nutze. Auf Milch und Milchprodukte konnte ich ebenfalls verzichten, denn nach wenigen Wochen war das Bedürfnis weg. Man sieht: Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Im Nachhinein ärgere ich mich, nicht viel früher damit angefangen zu haben.

Wie kam Ihre Entscheidung im engen Familien- und Freundeskreis an?

Meine Mutter und meine Verlobte waren zunächst schockiert - und ernähren sich jetzt selbst vegan. Und das, obwohl ich sie diesbezüglich nicht beeinflusst habe. Als Psychologe weiß ich, dass dies uneffektiv ist. Der Antrieb jedes Einzelnen muss von innen heraus kommen. Ich darf nur inspirierend wirken.

Hatten Sie Bedenken, Ihre sportliche Leistungsfähigkeit einzubüßen?

Anfangs ja. Aber heute bin ich stärker als je zuvor. Ich liege heute bei 130 Kilogramm bei einer Körpergröße von 170 Zentimetern. 2012 habe ich vier Weltrekorde gebrochen und wurde Europameister im Kraftdreikampf.

Gibt es etwas, das Sie angehenden Veganern mit auf den Weg geben möchten?

Die größte Herausforderung ist, die ersten Wochen zu überstehen. Deshalb: Sich vorher gut informieren. Was kann ich wo kaufen? Welche Lebensmittel kann ich noch essen? Ein Beispiel: Klare Apfelsäfte werden oft mit Gelatine geklärt. Also muss ich mich beim Hersteller erkundigen, ob das auch für meine Marke zutrifft, oder direkt auf naturtrüben Saft zurückgreifen.

Auch das Internet ist eine super Hilfe, weil ich darüber von der Erfahrung anderer Veganer profitieren kann. Und: den Mut dazu haben. Eine vegane Ernährung ist heute viel einfacher, als noch vor 20 Jahren. Schon im herkömmlichen Supermarkt bekommt man viele vegane Lebensmittel, sogar Eiscreme, Sahne oder Käse.

Aber Hand aufs Herz - lässt sich ein Analogkäse mit dem Wunsch zur Naturbelassenheit vereinbaren?

Zugegeben: Der goldene Weg ist sicher, so selbstständig und unabhängig wie möglich zu sein. Ich habe einen großen Garten und versuche, viel selbst anzubauen. Aber solche Produkte machen anderen Menschen den Weg leichter. Vor allem, wenn man nicht viel Zeit hat und auf Convenience-Food angewiesen ist.

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