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Steine mit Schriften

Körper und Seele in Balance

Neues Seminar an der Akademie Gesundes Leben

Stand: 01.02.2019

Mit ganz einfachen Körper- und Mental-Übungen werden wir entspannter, glücklicher und können sogar langfristige Ziele besser erreichen – wie’s geht, vermittelt ein neues Seminar an der Akademie Gesundes Leben, das „Mind & Body-Training“.

Hui, ganz schön wackelig! Ich stehe auf meinem rechten Bein, lasse dabei den linken Fuß und zugleich meine Hände in der Luft kreisen, so wie alle SeminarteilnehmerInnen um mich herum. Einigen gelingt es leicht, anderen fällt es schwer, auch ich muss mich enorm konzentrieren, damit ich die Balance halte. Der einbeinige „Storchenstand“ zieht meine Aufmerksamkeit komplett auf sich, alle Gedanken sind wie weggeblasen – und das ist so gewollt! Gedankenstopp, raus aus der Grübelfalle: der mentale Sinn der Übung, die auf körperlicher Ebene zudem schön die Gelenke lockert.

Ein Freitagnachmittag in der Akademie Gesundes Leben in Oberursel: Ein gutes Dutzend Frauen und ein Mann haben sich angemeldet zum Seminar „Mind & Body-Training“ bei Dieter Bund. Und alle haben ganz konkrete Fragen: Wie kann ich am Abend wirklich abschalten? Wie kann ich mich in der Mittagspause besser entspannen?Wie werde ich meinen verspannten Nacken los? So verschieden die Lebensumstände sein mögen, in den Fragen zeigt sich, was die TeilnehmerInnen erhoffen: schnelle Tools zum Abschalten und Entspannen, die sich jederzeit im Alltag einbauen lassen.

Zum Start: Lockerungsübungen für Körper & Geist

Und als hätte er das geahnt, startet Seminarleiter Dieter Bund mit Lockerungs-Übungen. Der Storchenstand gehört dazu, lockeres Armeschwingen,die Wirbelsäule drehen, die Schultern kreisen lassen, sich lang strecken („zu den Sternen greifen“) oder den Körper einfach schütteln und loslassen – schlichte Übungen, die jeder hin bekommt, verbunden mit tiefem Ein- und Ausatmen. So simpel,dass man sie „mal eben“ zu Hause oder im Büro absolvieren kann. Wie wichtig das speziell für „Schreibtischtäter“ ist, weiß Dieter Bund aus eigener Erfahrung.

Er war als Marketingleiter im Verlagswesen tätig, bis er genug hatte von der 50-und-mehr-Stunden-Woche im Büro und sich beruflich noch mal neu orientierte. Heute arbeitet er als Stressmanagement-Trainer und Qigong-Lehrer –und wirkt dabei derart entspannt,dass sich das fast schon automatisch überträgt. Lächelnde Mienen nach der Lockerungsstunde, gelöstes Lachen, die kleinen Tools beginnen zu wirken. Aber wie genau funktioniert’s? Das erläutert Dieter Bund im anschließenden Theorie-Exkurs in die Neurowissenschaft. „Wir wissen heute: Körper, Geist und Psyche bilden ein Ganzes, sind über die Netzwerke in unserem Gehirn miteinander verknüpft, beeinflussen sich gegenseitig.“ Das Nervensystem könne daher nie gleichzeitig angespannt und entspannt sein: „Wenn wir körperliche Verspannungen lösen, baut sich auch seelischer Stress ab und wir werden innerlich ruhiger.“

Es funktioniert auch andersrum, ergänzt er: Wer sich schöne Gedanken macht, stärke damit seine körperliche Kraft. An etwas denken, das uns Wohlgefühl bereitet, an den Partner und die Kinder, an einen Lieblingsplatz, das sei eine gute mentale Methode, Stresspuffer im Alltag aufzubauen. Sein Beispiel, das sofort wirkt: „Eine Minute hüpfen. Das lockert den Körper, kurbelt den Kreislauf an und hebt unsere Stimmung. Gerade dann, wenn mal wieder Sorgen und Trübsal an uns nagen, ein tolles Gegenmittel.“

„Körper, Geist und Psyche bilden ein Ganzes, sind im Gehirn miteinander verbunden und beeinflussen sich gegenseitig“

Dieter Bund, Dozent an der Akademie Gesundes Leben

Embodiment, zu deutsch: Verkörperung, heißt das in der Fachsprache. Und dieses Wort wird zum Leitbegriff des Seminars. In den zwei Tagen werden wir immer wieder trainieren, wie wir nützliche und positive Erfahrungen im Alltag machen oder sie uns vorstellen können. Denn damit lassen sich Wohlbefinden, Gesundheit und innere Ressourcen aufbauen. Zum Glück ist Dieter Bund ein erfahrener Seminarleiter. Er weiß, wann der Wechsel zwischen Theorie und Praxis nötig ist, um alle bei Laune zuhalten. Immer wieder wechseln sich daher Lockerungs-Übungen und theoretische Erläuterungen ab. Und zwischendurch arbeitet er mit visuellen Mitteln, etwa Fotos.

Da ist zum Beispiel das Bild vom Strand am Meer. Die meisten verknüpfen damit schöne Erfahrungen an einen Urlaub. „So ein Bild kann mir auch in einer Stress-Situation helfen, indem ich es eine Minute lang anschaue, mich dann mit allen Sinnen aus der Erinnerung heraus ans Meer versetze, den Wellen lausche, das Salz rieche ...“ Eigentlich sind es ganz einfache Mittel, die vielleicht viele ohnehin intuitiv benutzen, wenn sie sich aus einem Tief holen wollen. Die gute Nachricht dazu lautet: Ich muss nicht wirklich ans Meer reisen. Es genügt, mir meinen Traumstrand eine Minute lang intensiv auszumalen.

Teamwork: bewusste Gedanken & unbewusste Gefühle

Denn die Kraft der Gedanken ist erstaunlich. Und sie nutzen wir am 2. Tag, der unter einem neuen Schwerpunkt steht: die Motto-Ziel-Findung. Hier können wir spielerisch in kleinen Gruppen erproben, wie wir es schaffen, ein selbst gesetztes langfristiges Ziel zu erreichen. Jeder kennt das, sagt Dieter Bund: Wenn man etwa abnehmen möchte, sagt der Verstand: ‚Das Stück Kuchen isst du jetzt nicht.‘ Aber dann funke das Unbewusste dazwischen und das bewertet nicht nach richtig oder falsch, sondern danach, ob etwas Genuss und Freude, Ärger oder Schmerz verursacht. Und oftmals sei der gute Vorsatz deshalb rasch dahin.

Sein Fazit:„Ziele können wir viel leichter erreichen, wenn unsere bewussten Gedanken und unsere unbewussten Gefühle ein Team bilden.“ Körperempfindungen, Gefühle und Fantasie sind der Schlüssel zum Unbewussten. Wir halten also nach positiven Bildern und Gefühlen Ausschau, die uns helfen, ein Ziel zu erreichen. Um auf das Ziel „abnehmen“ zurückzukommen, könnte es so klappen: Ich schließe die Augen und stelle mir ganz genau vor, wie es sich anfühlt, wenn ich leichter durchs Leben gehe. Wie ich wieder in mein Lieblingskleid passe, wie der Stoff sich an meine Haut schmiegt. Wie ich mit Vergnügen tanzen gehe und leicht übers Parkett schwebe ... Es genügt, sich für diese mentale Meditation morgens und abends ein paar Minuten Zeit zu nehmen, versichert der Seminarleiter. Aber man müsse es regelmäßig tun. „Unser Gehirn nimmt die Form dessen an, worauf wir regelmäßig unsere Aufmerksamkeit richten.“ Er benutzt dazu ein Gleichnis aus der Natur: „Ein schmaler Pfad im Wald verschwindet unter Laub. Wenn wir den Pfad öfter gehen, wird er nach und nach zum richtigen Weg.“

Als ein sehr wirkungsvolles Instrument lernen wir zum Schluss des Seminars die „Heilenden Laute“ kennen. Diese Form der Qigong-Meditation kann man im Stehen, Sitzen oder Liegen ausüben. Sie basiert aus fünf unterschiedlichen, den zentralen Organen wie Herz, Lunge oder Niere zugeordneten Lauten und Bewegungen. Wenn wir die Hände auf das Organ legen und den Laut sagen, leiten wir negative Emotionen und Energien wie Ärger, Stress, Kummer wie durch ein Ventil aus dem Körper. Zugleich werden die Organe mit frischer Energie versorgt und die Meridianbahnen im Körper geöffnet. Es ist das, was ich mitnehme nach Hause: Wenn ich mal wieder zu lange am Computer gehockt habe oder nicht abschalten kann, weiß ich jetzt, was schnell hilft: aufstehen, alle Glieder schütteln, hüpfen, dehnen, zur Entspannung von Kiefer und Faszien laut den Wohlfühllaut „Ah“ sagen und wie ein Storch auf einem Bein stehen. Und wenn ich dann über mich selber lachen muss, umso besser: Auch Lachen dehnt die Faszien, aktiviert und lockert Muskeln. So einfach – und so wirksam.

Die heilenden Laute

Qigong-Übung: Der Zyklus beginnt bei der Lunge und endet mit dem sogenannten „Dreifachen Erwärmer“.

1. Tief einatmen. Beide Hände auf die Lunge legen und „Ssssss“ sagen, bis alle Luft ausgeatmet ist.

2. Wieder tief einatmen, Hände hinten auf die Nieren legen und dann ausatmend ein langes „Tchuuuuu“ sagen.

3. Einatmen und Hände auf die Leber legen, ausatmen mit dem Laut „Schschschsch

4. Einatmen und Hände aufs Herz legen, ausatmen mit dem Laut „Haaaaaaaa“.

5. Einatmen und Hände auf den Bauch (Milz, Magen, Bauchspeicheldrüse) legen, ausatmen mit „Chchchchch“

6. Dreifacher Erwärmer: Einatmen, mit den Armen durch die Luft kreisen, bis sie sich über dem Kopf treffen, die Hände vor dem Körper nach unten führen, ausatmen mit „Hiiiih“.

Den Zyklus mehrmals hintereinander wiederholen.

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