Ist dieser Sport gut für mich?

Neues auf dem Fitness-Markt

Stand: 13.06.2016

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Der Fitness-Markt ist immer in Bewegung – doch was ist wirklich neu und wert, es auszuprobieren? Wir haben die wichtigsten Trends zusammengestellt und unseren Experten, den Sportwissenschaftler Prof. Ingo Froböse, um eine kurze Einschätzung gebeten.

Body weight training

Wie funktioniert es?

Sie trainieren nur mit dem Gewicht Ihres eigenen Körpers. Eine Vielzahl von Übungen lässt sich so absolvieren – auch ganz klassische wie Kniebeugen und Liegestütze. Positiv ist, dass Sie sich gut für zu Hause ein kleines Programm zusammenstellen können. Integration von Bewegung in den Alltag ist einer der Haupttrends des Jahres und wird es sicher auch in Zukunft bleiben. Aber auch in Studios wird das Body Weight Training angeboten.

Was bringt es?

Je nach Zusammenstellung der Übungen sorgt Body Weight Training in verschiedenen Körperregionen für Kraftzuwachs. Prof. Froböse schätzt an dem Training mit dem eigenen Körpergewicht, dass „es den ‚natürlichen‘ Bewegungen folgt. Im Gegensatz zu anderen Krafttrainingsformen werden keine isolierten Muskelgruppen trainiert, sondern ein Ganzkörpertraining absolviert, das viele Muskelgruppen gleichzeitig anspricht.“

Für wen es geeignet?

Im Prinzip ist Turnen für jeden geeignet, egal ob Anfänger oder Fortgeschrittener. „Der absolute Vorteil des Trainings mit dem eigenen Körpergewicht ist, dass es unabhängig vom Leistungsstand ist. Denn die Intensitäten sind individuell steuerbar. Anfänger sollten zu Beginn jedoch einen erfahrenen Sportler hinzuziehen, um die Übungsausführung richtig zu erlernen“, empfiehlt der Experte.

Vibrationstraining

Wie funktioniert es?

Viele Fitness-Studios bieten die sogenannten Powerplates an. Dabei steht man auf einer vibrierenden Plattform und lässt sich durchrütteln. Idealerweise absolviert man zusätzlich kleine Übungen.

Was bringt es?

Sportwissenschaftler Prof. Ingo Froböse: „Vibrationstraining finde ich gut, denn die tiefste Muskulatur, die mitten im Körper angesiedelt ist, wird natürlich stimuliert.“ Sein Fazit: als Ergänzung des Trainings super, als Alternative schlecht.

Für wen geeignet?

Da eine korrekte Körperhaltung wichtig ist, wird bei Kindern von einem Training abgeraten. Auch bei Arthrose und mit Gelenkersatz ist es nicht ratsam.

Elektrostimulationstraining (EMS)

Wie funktioniert es?

Beim EMS-Training werden Muskeln durch Strom stimuliert und dadurch aufgebaut. Schon seit 50 Jahren wird EMS von Physiotherapeuten eingesetzt. Prof. Froböse: „Die primäre Aufgabe von EMS besteht darin, Defizite gezielt zu beheben, insbesondere dann, wenn Personen nicht selbst in der Lage sind, Muskelkontraktionen zu entwickeln, zum Beispiel bei immobilisierten Gelenken. Im Bereich der Therapie und Gesundheit ist EMS anerkannt und etabliert.“

Neu ist, dass die Elektrostimulation in Studios für alle angeboten wird. Dabei werden nicht nur einzelne Muskeln stimuliert. Mithilfe von Elektroden in einem Ganzkörperanzug werden alle großen Muskelgruppen unter Strom gesetzt. Und zwar während der Trainierende über Halteübungen einen Widerstand aufbaut. Die Intensität reguliert der Trainer, Ziel ist die maximale Auslastung des Muskels.

Was bringt es?

Die Muskeln werden zum Wachsen angeregt, die Kraft steigt. Schon zweimal die Woche 20 Minuten Training reichen für einen messbaren Effekt.

Für wen es geeignet?

Prinzipiell für jeden Gesunden, „allerdings sollte das EMS im alltäglichen Training nicht alleine stehen, sondern eher als ergänzende Methode gesehen werden“, erläutert Prof. Froböse. „Außerdem gehört das EMS-Training nur in ‚gute Hände‘ von ausgebildetem Personal.“

Faszientraining

Wie funktioniert es?

Im Prinzip ist Faszientraining eine weiterentwickelte Dehnungsmethode mit Lockerungs-Übungen. Oft wird es kombiniert mit Yoga oder Pilates. Die Blackroll, eine Schaumstoffrolle (in verschiedenen Größen) ermöglicht Übungen, die auch in tiefer gelegene Gewebeschichten eine Wirkung zeigen. Doch was sind eigentlich Faszien, Prof. Froböse? „Faszien sind das zentrale Organ zur Körperwahrnehmung. Sie sind für die Kraftübertragung von Muskel zu Muskel zuständig. Sind die Faszien verspannt oder verklebt können Sie besonders im Rücken Schmerzen verursachen.“

Was bringt es?

„Faszienrollen wie die Blackroll können gegen den Schmerz wirken. Um langfristig fitte Faszien zu haben, sollte jedoch im Training bewusst auf dynamische Drehungen oder exzentrische Trainingsformen gesetzt werden.“ Also etwa beim Pilates oder Yoga. Das stärkt das Bindegewebe und hält die Faszien elastisch.

Für wen es geeignet?

Für jeden.

Freeletics

… und ähnliche Anbieter mit einem Hochintensitäts-Training

Wie funktioniert es?

Training mit Sport-Apps liegt voll im Trend. Mit dem Online-Coach hat man immer im Blick, wie es um die individuelle Fitness steht. Außerdem werden geboten: Übungsanleitungen für Wohnzimmer, Büro und außerhalb plus ein Forum, um sich mit Gleichgesinnten zu Sporteinheiten draußen zu verabreden. Der neue Kult zur Körperertüchtigung treibt viele zur Höchstleistung.

Was bringt es?

Freeletics fördert die Motivation und gibt Anleitung für ein umfangreiches Fitness-Programm in Eigenregie.

Für wen geeignet?

„Diese Trainingsform vereint Bewegungsabläufe, die jeder seit seiner Kindheit kennt. Daher ist von den Inhalten diese Form des Workouts für jeden geeignet“, erläutert Prof. Froböse und schränkt dann ein: „Nur die Intensität ist ein Faktor, den man bei der Auswahl des Training beachten muss. Untrainierte können schnell an ihre Leistungsgrenze gelangen. Achten Sie auf die Signale des Körpers. Besonders wenn erste Erschöpfungssignale auftreten ist eine konzentrierte Ausführung der Übungen nicht mehr gewährleistet. Die Gefahr für Verletzungen steigt.“

Hammock oder Aerial Yoga

Wie funktioniert es?

Eine Art Hängematte dient als Übungsgerät und ermöglicht, auch kopfüber zu agieren.

Was bringt es und für wen ist es geeignet?

Prof. Froböse ist skeptisch:„Ich empfehle, sich eher auf die Grundformen des Trainings zu besinnen. Besonders als Anfänger müssen zuerst die Grundübungen des Yogas erlernt werden. Bewegungsabläufe sind noch ungewohnt und müssen gefestigt werden. Das fällt auf dem Boden deutlich leichter als in der Luft. Für erfahrene Yogis ist das Aerial Yoga sicherlich eine nette Abwechslung.“

Unser Experte: Prof. Ingo Froböse, der führende Bewegungsexperte in Deutschland. Er leitet das Zentrum für Gesundheit und Bewegung an der Deutschen Sporthochschule Köln.

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