Tierisch gut drauf

Haustiere machen glücklich und gesund

Stand: 16.02.2018 (16.02.2018)

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Wer ein Haustier hat, weiß: Hund, Katze, Pferd oder Maus verwöhnen die Seele. Außerdem sorgen sie als Therapeuten für Gesundheit, Fitness und Kontakte. Ein Hoch auf alle geliebten Vierbeiner.

Die Kommunikation ist direkt. Unverfälscht und ehrlich. Schwanzwedeln, wenn Frauchen nach Hause kommt. Katzenschnurren: Kraul mich weiter, ich fühle mich wohl. Der Umgang mit Tieren tut uns deshalb so gut, weil „sie uns auf einer archaischen unbewussten Ebene ansprechen“, erklärt Katja Dienemann, Naturcoach und viele Jahre als Therapiebegleithunde-Team aktiv. Begegnungen zwischen Mensch und Tier sind vielfältig. Emily Schofield freut sich über ihre Schildkröte: „Es ist einfach süß, wenn sich in dem steingrauen Panzer und Kopf sein Mäulchen öffnet und eine winzige rosa Zunge erscheint.“ Und Hundefreund Carsten Greve hat sich mit Golden-Retriever-Hündin Rosa einen lang gehegten Wunsch erfüllt: „Durch sie wird mein Leben entschleunigt, ich bin gezwungen rauszugehen bei Wind und Wetter, das finde ich klasse.“ 30 Millionen Deutsche haben ein Haustier und schwärmen in den höchsten Tönen. Kein Wunder, dass das Zusammensein von Tier und Mensch auch die Forschung beschäftigt hat. Ergebnis: Haustiere sind gesund für Körper, Geist und Seele. 

Früher lief der Ochse vorm Pflug

Seit Jahrtausenden machen sich Menschen die Kraft und sinnlichen Fähigkeiten von Tieren zunutze. Rinder, Esel und Pferde wurden als Last- und Arbeitstiere domestiziert. Im Mittelalter waren Schweine die tägliche Müllabfuhr, die die Abfälle in den Städten auffraßen. Kanarienvögel waren im Bergbau unter Tage Anzeiger für Kohlenmonoxid und Katzen hielten Ratten – und damit indirekt die Pest – in Schach. Heute sind Hunde-Spürnasen bei der Polizei und der Bergwacht im Einsatz, um Leben zu retten. Speziell ausgebildete Diabetes-Warnhunde riechen, wann eine Unterzuckerung droht. Das Leben von Schafen können spezielle Hütehunde bewachen. Therapien mit Pferden oder Delfinen lösen beispielsweise bei Spastikern Verspannungen. Viele Behinderte, wie etwa Blinde, könnten ohne vierbeinige Assistenten gar nicht selbstständig leben und würden vereinsamen, da sie sich ohne Hilfe draußen nur schwer orientieren könnten.

Der direkte Hautkontakt beim Streicheln setzt Glückshormone frei. Stupst Waldi am Arm und fordert eine Runde Ausgang, pusht er das Gefühl geliebt zu werden. „Du bist die Beste“, meint Frauchen zu verstehen. Und schon reagiert der Körper: Ein Cocktail vielerlei Hormone verursacht ein Glücksgefühl. Die Folge sind niedriger Blutdruck, eine ruhigere Herzfrequenz, Entspannung.

Schon allein ein sorglos schlafender Hund signalisiert uns: keine Gefahr im Verzug. Auch du kannst loslassen – so geben es uns unsere Erfahrungen aus Urzeiten vor, als der Wachhund vor Bären oder Wölfen warnte.

Beim Spielen mit Hase und Hamster ist es dasselbe: Wir lachen, freuen uns. Stresshormone sinken, die Glückskurve steigt. Katja Dienemann: „Das stärkt auch das Immunsystem. Hundebesitzer sind seltener krank, nehmen weniger Medikamente und sind weniger depressiv.“ Neben der Freude am Tier gibt es einen weiteren Grund: Hundehalter bewegen sich viel mehr als andere Menschen. Forscher der Glasgow Caledonian University stellten fest, dass Hundebesitzer täglich 22 Minuten länger spazieren gehen. Das entspricht ungefähr 2760 zusätzlichen Schritten. Und in den USA kam man auf ähnliche Ergebnisse: Mit Hund bewegen sich Menschen mehr als ein Drittel über der Mindestzeit an Bewegung von wöchentlich zweieinhalb Stunden. Nach einem Herzinfarkt kommen Hundehalter auch wieder besser auf die Beine als Erkrankte ohne Fiffi. Klingt kurios, ist aber wissenschaftlich untersucht worden: Gebrochene Knochen heilen schneller, wenn eine Katze auf dem Schoß hockt und schnurrt. Die österreichischen Forscher führen das auf die sachte Vibration beim Schnurren zurück und entwickelten daraufhin einen Schnurrapparat für Arthrosekranke.

Katja Dienemann sieht noch einen weiteren Wohlfühlfaktor bei der Tierhaltung: „Die Verantwortung für ein Tier vermittelt ein Gefühl der Kompetenz.“ Das zeigt sich beispielsweise bei Schulhunden. Wenn Schulkinder Füttern, Gassi gehen, das Abwaschen der Fressnäpfe und Fellpflege übernehmen, lernen sie Verantwortung. Erklärt man ihnen, der Hund brauche nach der action etwas Ruhe, sind sie anschließend rücksichtsvoller und beim Lernen konzentrierter. „Die Sorge für ein Tier, das folgt und sich freut, ist ein Erfolgserlebnis. Und das wiederum stärkt das Selbstwertgefühl nach dem Motto ,Ich habe die Kontrolle. Ich bin wer‘“, erklärt Tierexpertin Dienemann.

Das macht sich auch im Strafvollzug positiv bemerkbar. Ein Experiment in den USA ergab, dass Schwerverbrecher, die besonders widerspenstige Hunde zu erziehen hatten, ebenfalls zu umgänglicheren Mitmenschen wurden. Sie wollten Vorbild sein.

„Soziale Schmiermittel“ nennt Autor und Wolfsforscher Kurt Kotrschal Hunde. Das macht sich nicht nur bei gesunden, jungen Menschen beim Kennenlernen und Flirten im Park bemerkbar, sondern wirkt auch in Seniorenheimen und Krankenhäusern. Demenzkranke profitieren von tierischen Helfern. Der Hamburger Verein „4 Pfoten für Sie“ bildet ehrenamtliche Menschen für einen Besuchsdienst bei Demenzkranken aus. „Wir wollen Menschen mit Demenz den Kontakt und Aktivitäten mit Hunden ermöglichen, die ihre Bewegung und Erinnerung fördern und Spaß und Abwechslung im oft eintönigen Alltag bieten“, sagt Inga Struve, Koordinatorin des Projekts, das 2013 ins Leben gerufen wurde. Oft erinnern sich die Dementen an eigene Hunde und das Streicheln lässt Gefühle und Erlebnisse wieder aufleben. Den Grund für all das Positive fasst Katja Dienemann zusammen: „Tiere sind unvoreingenommen und beurteilen Menschen nicht nach Alter, Schönheit, Behinderung. Sie zeigen ihre Zuneigung unvoreingenommen. Ob der Sittich am Ohr knabbert oder die Ratte in der Armbeuge schlummert: Hat man einem Tier sein Herz geschenkt, hilft es dem Menschen mit seinem puren Dasein – als Mitbewohner, Fitnesstrainer, Therapeut oder Heiler.

Daisy Preidel mit Rico (25)
Mein Haflinger-Mix und ich kennen uns schon 16 Jahre. Ich ritt als Kind auf ihm, hatte dann ein paar Jahre keinen Kontakt und fragte irgendwann bei seiner Besitzerin nach, wie es Rico geht und besuchte ihn. Es war schlimm: Er war verwahrlost, stand allein im Stall. Nach einem halben Jahr war für mich klar: Ich muss ihm helfen. Ich kaufte ihn, stellte ihn bei einem Bauern mit anderen Pferden zusammen. Das war alles nicht einfach, denn Rico kam zuerst nicht mit anderen Pferden klar, hatte dann ein schlimmes Ekzem. Aber wir haben es gepackt! Rico ist ein herzensgutes Tier, sehr kinderlieb, ruhig und ausgeglichen. Obwohl ich mitten in Hamburg wohne, fahre ich vier, fünf Mal in der Woche für etliche Stunden zu ihm aufs Land. Ausmisten, Fellpflege und Stallarbeit machen meinen Kopf frei und entschleunigen mich. Rico ist für mich durch nichts zu ersetzen, das Zusammensein mit dem Pferd ist mir eine Herzensangelegenheit, für die mir weder Geld noch Zeit zu viel sind.

Stefanie Theile und Katze Fritzi (11)

Vielleicht klingt das komisch, aber ich teile mein Leben mit Fritzi. Sie hat ihre Routine, ich meine. Sie schläft, ich sitze am Computer. Wenn das zu lange dauert, kommt sie zu mir, mauzt mich an. Das heißt: „Ich will jetzt raus, mach mal die Tür auf.“ Da merke ich, dass auch ich dringend eine Pause einlegen und mit ihr eine Runde spielen muss. In gewisser Weise passt sie auf mich auf. Außerdem ist Fritzi eine 1-A-Trösterin: Wenn sie schnurrt, verfliegt Frust und Missmut; das macht mich immer froh. (Foto oben)

Carsten Greve und Golden Retriever Rosa (1)

Rosa gehört jetzt seit über einem Jahr zur Familie und jeder von uns kümmert sich um sie, aber eigentlich habe ich sie mir gewünscht. Ich gehe meist morgens vor der Arbeit mit ihr laufen. Und wir besuchen zwei Hundeschulen mit Rosa. Eine ist für die Basiserziehung, die andere, um das Verständnis für die Hündin zu vertiefen. Rosa ist ziemlich sensibel. Für mich ist das Zusammenleben mit Rosa eine Bereicherung: Sie freut sich immer, ist unvoreingenommen und bringt wirklich viele, viele Glücksmomente ins Leben. Es kommt von ihr immer ein ehrliches Feedback. Einen Hund zu haben ist traumhaft schön.

Emily Schofield und Hassan (25)

Wir sind gleich alt, meine maurische Landschildkröte und ich. Früher habe ich gedacht: Das soll ein Tier sein? Ein großer Panzer mit vier dünnen Beinchen? Es ist faszinierend, mit einem solchen Urtier zusammenzuleben. Hassan ist ja nun wirklich nicht kommunikativ. Aber wenn ich in den Garten komme, er seinen Hals lang macht, den Kopf rausschiebt und nach mir guckt, rührt mich das – auch, wenn es nur ums Futter geht. Man freut sich halt über die kleinste Regung. Und ich staune nach wie vor, wie fix er ist. Im Sommer flitzt er draußen rum, im Winter kriecht er gerne in Papiertüten – und hält in Etappen seinen Winterschlaf.

Kristin von Essen und Flöckchen (10 Monate)

Meine beiden Söhne haben sich so sehr einen Hasen gewünscht. Da man Kaninchen nicht alleine halten soll, haben wir uns dann spontan gleich für drei entschieden: Brownie, Cookie und Flöckchen. Inzwischen bin ich selber ganz verliebt in unsere Fellnasen. Sie haben alle einen unterschiedlichen Charakter und ich beobachte sie gerne. Allerdings machen sie wahnsinnig viel Dreck! Stall und Gehege sauber zu machen, erdet mich aber irgendwie. Ich bin an der frischen Luft und bekomme den Kopf frei. Und meine Jungs sind so stolz, endlich ein Haustier zu haben!

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