Mann fährt Rad

Es läuft rund

Bewegung auf dem Fahrrad

Stand: 29.05.2017 (29.05.2017)

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Die große Freiheit: Vor 200 Jahren bewegte sich zum ersten Mal ein Mensch auf zwei Rädern vorwärts. Seitdem hat das Fahrrad eine lange Erfolgstour zurückgelegt. Die Etappen: gesunde Bewegung und viel Spaß.

Erinnern Sie sich noch an den Film „Zwei Banditen“ über die Western-Ganoven Butch Cassidy und Sundance Kid? Nein, nicht an Verfolgungsszenen, sondern die eine, als Paul Newman mit Katherine Ross auf dem Lenker durch sonnendurchflutete Obstwiesen fährt. Unter Apfelbäumen vorbei an grasenden Rindern und verliebt. Ein Sinnbild für das, was Fahrradfahren ausmacht: Freiheit und Glück.

Wenn in den kommenden Wochen der Sommer so richtig loslegt, dann werden die Räder hierzulande wieder aufgepumpt, geputzt, Klingel und Lampe kontrolliert – und los geht’s. Radfahren ist Breitensport und beliebtes Freizeitvergnügen. Und jedes Jahr nimmt die Begeisterung für das Fahrrad zu.
 

  • 4.350.000 Fahrräder wurden 2015 in Deutschland verkauft
  • 350 Kalorien verbrennen 30 Minuten gemütliches Radfahren
  • 3. Juni ist der Tag des Fahrrads 

Am Anfang war das Laufrad

Seit 200 Jahren läuft es rund fürs Rad. 1817 erfand der Mannheimer Karl von Drais ein Gefährt, bei dem man sich mit den Füßen abstoßen konnte und an dem die Räder vor- und nicht nebeneinander montiert waren. Ähnlich dem heutigen Laufrad für die Kleinsten. Danach ging es fix weiter: Erfindung der Pedale und immer wieder neue Modelle. Darunter auch das Damenrad ohne Querstange, damit die Röcke nicht in den Speichen hängenblieben. Hosen kamen für Frauen erst in den 1920er-Jahren in Mode.

Ganze Berufszweige wurden vom Fahrrad abhängig: allen voran der Postbote und heute Fahrradkuriere, die Staus umfahren und schnell Waren ausliefern. In letzter Zeit werden Lasträder immer beliebter – zumindest in Großstädten: Sie können in zugeparkten Innenstädten besser halten und sind häufig schneller als LKWs.

Überhaupt erlebt das Rad seit einigen Jahren ein Hoch gegenüber dem Auto, das jahrzehntelang Platz eins in der Mobilität belegte. In den Fahrradstädten Oldenburg und Münster werden 40 Prozent aller Wege per Rad zurückgelegt. Radfahren boomt. Immer mehr Städte bauen Radwege aus und richten Leihstationen ein, an denen sich jeder für eine Stadtstrecke ein Rad mieten kann. Gründe: zunehmendes Umweltbewusstsein, mehr Bewegung, größere Mobilität. Auto- oder Radfahrer? Für viele beinahe schon ein Glaubenskrieg, wenigstens aber eine politische Haltung. Jeder Zweite der 81 Millionen Deutschen hat zwar ein Auto, aber insgesamt kurven 71 Millionen Fahrräder durch die Gegen

Auf zwei Rädern

Laufrad – der Vorläufer des Fahrrades, aber noch ohne Pedale. Erfunden von Karl von Drais, der ebenfalls die Draisine entwickelte. Ähnlich den Laufrädern für kleine Kinder.

BMX – bicycle motorcross (X steht für engl. Cross = Kreuz): kleine Räder, hoher Lenker, stabil und sicher mit Stoßdämpfern. 1963 erfunden.

Mountainbike – ein amerikanischer Rennfahrer stattete sein Rennrad mit Autoreifen und Federung aus: Die Geburt des Mountainbike 1970.

Rennrad – aerodynamisch gebaute Räder aus leichten Materialien wie Titan oder Carbon und ohne Licht, Gepäckträger und andere Gewichtmacher.

Rikscha – in Japan entwickeltes Zweirad, das von einem Menschen gezogen wird. Inzwischen gibt es auch Fahrrad- rikschas.

Tandem – ein Rad für zwei, die gemeinsam treten.

E-Bike – auch Pedelec genannt. Ein Hilfsmotor unterstützt den Fahrer. Maximal 25 km/h sind zugelassen. Für schnellere S-Pedelecs gelten andere Versicherungspflichten.

Wer radelt, lebt gesünder

Eindeutiges Plus des Radfahrens: die Gesundheit. Wilhelm Hörmann, Verkehrsreferent vom ADFC, dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club in Berlin: „Im Rahmen einer mehrjährigen dänischen Studie an 30.000 Personen ist festgestellt worden, dass Radfahrer im Durchschnitt länger leben als Nicht-Radfahrer.“ Eine andere Studie – ebenfalls aus Dänemark –  fand heraus, dass 30 Minuten Radfahren pro Tag das Erkrankungsrisiko um 40 Prozent reduziert. Die Gründe sind vielfältig: Die Bewegung an der frischen Luft kräftigt die Lungen und bringt frischen Sauerstoff in das gesamte Herz-Kreislauf-System. Und nicht nur dahin: Auch die Gelenke werden mit Sauerstoff versorgt. „Durch die kreisförmige, regelmäßige Beinbewegung können die Gelenkknorpel optimal mit Sauerstoff versorgt werden – und werden so auch vor Arthrose geschützt“, sagt Experte Wilhelm Hörmann.

Alles fließt – auch die positiven Gedanken

Radeln hält aber nicht nur fit. Auch der Psyche tut es gut. Oder wie Michael Klonovsky in der „Kleinen Philosophie der Passionen: Radfahren“ schreibt: „Das Fahrrad ist ein Therapiegerät. Auf ihm können jene unvermeidlichen Trübsinnsanfälle, die den Menschen hin und wieder heimsuchen, genauso bekämpft werden wie ein veritabler Kater.“ Beweis: eine Studie aus Großbritannien mit 800 Erwerbstätigen, die ein Jahr lang regelmäßig mit dem Rad zur Arbeit fuhren und im Schnitt einen Tag weniger krank geschrieben waren als Kollegen der Kontrollgruppe – und sie waren mental besser drauf als die Autofahrer und Fußgänger.

Eigentlich kein Wunder, denn Stress durch Staus oder Parkplatzsuche fallen flach. Die Weltgesundheitsbehörde (WHO) hat in einer weltweiten Verkehrsstudie „aggressive Verhaltensweise“, „soziale Abschottung“ und sogar Depressionen bei Autofahrern ausgemacht. Solche psychischen Probleme umfahren Radler. Außerdem schüttet der Körper nach 30 bis 40 Minuten körperlicher Aktivität wie Radfahren die Glückhormone Endorphin und Adrenalin aus.

Also, nichts wie rauf aufs Fahrrad, den Frühlingswind im Gesicht spüren und einfach drauf- los fahren! Den Duft von frischem Wiesengrün, das Muhen einer Kuh, Vogelgezwitscher und Sonne auf der Haut gibt es gratis dazu.
 

Fünf Fragen an unseren Experten

Matthias Faber, Sportwissenschaftler und Fahrradexperte

ReformhausKurier: Es heißt immer Fahrradfahren sei so gesund. Was genau bewirkt radeln denn?

Matthias Faber: Das gesamte Herz-KreislaufSystem wird gestärkt. Und es werden Muskeln  aktiviert, die normalerweise nicht so viel beansprucht werden: Beine, Rücken.

Wie geht das genau?

Man kann fast die ganze Körpermuskulatur beanspruchen. Beim Treten die Beine, den Rücken durch die leicht vorgebeugte Haltung, die Arme durch das Abstützen am Lenker. Dabei werden Rücken und Knie nicht belastet, denn der überwiegende Teil des Körpergewichts lagert auf dem Sitz und muss nicht wie beim Gehen getragen werden.

Was ist besser: auspowern oder moderat ein Stündchen durch die Gegend radeln?

Die Sportwissenschaft gibt Regeln vor: Die Herzfrequenz darf nicht zu hoch sein, sollte also im Optimalfall kontrolliert werden. Ich halte das für zu kompliziert. Es ist gut, wenn Leute überhaupt etwas machen: Wer jede Woche ein Mal Sport treibt, also eine halbe Stunde Rad fährt, hat viel für sich getan. Hauptsache: Nicht drinnen sitzen, draußen Spaß haben. Ob man sich zu sehr verausgabt hat, merkt dann jeder schon von sich aus.

Kann man auch etwas falsch machen?

Wer gleich mit voller Power losfährt, wird sich übernehmen. Und wer seine Reifen nicht vollständig aufgepumpt hat, wird keine große Freude haben, denn das macht das Fahren schwerer. Aber eigentlich kann man nichts falsch machen.

Sie waren Hamburger Meister im BMX-Rennen, sind täglich in Hamburg mit dem Rad unterwegs. Was fasziniert Sie persönlich so sehr am Radfahren?

Einerseits ist es großartig, sich aus eigener Muskelkraft bis zu 25 km/h schnell fortzubewegen oder beispielsweise einen Hügel herunterzurollen. Zweitens beruhigt mich Radfahren auch. Die fließende Bewegung – das ist einfach schön. 

Weiterlesen und informieren

„Das Fahrrad“ von Haseop Jeong, Seungyeon Cho, Gerstenberg, 14,95 Euro: vom Hochrad zum E-Bike – die höchst informative, originell illustrierte Geschichte auf zwei Rädern

„Lob des Fahrrades“ von Marc Augé, C. H. Beck, 14,95 Euro: Der französische Ethnologe beschreibt amüsant die Revolution der Fortbewegung

Urlaub mit dem Fahrrad? Unter www.adfc.de gibt es jede Menge Infos und zum Herunterladen eine Broschüre mit 165 Touren in Deutschland. Oder www.fahrradreisen.de anklicken

Wer historische Fahrräder ansehen möchte, kann das im Deutschen Fahrradmuseum in Bad Brückenau tun. www.deutsches-fahrradmuseum.de.

Seminartipp: Gesundheitsberater / in (IHK) – Fünfteilige Weiterbildung mit IHK- Zertifikat

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