Reformhaus

Unsere inneren Ressourcen

Pandemie, Klimawandel, Krieg – was wir tun können, um uns nicht von den Umständen lähmen zu lassen

Die „bad news“ scheinen kein Ende zu nehmen. Das schlägt aufs Gemüt und weckt Ängste, zerrt an unserer Geduld und an den Nerven. Und dagegen scheint es kein Rezept zu geben – oder doch? Indem wir uns bewusst auf das besinnen, was uns im Alltag Energie und Freude gibt, können wir versuchen, besser durch Krisenzeiten zu kommen,

Die Pandemie, der Klimawandel und dann auch noch Krieg in der Ukraine – die Welt scheint aus dem Lot geraten. Und um es gleich zu sagen: Natürlich wollen wir hier weder Zweckoptimismus noch die Flucht aus der Realität propagieren. Denn die ist derzeit leider so, wie sie ist, wir können die Augen nicht davor verschließen. Und doch können wir, jede:r Einzelne von uns, etwas dafür tun, dass wir uns von den Umständen nicht lähmen lassen – indem wir uns auf die Dinge und Menschen besinnen, die unser Leben lebenswert, heiter und schön machen. Anders gesagt: Wenn wir unsere inneren Ressourcen finden, sie stärken und nutzen, kommen wir auch besser durch schwierige Zeiten.

Doch was genau sind denn eigentlich unsere inneren Ressourcen? Vermutlich sind sie vielen von uns nicht einmal bewusst. Weil wir im Alltag viel zu selten darüber nachdenken. Wenn ich einmal die Woche zum Yoga gehe, in den Aquarellkurs oder zum Chorsingen: Sind das dann schon Ressourcen? Die Antwort lautet: Ja, unbedingt! Denn indem wir etwa ein schönes Bild malen oder gemeinsam musizieren, beschäftigen wir uns intensiv mit etwas, das uns Freude bereitet und entspannt. Und damit nähren und unterstützen wir direkt und indirekt Seele, Geist, Körper und unsere Zuversicht.

Denn eines steht trotz aller schlechten Nachrichten fest: Wir Menschen neigen dazu, selbst in finsterer Zeit noch das Licht am Horizont zu sehen oder zumindest daran zu glauben. Und diese Grunddisposition sollten wir nutzen – und wann, wenn nicht jetzt? Wir geben Ihnen im folgenden Hinweise, wo Ihre inneren Ressourcen liegen und wie Sie diese nutzen können. Und am Ende werden Sie vermutlich erstaunt sein, was Sie in sich und in Ihrem Leben entdeckt haben, das jetzt und auch künftig zur Kraftquelle taugt.

Kreativ sein

Egal welches Hobby Sie haben, gerade jetzt sollten Sie es nicht vernachlässigen. Vielleicht spielen Sie ein Instrument, vielleicht malen oder schreiben Sie oder nähen sich Ihre Kleider, vielleicht gehen Sie wandern, angeln oder tanzen: Was auch immer Sie mit Begeisterung und Freude tun, kann Ihnen jetzt helfen. Denn wer kreativ ist, stimuliert sein Belohnungszentrum im Kopf, die Glückshormone dürfen hüpfen. Und wenn Sie nun aber gar kein Hobby haben? Dann steht es Ihnen jederzeit offen, ein früheres Hobby, das Sie irgendwann aufgegeben haben, wieder zu beleben.

Mal angenommen, Sie haben früher Klavier oder Gitarre gespielt: Wenn Sie ein Stück wieder spielen können, das Sie als junger Mensch geliebt haben, erfüllt Sie das mit Stolz und Freude. Und übrigens, auch im fortgeschrittenen Alter können Sie ja noch ein Instrument erlernen. Ihr Gehirn freut sich, denn durch Lernen und Üben entstehen sogar neue Zellen und Zellverbindungen. Oder Sie probieren es mit einem Laien-Chor. Singen ist nachweislich gesund, baut Stress ab, stärkt die Immunabwehr, aktiviert Lunge, Herz und diverse Muskeln. Und wenn Sie ganz bei der Sache sind, kommen Sie sogar in den Flow, bekanntlich der schönste Zustand beim Kreativsein – weil man dann alle Sorgen um sich herum einfach mal vergisst.

Neugierig bleiben

Das knüpft an den vorherigen Punkt „kreativ sein“ an. Wer sich für die Menschen und die Welt interessiert und öfter Neues ausprobiert, tut sich viel Gutes. Denn dann schüttet unser Gehirn Botenstoffe aus wie Dopamin und Acetylcholin, sogenannte Wohlfühlhormone. Nun kann es natürlich sein, dass Sie im Beruf viel Routine erleben und das auch nicht großartig ändern können. Bleiben Sie dennoch neugierig auf das Leben, etwas Neues starten geht ja auch gut im privaten Alltag. Probieren Sie neue Koch- oder Backrezepte aus. Freuen Sie sich, wenn der Kuchen oder das Ragout lecker schmeckt. Laden Sie spontan mal die netten Nachbarn zum Essen oder auf eine Tasse Tee ein. Oder überlegen Sie sich beispielsweise als nächstes Reiseziel ein Land oder eine Stadt, wo Sie noch nie zuvor waren.

Dankbar sein

Dankbarkeit gehört zu den elementaren guten Gefühlen, die Menschen empfinden können, und wirkt sich äußerst positiv auf die seelische und körperliche Gesundheit aus. Das belegen viele Studien der vergangenen Jahre. „Dankbarkeit hilft Menschen, sich auf das zu besinnen, was sie haben, anstatt sich auf Dinge zu konzentrieren, die ihnen fehlen“, so das Fachblatt „Mental Health Letter“. Also, fragen Sie sich: Wofür sind Sie dankbar? Für Ihre Gesundheit? Gute Freunde? Die Kinder, die ihren Weg gehen? Nichts davon ist selbstverständlich. Schreiben Sie es am besten auf. Bewusst und aufrichtig Danke sagen zu können für die Geschenke des Lebens zählt zu den stärksten inneren Ressourcen.

Kontakte pflegen

Vielleicht möchten Sie sich auch einmal bei den Menschen bedanken, mit denen Sie besonders schöne Stunden verbringen und die Ihnen bei Bedarf mit Rat und Tat zur Seite stehen. Dann ist jetzt der richtige Zeitpunkt dafür. Denn obwohl wir Familie und Freunde in den zwei Jahren der Pandemie weniger treffen durften, konnten wir doch via Telefon, Chat und soziale Medien Kontakt halten. Und das war auch gut so, denn der Mensch ist ein soziales Wesen. Und Gemeinschaft – in der Familie, unter Freund:innen, im Verein – macht uns glücklich und spornt uns an. Wir erzählen, lachen, schulen unsere Empathie. Dabei wird, weiß die Hirnforschung, das Bindungshormon Oxytocin ausgeschüttet. Und das wirkt äußerst positiv auf den gesamten Organismus, erhöht das Wohlsein und vermindert Stress. Denken Sie nach: Wer begleitet Sie durchs Leben? Ihr:e Partner:in, Ihre Kinder, alte Freund:innen oder gibt es auch neuere Kontakte? Wer ist Ihnen besonders wichtig? Machen Sie sich bewusst, wie geborgen Sie dank dieser Menschen im Leben sind.

Sich um andere kümmern

Andere unterstützen, ihnen helfen, macht glücklich. So sagt der US-amerikanische Wissenschaftler Martin Seligman, einer der Gründerväter der Positiven Psychologie: „Wenn es Ihnen so schlecht geht, dass Sie nicht mehr wissen, was Sie tun sollen, dann gehen Sie raus und helfen Sie einem anderen.“ Ganz klar, anderen helfen, für sie da sein, das vertieft Beziehungen und stiftet Sinn. Außerdem steigert es unser Gefühl von Selbstwirksamkeit. Also das Gefühl, etwas Gutes bewirken zu können, was gerade in Zeiten wie diesen seelisch hilft. Und zum Kümmern gehört auch das Schenken. Damit machen wir nicht nur den oder die Beschenkten, sondern auch uns selber glücklich.

Mehr noch: Wer etwas schenken möchte, beschäftigt sich mit dem / der anderen: Was könnte ihm / ihr gefallen? Und warum nicht etwas aussuchen, was man dann gemeinsam erleben kann, einen Gutschein für Kino, Konzert oder Restaurant? Denn eines wissen wir ja längst: Glück vermehrt sich wie von selbst, wenn wir es mit geliebten Menschen teilen.

In Bewegung bleiben

Nachweislich erhöht Sport die Produktion von Glückshormonen wie Serotonin, das Stressgefühle abbaut. Und bei gutem Wetter kann man ja jetzt auch wieder wunderbar draußen sporteln, Federball spielen, radeln, joggen, Tai-Chi und Yoga machen. Bewegung an der frischen Luft ist und bleibt das Beste, was wir gerade jetzt für uns tun können! Herz und Kreislauf bleiben aktiv, alle Zellen tanken Sauerstoff, die Immunabwehr wird gestärkt und unsere Seele. Auch super: Tanzen! Die positiven Effekte sind enorm. Tanzen stärkt Herz und Kreislauf, Muskeln, Gelenke und Bindegewebe, es schenkt gute Laune, stärkt das Selbstbewusstsein und die Kommunikationsfähigkeit. Das bestätigt u. a. der Oldenburger Musikkognitionsforscher Prof. Gunter Kreutz („Warum Singen glücklich macht“).

Glücksmomente sammeln

Immer wieder empfehlenswert: das „Glücks-Tagebuch“, in dem man sich in Stichworten schöne Momente notiert. Und bitte nicht nur die großen, oft berühren uns eher kleine Augenblicke ja viel tiefer. Bewusst erlebte Glücksmomente und daran geknüpfte Erinnerungen helfen uns, wenn alles dunkel erscheint, schneller wieder nach vorne zu schauen. Also: Was hat Sie in den letzten Monaten glücklich gemacht? In welchen Momenten waren Sie total happy? Was waren die Auslöser – die Menschen, mit denen Sie zusammen waren, die Umgebung, vielleicht Ihr Lieblings-Urlaubsort, ein Hobby, eine Begegnung, ein Fest? So ein Schreibritual ist übrigens noch wirksamer am Morgen; wer gut gestimmt morgens startet, für den darf es so weitergehen. Auch andere Zeit-für-mich-Rituale stimmen freundlich auf den Tag ein – Yoga, Meditation, ein heißer Tee. Damit können wir trotz allem, was uns belastet, unsere Gefühle und Gedanken auf das Positive lenken. Und damit auf die Hoffnung, dass wieder bessere und friedlichere Zeiten kommen.

Seelische Stärke fördern; 3-teilige Ausbildung

Als Resilienztrainer:in unterstützen Sie Menschen in der Entwicklung persönlicher Ressourcen, neuer Denk- und Handlungsmuster. Sie entwickeln individuelle Maßnahmen für Einzelberatungen, Coachings sowie Gruppentrainings. Die hohe Praxisrelevanz unterstützt Sie im nachhaltigen Begleiten von Menschen durch Belastungssituationen. Erprobte Modelle der körperlich-geistigen Gesundheit mit modernen und innovativen Impulsen aus der aktuellen Resilienz-Forschung kombiniert.

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Frauke Döhring

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