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Klimawandel: Die Seele leidet

Wie wir in kleinen Schritten unsere Selbstwirksamkeit stärken können

Klimawandel. Ein papierner Begriff, der jedoch mit jeder Überflutung, jedem Orkan, jedem Buschbrand, aber auch jedem gerodeten Wäldchen und jeder zugebauten ehemals grünen Wiese vor der Haustür Gefühle in uns nährt, die die Psychologie näher untersucht hat.

Da ist zum einen die „Solastalgie“, das Gefühl des Verlustes und der Trauer, wenn es in der vertrauten Umgebung zu Umweltveränderungen kommt, denen man sich hilflos ausgeliefert fühlt. „Dadurch wird das Identitäts- und Kontrollgefühl bedroht. Man nennt es auch das Heimweh, obwohl man zuhause ist“, erklärt Dr. Maxie Bunz vom Umweltbundesamt. „Dem zu begegnen ist nicht ganz einfach, weil die Veränderung ja tatsächlich stattfindet. Deshalb sollte man sich auf das besinnen, was noch da ist, die Verbindung zur Natur suchen und sich überlegen, wie man das am besten schützen kann.“

Die Eco-Anxiety hingegen bezeichnet ein unterschwelliges und doch sehr präsentes Gefühl von Angst, das durch umweltbezogenes, drohendes Unheil verursacht wird, das aber noch in der Ferne liegt. Wie gehen wir damit um? „Grundsätzlich ist Angst eine normale Reaktion auf eine reale Bedrohung wie den Klimawandel. Sie schärft unsere Wahrnehmung, der Körper stellt Energie bereit und bereitet uns darauf vor, zu handeln. Wir können diese Energie auf vielfache Weise kanalisieren, indem wir aktiv werden und uns fragen: Wie ernähre ich mich, woher beziehe ich meinen Strom, wie bewege ich mich fort? In welchen Gruppen kann ich mich engagieren, was wäre für mich ein nachhaltiges Projekt, in meinem Garten oder in der Nachbarschaft? Das führt auch wieder zu einem stärkeren Sozialverbund, was so wichtig für uns Menschen ist. Tatsächlich kann man
bereits durch kleine Schritte das Gefühl von Selbstwirksamkeit stärken.“ 

Außerdem empfiehlt Dr. Bunz, Achtsamkeit zu praktizieren, um die Selbstwahrnehmung zu stärken und den überwältigenden Charakter von Emotionen zu mildern. „Achtsamkeit ermöglicht es mir, Gefühle einzuordnen, sie anzunehmen und da sein zu lassen, in dem Wissen, dass sich Emotionen, sofern sie nicht unterdrückt werden, schnell wandeln. Es hilft mir auch zu verstehen, was auf körperlicher Ebene geschieht, wenn ich z. B. Angst habe. So fühlt man sich weniger ausgeliefert und stärkt die eigene Resilienz.“

Dr. Maxie Bunz, Umweltbundesamt


Kurz mal innehalten!

  • Singen und Summen als Stressableiter: Ob es der Lieblingssong oder eine Melodie ist, die Ihnen gerade einfällt, ist nicht entscheidend, beide haben denselben Effekt. Durch Singen und Summen kommen Zwerchfell und Stimmlippen in Bewegung und dies stimuliert und erfrischt die unsichtbaren Energiezentren des Körpers.
  • Regelmäßige Stopps einlegen: Vergessen Sie getrost die Idee, alles, wirklich alles perfekt erledigen zu wollen. Stattdessen setzen Sie auf konsequente Stopps alle 90 Minuten. Unser Organismus braucht die Zeit, um alle Stoffe und Funktionen kurz zu checken und nachzuladen. Gönnen Sie ihm deshalb zehn Minuten Ruhe und stellen sie sich dabei vor, wie regenerative Kraft Ihren Körper durchströmt wie ein goldener Fluss.
  • Eins nach dem anderen: Eben noch achtsam, jetzt wieder im Stress? Muss nicht sein. Gestalten Sie sich einen Anker, der Sie in Zeiten der Hektik runterbringt: Verteilen Sie am Computer, am Kühlschrank, der Haustür, dem Garderobenspiegel Post-Its mit dem Text: Denk dran, dran zu denken! Fällt Ihr Blick auf einen Anker, dreimal tief und bewusst ein- und ausatmen, dann erst fahren Sie in Ihrer Tätigkeit fort – und zwar statt drei Dinge auf einmal zu machen, arbeiten Sie immer schön eins nach dem anderen ab.
Redaktion

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