Brennnessel - Heilpflanze des Jahres - AdobeStock

Brennnessel - Rheumamittel am Wegesrand

Prof. Dietrich Grönemeyer über die Heilpflanze

„Ich könnte sie küssen, Professor.“ … So fröhlich kam mein erster Patient mit einer gutartigen Protatavergrößerung in meine Ambulanz. Ich hatte ihm durch ein Brennnesselmedikament seinen eingeschränkten Harnfluss verbessern können.

Die Große Brennnessel (Urtica dioica) ist seit Menschengedenken eine bedeutende und zunehmend neu entdeckte Heilpflanze! Ihre Einsatzgebiete sind vielfältig. Sogar die unangenehmen „Verbrennungen“ durch die Pflanze können eine therapeutische Komponente haben. Insbesondere Menschen mit rheumatischen und schmerzhaften Gelenkerkrankungen profitieren davon, sich die betroffenen Stellen mit einem Bund frischer Kräuter abzuklopfen. Sicherlich, die wenigsten können sich dazu durchringen. Aber gerade als Rückenspezialist begeistern mich die schmerzlindernden Effekte der Brennnessel, mit denen sich die Gabe von nicht-steroidalen Entzündungshemmern (NSAR) senken lässt.

Neben der traditionellen, äußerlichen Behandlung bei Gelenk und Rückenbeschwerden wird die Brennnessel auch innerlich zur unterstützenden Behandlung bei leichten Muskel- und Gelenkschmerzen eingesetzt. Die Blätter der Brennnessel haben abschwellende, entzündungshemmende und harnfördernde Eigenschaften. Traditionell wird die Brennnessel auch bei leichter Blutarmut (Anämie) verwendet. Besonders die Blätter besitzen einen hohen Gehalt an Eisen sowie Vitamin C, welches dem Körper hilft, das Eisen besser aufzunehmen. Da die Brennnessel darüber hinaus viele Mineralstoffe enthält wie Mangan, Calcium, Kalium, Silicium und Magnesium sowie Vitamin K, eignet sich ein Tee aus Brennnessel auch sehr gut als Stärkungs- und Aufbaumittel zur Vermeidung von Infektionen bzw. nach Infektionen.

Wer seinen Gelenken zusätzlich zur ärztlichen Behandlung etwas unter die Arme greifen möchte, der kann eine Tee-Kur von bis zu 4 Wochen machen: Dazu 3-mal täglich 2 TL (2–4 g) frische oder getrocknete Blätter mit 150 ml kochendem Wasser aufgießen und 10–15 Minuten abgedeckt ziehen lassen. Und auch wer Nierengrieß oder Entzündungen der ableitenden Harnwege vorbeugen oder sie behandeln möchte, kann den Tee ebenfalls für 2 bis maximal 4 Wochen als Durchspülkur nutzen.

Bitte nicht anwenden bei: Ödemen aufgrund eingeschränkter Herz- und Nierentätigkeit, in der Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Kindern unter 12 Jahren.

Wissenschaftlich anerkannt ist die Brennnessel für ihre positive Wirkung bei: 

  • rheumatischen Beschwerden, Arthrose und Arthritis (unterstützende Behandlung, Blätter)
  • entzündlicher Harnwegserkrankung (Blätter)
  • Miktionsstörungen* bei gutartigem Prostataadenom, Stadien I–II (Wurzel)

Zum Weiterlesen

„Selbst heilen mit Kräutern“
 

von Friederike und Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer

Becker Joest Volk Verlag

29,95 Euro

Prof. Dietrich Grönemeyer

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