E-Mail

Tibetische Ernährungslehre

Kraftquellen aktivieren

In der tibetischen Heilkunst wird einer gesundheitsfördernden Lebensweise und richtigen Ernährung größte Aufmerksamkeit gewidmet. Unser Experte Florian Ploberger stellt wichtige Grundzüge der tibetischen Ernährungslehre vor.

altAnschaulich schildert eine überlieferte Anekdote, wie der Arzt Jivaka des Buddha seine Schüler aufforderte, in der Natur nach Pflanzen Ausschau zu halten, die keinerlei Heilwirkung aufweisen. Einige Schüler kamen bereits nach kurzer Zeit zurück. Sie trugen Wurzeln, Früchte eines Baumes, Blüten etc. Nur ein einziger kam erst nach drei Tagen mit leeren Händen wieder und erhielt ein großes Lob seines Lehrers: Denn es gibt nichts in der Natur, das keinerlei Heilqualitäten besitzt.

In Tibet kennt man schon lange den besonderen Wert von Pflanzen und ihre Bedeutung in der Ernährung. Die Lehre darüber wird im bedeutendsten Werk der tibetischen Medizin (rGyud-bZhi: „Vier Tantra der Medizin“) ausführlich behandelt. Es werden Art und Vielfalt von Nahrungsmitteln und Getränken und deren Anwendungsgebiete erläutert, Vorsichtsmaßnahmen und das Prinzip der richtigen Menge beschrieben. So kann der übermäßige Verzehr von bestimmten Speisen oder Getränken Störungen verursachen.

Die Körperelemente

Nach der Lehre der tibetischen Medizin bauen Nahrungsmittel und Getränke die fünf Körperelemente Feuer, Wasser, Erde, Luft und Raum auf oder ab. Werden miteinander unverträgliche Nahrungsmittel gemeinsam eingenommen, kann es zu Verdauungsstörungen kommen. Auch unregelmäßige Mahlzeiten und zu große Portionen verursachen Probleme. Junge und kräftige Menschen werden durch unbekömmliche Essgewohnheiten weniger beeinträchtigt.

Die richtige Menge

Die Nahrung soll zum richtigen Zeitpunkt und in mäßigen Mengen aufgenommen werden. Dies richtet sich nach Körperstatur und Verdauungskraft. Wichtig ist auch, eine Unterscheidung zwischen schwerer und leichter Nahrung vorzunehmen. Leicht verdauliche Speisen kann man bis zur vollständigen Sättigung essen, wogegen man den Magen mit schwer verdaulicher Kost nur bis zur Hälfte füllen sollte. Unabhängig von Alter, Statur und Geschlecht gibt es eine allgemeine Regel, die bei sorgsamer Beachtung zur Erhaltung der Gesundheit beiträgt: Teilen Sie Ihren Magen in Ihrer Vorstellung in vier Teile ein. Füllen Sie zwei Viertel mit festen Nahrungsmitteln, ein Viertel mit Flüssigkeit und lassen Sie das restliche Viertel für Verdauungsaktivitäten frei.

Sechs Geschmacksrichtungen

Es gibt bei Speisen und Getränken sechs Geschmacksrichtungen, die den Elementen zugeordnet werden. Nach diesem Verständnis sind alle fünf Elemente in essbaren Substanzen vorhanden. Jeweils zwei vorherrschende Elemente bestimmen den Geschmack:

  • Erde und Wasser: süß
  • Feuer und Erde: sauer
  • Wasser und Feuer: salzig
  • Wasser und Luft: bitter
  • Feuer und Luft: scharf
  • Erde und Luft: herb

Je nachdem, welche Kräfte verstärkt oder beruhigt werden sollen, rücken gewisse Nahrungsmittel in den Vordergrund, andere sind zu meiden bzw. dürfen nur in geringen Mengen verzehrt werden. So fördert der süße Geschmack beispielsweise Körperkraft und Vitalität und ist für ältere, jugendliche und sehr schlanke Personen geeignet. Saurer Geschmack dagegen fördert die Körperhitze und macht zufrieden. Zu viel Saures verursacht schlaffe Muskulatur, Juckreiz und verschlimmert Infektionen.

alt

Tsampa – Speise der Tibeter

Ein typisches Grundnahrungsmittel der Tibeter ist Tsampa, ein Brei aus geröstetem Getreidemehl, üblicherweise Gerste. So bereiten Sie ihn zu:

  1. Gerstenkörner auf einem Backblech verteilen und für etwa 15 Minuten auf 170 °C erhitzen.
  2. Danach geben Sie die gerösteten und nussig riechenden Gerstenkörner in eine Getreidemühle und mahlen sie fein.
  3. Für den Brei das geröstete Mehl in eine Schüssel füllen, mit Tee oder Buttertee übergießen und verrühren.

Durch das Rösten ist dieser Teig ohne weiteres Backen oder Kochen essbar.

Alternativ: Man kann den Tee auch zuerst in die Schüssel gießen und dann das Mehl zufügen – es kommt auf das richtige Verhältnis von Tsampa und Flüssigkeit an. Die Masse wird normalerweise mit den Fingern geknetet. Tibeter geben Yakbutter zur Verbesserung von Geschmack und Stabilität hinzu.

Viel Spaß beim Ausprobieren und guten Appetit!

 

Reformhaus Ratgeber

Diverse Reformhaus Ratgeber
erhalten Sie in Ihrer Filiale oder
[hier als Download]