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Gelassen bleiben

Mut zur Lücke

Ob Job oder Familie, Freizeit oder Aussehen – in allen Bereichen wollen wir möglichst perfekt sein. Doch damit machen wir uns das Leben bloß schwer, Gelassenheit und Lebensfreude bleiben auf der Strecke.

altWir sind zu Profis in jeder Lebenslage geworden. Alles zugleich. Alles perfekt. Formen das Ich, das Leben als Gesamtkunstwerk – und gern mit einer Portion zur Schau getragener Lässigkeit. Wir kontrollieren, perfektionieren und optimieren jeden Winkel unseres Seins. Wir reden nicht – wir kommunizieren. Wir laden nicht zu Spaghetti ein – wir veranstalten ein perfektes Dinner. Und wer am Abend einfach so abhängt, hat sein Leben nicht im Griff.

Auf der Hetzjagd nach Perfektion verausgaben wir uns permanent und haben keine Zeit mehr für die schönen Dinge des Lebens. Zudem macht die ständige Sorge, nicht gut genug zu sein, einsam. Wer sich nie gut findet, zieht sich aus Selbstschutz oft zurück – und landet in der Isolation. Woher kommt unser Streben, alles hundertprozentig zu machen? Einen Grund nennt der Autor und Psychoanalytiker Wolfgang Schmidbauer: „Perfektionismus dient dazu, Selbstwertgefühlsmängel auszugleichen.”

Das richtige Maß

Das Streben von Perfektionisten sei nicht an der Realität orientiert, sondern an einer Utopie. Man versuche das Fehlerhafte, die Unvollkommenheit zu ignorieren. „Der Genuss, das Menschliche mit seinen Schwächen und Brüchen – all das ist diesen postmodernen Power-Perfektionisten fremd”, so Schmidbauer. „Doch das geht irgendwann einmal ans Eingemachte.”

Dabei ist es keineswegs falsch, sich anzustrengen und die eigenen Möglichkeiten auszuschöpfen. Natürlich macht es Spaß, eine Sportart oder ein Instrument richtig zu beherrschen und nach einem Wettbewerb auf dem Siegertreppchen zu stehen. Gesunder Ehrgeiz ist ein wichtiger Motor, damit wir unsere Ideen und Träume tatsächlich verwirklichen können. Doch sollten wir keine Angst davor haben, auf dem Weg dorthin auch einmal einen Fehler zu machen oder vielleicht sogar zu versagen. Zum Zwang darf das Kämpfen nicht werden. Wie so oft im Leben kommt es auf das richtige Maß an.

alt7 Tricks gegen Perfektionismus

  • Fast immer reichen 80 Prozent aus.
  • Seien Sie nicht so streng mit sich. Die Menschen mögen Sie auch weniger perfekt. Das macht sympathisch.
  • Versuchen Sie, Arbeiten zu delegieren und um Hilfe zu bitten.
  • Besinnen Sie sich auf Ihre Erfolge. Auch Kleinigkeiten sollten Sie sich auf Ihre „Gut gemacht”-Liste schreiben.
  • Stundenlang zu grübeln, warum man Fehler gemacht hat, raubt Kraft und Energie.
  • In kleinen Schritten kommen Sie leichter zum Erfolg als in großen.
  • Fragen Sie sich: Was macht mich wirklich glücklich und zufrieden in meinem Leben, und worauf kann ich verzichten?

Blickwinkel ändern

Die Weisen aller Kulturen werden nicht müde zu betonen, dass wir Glück, Befreiung und Zufriedenheit nicht draußen in der Welt, sondern in unserem Inneren suchen sollen. Wenn wir beginnen, uns aus dem Blickwinkel des „gut genug“ zu betrachten, gehen wir diesen Weg. Denn „gut genug” ist ganz allein in uns zu finden. Ein Maßstab, der nur für uns existiert. Er macht uns frei, unabhängig und gibt uns Gelassenheit.

Ziel ist, das nicht Perfekte zu akzeptieren und das Erreichte schätzen zu lernen. Dabei dürfen und sollen die selbstgesetzten Standards durchaus etwas über den eigenen Fähigkeiten liegen. Doch seien Sie gnädig mit sich selbst!

Heike Stüvel

Lesetipps:

  • Dranbleiben – die gelassene Art, Ziele zu erreichen, Wolfgang Schmidbauer, Herder Verlag
  • Lob des Mittelmaßes, Markus Reiter, oekom Verlag
 

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